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Letzte Woche war ich unter dem etwas großspurigen Titel “Mit dem Internet die Welt verändert” bei Alois Schörghuber im Ö1 Nachtquartier zu Gast. Hier die Aufzeichnung:

Die Themen:
(Auf Vimeo sind die Zeitangaben klickbar, aber erst wenn das ganze Video geladen ist)

03:18 – Blogging, Social Media
05:15 – Abgrenzung zu Journalismus
06:50 – ♬ Kutiman: Mother of all Funk Chords
11:25 – Die disruptive Kraft des Netzes
17:00 – “Wie verändern Sie die Welt mit dem Internet?”
18:50 – Anrufer 1: Wird die Rolle des Internets in der ägyptischen Revolution überschätzt?
21:50 – Anrufer 2: These, dass Internet ähnliche Rolle zukommt wie Erfindung des Buchdrucks
23:40 – Wikipedia
27:30 – Laafi und Laafi.at/Amazon
29:40 – ♬ Sour: 日々の音色
32:50 – Zur Facewall von ORF Contra
34:30 – Anrufer 3: Angst vor dem Internet
37:00 – Warum das Internet unsere Gesellschaft demokratischer macht
38:50 – Wie sehr wir negative Auswirkungen von Veränderung überschätzen
41:20 – ♬ Clazz: This is magic
42:50 – A comment a day
44:00 – Kobuk
47:20 – Wer finanziert Journalismus?

Ich wollte auch das vielversprechende Buch “Soziale Bewegungen und Social Media” (by Kellerabteil) empfehlen, aber irgendwie hat das Gespräch einen anderen Verlauf genommen. Sei hiermit nachgeholt.


Wer Wikileaks besser verstehen will, sollte das “Crypto Anarchist Manifesto” von Tim May aus dem Jahre 1988 (!) lesen. Da es keine gute deutschsprachige Version gibt, habe ich es übersetzt:
 

Das Krypto-Anarchistische Manifest

 

Ein Gespenst geht um in der modernen Welt – das Gespenst der Krypto-Anarchie.

Computertechnologie steht kurz davor, Einzelnen und Gruppen die Möglichkeit zu geben, miteinander auf völlig anonyme Weise zu kommunizieren und zu interagieren. Zwei Menschen können Nachrichten austauschen, Geschäfte führen und elektronische Verträge schließen, ohne jemals den echten Namen oder die Rechtspersönlichkeit des anderen zu erfahren. Interaktionen über Netzwerke werden durch umfassendes Umleiten von verschlüsselten Datenpaketen und manipulationssichere Boxen mit nahezu unknackbaren kryptographischen Protokollen nicht nachverfolgbar sein. Reputation wird von zentraler Bedeutung sein, in Geschäftsbeziehungen sogar weit wichtiger als die Bonitätsbewertungen von heute. Diese Entwicklungen werden die Natur der staatlichen Regulierung, die Möglichkeiten von Besteuerung und Kontrolle wirtschaftlicher Kreisläufe und die Möglichkeiten, Informationen geheim zu halten völlig verändern, ja sogar den Charakter von Vertrauen und Reputation.

Die Technologie für diese Revolution – und es wird sicherlich sowohl eine soziale als auch eine ökonomische sein – existiert theoretisch schon sein einem Jahrzehnt. Die Methoden basieren auf Asymmetrischer Verschlüsselung, Zero-Knowledge-Proof-Systemen sowie verschiedenen Softwareprotokollen für Interaktion, Authentifizierung und Verifizierung. Der Fokus lag bisher auf akademischen Konferenzen in Europa und den USA, die stark von der National Security Agency überwacht wurden. Doch erst seit kurzem haben Computernetzwerke und Personal Computer ausreichend Leistung, um diese Ideen praktisch durchführbar zu machen. Und die nächsten zehn Jahre werden genügend zusätzliche Geschwindigkeit bringen, um die Ideen wirtschaftlich machbar und im Wesentlichen unaufhaltbar zu machen. (..)

Der Staat wird natürlich versuchen, die Verbreitung dieser Technologie zu bremsen oder zu verhindern, unter Hinweis auf die nationale Sicherheit, die Verwendung der Technologie durch Drogenhändler und Steuerhinterzieher sowie aus Furcht vor gesellschaftlichem Zerfall. Viele dieser Bedenken werden zutreffen: Krypto-Anarchie wird es erlauben, nationale Geheimnisse sowie illegales und gestohlenes Material frei zu handeln. Ein anonymisierter und computerisierter Markt wird sogar verabscheuungswürdige Marktplätze für Attentate und Erpressung ermöglichen. Verschiedene kriminelle und ausländische Elemente werden CryptoNet aktiv nutzen. Das jedoch wird die Verbreitung der Krypto-Anarchie nicht aufhalten.

