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Michael Andres und Michael Moser von der Uni Salzburg haben mir einen Fragebogen (gefühlt der hundertste in den letzten Jahren) zum Thema Weblogs geschickt. Das Ergebnis soll auf ZurPolitik.com veröffentlicht werden. Hier ein Auszug meiner Antworten:

Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen Ihr Selbstverständnis als Blogger_in:

  1. Der Subjektivität verpflichtet
  2. Interessenskonflikte immer transparent
  3. Quellen nennen

Was war Ihre ursprüngliche Motivation mit dem Bloggen zu beginnen?

Ist mir passiert. Brauchte zuerst nur Raum für meine Bilder und Texte.

In welchen gesellschaftlichen Bereichen sehen Sie Blogs generell als wirksames Instrument zur Unterstützung gesellschaftlicher Veränderungen?

Erstens, Gegenfrage: In welchen nicht? Zweitens beschränkt sich das nicht auf Blogs sondern ist ein Phänomen des Citizen Journalism und umfasst alle Sozialen Medien, v.a. auch Youtube & Co, Twitter, Facebook.

Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Blogs als Instrument der Diskussion und Meinungsbildung kritisch betrachten?

Der (grundsätzlich begrüßenswerte) Mangel an journalistischer (Selbst)-Zensur – im Gegensatz zu etablierten/kommerziellen Medien, wo Chefredaktion, Redaktionskonferenz und nicht zuletzt Anzeigenabteilung mitreden – kann in Fällen, wo es zwischen Privatsphäre und öffentlichem Interesse abzuwägen gilt, sehr leicht zu einer Verletzung ersterer führen.

Oft liest man die verkürzte Bezeichnung von Blogs als „Online-Tagebuch“. Wie definieren Sie Blogs?

Ein Blog ist ein Online-Journal aus der Ich-Perspektive, oft ohne journalistische oder kommerzielle Ambitionen.

Wie würden Sie, in drei Sätzen, die österreichische Blogosphäre beschreiben?

Klein, überschaubar, Wien-lastig.

Sind Sie der Meinung, dass Blogs in Österreich den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen? Falls ja, können Sie Beispiele hierfür anbringen?

Ja, mit der Betonung auf “mit”. Beispiele: DieTiwag.org, Die Grünen Vorwahlen oder Politikerblogs wie die von Peter Pilz oder Christoph Chorherr.

Wie würden Sie die österreichische Blogosphäre nach politischen Kriterien (z. B. rechts/links, liberal/konservativ etc.) einschätzen?

Eine Wahlempfehlungsaktion 2008, der viele Blogs gefolgt sind, hat in etwa eine 50:50-Stimmenverteilung zwischen Grün und LIF ergeben. Also eher links-liberal. Allerdings sind 2009 einige konservative Blogger dazugekommen.

Nennen Sie bitte drei österreichische Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?

„Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten“. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung und welche Verbindungen sehen sie zwischen Blogging und traditionellem Journalismus?

Blogger können Journalisten sein und Journalisten Blogger. Im Regelfall sind Blogger jedoch keine Journalisten und stellen diesen Anspruch auch nicht an sich. Die ganze (leidige) Diskussion rührt vielleicht daher, dass Journalisten durch Blogger ihr Meinungsmonopol bzw. ihre Gatekeeper-Funktion bedroht sehen.

Behindert Sie die medienrechtliche Ungleichheit von Blogger_innen im Vergleich zu Journalist_innen bei Ihrer bloggerischen Tätigkeit?

Eher die medienrechtliche Gleichheit: Die Impressumspflicht verunmöglicht anonyme Blogs – eine internationale Seltenheit. Meines Erachtens eine implizite, jedoch grobe Einschränkung der Meinungsfreiheit. Führt zur Schere im Kopf, da Blogger nicht die Möglichkeit haben, sich hinter Verlagen und deren Rechtsabteilungen (und Rechtsschutzversicherungen) zu verstecken.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Blogs und traditionellen Medien? Werden Blogs laut Ihrer Einschätzung von traditionellen Medien als Akteur im Informations- und Meinungssektor vom traditionellen Journalismus anerkannt und wie schätzen Sie das Konkurrenzverhältnis zwischen Weblogs und traditionellen Medien ein?

Vor allem in den letzten beiden Jahren haben viele Mainstream-Journalisten Blogs eröffnet (Barth, Klenk, Brodnig, Unterberger, Ortner, auch Armin Wolf auf Twitter). Dies wird zu einer Stärkung ihrer Stellung gegenüber ihren Arbeitgebern und Chefredakteuren führen. Es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, bis Redaktionen Cross-Posting-Verbote ausprechen.


