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Sehr spannend: Der Gelbe-Seiten-Anbieter Herold (dessen Mutterverlag eben bei Austro-Startup Tupalo eingestiegen ist) hat mit strassentour.herold.at einen Google-Streetview-Konkurrenten gelauncht. Zwar sind erst ganz wenige Straßen abfotografiert (in 7 österreichischen Städten), aber ich vermute, das kommt noch.

herold-streetview

Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie Norc gibt es ein sehr klares Geschäftsmodell: Schon jetzt sind einige Shops und Restaurants mit Indoor-Panorama-Fotos vertreten – das klassische Gelbe-Seiten-Modell. Herold hat dafür mit einem großen Callcenter auch die richtige Vertriebsinfrastuktur – und das auch Google voraus, die bald ebenfalls hierzulande landen.

Großes Manko: Es gibt keine Permalinks. Ansonsten sauber umgesetzt.


netidee

Die Internet Foundation Austria vergibt heuer zum vierten Mal die Netidee-Förderungen und hat mich als Jurymitglied eingeladen, die Einreichungen zu bewerten. Die Netidee ist einer Gesamtfördersumme von €500.000 dotiert und richtet sich diesmal schwerpunktmäßig an Projekte, die den “Digital Devide” verringern helfen. Das Codewort ist “Inclusion”:

“e-Inclusion” steht für “digitale Integration” und soll den diversen Gefahren einer “digitalen Ausgrenzung” entgegenwirken, die wegen gesundheitlicher, finanzieller, ethnischer oder bildungsbezogener Hindernisse, fehlender digitaler Kompetenz oder mangels Zugang zum Internet entstehen. Neue “digitale Chancen” zur Eingliederung ausgegrenzter Menschen und zur Förderung benachteiligter Regionen sind zu schaffen.

Im Klartext: Gefördert werden Online-Projekte aller Art, die vor allem auch Menschen abseits der üblichen Poweruser-Zirkel ansprechen. Einreichschluss ist Freitag, 7. August 2009, 8h früh. Ich würde mich über zahlreiche gute Einreichungen freuen! Über die eingereichten Projekte werde ich hier berichten, soweit das die IPA erlaubt. (Siehe auch bei Robert Lender.) Eines kann ich schon verraten: Am leichtesten haben es bei mir klar, starke Konzepte: Weniger ist mehr.


Köstliches Video von Collegehumor:

In den USA bringt Bing.com, der neue Suchmaschinenanlauf von Microsoft, angeblich tatsächlich bessere Ergebnisse. Für deutschsprachige Seiten googlet man allerdings vorerst (!) besser weiterhin mit Google. Viele Bing-Funktionen sind wirklich beachtlich, so zb. die “Similar Images”-Funktion der Bildersuche, die bessere Ergebnisse liefert als das entsprechende Testprodukt bei Google. Hier ein Beispiel mit einem meiner CreativeCommons-lizensierten Fotos.

Suche ist eine derart zentrale Funktion im Internet-Ökosystem (Google greift bereits etwa ein Drittel des gesamten Online-Werbeumsatzes ab), dass jegliche Konkurrenz höchst willkommen sein muss. Yahoo und alle anderen Mitbewerber haben ja quasi schon das Handtuch geworfen. Go, Microsoft, go!


oe3

Heute ging ein schönes Projekt online, das ich in den letzten Monaten mitkonzipieren durfte: Die Facebook-Präsenz des Radiosenders Ö3. Das Team von Ö3 ging sehr offen und pragmatisch an das Projekt heran: Statt hochgestochenen Zielformulierungen voller Marketingspeak war das Motto “Da passiert was, da wollen wir dabei sein, ein bisschen was ausprobieren.”

