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Dieser Artikel darüber, wie Unternehmen Kanäle wie Twitter, Facebook und Weblogs einsetzen, um Kundenprobleme zu lösen und aus Kunden Fans zu machen, wird am 26. Februar im neuen Werbeplanung.at-Guide 2009 erscheinen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ein Produkt gekauft, weil Sie die Werbung überzeugt hat? Die Empfehlung Anderer ist in allen Studien die starke Nummer Eins unter den externen Faktoren, die zu einer Kaufentscheidung führen. Das geht auch über persönliche Freunde und Kollegen hinaus: Als Blogger erhalte ich ab und zu ein Dankesmail von einem mir völlig unbekannten Leser, der mich informiert, dass er sich eben aufgrund eines Postings bei mir ein bestimmtes Handy gekauft oder dass er aufgrund meiner unspektakulären Reisefotos eine Reise nach Thailand gebucht hat.

Doch nicht nur die relative Minderheit der Blog-Schreiber und -Leser ist betroffen, Online-Mundpropagande wird zunehmend zum Massenphänomen: Dienste wie Facebook (mit seinen “Friend-Feeds”) und Twitter liefern das alltägliche kleine Ärgernis plötzlich in die Augenwinkel eines meist jeweils dreistelligen Publikums von persönlich bekannten “Friends” oder “Followers”.

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Diese Vernetzung von Konsumenten führt zu einem weltumspannenden Frühwarnsystem, das zunehmend bestimmt, ob der neue Kinofilm nach dem ersten Wochenende floppt oder fliegt und ob das neueste Elektronikgadget für Abzocke oder für ein Must-Have gehalten wird.

Doch es gibt auch Markenartikler, die eben diese technischen Möglichkeiten für das besondere Kundenerlebnis nutzen: Stellen Sie sich vor, sie teilen Ihren Frust über ihre neueste Anschaffung per Twitter mit ihren Freunden – und erhalten daraufhin ungefragt persönliche Unterstützung des Herstellers!

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Genau das geschieht: Der US-Internet-Provider Comcast überwacht Millionen an täglichen Twitter-Nachrichten und Blog-Beiträgen nach Nennung seiner Produktnamen und lässt Problembeschreibungen von einem Mitarbeiter direkt – per Twitter-Nachricht oder Blog-Kommentar – beantworten. Unter twitter.com/comcastcares ist die Kommunikation zwischen Comcast und seinen Kunden übrigens öffentlich einsehbar. Selbst auf Facebook betreibt Comcast eine eigene Diskussionsgruppe für Kunden.

Der Hardware-Hersteller Dell agiert ähnlich und bewirtschaftet bereits zwei dutzend Twitter-Accounts (zu sehen unter dell.com/Twitter), mit denen Kundenanfragen beantwortet werden. Der Hauptaccount “DellOutlet” hat bereits über 15.000 Follower.

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Die Fluglinie Southwest Airlines nützt Twitter wiederum auch, um positive Produkterfahrungen zu verstärken: Kunden, die sich beispielsweise auf Twitter über den vereinfachen Check-In-Prozess freuten, erhielten ein nettes “Danke-Schön” von einer Southwest-Mitarbeiterin – worüber die sich natürlich neuerlich öffentlich freuten. Solche positive Überraschungen führen – in ausreichender Menge – zu einem veränderten, persönlicheren Markenbild in der Öffentlichkeit. Neben dieser Funktion als Rückkanal von Kunden eignet sich Twitter übrigens auch hervorragend als Frühwarnsystem oder zur Feinabstimmung der Kommunikation.

Besonders Startups und kleine Unternehmen mit geringen Marketing-Budgets nutzen Twitter, um auf sich aufmerksam zu machen. So kommt es vor, dass man über ein Produkt twittert und kurz darauf eine persönliche Nachricht erhält, das auf ein Konkurrenzprodukt aufmerksam macht. Sind solche Nachrichten nicht durch schlechte Automatisierung am Thema vorbei formuliert, werden sie übrigens nicht als Spam sondern als nützlich empfunden – zumindest solange die Summe solcher Nachrichten überschaubar bleibt.

Am besten Sie beginnen gleich heute damit, nach Ihren Firmen- und Produktnamen Ausschau zu halten: Durchsuchen Sie Twitter über search.twitter.com und Weblogs über twingly.com. Werden Sie dann Teil des Gesprächs – antworten Sie. Geben Sie dabei Ihre “Corporate Voice” an der Gardarobe ab – benutzen Sie Ihre menschliche Stimme.

