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Über Löwen und Ameisen

October 19, 2008  

In Isaac Maos Präsentationen auf Slideshare ist mir ein Slide aufgefallen, das “Intelligent Design” der Evolution gegenüberstellt. Ich hab den Gedanken weitergesponnen, und rausgekommen ist diese Präsentation:

Was fehlt noch?


Erinnert sich jemand an die Entstehungsgeschichte von Windows? Windows startete nicht als Betriebssystem sondern als grafische Oberfläche für die Betriebssysteme DOS und OS/2. (Der Ur-Name von Windows war “Interface Manager”.)

chrome-vs-windows

Eine ähnliche Strategie steckt auch hinter Google Chrome: Chrome ist genausowenig nur ein Browser, wie Windows damals nur eine grafische Oberfläche war. Natürlich ist Chrome auch ein Browser. Und zwar eigentlich kein eigenständiger, sondern ein Safari-Klon, denn das Herz jedes Browsers ist die Rendering Engine, und die kommt bei Chrome von Apple: Webkit.

Chrome will also nur ein guter Browser sein, kein besserer. Hier geht es aber längst nicht mehr um Browser Wars – das Ziel ist in erster Linie MS Office, aber auch darüber hinaus eine Dominanz im Betriebssystemmarkt. Alle Punkte, in denen sich Chrome von anderen Browsern unterscheidet, sind direkte Angriffe auf den Betriebssystemmonopolisten in Redmond:

  1. Googles brandneue Javascript Engine V8 soll dafür sorgen, dass Web-Applikationen à la Gmail, Google Docs oder Spreadsheets schneller laufen. Vor allem aber werden mit V8 neue, deutlich komplexere und ressourcenintensivere Applikationen denkbar. Aber was bringt das, wenn nicht alle mit Chrome surfen? Zweierlei: Im Enterprise-Markt darf von homogenen Browserlandschaften ausgegangen werden. Ein Konzern, der von MS Office und Exchange auf Google Apps umsteigt, steigt dann halt auch auf Chrome um. Und zweitens: Chrome ist Open Source und will mit V8 den anderen Browserherstellern (allen voran Mozilla/Firefox) zeigen, wie’s geht.
  2. Wichtiger noch als V8 ist die native Unterstützung von Google Gears, womit diese Webapplikationen auch offline funktionieren. Gmail im Flieger, Kalenderzugriff im UMTS-Funkloch – mit Chrome alles kein Problem mehr. Und wieder will Chrome anderen Browserherstellern zeigen wie’s geht – und gleichzeitig uns Webapplikationsentwickler motivieren, Offline-Unterstützung über Gears einzubauen.
  3. Die Art und Weise wie Chrome einzelne Websites und Tabs als getrennte Prozesse enkapsuliert und den Speicherhunger von Webapplikationen reguliert, sieht schon sehr nach einem Betriebssystem aus: Da Chrome dazu gedacht ist, immer geöffnet zu bleiben (man schließt ja Windows auch nicht während der Arbeit), will man verhindern, dass der Browser dabei immer langsamer wird – oder einzelne Websites gleich den ganzen Browser zum Abstürzen bringen können.
  4. Außerdem können Web-Applikationen als Desktop-Verknüpfungen am Desktop abgelegt werden und öffnen dann ohne Browser-Elemente, nur mit einem Rahmen drum herum. Warum aber der Missing Link zwischen Internet und Betriebssystem nicht geschlossen wurde, ist mir schleierhaft.

Verwunderlich finde ich auch, dass Google Desktop Search nicht auch gleich voll in Chrome integriert wurde. Ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis das passiert.

Mit Chrome geht nicht nur das Zeitalter von Microsofts Dominanz zu Ende, (spätestens) Chrome läutet auch die Ära des Cloud Computing ein. Firmen mit eigener Server-Infrastruktur werden in ein paar Jahren der Vergangenheit angehören. Und auch der gute alte Personalcomputer wird hauptsächlich Applikationen ausführen, die in der “Cloud” laufen – das wird bei Bildbearbeitung oder irgendetwas anderem genauso selbstverständlich sein wie ich diesen Text hier nicht in lokalem Word sondern auf einer WordPress-Installation auf einem in LA gehosteten Server schreibe.