Schnell wurde klar, wie diese Facebook-Präsenz aussehen könnte:

  1. Inhalte des Radiosenders sollen “sharable” sein und sich “viral” im Facebook verbreiten können: Das wurde beispielsweise mit den Comedy-MP3s umgesetzt, die direkt auf der Facebook-Page – und auch auf der Homepage – anhörbar sind und alle einen “Teilen”- (netzdeutsch für Weiterleiten) Button haben. Dazu werden zunehmend alle Artikel und sonstigen Elemente der Ö3-Website mit solchen “Teilen”-Buttons ausgestattet. Die regelmäßig stattfindenden Events von Ö3 können direkt in den eigenen Kalender übernommen werden (was wiederum alle Freunde sehen) und Freunde können zu den Events eingeladen werden.
  2. Die Funktionen von Facebook sollen für Hörer-Interaktion untereinander und mit dem Sender genutzt werden: So dominieren Kommentare von Ö3-Fans die Startseite, zu Events können Fotos und Videos hochgeladen werden, alle Inhalte können kommentiert werden. Dazu wird Facebook neben Email, Telefon und SMS als vollwertige Kommunikationsmöglichkeit mit dem Hörerservice des Senders etabliert, und einzelne Ö3-Mitarbeiter werden (so sie jeweils nichts dagegen haben – beruht auf Freiwilligkeit) über Facebook erreichbar.
  3. Facebook ist die Stoßstange 2.0: Man kann sich den Player als digitalen Bumpersticker auf das eigene Profil holen – oder natürlich auch direkt auf der Page Ö3 hören. Viele Ö3-Promis sind zudem mit eigenen Fanpages vertreten.
  4. Crossmedia: Konsequenterweise werden Facebook-Funktionen auch auf den existierenden Website verlinkt und auch onair wird wohl ab und zu auf Facebook verwiesen werden.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und einige Funktionen werden erst gelauncht.)

Stellt sich die Frage nach der Erfolgsdefinition und -messung eines solchen Projekts. Harte Zahlen liegen noch keine vor, und ich bezweifle auch, dass der Effekt einer solchen Aktion überhaupt vollständig messbar ist. In einem Markt, in dem Nennungen eines Sendernamens beim Radiotest die alles bestimmende Währung sind, wird sich eine funktioniernde und prominente Präsenz in einer Community, in der die Internetbevölkerung bereits über 4% ihrer gesamten Onlinezeit verbringt, sicherlich bezahlt machen.

comscore-facebook-stats

Besonders bemerkenswert waren für mich in diesem Projekt zwei Personen, ohne die das Ergebnis unmöglich so geworden wäre wie es ist: Zum einen Albert Malli, der stellvertretende Senderchef, der das Projekt mit viel Mut zum Social-Media-Experiment initiiert und uns den Rücken von der Senderbürokratie frei gehalten hat. Wir hatten dank ihm maximalen konzeptionellen Freiraum. Zum anderen Andreas Klinger von den Socialisten, der das Projekt technisch bestens umgesetzt und mit seinen hervorragenden Kontakten zum Facebook-Headquarter viele Dinge erst ermöglicht hat.

Danke, hat Spaß gemacht!


Seit gestern geistert eine Analyse des sonst eher seriösen Analysten Ross Sandler von RBC durch Zeitungen und Blogs weltweit, nach der Facebook in wenigen Jahren Google überholt haben wird. Der Analyst hat darin hat die Daten von Comscore ausgewertet und hochgerechnet. Eine der Kernaussagen:

Bereits 19 Prozent der Suchabfragen des Internetgiganten [Google] werden von Facebook generiert – das ist ein rasanter Anstieg von neun Prozent aus dem Vorjahr.

(Aus Meedia)

Laut einer Meldung von BusinessInsider werden derzeit bereits 19 Prozent des Gesamttraffic bei Google über Facebook generiert.