Über Ihre Erfahrungen mit dieser Form der Conversation Economy würde ich mich freuen: Sie erreichen mich unter twitter.com/muesli.


porn-apps (c) joy of tech

Im September schrieb ich, warum Google Chrome ein Betriebssystem ist, und kein Browser. Heute – beim Schreiben des G1-Reviews – wurde mir klar, dass Google Android (das Betriebssystem des G1) ebenso nur ein weiterer Mosaikstein zum globalen Web-Betriebssystem von Googles Gnaden ist.

Noch ist das G1 kein Gerät, das die Welt zum Staunen bringt. (Wobei: Hätte es das Iphone nicht gegeben, wäre das anders.) Aber bereits jetzt ist absehbar, dass Google mit Android genau das gelingt könnte, woran Symbian und Openmoko leider gescheitert sind: Den Standard für Handy-Betriebssysteme zu setzen. Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig auch Windows Mobile durch Android unter Druck kommt.

Das Betriebssystem Android ist solide und – im Gegensatz zu Windows Mobile oder dem Iphone – in alle Richtungen offen. Die Strategie heißt “Out-Open your competitors”. (Etwas, das Yahoo gerade – allerdings aus der Position des Verlierers – mit der Yahoo Open Strategy und BOSS versucht.)

Noch gibt es noch nicht viele aufregende Applikationen, aber das wird sich ändern. Die Android-Plattform wird es ermöglichen, dass Programmierer und Startups das Paradigma “Handy” gänzlich neu definieren. Außerdem werden wir vermutlich auch andere Geräte sehen, auf denen Android läuft: Netbooks, Kühlschränke, Digitalkameras, GPS-Geräte, Fernbedienungen, MP3-Player, Roboter, Autos.

Die Macht der Hersteller – Größen wie Sony, Motorola, HTC, LG, Samsung und Garmin arbeiten an Android-Hardware – und der Netzbetreiber wird durch die Offenheit auf ein erträgliches Maß zurückgestutzt. Langfristig werden Netzbetreiber lediglich die Rolle des kabellosen Internetproviders spielen – alle Dienste die in diesem Netz laufen (auch Voice) werden dem freien Markt unterliegen. Beschränkungen wie heute üblich sind auf offenen Plattformen wie Android technisch leicht umgehbar. Interessant zu sehen, wie Google die Branchengrößen vor sich hertreibt und zwingt, ihre eigenen Monopole abzutragen.

Neben der Offenheit profitiert natürlich Google: Ähnlich wie Microsofts Webdienste davon leben, dass viele Windows-User ihre Standard-Einstellungen nicht verändern, ist Android direkt mit Google-Webdiensten verbunden. Wetten, der erste große Android-Antitrust-Prozess gegen Google ist weniger als fünf Jahre entfernt?

Doch im Gegensatz zu Microsoft, deren Integration Betriebsystem <--> Webdienste hauptsächlich der größeren Reichweite zweiterer dient, beginnt Googles Strategie mit dieser Integration erst: Googles Stärke Nummer eins ist die “Computing Power”. In dutzenden Datenzentren rund um den Globus stehen hunderttausende Server.

Auf diesen Servern läuft das globale Internet-Betriebssystem (WebOS), das auch Android-Usern eine ganze Reihe von Diensten leistet: Übersetzungen (bald auch Voice und Realtime?), Spamschutz, Email, Kalender, Spellcheck, Kontaktverwaltung, Dokumentverwaltung, Presence (über Google Talk), Informationsmanagement (Google Reader), Navigation und Verkehr (Maps), Suche (Search und Local), etc.

google-g1

Übrigens fehlt Google zur universellen Strategie noch die richtige Voice-over-IP-Technologie. Was die alten Google-buys-Skype-Gerüchte wieder aufwärmen könnte. Ebay will Skype eh los werden.

Android ist kein Betriebssystem, es ist Teil eines Betriebssystems. Des Betriebssystems.

Foto (cc) Dekuwa. Thanks for sharing!


Seit ein paar Wochen teste ich das Google-Handy G1, das mir T-Mobile zur Verfügung gestellt hat. Ich hätte das Gerät gerne mehr getestet, war aber im Testzeitraum zu oft im Ausland unterwegs (wo die zur Verfügung gestellte Simkarte nicht funktionierte) und hatte auch sonst einfach zu wenig Zeit.

