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Grüne Gewissensprüfung

Es gibt sehr viele Grüne, die die Grünen Vorwahlen vorbehaltlos und aufrichtig gut finden und unterstützen. Die Facebook-Gruppe ist voll von teils prominenten Grünen, von Maria Vassilakou über Christoph Chorherr oder Beatrice Acheleke zu Volker Plass. Selbst Eva Glawischnigs Ehemann, Volker Piesczek, ist dabei.

Unter der Decke brodelt es jedoch gewaltig – die Vorwahlen haben bei den Grünen heftige Kontroversen ausgelöst. Soweit, so wenig überraschend, denn klarerweise ändern sich durch den Einzug von Öffentlichkeit in die Kandidatenlistenerstellung die Chancen für die einzelnen Kandidaten. Manche, intern weniger gut vernetze Kandidaten werden sich bessere Chancen ausrechnen, andere fühlen sich offenbar bedroht. Die enstprechenden Diskussionsthreads im Grünen Intranet sollen viele viele Seiten lang sein.

Schade, dass diese Debatte fast ausschließlich hinter geschlossenen Türen stattfindet. Als Ausnahme sei dieses Posting des Vorstandsmitglieds Markus Rathmeier erwähnt. Seine Message: “Die Grüne Basis sind WIR, nicht ihr.”

Insofern ist auch der Kommentar begrüßenswert, den der Grüne Bezirksrat Gerhard Ladstätter im Vorwahlen-Blog hinterlassen hat, denn er macht die Angst vieler Grünfunktionäre öffentlich. Ladstätter stellt uns sieben Fragen zu unserer Gesinnung und unserem Willen zur Mitarbeit (inklusive Einladung zum Flyerverteilen).

Leider zeugen diese Fragen kaum verhüllter Unfreundlichkeit nicht nur vom verkorksten Basisdemokratieverständnis eines Einzelnen, sondern könnten auch konkrete Relevanz haben: Meines Wissens wurde bislang noch keiner der Vorwähler vom Landesvorstand aufgenommen, obwohl die ersten Anträge vor vier Wochen übermittelt wurden, und der Landesvorstand wöchentlich tagt. Dazu kommt, wie ein anderer Grünfunktionär beim letzten Infoabend erzählt hat, dass unabhängig von uns 150 Anträge einer Migrantengruppe eingegangen sind, die, so fürchtet man, zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten gedacht sind. Da liegt die Vermutung nahe, dass alle Unterstützer einer Gewissensprüfung unterzogen werden sollen. Zudem haben die Grünen, wie Gerald Bäck entdeckt hat, schon mal vorsorglich ihre Mitmachbedingungen geändert. Will man die Möglichkeit schaffen, Unterstützer (=Vorwähler) auf Basis fehlender “Mitarbeit” zu entfernen?

Nicht nur Heinz Duschanek, Grüner Vorwähler, findet all das “..anmaßend. Ich mag keinen Ideologie-Test ablegen, nur weil ich wo drei Sätze mitreden will.” Jana Herwig hat den Ball konsequenterweise zurückgespielt, und stellt Ladstätter selbst sieben Fragen. Klaus Werner-Lobo wird deutlich:

olobo

Das Einzige, was stört, ist wieder einmal der Wähler.

7 replies on “Grüne Gewissensprüfung”

Genau diese Stimmung war in der Infoveranstaltung am 28.4. spürbar, die Angst lag deutlich in der Luft, was mich am 29. auch zu meinem Blogpost “Demokratie für Anfänger” inspiriert hat. Es gibt, mich inklusive, sehr viele Interessenten an diesem Versuch, die Grünen aus ihren selbstgebauten Verstecken zu locken, und zwar nicht weil wir interessiert wären, sie zu zerstören oder uns selbst ins gemachte Nest zu setzen, sondern weil uns der demokratische Prozess in diesem Land wichtig ist. Mir ist er sogar sehr wichtig und ich hoffe sehr, dass diese völlig irrationalen Ängste sich lösen und nicht derart ausarten, die gesamten Unterstützer der Grünen Vorwahlen samt und sonders abzulehnen. Das wäre zumindest für mich persönlich ein Grund mich von den Grünen dauerhaft zu distanzieren!

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