So wie die Technologie des Buchdrucks die Macht mittelalterlicher Gilden einschränkte und soziale Machtstrukturen veränderte, so werden kryptologische Methoden die Natur von Konzernen und von staatlichen Eingriffen in wirtschaftliche Abläufe grundlegend verändern. Zusammen mit den entstehenden Informationsmärkten wird die Krypto-Anarchie einen liquiden Markt für jegliches Material schaffen, das sich in Worten und Bilder fassen lässt. Und genau wie die scheinbar unbedeutende Erfindung von Stacheldraht das Einzäunen riesiger Ranches und Farmen ermöglichte und so für immer die Auffassung von Land- und Besitzrechten im westlichen Grenzland veränderte, so wird die scheinbar unbedeutende Entdeckung aus einem obskuren Zweig der Mathematik zur Drahtschere werden, die den Stacheldraht nieder reißt, der um geistiges Eigentum liegt.

Erhebt euch, ihr habt nichts zu verlieren außer euren Stacheldrahtzäunen!

Timothy C. May, 1988

Die Übersetzung wurde um einen Satz mit unwesentlichen Details zu Technologie der 80er-Jahre gekürzt. Wikipedia-Links von mir. Bild: (cc) xkcd

Übrigens: Die Gründe für die 2010 immer noch fehlende massentaugliche Unterstützung für Verschlüsselung in den Emailclients dieser Welt ist angesichts dieses Texts meines Erachtens so bedauernswert wie nachvollziehbar. Wäre einen eigenen Artikel wert.

Kollateralmord

April 5, 2010  

Nehmt euch 17 Minuten Zeit, um dieses Video aus einem US-Militärhubschrauber in Bagdad anzuschauen (solange es noch online ist!). Es wurde kürzlich auf Wikileaks veröffentlicht, siehe auch Collateralmurder.org:

Wer hat hier das Legitimationsproblem, die US-Besatzung oder der irakische Widerstand dagegen?

(via Netzpolitik)


unibrennt

Die Studierenden der Uni Wien und anderer Unis protestieren gegen eine jahrzehntelang verfehlte und kaputtgesparte Bildungspolitik und halten das Audimax besetzt. Das Besondere daran: Am Werk sind nicht zentrale Organisationsstrukturen à la Hochschülerschaft sondern adhoc gebildete und über Twitter & Co (Hashtag: #unibrennt) kommunizierende Netzwerkstrukturen. Im Detail nachzulesen bei Philipp Sonderegger und Jana Herwig. Beim Establishment lösen die Vorgänge Irritation aus, so hinterlassen sie beim Chefredakteur Österreichs älterster Tageszeitung den verwirrten Eindruck von “Flashmob-Party und Voodoo-Ideologie”.

Doch die Organisation von Dingen – auch Protesten – kann die Gesellschaft grundlegend verändern:

 

Update: Luca Hammer offenbart einen Blick hinter die Kulissen und Martin Blumenau beschreibt, was die Kommunikation von #unibrennt auszeichnet:

Dies ist die erste Protestaktion in Österreich, die nicht von einem klassischen Medium getragen oder von den Mainstream-Medien abhängig ist – sie funktioniert über ihre eigenen, viele Menschen erreichenden Ausspielkanäle. Das garantiert nicht nur die Kontrolle über die eigenen Aussagen, das erlaubt auch Unabhängigkeit, was Zeitabläufe betrifft. Alles Tugenden, die zb die politischen Parteien verloren, aus der Hand gegeben haben: die müssen sich von den Medien, an deren Info-Gängelband sie hängen, herumschubsen lassen, terminlich und haben die Kontrolle längst verloren.

Bei dieser Gelegenheit zu drei Missverständnissen, die obige Präsentation fast immer auslösen scheint:

Missverständnis 1: Hierarchische Strukturen sind schlecht, netzartige gut. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, das zeigt auch das Unibrennt-Beispiel. Allgemeingültige Empfehlungen sind überhaupt Mumpitz. Die Slides sind nicht als Brandrede für eine Veränderung gedacht, sondern Ergebnis einer Beobachtung, und mehr Frage als Antwort.