Warum Android strategisch ein großer Wurf ist, schreibe ich im nächsten Beitrag. Hier ein Abriss der High- und Lowlights des G1 mit Android.

g1

Georg beschreibt das G1 recht treffend als Das Anti-Iphone:

Für wen ist das G1 ein Muss? Für alle echten Technik-Fans, die mit kleineren Mängeln bei der Hardware leben können. Softwareseitig reift es gerade und wird sicher immer besser.

Positiv:

Negativ:

Negativ – aber vermutlich bald behoben:

Tipps für Anwender:

Applikationstipps:

Applikationen, die ich (noch) nicht gefunden habe, aber dringend vermisse:

Tipps für Fortgeschrittene:

Foto (cc) Miniroom549 – thanks for sharing!


Ob T-Mobile einen Blogbeitrag wie diesen hier im Sinne hatte, als sie neun österreichische Blogger, darunter mich, mit einem Exemplar des neuen Google-Handys mit dem vielversprechenden Betriebssystem Android ausstatteten, bezweifle ich.

Aber so ist das bei Bloggern, die sind noch weniger leicht einzuschätzen als Journalisten. Was sie dann schreiben, ist schwer vorherzusagen. Trotzdem zeichnet sich bereits ab, dass sich die Aktion auszahlt. Warum, und wie das ganze ablief, versuche ich hier nachzuzeichnen:

Die Kontaktaufnahme erfolgte über jemand, den ich persönlich kenne und der, nachdem ich Interesse bekundet hatte, den Kontakt zu T-Mobiles Agentur, Ambuzzador, herstellte. (Ambuzzador ist auf Buzz Marketing spezialisiert, neudeutsch für Mundpropaganda.) Nicht dass persönliche Kontaktaufnahme Voraussetzung für so eine Aktion wäre, aber es hilft.

Ambuzzador hatte nach Inhalten und Reichweite eine Liste von Bloggern zusammengestellt, die zum Thema passen aber auch genügend Reichweite und Google-Juice haben: Max, Michi, Luca, Peter, Ritchie, Robert, Martin, Peter und Georg. (Jana fällt krankheitsbedingt aus – gute Besserung!)

Ein gute Mischung: Thematisch breitere Blogs mit Reichweite sowie auf Mobil- und Technikthemen spezialisierte Blogs. Zur Auswahl hat sich Ambuzzador relativ eingehend mit den Blogs auseinander gesetzt, wie eine versehentlich beim Kennenlerntermin liegengelassene Liste zeigt: Nicht nur die Themen jedes Blogs waren sauber recherchiert, die Blogs waren auch nach diversen Reichweitenkriterien wie Technorati-Authority, Page-Rank, Feedburner-Zahlen und Google-Backlinks bewertet. Dazu wurde mit Mobileblogger.at ein Blog-Aggregator eingerichtet, der all unsere Beiträge zum Thema aggregiert.

Die Kontaktaufnahme erfolgte bei jedem persönlich. Die übermittelten Infos waren ok, auch wenn ein paar Wünsche ans Christkind dabei waren (“Regelmäßiger Bericht in deinem Blog, idealerweise mit Fotos und Screenshots bebildert, im Idealfall mindestens 3-mal wöchentlich..”, “SEO-Optimierung deines Blogs auf die Suchworte T-Mobile G1, HTC, Google, Handy, Wikitude, Shopsavy und Android.”). Ein dreimalig stattfindendes Treffen im WerkzeugH, Catering included, sorgt für genügend Schnittflächen mit den involvierten T-Mobile-Mitarbeitern und ist – ob geplant oder nicht – gleichzeitig eine kostengünstige Fokusgruppe für ein Produkt, dessen Positionierung am Markt ohnehin schwer festzumachen ist.

Kostenpunkt der Aktion: Die Agentur, neun Testhandies (müssen wir nicht zurückgeben), neun auf die Dauer der Aktion beschränkte T-Mobile-Simkarten und ein bisschen Catering. Überschaubar.

Auf der anderen Seite stehen dutzende Blogbeiträge zum Thema schon ein Monat vor offiziellem Verkaufsstart. Die Anzahl der Leser dieser neun Blogs alleine rechtfertigt den Aufwand jedoch nicht: Schon der Technikredakteur eines mittleren Regionalblatts erreicht mehr Leser als wir zusammen.