In das gleiche Horn stößt auch Marcel Weiss: Der Anfang von etwas Großem.

(Hinweis auf grafische Ähnlichkeit der beiden Logos via Thomas Vehmeier, via Robert Basic)


Google Chrome ist eine brilliante Strategie im Kampf gegen Microsoft. Nein, nicht gegen den Internet Explorer, gegen MS Office und Windows.

Aber warum (warum??? warum?!?!) ist Google den letzten logischen Schritt nicht gegangen, einzelne Webapplikationen im Betriebsystem als primäre Verknüpfungen für einzelne Dokumenttypen registrieren zu können? Warumwarumwarum?

doc-verknuepfung

Wenn ich ein .doc doppelklicke, soll sich Google Docs oder Zoho Office oder was auch immer öffnen! Google Maps bei KMLs, Gmail bei mailto’s und .msg. Etc!

DAS ist der Missing Link zwischen Internet und Betriebssystem.

Update: Jetzt ausführlicher: Google Chrome ist ein Betriebssystem, kein Browser.

Related und absolut unterhaltsam: Robert Basics Replik “Spreeblick bildet” auf die Spreeblick-Polemik “Wir sind BILD: The Chrome Conspiracy“.


Ein Gastbeitrag von Daniel Messner (Chilli.cc, Medienschelte):

Ob das Internet verblödet, fragte nicht nur der Spiegel in den letzten Wochen. Und auch im Netz gibt es eine nicht enden wollende Diskussion. Vom Kommunikationswahn ist die Rede, der nervöse Individuen hervorbringt, die sich nicht mehr konzentrieren können und sich im Datenmeer verlieren. Nicholas Carr beschreibt in einem Artikel, dass er sich nicht mehr auf längere und kompliziertere Texte einlassen könne.

spiegeltitel-internet

Ich möchte für die kommende CHiLLi.cc-Ausgabe einen Beitrag über das Thema “Datensucht”, “Internet macht uns doof” und “Google verblödet uns” schreiben, nicht zuletzt, da ich finde, dass das Thema allzu einseitig behandelt wird.

Inwiefern verändert das Internet unser Lese- und Schreibverhalten, ganz allgemein unseren Umgang mit Informationen? Und gibt es eine Beurteilung jenseits von Verteufelung und Verherrlichung? Ich würde gerne Stimmen, Erfahrungen und Meinungen von Menschen in den Beitrag einbauen, die mit den neuen Medien arbeiten.

Ich werde versuchen alles einzubauen, was ich bis Montag, 25.08., 15.00 Uhr erhalte.

Fragen:

Über Antworten würde ich mich freuen.

Sie nennen es Eigentor

August 12, 2008  

Warum die Welt eine Google ist und weitere Vergnügungen. (via Rivva)


Gestern ging die seit einem Jahr angekündigte Del.icio.us 2.0 online, das jetzt endlich auch auf einer merkbaren Domain, nämlich Delicious.com läuft. Für technisch Interessierte ist auch spannend, dass Delicious auf Basis des PHP-Frameworks Symfony komplett neu geschrieben wurde.

delicious

Ich verwende Delicious seit 2.600 Bookmarks und 4 Jahren (es war Liebe auf den dritten Blick) und die Liebe ist ungetrübt.

Wobei.. wenn ich mir was wünschen dürfte: Ich hätte gerne meine Bookmarks (plus die meines Delicious-Networks) als persönlichen Suchmaschinen-Index.


Auf Techcrunch erschien heute dieses Video, das zeigt, woran man bei Google gerade bastelt. Man orientiert sich dabei ganz offensichtlich an Wikia, der Suchmaschine von Jimmy Wales, und an Digg. Wir User sollen Suchergebnisse nach oben oder unten voten und diese kommentieren.

Seit Jahren (seit es Del.icio.us, Slashdot, Digg & Co gibt), war klar, dass das die Zukunft ist. Warum es so lange gedauert hat, weiß ich nicht.


Achtung Gerüchteküche:

google-at

Google verhandelt möglicherweise über ein Betriebsgelände in Kronstorf, einem Kaff in der Nähe von Linz – und Vorort meiner Heimatstadt Steyr.

