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Auf den Medientagen postulierte der Vorarlberger Medientycoon Eugen Russ den Triumph der mobilen Apps: „In zwei Jahren ist das Web ziemlich tot.“ Tatsächlich deutet einiges darauf hin: Während zur Jahrtausendwende 50% des Traffics über Browser lief, sind es heute kaum noch 20%. Und erst kürzlich kündigte Facebook eine vielversprechende Mobile API an: Dritt-Apps sollen direkt auf Funktionen der Facebook-App wie Likes oder Benachrichtigungen zugreifen können, und man wird sie direkt aus Facebook heraus aufrufen können.

Doch was nach einem weiteren Sargnagel für die mobile Browsernutzung aussieht, zeigt in Wahrheit die großen Schwächen der App-Welt auf, die hier nur notdürftig ausgebessert werden: Man kann nicht in sie verlinken, Suchmaschinen können sie nicht crawlen und man muss sie für jeden Handsethersteller extra entwickeln. Sie sind die einsamen Inseln der Online-Welt.

Als in den 90ern das Netz populär wurde, wurde es das zuerst in den abgeschlossenen Welten von AOL und Compuserve. Zu unübersichtlich und hässlich war das WWW. Als Walled Gardens waren AOL & Co – wie Apps heute auch – ökonomisch leichter verwertbar. Das mobile Web ist drauf und dran, dank HTML5 die Bequemlichkeiten der App-Welt zu lernen. Wie damals könnte es die Insellösungen bald wieder auf die Ränge verweisen.

Auch wenn das den Medientycoons nicht schmeckt, die die App-Welt schon als Retter der Medienwelt sahen.

Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin. Illustration: (cc) BY SA Geek & Poke
 


Reißerischer Titel*, ich weiß. Aber vielleicht auch nicht:

Vorgestern habe ich Telekom-Chef Hannes Ametsreiter gefragt (eigentlich Tim Berners-Lee, aber der zog es vor, seinem Gastgeber nicht ans Bein zu pinkeln), wie er’s mit der Netzneutralität hält. Ergebnis: Ametsreiter will sie abschaffen. Das hat er meines Wissens auf österreichischem Boden noch nie zugegeben (aber hier).

Im Klartext bedeutet die Aussage bei 1:45: Hannes Ametsreiter stellt die Netzneutralität in Frage und bedroht damit die Freiheit und Offenheit des Internets.

Darüber kann weder seine anfängliche Ablenkung auf Themen, die mit Netzneutralität nichts zu tun haben, noch der Futuretalk-Event samt Anarchy-Logo und Helden wie Berners-Lee hinweg täuschen. Die Ironie ist kaum noch zu toppen. Aber vielleicht will man uns mit dem Event-Motto “Who owns the Internet?” ja einfach auf die Antwort “We do” vorbereiten?

In folgendem Video spricht Berners-Lee Klartext: “Millions of people are using the web freely today. I am worried that this will end.” Und er spricht von millionenschweren Lobby-Kampagnen der großen Telekoms.

Gestern hat er sich offenbar selbst kaufen lassen und geschwiegen. Lediglich Anke Domscheit-Berg hat dagegen gehalten. Was Tim Berners-Lee sagen hätte sollen:

The moment you let net neutrality go, you lose the web as it is. You lose something essential – the fact that any innovator can dream up an idea and set up a website at some random place and let it just take off from word of mouth. You can end up helping humanity and make a profit out of it once you’ve got a domain name.

We can never spend enough time fighting for the neutrality of the underlying network.

Denn das hat er gesagt.

Zur Erklärung: Die Aufgabe von Netzneutralität bedeutet nicht, “Skype ist nur mit dem XY-Zusatzpaket nutzbar”, wie Tom Schaffer in den Kommentaren schreibt. Das ist nur eine Konsequenz. Sie bedeutet, dass Datenpakete nicht mehr gleichwertig behandelt, sondern manche bevorzugt, andere benachteiligt werden. Die Bevorzugung löst nach der Marktlogik eine Versteigerung von Bandbreite aus. Eine Beschleunigung “reicher” Inhalte bremst “arme” Inhalte aus.