Das im Firmennamen der Agentur verkündete Ziel, “Buzz”, wird durch Blogleser – die selbst oft auch Blogger, Journalisten oder Twitterer sind – jedoch viel mehr erzeugt, als das bei Zeitungslesern der Fall ist. Der spontan vereinbarte “Hashtag” g1at wird auf Twitter beispielsweise auch schon von anderen, nicht an der Aktion beteiligten Twitterern verwendet.

Außerdem, und das halte ich für den wesentlichen Effekt der Aktion: Einen Monat vor Verkaufsstart sorgen dutzende Blogbeiträge auf gut gerankten Blogs dafür, dass sich T-Mobile für den zu erwartenden Suchmaschinentraffic zum Thema wappnet. Schon jetzt, kurz nach dem Start ist ein Blogpost der Aktion auf Seite 1, wenn man auf Google nach “T-mobile G1” sucht. Weiters wird Mobileblogger.at nachhaltig und glaubwürdig für gute Suchmaschinenplatzierung zum Thema sorgen.

Zum Handy selbst ein anderes Mal mehr. Leider umfasst die Testvereinbarung kein Roaming, also wird’s die nächsten Tage nichts mit Testen – da bin ich in Deutschland unterwegs, und das Handy ist berüchtigt dafür, ständig “nach Hause zu telefonieren” und auch ohne bewusste Internetnutzung hohes Datenvolumen zu erzeugen.

Wer’s nicht erwarten kann: Auf t-mobileg1.com gibt es ausführliche Demos.

Zum Foto: Der vorinstallierte Browser ist für Iphone-verwöhnte Menschen eine Enttäuschung. Zum Glück gibt es im Android-Applikationsmarktplatz einen kostenlosen Browser namens Steel, der keine Wünsche offen lässt. Oder, doch, einen: Multitouch für Zoom geht beim G1 nicht (bzw. nicht ohne irgendwelche Hacks).

Update: Auch bemerkenswert: Der 10. Platz wurde ausgeschrieben, den Zuschlag bekam Barbara. Die 22 weiteren Blogger, die sich bewarben, lädt T-Mobile zu einer Testveranstaltung vor Verkaufsstart. Sauber, so macht man das.


Christoph Chorherr fragte während der gemeinsamen Zugfahrt zum PolitCamp in die Runde, wie man das Internet nutzen könnte, um flexiblere Carpooling-Modelle für die städtische Peripherie zu entwickeln. Dort ist die Wohndichte zu niedrig für ein hochfrequentes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ein steter Strom halbleerer Privatfahrzeuge fährt täglich in die Stadt und abends zurück.

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Klar, hier gibt es längst eine Reihe von webzweinulligen Initiativen im Internet, die Carpooling organisieren, zb. GoLoco, eRideShare oder PickupPal. Spontan lässt sich ein solches Carsharing aber nicht abwickeln, man muss da schon gut planen. Das eigene Auto behält damit einen zu großen Vorteil.

Außer man möchte Autostoppen. Autostoppen?

Als die Russen Cuba 1991 schlagartig den Ölhahn zudrehten, begann die “Período Especial“, in der u.a. Carpooling und Autostopp von oben verordnet wurden. Jedes staatliche Auto ist heute noch verpflichtet, Autostopper mitzunehmen. Als ich vor ein paar Jahren mit dem Mietwagen auf Cuba unterwegs war, hatten wir auch ständig Autostopper hinten drin, fand ich sehr lustig. (Die Dokumentation “The Power of Community” zeigt, welche Lehren wir in Zeiten von Peak Oil aus den kubanischen Strategien ziehen können.)

Aber ich schweife ab. Also Autostoppen. Die Frage die mich seit dieser Zugfahrt beschäftigt, ist, wie man die Vorteile von Autostoppen (Spontaneität) mit den Vorteilen organisierten Carpoolings (Sicherheit, Vertrauen, kurze Wartezeiten) paaren könnte.

Mir ist ein Modell eingefallen, aber ich habe keine Ahnung, ob das technisch machbar ist. Aber ich vermute mal: Ja. (Bitte um sachdienliche Hinweise!) Nötig wäre die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Mobilfunkbetreibern – beim entsprechenden politischen Willen kein Problem.