Bumsti Strachnigg und seine Freunde von der Judä.., äh, Volksfront von Judäa:

Original wunderbar bebildert von Nattl. Ich wünsche mir eine Maschek-Adaption dieser Idee, bitte!


Heute will der Wiener Gemeinderat die Wiener SPÖ beschließen, im Februar in Wien eine Volksbefragung durchzuführen. Die Fragen sind derart suggestiv, dass sie mich an die einer unheilvollen Abstimmung vor 72 Jahren erinnern:

anschluss

Urteilt selbst:

1. Im Jahr 2000 wurde durch den Bundesgesetzgeber die Möglichkeit abgeschafft, Hausbesorger anzustellen. Eine bundesgesetzliche Neuregelung ist seither nicht zustande gekommen.

Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit geschaffen wird, neue HausbesorgerInnen (mit modernem Berufsbild) einzustellen?

JA / NEIN

2. Internationale Studien zeigen, dass die Ganztagsschule der entscheidende Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt sowie das Bildungsniveau der Bevölkerung deutlich hebt.

Sind Sie für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen in Wien?

JA / NEIN

3. Einige Großstädte (z. B. London, Stockholm) haben zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs eine Einfahrtsgebühr für das Stadtzentrum eingeführt (Citymaut). In Wien konnte durch die Verkehrspolitik (Ausbau öffentlicher Verkehr, Parkraumbewirtschaftung, Wohnsammelgaragen, Ausbau Radwegenetz) in den letzten Jahren der Autoverkehr in der Stadt deutlich reduziert werden.

Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden?

JA / NEIN

4. In Wien fahren täglich Nachtbusse von 0.30 bis 5.00 Uhr. Ein 24-Stunden-U-Bahn-Betrieb am Wochenende (Freitag und Samstag) kostet pro Jahr 5 Millionen Euro und bewirkt veränderte Fahrtrouten der Nachtbusse an Wochenenden.

Sind sie dafür, dass die U-Bahn am Wochenende auch in der Nacht fährt?

JA / NEIN

5. Seit 2006 wird in Wien ein freiwilliger Hundeführschein angeboten. Der Hundeführschein ist eine fundierte Ausbildung für Hundehalter/innen, bei welcher der richtige Umgang mit Hunden erlernt wird. Bei der Prüfung müssen die Hundehalter/innen zeigen, dass sie den Hund auch in schwierigen Situationen im Griff haben.

Sind Sie dafür, dass es in Wien für sogenannte “Kampfhunde” einen verpflichtenden Hundeführschein geben soll?

JA / NEIN

Quelle: ORF.at.

Die Volksbefragung soll laut ORF.at übrigens fast 7 Millionen Euro kosten – deutlich mehr als die Jahreskosten für den als teuer suggerierten Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Ubahnen.

Ein Schelm, wer einen Zusammenhang mit den im Oktober anstehenden Gemeinderatswahlen vermutet. Ein Missbrauch der Demokratie und schlimmer noch – ein krasser Fall von Dummheitsvermutung.

Via Christoph Chorherr.

EDIT: Ich habe den Titel von “Michael Häupl in Hitlers Tradition?” auf “Michael Häupls undemokratischer Sündenfall” umbenannt. Zu viele haben das statt als Vergleich einer Methode (suggestive Fragestellung) als Vergleich zwischen den Personen interpretiert. Das muss schließlich nicht sein – eine undemokratische Vorgangsweise macht den Wiener Bürgermeister selbstverständlich (dachte ich) noch lange nicht zum Faschisten.

Update: Den Grünen wurde der Stimmzettelentwurf zugespielt (via Marco on Facebook):

stimmzettel


Wenn sich ein Journalist und der Sprecher des Vizekanzlers öffentlich per Twitter und Weblog ein Scharmützel liefern, dann ist das ja recht amüsant.

Wenn der Sprecher des Vizekanzlers jedoch Menschen, die sich auf die Seite des Journalisten schlagen, öffentlich als “Jubelperserbeschimpft, dann ist da schon eine Grenze überschritten worden, finde ich.

Zuviel der Bürgernähe, Herr Kapp.