Missverständnis 2: Netzstrukturen werden Hierarchien ersetzen. Zu einfach. Hierarchien entstehen meines Wissens meist dort, wo der Reibungsverlust von Netzstrukturen groß ist. Diese Reibung wird durch moderne Kommunikationskanäle oft geringer, auch größere Netzwerkstrukturen können dadurch produktiv sein. Doch selbst die Wikipedia benötigt gewisse Hierarchien (siehe ab Minute 14) um zu funktionieren. Netzstrukturen und Hierarchien können sich also ergänzen. Vielleicht werden Hierarchien nur flacher, durchlässiger? (Braucht es immer Sektionen, Orts/Bezirks/Landesgruppen, um Politik zu machen? Chefredakteure, um zu Publizieren? Etc.) Es bleibt spannend.

Missverständnis 3: Netzstrukturen sind egalitär. Ich habe keine Ahnung, warum das dieser Präsentation immer wieder unterstellt wird. Weil die blauen Dots alle gleich groß sind? Weil bei den Ameisen alle Arbeiterinnen gleich gestellt sind? Kommunikationsnetze sind komplexer, das sollte nicht überraschen.

Im Übrigen hoffe ich, die Studis im besetzten Audimax lassen sich nicht unterkriegen! Aktuelle Eindrücke bei Niko Alm.


wikipedia-chains

Big news, die ich gerade bei Larry Lessig lese: Die Wikipedia darf jetzt unter einer Creative-Commons-Lizenz relinzensiert werden!

Big news, weil die bislang verwendete GDFL Reproduktion von Wikipedia-Inhalten zwar erlaubt, aber nur unter der Bedingung, dass erstens die Lizenz im Volltext mit abgedruckt werden muss, und zweitens, dass das Ergebnis der Verwendung selbst auch unter der GFDL veröffentlicht werden muss. Zwei Bedingungen, die die meisten Weiterverwertungen unmöglich oder zumindest illegal gemacht haben.

ccmedium

Die Free Software Foundation, Mutter der GFDL, hat diese jetzt in Richtung der Creative-Commons-BY-SA geöffnet. Die erlaubt jede beliebige (auch kommerzielle) Verwendung und Abänderung von Wikipedia-Inhalten, solange die Quelle genannt wird und das Ergebnis unter einer ähnlichen (!) Lizenz veröffentlicht wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Lizenzwechsel schnell und reibungslos über die Bühne geht. Das ganze wird Creative Commons einen enormen Schub verleihen, da bin ich mir sicher.

(Via Isaac Mao)

Über Löwen und Ameisen

October 19, 2008  

In Isaac Maos Präsentationen auf Slideshare ist mir ein Slide aufgefallen, das “Intelligent Design” der Evolution gegenüberstellt. Ich hab den Gedanken weitergesponnen, und rausgekommen ist diese Präsentation:

Was fehlt noch?


Für die Millionenstadt Ouagadougou in Westafrika existieren wie für viele afrikanische Städte keine Straßenkarten, die diesen Namen verdienen. Das Geografische Institut Burkina Faso (IGB) produziert noch den besten Plan, auf dem aber 95% aller Straßennamen nicht verzeichnet sind, und der der Realität auch Jahre hinterherhinkt. Digital liegen überhaupt nur solche Skizzen vor.

Das wird sich sehr bald ändern – mit Openstreetmap. Wir von Laafi haben heute beschlossen, alles daran zu setzen, diese schöne Stadt möglichst schnell zu kartografieren. Genauer: Leute vor Ort auszubilden, die das tun. Peter Eich hat auch schon seine Unterstützung zugesagt. Und vermutlich wird das nicht mal wirklich Geld kosten, nur etwas Zeit.

Ich habe gestern den Anfang gemacht und die Straßen, die ich kenne, mithilfe des Satellitenbildes von Yahoo Maps eingezeichnet. Vorher sah das Zentrum von Ouaga so aus:

ouaga-alt

Der gleiche Ausschnitt sieht jetzt so aus:

ouaga-alt

Aufregend, der Erste zu sein, der eine Millionenstadt kartografiert! Und gedauert hat’s gerade mal eine Stunde. Es gibt noch viele weiße Flecken auf der Welt, an die Arbeit!

(PS für Insider: Das oberste Bild ist ein Mapnik-Rendering – Update kommt ja erst am Mittwoch, das untere Osmarender.)

Update 16. Oktober: Ouaga sieht jetzt so aus (Danke an alle die mithelfen!):

ouaga 16.10.

Siehe auch Peter: Let’s map Africa – but better than Google!

Update 17. Oktober: Mittlerweile gibt es eine Videoanleitung für die User von Burkina.at, sowie eine Wikipage ebendort.