(Aus DerStandard.at)

Wer Facebook und Google kennt, wird vielleicht riechen, dass da was fishy ist. Hat sich schon jemand gefragt, wie 19% der Google-Visits von Facebook kommen sollen, wenn auf Facebook gar keine Google-Searchbox existiert? Oder irgendein Link?

statistics often lie

Die Erklärung ist simpel: Comscore wertet lediglich die Surfreihenfolge aus. Wer auf welchen Link geklickt hat, ist unbekannt. 19% der Visits auf Google ist ein Visit auf Facebook vorausgegangen, nicht mehr und nicht weniger sagt diese Zahl aus. Ziemlich unspektakulär, angesichts der großen Verbreitung beider Websites.

Traurig, dass das jede Zeitung blind nachdruckt.

Related: Wie brauchbar sind Studien zur Internetnutzung?

Pic (cc) by mac steve


maptheq

Als Qype vor kurzem ihre API veröffentlichten, haben wir überlegt, was wir damit anstellen können.

Ergebnis: Wir haben die API nach den geokodierten Restaurant- und Café-Daten abgefragt und stellen die (mithilfe unserer Kartentechnologie Maptoolkit) auf Karten dar: www.maptheQ.com. Das schöne daran ist, dass sich der Aufwand, den wir in Bikemap & Co gesteckt haben, bei solchen Projekten bezahlt macht: MaptheQ war mit Minimalaufwand umsetzbar. (Im Toursprung-Blog gibt’s übrigens eine Aufzählung der Funktionen.)

Schön ist Feedback wie das von Christian Langreiter (ja, dem) auf Twitter:

chl-maptheq

Bin schon gespannt, wie es Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher gefällt – so der neben dem Kampf um die neuen Farben mit seiner Community (Qype wurde eben neu gelauncht) Zeit findet. ;-)

Freue mich über Feedback zur Site, auch über kritisches! Ein “known issue”: Mit eingeschaltenem Firebug ist MaptheQ (wie die meisten Ajax-Anwendungen) seeehr langsam. Da müssen wir noch eine Warnung einbauen, so viel Gmail das auch macht.


moo_minicards_photos

Am Wochenende bekam ich einen Gutscheincode um die neue deutsche Version von Moo.com zu testen, dem in der Webwelt so beliebten Flickr-Fotos-auf-Visitenkart-Druck-Service. Hab mir gleich alle möglichen Sachen bestellt, mit meinen Flickr-Fotos drauf. Bin gespannt – alle Moo-Cards, die ich bislang zu sehen kriegte, waren wirklich schön.

Die Usability ist (angesichts des komplizierten Designprozesses) gut, bis auf ein paar wesentliche Sachen – an denen vermutlich viele User scheitern. Dieses Feedback-Mail hab ich an Moo geschickt:

(1) Three times after form submits (if I remember correctly: twice after having chosen the image selection and clicked “next”, once when submitting the final order) I got the message “No suitable nodes are available to serve your request.” – without further explanation or link. I had to resubmit the forms to get results (which normal users don’t know how to do).

While this could have been a rare occurence of server errors the next problem is a true usability issue:

(2) After having created three products and placed them into the shopping cart I want to proceed to checkout.

  1. So I click “Manage your orders”, top right corner. What I get then is a login form.
  2. I am not registered yet. A text below reads “Don’t have an account? Don’t worry, we’ll create you one automatically when you place your first order.” No link whatsoever. That’s interesting.. Let me see: I can’t place an order because I don’t have an account and I am being told that an account will be created after I place an order? How can I get out of this vicious circle..?
  3. Only after at least a minute or two of trying, googling and clicking around I discover the ultra-tiny cart icon with a “3” in brackets on the top right which takes me where I had expected to be taken when I clicked on “Manage your orders”.

In a normal situation (= me not being a poweruser or simply less dertermined) I would have dropped out at three different times in this process. Especially point 2 is extremely easy to fix: Only show “manage your orders” after having placed one + make the ‘next best action’ shopping cart far more prominent.

Please note that these observations are based on just a single order and there was no intent to find ALL usability issues (or fully understand the whole process). There may be more.