Das Gerücht wurde von Simon Kopf, Geschäftsführer eines Gadget-Startups in Kronstorf, auf Twitter gepostet, gehört hat er es wiederum von “2 Landwirten aus der Region und Tankstellentratsch. Beides aus zweiter Hand.” (Tweet)

Der üblichen Standortpolitik von Google, sich in der Nähe von Top-Unis anzusiedeln, würde das allerdings nicht entsprechen – die nahegelegenen FHs und Unis (Steyr, Hagenberg und Linz) spucken die von Google benötigte Qualität und Quantität kaum aus.

Update: Sebastian weist in den Kommentaren drauf hin, dass das viel eher nach Datencenter klingt. Hat was! In Kronstorf befindet sich ein Staukraftwerk, das würde passen (kurze Zuleitung), weitere Kraftwerke mit in Summe ~300 MW befinden sich im Umkreis von wenigen Kilometern.

Update2: Von einem Steuerberater aus der Region: Die Gemeinden Kronstorf und Hargelsberg hätten ein 45ha großes gemeinsames Betriebsgelände geplant. Ein Interessent habe sich gemeldet – habe allerdings 80ha gebraucht. Stellte sich als Google heraus. Es gebe noch einen zweiten möglichen Standort, aber Entscheidung für Kronstorf sei “zu 95%” gefallen. “Offenes Geheimnis hier.”

Update3: Antwort von Google: “No comment” – aber zwischen den Zeilen klingt Zustimmung durch. Siehe Kommentar von Georg Holzer.

Update4: Die Futurezone berichtet, die Story landet auch auf der orf.at-Frontpage. (Die weitere Entwicklung habe ich in “Traurige alte Medienwelt” beschrieben.)

Update5: Thomas Knüwer fasst auf ‘Indiskretion Ehrensache’ die Genese dieser Story treffend zusammen: Google, das österreichische Dorf und der digitale Wirtshaustisch.

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Update April 2014: Das Datencenter wurde immer noch nicht gebaut. Der ARTE-Journalist Moritz Metz hat Kronstorf besucht und einen Radio-Beitrag dazu gestaltet:


Matthias Platzer und Dieter Rappold, aka die Knallgrauen, waren letzte Woche auf der Web2.0-Expo in San Francisco und haben Spannendes zu berichten. Als Zusammenfassung ihrer Zusammenfassungen habe ich diese 4 Präsentationen als persönliche Highlights der Konferenz ausgewählt – streng subjektiv und lückenhaft:

 

1. Die Keynote von Fake Steve Jobs
Höchst amüsant – und am Schluss sagt der Old-Media-Althase dann ein paar bemerkenswerte Sätze:



 

2. Customer Service is the New Marketing
Das “Märkte sind Gespräche” des Cluetrain-Manifests beschreibt die Theorie, diese Slides zeigen wie die Praxis aussehen kann (soll):



 

3. Social Media Optimization and Marketing 101
Wie man in der neuen Welt des “If the news is important it will find me” Aufmerksamkeit bekommt:



 

4. Even Faster Web Sites
Die Präsentation des Website-Performance-Gurus Steven Souders (Achtung – sehr technisch):



 

Wer Aufholbedarf zum grundsätzlichen Unterbau des Themas Web2.0 hat, schaue sich auch die Keynotes von Tim O’Reilly, Clay Shirky, etc. an. Außerdem gibt es sicher jede Menge weiterer interessanter Beiträge. Die meisten Vorträge der Konferenz finden sich auf Slideshare oder auf Blip.tv.


Wie unterscheidet man Suchmaschinen-Bots von Spambots? Suchmaschinen halten sich an Robot-Exclusion-Standards. Da Microsoft am Suchmaschinenmarkt bislang wenig Erfolg hatte, hat man möglicherweise entschieden, in den Spammarkt einzusteigen:

Hier der Quellcode meines Xing-Profils (über die Privacy-Settings von Xing von mir so gewählt):

xing-source

Trotzdem scheint das Xing-Profil bei einer Suche nach mir an 10. Stelle auf:

xing-live-search

Scheinbar nur eine Kleinigkeit, aber zumindest ein weiterer Baustein in einer langen Liste an Gründen, die diese Firma unsympathisch machen.

Update 7.5.: Jemand aus dem Live-Search-Team verspricht das Problem zu beheben. Siehe Kommentare.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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