Hallo Besucher von Zeit Online – zum behandelten Blog-Artikel gehts hier lang:
Der Erste sein, der eine Millionenstadt kartografiert

 
 

Am BarCamp Wien dieses Wochende habe ich gemeinsam mit Christian Spanring Openstreetmap vorgestellt. Aus der Abteilung “How to recognise the future when it lands on you”. (Falls es noch Zweifel gibt: Dieses Projekt wird Umfang und Impact in der Größenordung der Wikipedia einnehmen. Kein Scheiß jetzt.)

Hier die Slides:

Herzlichen Dank an Peter Eich, von dem ein großer Teil dieser Slides stammt!

Update: Luca hat mitgefilmt – ist allerdings sehr leise, nur mit voll aufgedrehten Boxen zu verstehen:


Eine befreundete Accenture-Beraterin fragt:

Sag mal, würdest du mir verraten, wo ich anfangen muss zu lesen, wenn ich verstehen will, was es braucht, um ein Wiki in einem Unternehmen zu implementieren? Mich würde einfach ein Startpunkt / Übersichtswerk mit dem Basiswissen interessieren. Bei deinen delicious-Bookmarks habe ich schon gespickt ;-)

Die meines Erachtens zwei wichtigsten Punkte sind, sich erstens bewusst zu sein, dass Wikis offenere Unternehmenskulturen brauchen – oder herbeiführen. Wenn das nicht vorhanden oder gewollt ist, wird ein Wiki-Projekt scheitern oder zu Konflikten führen. Und zweitens sind Wiki-Projekte keine technologischen sondern “soziale” Projekte. Wichtiger als die Wahl der Wiki-Engine ist zb. die Wahl eines “Evangelisten” innerhalb des Unternehmens.

Diese drei aktuellen Bücher dazu stehen auf meiner Leseliste: Groundswell, Die Kunst, loszulassen und
Enterprise 2.0 (“How Social Software will Change the Future of Work”).

enterprise20-literature

Wenn das Projekt eine entsprechende Größenordnung hat, würde ich mich von Profis wie Michael Schuster oder Lee Bryant beraten lassen.

Disclaimer: Buchlinks sind laafifiziert.


Seit es in Österreich BarCamps gibt (Was ist das?), organisieren sich diese über eine MediaWiki-Installation auf barcamp.at. Da ich dieses Wiki hoste, und da in Deutschland die BarCamp-Szene beim Organisieren offenbar lieber auf Mixxt.de setzt, bin ich immer wieder gefragt worden, warum wir das nicht auch tun.

mixxt-vs-wikiway

Eric Eggert, einer der Organisatoren der Webmontage (die ebenfalls ein Wiki verwenden), erklärt in seinem Weblog, warum ein Umstieg auf Mixxt keine gute Idee ist.

Ich möchte aus der Sicht von BarCamps noch hinzufügen: Ein Dienst wie Mixxt funktioniert nach dem Lock-In-Prinzip und stellt Gruppen/Vereinen/etc. Infrastruktur zur Verfügung, die sonst mit Mühen und Kosten verbunden wären. Zulasten der Offenheit. (Und bitte kommt mir jetzt nicht mit der OpenID-Unterstützung..!)

BarCamps leben zwar auch davon, in geschlossenen Kommunikationsmedien wie Facebook oder Twitter empfohlen und weiterverbreitet zu werden. Mixxt zähle ich hier bewusst nicht dazu, Mixxt ist kein Kommunikationsmedium, sondern will Veranstaltungen eine Website geben. Diese Website, über die die Veranstaltung dann abgewickelt wird, muss jedoch offen sein – ohne Mitgliedschaft in irgendwelchen Social Networks zu verlangen, und am besten überhaupt ohne Registrierung. Auf barcamp.at funktioniert das recht gut.

BarCamps sind offene Systeme – in jeder Hinsicht. Die damit verbundenen Mühen und Kosten (die mit etwas Knowhow recht niedrig sind) sollten wir auf keinen Fall scheuen. Ich trage mit Hosting und Domainkosten für barcamp.at gerne meinen Teil dazu bei.

In diesem Sinne, Deutschland: Wie wär’s mal mit einem gemeinsamen, offenen Wiki für alle deutschen BarCamps?

Übrigens: Ich kann ja verstehen, dass sich die Unternehmen hinter diesen Plattformen gerne mit BarCamps schmücken würden. Und ich hab auch nichts gegen Mixxt oder Groops (das gerade in München eingesetzt wird). Das sind gute Tools. Aber nicht für BarCamps.

In der Webmontag-Community ist mittlerweile ein Streit um die von manchen als feindliche Übernahme empfundenen Mixxt-Avancen entbrannt: 1, 2, 3, 4, 5, 6.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.