Mehr noch: Das schafft den Grundbaustein für Zensur. Die neuen Gatekeeper könnten prohibitive Preise verlangen, schon bleibt dein Inhalt (oder Anschluss) offline. Und illegale Inhalte (oder was irgendeine Lobby oder irgendein Land dafür hält) dürfen gar nicht durch.

Mehr zum Thema:

 

(Video: © Telekom Austria)

* Ursprünglicher Titel war: Die Telekom Austria bedroht die Freiheit des Internets. War mir dann aber zu pathetisch.

PS. Tim Berners-Lee hat sich auf der Veranstaltung offenbar zu einem früheren Zeitpunkt klar für Netzneutralität ausgesprochen (war mir entgangen), nur halt am Schluss dazu geschwiegen.


Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin.

Ein Mann war nach den Attentaten in Norwegen in den Medien omnipräsent, um vor ähnlichen Anschlägen hierzulande zu warnen: Peter Gridling. Der Chef des Verfassungsschutzes forderte sofort eine Ausweitung behördlicher Befugnisse für die Überwachung des Internets.

Es lohnt, einen Blick auf die folgende Debatte zu werfen:

Dabei ist die Sache einfach:

Mafiosi, Terroristen und Pädophile nutzen z.B. einen Offline-PC für die Verschlüsselung und verschicken die Daten dann vom USB-Stick im Internet-Café. Auch die Nazis von Alpen-Donau.net (wieder online) arbeiten ähnlich. Vorratsdatenspeicherung – hier eben beschlossen, in Deutschland für verfassungswidrig erklärt – und Online-Überwachung sind dagegen machtlos. 8 Mio. Österreicher hingegen stehen unter Generalverdacht (und dürfen für Ihre eigene Überwachung per „Servicepauschale“ zahlen). Sind VKI und Arbeiterkammer eigentlich nur für die Luft in Müsliverpackungen zuständig?

Mehr Demokratie und mehr Offenheit“, kündigte der norwegische Ministerpräsident unmittelbar nach dem Anschlag an. Jedes Land hat die Regierung, die es verdient.


Bevor Google seine kartenbasierte Flugsuche online bringt (siehe Techcrunch), hier ein Konzept von mir für sowas, das nie online ging. Sonst glaubt mir das ja keiner ;-)

Vorgeschichte: Ein Kollege ist im Sommer 2010 privat mit einem Lufthansa-Manager unterwegs und sie plaudern über die Usability von Airline-Websites. Ich sitze währenddessen beim Samstagskaffee – als ich den Anruf kriege: Wenn wir ein gutes Konzept liefern, hätten wir eventuell Chancen auf einen Auftrag für unser Kartenprodukt Maptoolkit.

Da mich eh immer schon ärgert, dass man nirgendwo kurzfristig Flüge nach Egal-wohin-Hauptsache-billig-und-warm finden kann, hab ich schnell ein paar Wireframes gezeichnet und gleich zurück geschickt. Aus einem Auftrag wurde nie was, das Konzept ist irgendwo in den Management-Ebenen der Airline versickert. Dass sich die Lufthansa davon zur später gelaunchten, recht ähnlichen Lufthansa Reiseplaner inspirieren ließ, ist wenig wahrscheinlich, denn es ging nicht lang danach online. Und: Dann wäre die Usability besser ;-). Das Vorbild dürfte eher Kayak Explore gewesen sein, das finde ich aber auch nicht optimal umgesetzt. (Etwas besser ist da das relativ neue Qfly Wohin.) Den Use Case “Vor dem Buchen mal über die Destination informieren” (besonders bei Kleinflughäfen wichtig) setzt bislang noch niemand um.

Das Konzept ist darauf ausgelegt, dass für die Umsetzung lediglich eine Schnittstelle notwendig ist, die Flugpreise vorgeneriert (also Preise vorbehaltlich Verfügbarkeit, damit immer Preise “in der Auslage” stehen), alle anderen Funktionen und Daten (wie Fotos, Wetter/Klima, Sehenswürdigkeiten, Webcams etc.) kämen von uns. Es funktioniert mit Metabuchungsengines und Billigfluglinien natürlich besser als mit Linie, das war halt die Ausgangslage.