Und hier der Screenshot dazu:

moo-usability

Ich hab den Leuten von Moo vorgeschlagen, mir 2% des zusätzlichen Umsatzes, den sie nach Beseitigung dieses Fehlers machen, zu überweisen ;-)


Für den Werbeplanung.at-Guide 2009, der in drei Tagen herauskommt (siehe auch hier, hier und hier) durfte ich auch heuer wieder eine Übersicht zusammenstellen, welche österreichischen “Web 2.0”-Startups es so gibt. Die Auswahl ist wie immer subjektiv, Beschwerden dazu bitte in die Kommentare. Umgekehrt alphabetisch, damit das schamlose Eigenlob wenigstens nicht ganz oben steht:

 

Twoday.net

Twoday ist das Urgestein der sozialen Medien in Österreich: Die Blogplattform ging vor sechs Jahren ans Netz und ist nach wie vor eine der führenden Weblog-Communities im deutschen Sprachraum. Twoday wird von der Wiener Agentur Knallgrau betrieben.

 

Tupalo.com

Tupalo, die aus Wien stammende Lokal- und Shopbewertungsplattform, ist im letzten Jahr stark ins Ausland gewachsen und bietet bereits für etwa 20 Städte in Europa und Nordamerika beeindruckende Datendichte. Am Heimatmarkt Österreich ist Tupalo mit Qype.at jedoch Konkurrenz erwachsen.

 

Tunesbag.com

Tunesbag ist wie der Name schon andeutet die Verlagerung der persönlichen Musiksammlung ins Netz. Wie Mindmeister ist Tunesbag ein Beispiel für den Trend, dass die Aufgabe von Desktopapplikationen (wie in diesem von Itunes) zunehmend von Webdiensten übernommen werden.

 

Tripwolf.com

Tripwolf ist ein Projekt des Inkubators i5invest, der auch hinter 123people.com steht. Es ist der österreichische Beitrag zum äußerst umkämpften Geschäftsbereich nutzergenerierter Destinationsbewertungen und Reiseberichte. Tripwolf konnte in mehreren Finanzierungsrunden bereits etwa €4 Mio. Risikokapital lukrieren, erst im Jänner stieß der Unternehmer Dieter von Holtzbrinck zum Kreis der Investoren, zu dem auch die Mair-Dumont-Gruppe zählt.

Post Scriptum: 123people habe ich in der Liste leider vergessen. Aber dafür gibt’s ein ausführliches Interview.

 

Soup.io

Soup.io ist Microblogging-Plattform und Lifestream-Aggregator und richtet sich an ein junges und internationales Publikum. Kürzlich gewann Soup das Rennen gegen 22 ausgewählte Startups und gewann den renommierten Londoner Seedcamp-Bewerb – gewöhnlich die Eintrittskarte für eine Finanzierungsrunde.

 

Scoop.at

Scoop bezeichnet sich als Community-Zeitung, tatsächlich trifft “Klon von Digg.com” besser zu. Scoop ist ein Hobbyprojekt noch ohne kommerzielle Ambitionen, hat aber seit Herbst 2008 ein beeindruckendes Wachstum hingelegt.

 

Popurls.com

Popurls ist ein ausschließlich für den amerikanischen Markt ausgerichteter Echtzeit-Aggregator von populären Inhalten aus einer Vielzahl von Quellen. Siehe Interview mit Gründer Thomas Marban.

 

Prooms.com

Prooms steht für “Private Rooms” und ist eine Vermittlungsbörse für Privatunterkünfte. Gegenseitige Bewertungen sollen für Vertrauen sorgen.

 

Mindmeister.com

Mindmeister, ein Münchner Startup mit österreichischen Wurzeln, bildet kolaborative Mindmapping-Applikationen im Netz ab und entspricht damit dem Web-2.0-Klischee von Cloudcomputing und Online-Kolaboration. Mindmeister ist Innovationsführer in seinem Bereich und verspricht sich Profitabilität durch eine Monatsgebühr von etwa €5 pro Nutzer.