Bild 47


Aus der Reihe Comic-Übersetzungen – und passend zu “Netzdeutsch“:

Xing-Kontakte

(cc) Rob Cottingham | via ReadWriteWeb

Flatrate (wir nennen es Abo)

November 18, 2009  

An der Echtzeit-Funktion hapert’s noch ein bisschen. (Via Netzlogbuch)

Angewandte Ufologie

November 8, 2009  

Musste wieder mal ein Comic übersetzen:

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Im Original: Verschleierung, aus La Pulga Snob (Der versnobte Floh) des Argentiniers Andres Diplotti (via Microsiervos).


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  • 6.11.: Vortrag im besetzten Hörsaal 1 der TU Wien: Über Grassrootsbewegungen und die politische Macht von Online-Vernetzung
  • 7.11.: Gespräch mit Franz Zeller (Ö1) über Geo-Dienste und Openstreetmap, Lange Nach der Forschung, Akademie der Wissenschaften
  • 8.11.: Expertenpanel, Startup-Weekend Vienna, Microsoft Innovation Center
  • 9. bis 12. 11.: World Blogging Forum, Bukarest
  • 20.11., Innsbruck: Podiumsdiskussion der Grünen Wirtschaft über gesellschaftliche Implikationen technologischer Entwicklungen

 

Hier noch ein Rückblick auf den Digiday09 (inkl. Video meines Vortrages, leider tw. mit kaputtem Ton).

Update: TU Wien und Grüne Wirtschaft Innsbruck added.

Update 2: Slides des TU-Vortrags:


n97storm

..neben diesen Sturmtruppen Martin, Johannes Brötz, Richard Haderer (dem wer Permalinks erklären sollte), Erhard Wenger und Markus Huszar.

Ah, darum geht’s. Die Gewinner wurden aus allen Teilnehmern bei Meral, Ritchie, Luca, Helmut und mir (und natürlich auf Twitter, etc.) gezogen. Die Ziehung hat Mathias übernommen, heute abend werden die Handies im WerkzeugH übergeben.

Mein Testbericht wird noch ein bisschen warten müssen. Das N97 ist kein Handy, mit dem man schnell warm wird, die Gewöhnungsphase ist lang, zumindest für Menschen, die das Iphone gewöhnt sind. Ein Fazit jetzt würde eher schlecht ausfallen, aber ich geb dem Handy noch etwas Chance sich zu bewähren. Für Ungeduldige: Helmut Hackl hat die Problembereiche gut zusammengefasst. Für mich als Nicht-Symbian-Geübter kommt zumindest noch ein weiterer Minuspunkt dazu: Die Benutzerfreundlichkeit von Betriebssystem und Applikationen ist grottenschlecht. Dazu ein andermal mehr.

Photo (cc) by Julien Min GONG


Update 30 Juli: Der befragte Presse-Redakteur, Martin Stuhlpfarrer, hat per Email geantwortet. Ich veröffentliche sie mit seiner Erlaubnis unten, eingerückt.

presse

Sehr geehrter Martin Stuhlpfarrer,

in der “Presse am Sonntag” vom vergangenen Wochenende haben Sie den Artikel “Die grüne Facebook-Rebellin” über die Grünen Vorwahlen verfasst, prominent als Aufmacher des Wien-Teiles der Zeitung.

Es finden sich darin einige Ungereimtheiten und eigenartige Annahmen. Darum habe ich ein paar Fragen an Sie – ich würde mich über Antworten freuen:

  • Sie schreiben, Petra Köstinger, einer der 422 Grünen Vorwähler, habe die Grünen “ins Chaos” gestürzt. Mir ist entgangen, dass die Grünen in irgendein Chaos gestürzt wären. Wie kommen Sie darauf?

    Stuhlpfarrer: Landesgeschäftsführer Robert Korbei spricht offiziell (APA) von der größten Spaltung seit 10 (!) Jahren, Grüne Spitzenpolitiker korrigieren sich ständig, Parteistatuten werden hastig geändert, und Sie fragen mich: Wo ist das Chaos? Entweder haben Sie eine besonders origionelle Sicht auf die Dinge, oder es ist wie so oft im Leben: Die Innensicht ist anders als die Außensicht.

  • Sie beginnen mit “Eine Gruppe von Facebook- und Twitter-Nutzern rollt die gemütlichen Wiener Grünen auf” und setzen “Facebook” gar in den Titel. Da die meisten Vorwähler mit Twitter oder Facebook nichts am Hut haben, zur Kommunikation rund um die Grünen Vorwahlen aber auch Email, Telefon und abendliche Treffen eingesetzt wurden: Warum haben Sie Ihren Artikel nicht “Köstinger, die Email-Rebellin” genannt? Oder vielleicht “Die Fax-Rebellin” – immerhin kamen die meisten Anmeldungen ja per Fax.