Wireframe 1:


 

Wireframe 1A:


 

Wireframe 2 (Destinationsansicht):


 

Wireframe 3 (Low-Fare-Kalender):

Und jetzt bin ich gespannt, wie Google so etwas löst. Wenn ich raten muss: Ground-shakingly!

Update: Michael Grillhösl, der Head of User Experience bei Swoodoo, hat in den Kommentaren den Link zu einem Experiment aus den Swoodoo Labs gepostet: http://www.swoodoo.com/de/labs/map. Deckt allerdings eher andere Use Cases wie Dreiecks- und Vielecksflüge ab. Gut für Conference Hopper :-)

Update 2: British Airways haben auch sowas (auch schlecht), wie Daniel Sokolov auf Twitter schreibt: BA Tripseeker

Update 3. Oktober 2011: Die Swiss ist heute mit einer Kartenapplikation online gegangen, die dem Konzept zwar optisch schon nahe kommt, aber funktionell noch kaum mehr ist als eine Illustration des Streckennetzes plus Fare-Calendar-Verlinkung:


At my company we use Basecamp every day for project management (also with our customers involved) and for internal time tracking.


Today a link to a survey popped up asking for feedback on how to improve Basecamp. A chance to improve a great product we use so many hours every day. Therefor I care. Basecamp is better than every other project management tool I have seen and tested, yet it sucks in some important aspects. Here’s the feedback I gave:
 

What do you like least about Basecamp? What are we completely missing?

 

1. No Meta Data for To Do’s

We have to write names and dates (!!) into the text field for to do’s in order to later know who to ask and how old an item is. You don’t have to clutter your interface with meta data – a simple tool tip would be enough.

2. Drowning in Emails

People from different companies will cc entire companies when they don’t know whom to contact. In consequence entire conversations often spam many people. A real problem!

Ways to deal with that:

  1. Promote the function field in profiles (and display those functions). When I add new people from other companies as admin I often don’t know their function. Make it clear to them when they sign up that the function field matters.
  2. Make it easy to unsubscribe oneself or other people from conversations. People often refrain from answering as they see that answer would go to too many people, yet they can’t influence the recipient list. (With email they can!)
  3. Equally: Make it easy to subscribe oneself or other people to conversations! People now cc everybody as there’s no way to later change the recipients.

 

4. Weak Findability

Basecamp feels like an obscure data dump. You know you saw that file or information somewhere, yet where? Fulltext search is slow, well hidden and doesn’t give very good results. And there are too many places where one can post something.

5. The Dashboard Sucks

 

6. Contact Information Missing

I regularly want to contact someone whose name I see (eg. on overview page), yet I can’t click their name to get a telephone number or something. I have to hunt that information down. Think hypertext please!
 

7. Time Tracking is only almost great

Time tracking is simple and can be attached to To Do’s. That’s great and the main reason we chose Basecamp. Yet if a project is owned by another company we can’t use it for time tracking (although we have a plan that includes time tracking). We have to replicate the project and its To Do’s, that’s crazy.
 

What are we doing well with Basecamp, but could improve on?

 

Ease of use. Basecamp is easy to use, yet could be so much easier.

 

If you integrate Files with Messages plus Notes with Messages (attached to To Do’s) that will boil down Basecamp to one single news feed. You could even easily merge the messages list with the overview list. See? Same functionality, yet half as complex.


 

Is there anything else you’d like to share?

 

Basecamp is great. Really. But it sucks at most astonishing places.

I could rant about the poor integration with Highrise (which we also use) and many features that may be missing. But I don’t. Please don’t add new features. Just don’t. Simply streamline what you have. Not feature-wise, but process-wise. Think like someone with many lively projects and then start to remove those daily nuisances, make stuff easier to find, people easier to get in touch with and projects easier to get an overview of.

Thanks for making it easier to make our job every day. (You already do.)