 

Mjam.net

Mjam ist eine Gründung junger “Hacker” aus dem Wiener Hackerspace Metalab. Es soll den Missstand der fehlenden Transparenz im Markt der Essenszustellung beheben. Dazu wurden durchdachte Algorithmen und eine ansprechende Oberfläche entwickelt. Bislang ist Mjam in Wien, München, Hamburg und Berlin verfügbar, eine weitere Expansion soll folgen.

 

Kununu.com

Kununu rollt das Geschäftsfeld der Stellenanzeigen über Bewertungen von Arbeitgebern auf – und feiert damit vor allem bei der deutschen Presse beachtenswerte Erfolge.

 

Factolex.com

Factolex ist ein Projekt des früheren Netvibes-Entwicklers Alexander Kirk. Es ist ein Fakten-Lexikon, das Begriffe präzise beschreibt. Beschreibungen werden entweder von Usern eingegeben oder von Quellen wie Wikipedia aggregiert. Im Unterschied zur enzyklopädisch organisierten Wikipedia liegt der Schwerpunkt von Factolex in der Semantik zwischen Begriffen – was es zu einer wertvollen Quelle für zukünftige Semantic-Web-Entwicklungen machen könnte.

 

Edelwiser.com

Edelwiser ist der mutige Schritt, den Trend der Inidividualisierung in die Schiproduktion zu bringen: User können das Design ihrer Ski online selbst gestalten. Der logische Schritt zum echten Crowdsourcing à la Threadless.com fehlt bislang allerdings noch.

 

Bikemap.net & Friends
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Bikemap, ein Projekt der Wiener Kartenexperten von Toursprung, ist mittlerweile Europas umfangreichste Radroutensammlung. Benutzer können auf Karten ihre Lieblingsrouten mit anderen Radfahrern teilen. Mit sieben Sprachversion das internationalste Projekt in der Liste. Schwesterprojekte existieren für Läufer, Wanderer, Skater und Motorradfahrer.


Dieser Artikel darüber, wie Unternehmen Kanäle wie Twitter, Facebook und Weblogs einsetzen, um Kundenprobleme zu lösen und aus Kunden Fans zu machen, wird am 26. Februar im neuen Werbeplanung.at-Guide 2009 erscheinen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ein Produkt gekauft, weil Sie die Werbung überzeugt hat? Die Empfehlung Anderer ist in allen Studien die starke Nummer Eins unter den externen Faktoren, die zu einer Kaufentscheidung führen. Das geht auch über persönliche Freunde und Kollegen hinaus: Als Blogger erhalte ich ab und zu ein Dankesmail von einem mir völlig unbekannten Leser, der mich informiert, dass er sich eben aufgrund eines Postings bei mir ein bestimmtes Handy gekauft oder dass er aufgrund meiner unspektakulären Reisefotos eine Reise nach Thailand gebucht hat.

Doch nicht nur die relative Minderheit der Blog-Schreiber und -Leser ist betroffen, Online-Mundpropagande wird zunehmend zum Massenphänomen: Dienste wie Facebook (mit seinen “Friend-Feeds”) und Twitter liefern das alltägliche kleine Ärgernis plötzlich in die Augenwinkel eines meist jeweils dreistelligen Publikums von persönlich bekannten “Friends” oder “Followers”.

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Diese Vernetzung von Konsumenten führt zu einem weltumspannenden Frühwarnsystem, das zunehmend bestimmt, ob der neue Kinofilm nach dem ersten Wochenende floppt oder fliegt und ob das neueste Elektronikgadget für Abzocke oder für ein Must-Have gehalten wird.

Doch es gibt auch Markenartikler, die eben diese technischen Möglichkeiten für das besondere Kundenerlebnis nutzen: Stellen Sie sich vor, sie teilen Ihren Frust über ihre neueste Anschaffung per Twitter mit ihren Freunden – und erhalten daraufhin ungefragt persönliche Unterstützung des Herstellers!