Die Sache geht so:

(1) An Hauptrouten in der Peripherie Richtung City (oder wohin auch immer die Hauptströme der Pendler gehen) einerseits und an Ausfallsstraßen, Park-n-Ride-Anlagen und Ubahn-Endstationen andererseits (für den Rückweg) werden entsprechende Haltestellen installiert.

(2) Diese Haltestellen sind mit Mobilfunktechnologie (grob gesagt à la IMSI-Catcher) sowie zwei grünen Lampen ausgestattet.

(3) Sobald ein “Autostopper” sich auf eine solche Haltestelle stellt, und er sein Mobiltelefon in der Tasche hat, das auf der Website des Dienstes registriert ist (und sein User dort nicht zuviele negative Reviews gekriegt hat), leuchtet das Autostopper-Licht grün.

(4) Vorbeifahrende Autofahrer sehen den Autostopper und das grüne Licht und können nun stehen bleiben. Sind sie ebenfalls dort registriert (und vertrauenswürdig), leuchtet das Autofahrer-Licht ebenfalls grün. Die beiden können nun miteinander reden und ihre Ziele abstimmen.

(5) Jeder Haltestellen-Kontakt wird im Web-Dienst zur Sicherheit aller protokolliert. Dort haben die miteinander in Kontakt getretenen nachher auch die Möglichkeit, positive oder negative Bewertung des anderen abzugeben, à la Ebay. “Reputation Management”, dafür existieren mittlerweile genügend ausgewogene und getestete Modelle. Siehe Couchsurfing, dort funktioniert das sogar für gemeinsame Übernachtungen prächtig. Wie sich jemand nach zuvielen negativen Bewertungen rehabilitieren kann, müsste man noch überlegen, aber auch das ist lösbar.

(6) Dabei gefällt mir Chorherrs Vorschlag gut, den Autofahrer aus öffentlichen Mitteln mit ~50 Cent für jedes Mal Mitnehmen (oder für jede postive Bewertung?) zu belohnen. Sowie vielleicht besonders fleißige Mitnehmer irgendwie zu ehren. Schließlich ist sowas immer noch um einiges billiger als Individualverkehr subventionieren zu müssen (wie derzeit) oder teure Bus/Bahn-Linien hochzuziehen.

Weiß jemand der Mitlesenden, wie man das technisch umsetzen müsste? Wie erkennt ein “Laternenpfahl” die Identität eines Handybesitzers (der dies wünscht)? Wie kann man den Umkreis dieser Erkennung so einschränken, dass sicher ist, welcher Autostopper und welches Auto gemeint ist?

(Illustration aus der Wikipedia und Public Domain.)


Heute morgen traf ich Florian Novak von Lounge.fm, einem recht hörbaren neuen Radiosender in Oberösterreich, der auch über DVB-H (vulgo Handyfernsehen bzw. -radio) sendet. Er gab mir ein Testhandy von Drei zum Ausprobieren mit.

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Foto des Nokia N77 mit Pro7 in Cinemascope. Foto von mir – so sieht ein offizielles Produktfoto aus.

Bislang ging ich eigentlich davon aus, dass Handy-TV uninteressant ist – wer will schon unterwegs fernsehen, noch dazu in mieser Qualität und auf einem Miniscreen?

Nur, jetzt hänge ich schon seit einer Stunde auf Pro7 bei irgendeinem Hollywood-Schmonzes fest. Die Bildqualität am Nokia N77 ist überraschend gut und die Soundqualität ausgezeichnet. Nur der Bildschirm ist etwas klein.

Aber: Das ganze auf einem Screen in Iphone-Größe, und ich frage mich, ob sowas “echtes” TV nicht komplett ablösen könnte? Ein Iphone in Armabstand bietet immerhin die gleiche gefühlte Bildschirmdiagonale wie ein riesengroßer Sony Bravia in ein paar Metern Entfernung:

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Das Foto ist übrigens mit dem Nokia N77 gemacht, dessen Digitalkamera sichtlich versagt. (Nicht nur innen: Hier ein Außenfoto, gemacht heute bei der Österreich-Radrundfahrt.) Der Bravia im Hintergrund hat eine Diagonale von etwa 1,2 Metern – und mit DVB-T-Antenne gefühlt schlechtere Bildqualität als TV am Nokia. Das Iphone zeigt ein Youtube-Video.