Deutschlandradio sendete letzte Woche einen Beitrag über Grassroots-Kartografie, samt einem heiseren Interview, das Jan Rähm mit mir zu Openstreetmap Ouagadougou und zu Google Mapmaker geführt hat:  

 

Die Datenqualität von Ouaga ist jetzt so weit, dass wir drucken können. Demnächst werden wir bei Toursprung ein druckfähiges PDF produzieren, das dann an Druckereien in Ouaga geht. Hier der aktuelle Status:

OpenStreetMap (mapnik) map of the area around 12.37453, -1.52367


Es wäre doch ein schönes (und wunderbar irritierendes) politisches Statement, wenn am 25.02. das neue Christoph & Lollo-Album (inklusive des trefflichen Liedleins “Karl-Heinz” – siehe Video) auf Platz 1 der Ö3-Charts ginge..! Das funktioniert sowohl über CD-Kauf als auch über Downloads. Wenn an diesem Tag (und den darauffolgenden Tagen) die Facebook-Community “zuschlägt”, wird das gelingen!

 

Obiger Absatz erreichte mich heute auf Facebook, zusammen mit dem Link auf die zu diesem Zweck gegründete Facebook-Page und auf einen FM4-Artikel zur Aktion. Doch Facebook-Pages laden nicht zum Musik-Anhören, geschweige denn -Kaufen ein, darum habe ich diese beiden Call-to-Action-Buttons gebastelt und daraus eine kleine Facebook-App für Pages gebaut (hier in Aktion zu sehen), damit alle Betreiber von Facebook-Pages die Aktion unterstützen können (vor allem natürlich die Page zur Aktion selbst):

Wichtig: Kauf erst ab 25.02. möglich!! Bis dahin: Weitersagen!

 

So installierst du die Christoph & Lollo – Facebook-App:

Wer ein paar Minuten Zeit und selbst eine Facebook-Page hat, egal wie klein, kann diese Christoph & Lollo – Facebook-App ganz einfach als Karteireiter installieren. Sieht dann so aus und geht so:

  1. Gehe (als Admin deiner Page eingeloggt) auf diese Applikation.
  2. Klicke dort auf “Zu meiner Seite hinzufügen”. Neben deiner Page auf den Button “Einer Seite hinzufügen” klicken. Dann Fenster schließen.
  3. Gehe auf deine Page, “Seite bearbeiten”, “Anwendungen”
  4. Hier unter “FBML” auf “Zur Anwendung” klicken
  5. In den Titel “Karl-Heinz!” schreiben und in das Textfeld diesen Code kopieren, speichern.
  6. Zurück auf deine Page, hier in der Tab-Leiste aufs Plus, “Reiter hinzufügen” -> “Karl-Heinz!”.
  7. Fertig.

In diesem Sinne: buy, load, post, re-post, double-post! Spread the love! Ich werde die teilnehmenden Pages dann hier auflisten – gebt Bescheid!

Tipp: Wenn ihr auf eurer Page den Link zu eurem eigenen Page-Tab posten wollt, müsst ihr Facebook austricksen und den Link über Bit.ly kürzen – sonst ändert Facebook den Link auf die Vorderseite.

(Disclaimer: Ich kenne Christoph & Lollo nicht und habe auch sonst keine finanziellen Interessen an dieser Aktion. Die Amazon-Provision aus obigen Links fließt an die Afrikaprojekte des gemeinnützigen Vereins Laafi.)

Update: Die Liste der teilnehmenden Facebook-Pages (Fan-Zahlen zum Zeitpunkt des Updates):


Das kommt raus, wenn man Macbook Air und Ipad kreuzt:

Auf den ersten Blick mag die Idee eines Tablets mit zwei Screens wenig sinnvoll erscheinen, aber auf den zweiten Blick vielleicht doch. Man stelle sich vor, wie mit einem solchen Ipad Janus (das natürlich voll aufklappbar wäre):


Jeder, der im Büro zwei Bildschirme stehen hat, wird außerdem wissen, wie viel produktiver so ein Setting ist, besonders wenn man mehrere Programme parallel benutzt oder wenn Programme wie Photoshop Werkzeuge haben, die viel Platz brauchen.