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Genau das geschieht: Der US-Internet-Provider Comcast überwacht Millionen an täglichen Twitter-Nachrichten und Blog-Beiträgen nach Nennung seiner Produktnamen und lässt Problembeschreibungen von einem Mitarbeiter direkt – per Twitter-Nachricht oder Blog-Kommentar – beantworten. Unter twitter.com/comcastcares ist die Kommunikation zwischen Comcast und seinen Kunden übrigens öffentlich einsehbar. Selbst auf Facebook betreibt Comcast eine eigene Diskussionsgruppe für Kunden.

Der Hardware-Hersteller Dell agiert ähnlich und bewirtschaftet bereits zwei dutzend Twitter-Accounts (zu sehen unter dell.com/Twitter), mit denen Kundenanfragen beantwortet werden. Der Hauptaccount “DellOutlet” hat bereits über 15.000 Follower.

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Die Fluglinie Southwest Airlines nützt Twitter wiederum auch, um positive Produkterfahrungen zu verstärken: Kunden, die sich beispielsweise auf Twitter über den vereinfachen Check-In-Prozess freuten, erhielten ein nettes “Danke-Schön” von einer Southwest-Mitarbeiterin – worüber die sich natürlich neuerlich öffentlich freuten. Solche positive Überraschungen führen – in ausreichender Menge – zu einem veränderten, persönlicheren Markenbild in der Öffentlichkeit. Neben dieser Funktion als Rückkanal von Kunden eignet sich Twitter übrigens auch hervorragend als Frühwarnsystem oder zur Feinabstimmung der Kommunikation.

Besonders Startups und kleine Unternehmen mit geringen Marketing-Budgets nutzen Twitter, um auf sich aufmerksam zu machen. So kommt es vor, dass man über ein Produkt twittert und kurz darauf eine persönliche Nachricht erhält, das auf ein Konkurrenzprodukt aufmerksam macht. Sind solche Nachrichten nicht durch schlechte Automatisierung am Thema vorbei formuliert, werden sie übrigens nicht als Spam sondern als nützlich empfunden – zumindest solange die Summe solcher Nachrichten überschaubar bleibt.

Am besten Sie beginnen gleich heute damit, nach Ihren Firmen- und Produktnamen Ausschau zu halten: Durchsuchen Sie Twitter über search.twitter.com und Weblogs über twingly.com. Werden Sie dann Teil des Gesprächs – antworten Sie. Geben Sie dabei Ihre “Corporate Voice” an der Gardarobe ab – benutzen Sie Ihre menschliche Stimme.

Über Ihre Erfahrungen mit dieser Form der Conversation Economy würde ich mich freuen: Sie erreichen mich unter twitter.com/muesli.


Dieses Interview mit Bernhard Lehner vom Wiener Inkubator i5invest habe ich für den Werbeplanung.at-Guide 2009 geführt, der am 26. Februar erscheinen wird.

bernhard-lehnerBernhard, 123people.com wird gerade erst ein Jahr alt, gratuliere zum Geburtstag! Kannst du den Dienst kurz beschreiben?

Bernhard Lehner: 123people findet frei im Internet verfügbare Infos über Personen mittels Echtzeitsuche. Die Suchergebnisse, darunter Fotos, Videos, Telefonnummern, Weblinks, Dokumente, Profile aus Social Networks und noch einiges mehr, werden übersichtlich strukturiert dargestellt. Damit ist 123people so etwas wie das multimediale Telefonbuch der Generation Internet.

Was ist euer Business-Modell?

Bernhard Lehner: Zum einen generieren wir Umsätze über klassische Online-Werbung, zum anderen hat der Traffic, den wir verteilen, natürlich einen gewissen Wert für unsere Partner, die relevante Services anbieten.

Zum Beispiel?