Vor etwas mehr als 10 Jahren waren Telefone immer fix Räumen zugeordnet, heute sind sie mobil. Und sie waren in der Regel Familien zugeordnet, nicht Personen. Wird TV im letzten Jahrzehnt seines Bestehens vom Wohnzimmer in die Handys wandern? Alleine schauen = Handy, in der Gruppe schauen = Public Viewing? Das würde zumindest den Kampf um die Fernbedienungen lösen.

Ein Handy mit TV werde ich mir trotzdem nicht zulegen, aber ich bin auch nicht Zielgruppe – ich besitze ja nicht mal einen Fernseher.

Übrigens: Nach bald einem Jahr Iphone-Benutzung fühlt sich der Umstieg auf das Nokia N77 an wie ein Umstieg von Tasten- auf Wählscheibentelefon. Nein Danke.

PS. Georg Holzer weist in den Kommentaren zu recht auf die saftigen Kosten hin. Und, die Frage kommt mir gerade: Muss ich jetzt Rundfunkgebühren zahlen?


In zwei Tagen ist es soweit, das neue Iphone kommt.

Dass die von Steve Jobs groß angekündigten $199 fürs neue Iphone eine große Mogelpackung sind, war eh zu vermuten. Tatsächlich kriegt man es nicht mehr wie bisher in US-Apple-Shops ohne Vertrag, sondern nur noch mit. Laut Techcrunch kostet es inklusive ATT-Stornokosten dann um die $500, also ca. €320. Mühsam ist es obendrein (Vertrag abschließen, Vertrag kündigen).

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Diesmal muss aber, wer ein entsperrtes Iphone ohne Knebelvertrag will, offenbar nicht in die USA fliegen. Bei Mobistar in Belgien gibt’s ein entsperrtes Iphone ohne Vertrag um wohlfeile €525. (Via Macnotes.)

Noch besser die Schweizer: Bei Swisscom kriegt man ein (gesperrtes) Iphone mit Prepaidkarte – also ohne Vertrag – um 519 Franken, also €322. Natürlich muss man es dann noch entsperren, was vermutlich wieder recht einfach wird, weil irgendjemand die entsprechende Software dafür bastelt. Google-Keywords: Jailbreak unlock iphone.

Übrigens: Entgegen der weit verbreiteten Ansicht ist Entsperren nicht illegal. Man erwirbt Eigentum an dem Ding und kann dann damit machen was man will.

Ich werde wahrscheinlich im Herbst, wenn meine aktuelle Vetragsbindung (damals wegen dem Nokia e61 eingegangen – verrückt, eigentlich) von Iphone 1 auf Iphone 2 umsteigen – und dabei gleich von T-Mobile zu vermutlich Drei wechseln. T-Mobile sucks. Und: Nie wieder längere Vertragsbindungen!

Hat tip an Smeidu und Bodenseepeter für die Tipps.

Update 15.7.: Dem IT-Tech-Blog ist zu entnehmen, dass es auch in Finland ein Prepaidangebot gibt, allerdings kostet das €429. Bei O2 in UK soll noch dieses Jahr eines kommen.


Ein Ausritt in meine Mobilfunkvergangenheit: Vor knapp vier Jahren führte T-Mobile Deutschland Push-to-Talk ein, eine Walkie-Talkie-Funktion für Handys. Ein Mobilfunkbetreiber, den ich damals beriet, versprach sich von der Technologie Big Business im Jugendmarkt. Meine Analyse des Produkts war hingegen weniger optimistisch: Push-to-Talk, a delicate issue.

Heute, vier Jahre später, hat T-Mobile das Produkt wieder eingestampft. Wesentliche Verbreitung hat es nie gefunden. (Übrigens ganz im Gegensatz zu Erfinder Nextel, wo PTT seit 1996 erfolgreich im Programm ist.)

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Interessant jedenfalls der offensichtliche Widerspruch im Hause T-Mobile: Während man mit PTT einen Datenkanal für Voice (teuer) zu vermarkten suchte, verbietet man iPhone-Nutzern genau das aus angeblicher Angst um die Netzqualität: IPhone: T-Mobile blockiert Instant Messaging und VoIP.

Die tatsächlichen Gründe liegen auf der Hand: Man fürchtet das Unvermeidliche, nämlich zum Wireless ISP degradiert zu werden und um Voice- und vor allem Roaming- und SMS-Umsätze umzufallen.