So ein Ipad Janus (oder auch ein Android Janus..) hätte ich gern, schreibt bitte wer Jobs ein Email?

PS. Call me nuts, aber ich habe heute Nacht von diesem Gerät geträumt, und auch, dass ich darüber blogge. Nur dieser Absatz fehlte im Traum ;-)

Thanks to Slashgear for the picture!

Update: Michael Groh berichtet, dass es sowas seit kurzem schon gibt, und zwar das Acer Iconia. Allerdings mit Windows..


Wer Wikileaks besser verstehen will, sollte das “Crypto Anarchist Manifesto” von Tim May aus dem Jahre 1988 (!) lesen. Da es keine gute deutschsprachige Version gibt, habe ich es übersetzt:
 

Das Krypto-Anarchistische Manifest

 

Ein Gespenst geht um in der modernen Welt – das Gespenst der Krypto-Anarchie.

Computertechnologie steht kurz davor, Einzelnen und Gruppen die Möglichkeit zu geben, miteinander auf völlig anonyme Weise zu kommunizieren und zu interagieren. Zwei Menschen können Nachrichten austauschen, Geschäfte führen und elektronische Verträge schließen, ohne jemals den echten Namen oder die Rechtspersönlichkeit des anderen zu erfahren. Interaktionen über Netzwerke werden durch umfassendes Umleiten von verschlüsselten Datenpaketen und manipulationssichere Boxen mit nahezu unknackbaren kryptographischen Protokollen nicht nachverfolgbar sein. Reputation wird von zentraler Bedeutung sein, in Geschäftsbeziehungen sogar weit wichtiger als die Bonitätsbewertungen von heute. Diese Entwicklungen werden die Natur der staatlichen Regulierung, die Möglichkeiten von Besteuerung und Kontrolle wirtschaftlicher Kreisläufe und die Möglichkeiten, Informationen geheim zu halten völlig verändern, ja sogar den Charakter von Vertrauen und Reputation.

Die Technologie für diese Revolution – und es wird sicherlich sowohl eine soziale als auch eine ökonomische sein – existiert theoretisch schon sein einem Jahrzehnt. Die Methoden basieren auf Asymmetrischer Verschlüsselung, Zero-Knowledge-Proof-Systemen sowie verschiedenen Softwareprotokollen für Interaktion, Authentifizierung und Verifizierung. Der Fokus lag bisher auf akademischen Konferenzen in Europa und den USA, die stark von der National Security Agency überwacht wurden. Doch erst seit kurzem haben Computernetzwerke und Personal Computer ausreichend Leistung, um diese Ideen praktisch durchführbar zu machen. Und die nächsten zehn Jahre werden genügend zusätzliche Geschwindigkeit bringen, um die Ideen wirtschaftlich machbar und im Wesentlichen unaufhaltbar zu machen. (..)

Der Staat wird natürlich versuchen, die Verbreitung dieser Technologie zu bremsen oder zu verhindern, unter Hinweis auf die nationale Sicherheit, die Verwendung der Technologie durch Drogenhändler und Steuerhinterzieher sowie aus Furcht vor gesellschaftlichem Zerfall. Viele dieser Bedenken werden zutreffen: Krypto-Anarchie wird es erlauben, nationale Geheimnisse sowie illegales und gestohlenes Material frei zu handeln. Ein anonymisierter und computerisierter Markt wird sogar verabscheuungswürdige Marktplätze für Attentate und Erpressung ermöglichen. Verschiedene kriminelle und ausländische Elemente werden CryptoNet aktiv nutzen. Das jedoch wird die Verbreitung der Krypto-Anarchie nicht aufhalten.