Bernhard Lehner: Zum Beispiel Ärzteverzeichnisse, Gelbe- und Weiße-Seiten-Anbieter, Reputationsmanagement-Anbieter oder Social Networks.

123people.at ist nur eine von vielen Domains, die ihr betreibt. Wie ist eure Internationalisierungsstrategie?

Bernhard Lehner: Derzeit sind wir in sieben Ländern online: Neben Österreich, Deutschland und der Schweiz – in diesen Ländern feiern wir jetzt den ersten Geburtstag – sind dies die USA, UK, Frankreich und, in wenigen Tagen, Spanien. Da länderspezifische Datenquellen und Partner für uns enorm wichtig sind, haben wir uns für diese Multi-Domain-Strategie entschieden. Sieben Länder haben wir jetzt in knapp einem Jahr gelauncht – diesen Speed werden wir im zweiten Lebensjahr deutlich erhöhen.

Seit kurzem seid ihr ÖWA-gelistet – und habt aus dem Stand den vierten Platz der Einzelangebote erobert (nach Unique Clients). Wieviel von diesem Erfolg macht eure Suchmaschinenoptimierung aus?

Bernhard Lehner: Suchmaschinenoptimierung war von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil unserer Marketing- und Produktstrategie. Wobei wir uns da nicht wesentlich von 90 Prozent aller anderen kommerziellen Seiten unterscheiden – Suchmaschinentraffic ist generell enorm wichtig. Aber auch Word-of-Mouth und klassische PR und Social Media treibt den Traffic. Und natürlich arbeiten wir intensiv daran, die Quote der wiederkehrenden User und Traffic, der direkt auf 123people landet, noch weiter zu erhöhen.

123people-Links sind in Google-Ergebnisseiten derzeit omnipräsent, oft sogar mehrfach mit euren unterschiedlichen Länderdomains. Von Google hört man jedoch immer wieder dass “Suchergebnisse innerhalb von Suchergebnissen” unerwünscht seien. Ist die Traffic-Party bald vorbei?

Bernhard Lehner: Der Traffic von Suchmaschinen ist weiterhin wichtigster Trafficmotor für alle Websites. Wir sind überzeugt, dass wir Added Value für die User liefern und damit suchmaschinenkonform sind. Wir haben eine gesunde User-Basis, viele Partner, die uns Traffic schicken und, auf hohem Niveau, noch viel Potenzial mit PR- und Marketingmaßnahmen. Alles in allem, denke ich, eine ganz gute Mischung.

Der Markt der Personensuche ist mit Wink.com, Spock oder Yasni heiß umkämpft – warum sollte gerade 123people überleben?

Bernhard Lehner: In meiner Wahrnehmung hat 123people das schärfste Profil: Wir wollen schlicht die beste Personensuche im Internet bei maximalem Datenschutz anbieten. Ein Schritt weg von Web 2.0, kein Social Networking, pure und schnelle Personensuche. Das können wir am besten, und die User werden das weiter goutieren.

Und was, wenn das Naheliegende eintritt und Google eine eigene Personensuche online bringt? Mit Google Local und Google Accounts existieren ja die besten Voraussetzungen dafür.

Bernhard Lehner: Wir sehen Google nicht als Mitbewerber und sind auch anders aufgestellt. Selbst wenn das von dir beschriebene Szenario eintreten sollte, wird es nicht so leicht sein, lokale Datenquellen und das Deep Web zu integrieren. Letztlich würde in so einem Fall die Qualität der Suchergebnisse und die angebotenen Services entscheiden. Hier sind wir gut positioniert.

Wo siehst du 123people Ende 2010?

Bernhard Lehner: Wir werden unseren Vorsprung als weltweit größtes Personensuch-Service ausgebaut und mit einer Vielzahl von neuen Tools die Qualität der Suchergebnisse verfeinert haben. 123people wird das Synonym für Personensuche – und profitabel sein.

Danke für das Gespräch!

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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