Pic (cc) Gizmodo


Von Mai 2000 bis Sommer 2003 war ich für die Produktentwicklung von Uboot.com verantwortlich, einer SMS-Community für Jugendliche – in Deutschland und Österreich damals die größte Jugendcommunity im Web.

uboot-twitter

Uboot war ziemlich viel: Gratis SMS, Community im Web – und vor allem zu Beginn konzentrierte sich Uboot auf einige SMS-Features. Da gibt es einige Parallelen zu Twitter, dem ~$100 Mio schweren Service, das alle Geeks von Silicon Valley bis Neusiedl fasziniert (siehe Erklär mir mal Twitter, bitte):

Uboot Twitter
SMS Broadcast Funktion “Buddylist”, Syntax: BL buddylistname text, max. 10 Empfänger Ohne Syntax, einfach SMS an Twitter-Nummer. Zu sehen für alle Follower (keine Einschränkung) oder wahlweise überhaupt public.
Persönliche Nachrichten “Nickname Messaging”, Sytnax: u username text “Direct Messages”, Syntax: d username text
User-Profil username.uboot.com, zb. muesli.uboot.com twitter.com/username, zb. twitter.com/muesli

 

Uboot gibt es zwar immer noch, aber es ist eine austauschbare Webcommunity geworden und hat jegliche Marktführerschaft verloren. Die einstige Positionierung als SMS-Community hat nicht funktioniert.

Warum nicht? Warum hat Twitter Erfolg, während Uboot gescheitert ist? Ich sehe eine Reihe von Gründen:

 
Andererseits gibt es auch einige Parallelen zwischen Twitter und Uboot, die zeigen, dass Twitter die Schlacht um Nachhaltigkeit noch lange nicht gewonnen hat. Die Strategie von Twitter ist wie bei Uboot, zuerst große Reichweite aufzubauen, irgendein Businessmodell werde sich dann schon finden. Uboot wurde 2002 schwer von einer Verteuerung der SMS-Wholesale-Preise getroffen und musste in der Folge den kostenlosen SMS-Versand einstellen. Twitter hat den Vorteil, in den USA zu operieren, wo SMS-Kosten hauptsächlich dem Empfänger angelastet werden. Trotzdem ist die Strategie, ohne Businessmodell Reichweite aufzubauen, äußerst riskant. Uboot hat die Kurve gerade noch gekratzt – zulasten seiner einstigen Größe.


Peter: “Musst mir mal Twitter RICHTIG erklären, inkl Motivation. Kann keinen Spaß erkennen.” (Hier mein Twitter-Account, ich freue mich über Follower.)

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Twitter muss man nutzen um es zu verstehen. Und man braucht Follower und Leute (Freunde), denen man selbst folgt. Vielleicht nicht weltbewegend für mich zu wissen, dass Thomas gerade vom Kindergeburtstag kommt, Luca Palatschinken macht, Angelo in Bonn ist, Markus golfen geht, Mikee Hangover hat oder Christian im Supermarkt online ist. Aber um Weltbewegendes geht’s bei Twitter selten, eher darum mitzukriegen, was Freunde gerade so treiben. (Manchmal geht’s um Weltbewegendes, wie dieser Tweet “Arrested“, der den Twitterer in der Folge aus einem ägyptischen Gefängnis befreite.)

Hier ein paar Anekdoten aus den letzten Wochen:

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Die soziale Funktion, die Twitter damit erfüllt, bezeichnet man als “Peripheral Vision”, also als Dinge im Augenwinkel wahrnehmen. Über meinen Twitter-Account kriegen andere mit, was ich gerade tue (so ich das gerade will), ohne dass sie dem gesonderte Aufmerksamkeit zukommen lassen müssten (wie es bei meinem Blog notwendig ist). Die derzeit 85 Leute, die meine Tweets abonniert haben, sehen diese auf ihrer Twitter-Homepage – oder wo auch immer sie Twitter konsumieren (per SMS, Instant Messaging, Twitter-Client oder was auch immer). Und es ist auch kein Problem, viele Tweets zu “verpassen” – schließlich sehe ich auch nicht, was gerade hinter mehr passiert, wenn ich meinen Kopf zur Seite drehe.

Man muss Twitter also selber ausprobieren um das zu verstehen. Und das Twitter-Universum ist endlos, Stichworte: Twirhl, Hashtags, Twitterfeed, Twitterific, Twittervision, Twubble, etc.

Freu’ mich auf euer Gezwitscher!

Abschließend noch “Twitter in plain English”:

Illustration (cc) by Hugh McLeod, Twitter

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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