So wie die Technologie des Buchdrucks die Macht mittelalterlicher Gilden einschränkte und soziale Machtstrukturen veränderte, so werden kryptologische Methoden die Natur von Konzernen und von staatlichen Eingriffen in wirtschaftliche Abläufe grundlegend verändern. Zusammen mit den entstehenden Informationsmärkten wird die Krypto-Anarchie einen liquiden Markt für jegliches Material schaffen, das sich in Worten und Bilder fassen lässt. Und genau wie die scheinbar unbedeutende Erfindung von Stacheldraht das Einzäunen riesiger Ranches und Farmen ermöglichte und so für immer die Auffassung von Land- und Besitzrechten im westlichen Grenzland veränderte, so wird die scheinbar unbedeutende Entdeckung aus einem obskuren Zweig der Mathematik zur Drahtschere werden, die den Stacheldraht nieder reißt, der um geistiges Eigentum liegt.

Erhebt euch, ihr habt nichts zu verlieren außer euren Stacheldrahtzäunen!

Timothy C. May, 1988

Die Übersetzung wurde um einen Satz mit unwesentlichen Details zu Technologie der 80er-Jahre gekürzt. Wikipedia-Links von mir. Bild: (cc) xkcd

Übrigens: Die Gründe für die 2010 immer noch fehlende massentaugliche Unterstützung für Verschlüsselung in den Emailclients dieser Welt ist angesichts dieses Texts meines Erachtens so bedauernswert wie nachvollziehbar. Wäre einen eigenen Artikel wert.


Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin:

Deutsche Medien kannten in diesem Sommerloch nur ein Thema: Google Streetview. “So ist ihr Haus im Internet zu sehen!” titelt die BILD. Medien und Politik echauffieren sich darüber, dass Google den öffentlichen Raum abfotografiert. Für Zeitungsartikel werden Pensionisten vor ihrem Haus abgelichtet, die darüber erbost sind, dass ihr Haus öffentlich abgelichtet werden soll.

Dabei geht es lediglich um das Abbilden von Öffentlichkeit. Etwas, das Reise- und Fotobuchverlage seit jeher machen und damit hochwillkommene historische Dokumentationsarbeit leisten.

Die Zeitungsverlage schüren die Anti-Google-Stimmung, um das von ihnen geforderte Leistungsschutzrecht politisch durchzuboxen. Dieses sieht vor, Überschriften und Teile von Sätzen einem Monopolrecht zu unterwerfen. Snippets, wie sie auf Suchmaschinen und Aggregatoren üblich sind, aber auch Zitate wären bei Verlagsinhalten nicht mehr möglich. Ein klarer Angriff auf die Informationsfreiheit.

Politiker wiederum profilieren sich ängsteschürend als Datenschützer. Praktisch wenn sie damit von den von eigenen Eingriffen in die Privatsphäre ablenken: Die hierzulande kurz vor Umsetzung stehende Vorratsdatenspeicherung sieht die Speicherung aller Verkehrsdaten inklusive URLs, Emailadressen und Ortskoordinaten von Handygesprächen über sechs Monate vor. Eines jeden Bürgers, ausnahmslos. Die eben ausgehandelte ACTA-Regelung erlaubt unter anderem das Durchsuchen von Notebookfestplatten nach Urheberrechtsverletzungen bei Grenzübertritten. Et cetera. Die Streetview-Diskussion eignet sich hier wunderbar als Nebelbombe.

Wie komme ich dazu, mir mein Haus von einem paranoiden Nachbarn verpixeln, und wie das Tourismusland Österreich mit 22 Mrd. Einnahmen pro Jahr, sich ein derart wichtigstes Marketinginstrument nehmen zu lassen? Verbieten wir demnächst Postkartenverlagen ihr Geschäft? Oder unseren Gästen das Veröffentlichen ihrer Urlaubsfotos auf Facebook?

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, also hat das Anrecht auf öffentlichen Raum („Panoramafreiheit“) auch da zu gelten. Für jeden, auch für Google. Dabei gäbe es rund um Google genug tatsächlichen Regulierungsbedarf, beispielsweise dominiert Google etwa die Hälfte der weltweiten Online-Werbung.

Foto: (cc) Norbert Aepli

PS. Weil es gerade zum Thema passt: Ein sehenswertes Video zur ACTA-Vereinbarung:

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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