    Stuhlpfarrer: Wenn Internet-basierte Dienste wie Facebook, Blogs & Co nicht der Motor hinter der Mobilisierung der Grünen Vorwähler waren, sondern das Fax, bin ich gerne bereit mich zu korrigieren.

  • Sie zitieren mich – wobei Sie meinen Namen falsch schreiben – wörtlich mit: „Unsere Gemeinderäte und Parlamente sind voll von Abgeordneten, die an uns Wählerinnen und Wählern vorbeigeschummelt wurden. (..) “ Der Satz steht auf gruenevorwahlen.at, stammt aber nicht aus meiner Feder (auch wenn ich mich mit ihm identifizieren kann). Wie kommt es dazu, dass Sie mir diesen Satz in den Mund legen?

    Stuhlpfarrer: (keine Antwort)

  • Wenn Frau Köstinger im Interview den Stadtrat David Ellensohn mit der Aussage zitiert, die Initiative sei ein Versuch der liberalen Kräfte, den linken Flügel zu entmachten, Sie diesen Satz dann aber einem “hohen Grün-Funktionär” zuschreiben, kann es sein, dass Sie zu bequem waren, zu recherchieren, wo er ihn gesagt hat, und ob wirklich? Wenn ja, hätten Sie ihn dann nicht besser weg gelassen?

    Stuhlpfarrer: (keine Antwort)

  • Was sagen Sie als Redakteur einer seit 1848 existierenden Qualitätszeitung dazu, wenn eine interviewte Person Ihren Artikel mit “Verzerrte Aussagen und Unrichtigkeiten auf Boulevard-Niveau” umschreibt?

    Stuhlpfarrer: Petra Köstinger habe ich als engagierte, kritische Frau kennengelernt. Deshalb bedauere ich, dass sie sich missverstanden fühlt – wobei es Fr. Köstinger natürlich frei steht, sich auf ihre Weise zu artikulieren. Ich habe auch Verständnis dafür, dass Fr. Köstinger als Diskurspartnerin und nicht als Rebellin bezeichnet werden möchte. Nur: Wenn eine Gruppe Grün-affiner Menschen beschließt alte Politikstrukturen aufzubrechen, massiv in die Listenerstellung der Grünen einzugreifen und eine Initiative startet um die bisherige (alte) Ordnung zu ändern, erlaube ich mir, das als Rebellion gegen politische Strukturen zu bezeichnen. Wenn Sie, Herr Fahrnberger, diese, meine Sicht als Niedergang des Qualitätsjournalismus bezeichnen wollen – weil sie nicht ihrer persönlichen Sichtweise entspricht – werde ich das nicht verhindern können. Ich kann nur wiederholen (siehe oben): die Innensicht ist hier offensichtlich eine völlig andere als die Außensicht.

  • Wenn Sie bei einem Interview “schemenhaft mitkritzeln”, wie die Interviewte berichtet, warum lassen Sie sich die Zitate, die Sie ihr in der Folge in den Mund legen, nicht wenigstens autorisieren?

    Stuhlpfarrer: (keine Antwort)

Es tut mir leid, Herr Stuhlpfarrer, wenn Sie nun ein bisschen den Frust abbekommen, der sich durch die vielen schlecht recherchierten Artikel unter den über 60 Presseberichten, die seit dem ersten April über die Grünen Vorwahlen erschienen sind, bei mir aufgestaut hat. (Verstehen Sie mich nicht falsch, die Presse war den Grünen Vorwahlen sehr gewogen, aber ich ziehe Qualität als Zeitungsleser einfach vor.) Ihr Artikel war auch sicher nicht der schlechteste unter diesen. Vielleicht muss ich nur endlich meine unrealistischen Vorstellungen über Qualitätsjournalismus (“Check, re-check, double-check”) über Bord werfen.

Stuhlpfarrer: Ich habe kein Problem wenn bei mir Frust abgeladen wird; ich habe auch kein Problem mit der Grünen Vorwahl-Bewegung, die ich durchaus als spannende Initiative sehe. Ich frage mich nur, warum in diesem Fall die Innensicht derart stark von der Außensicht abweicht. Und warum ich offensichtlich nicht der einzige bin, der diese(Außen)Sichtweise teilt.

Über eine Antwort würde ich mich dennoch freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
Helge Fahrnberger

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