Apps, die einsamen Inseln der Online-Welt
November 8, 2011
Auf den Medientagen postulierte der Vorarlberger Medientycoon Eugen Russ den Triumph der mobilen Apps: „In zwei Jahren ist das Web ziemlich tot.“ Tatsächlich deutet einiges darauf hin: Während zur Jahrtausendwende 50% des Traffics über Browser lief, sind es heute kaum noch 20%. Und erst kürzlich kündigte Facebook eine vielversprechende Mobile API an: Dritt-Apps sollen direkt auf Funktionen der Facebook-App wie Likes oder Benachrichtigungen zugreifen können, und man wird sie direkt aus Facebook heraus aufrufen können.
Doch was nach einem weiteren Sargnagel für die mobile Browsernutzung aussieht, zeigt in Wahrheit die großen Schwächen der App-Welt auf, die hier nur notdürftig ausgebessert werden: Man kann nicht in sie verlinken, Suchmaschinen können sie nicht crawlen und man muss sie für jeden Handsethersteller extra entwickeln. Sie sind die einsamen Inseln der Online-Welt.
Als in den 90ern das Netz populär wurde, wurde es das zuerst in den abgeschlossenen Welten von AOL und Compuserve. Zu unübersichtlich und hässlich war das WWW. Als Walled Gardens waren AOL & Co – wie Apps heute auch – ökonomisch leichter verwertbar. Das mobile Web ist drauf und dran, dank HTML5 die Bequemlichkeiten der App-Welt zu lernen. Wie damals könnte es die Insellösungen bald wieder auf die Ränge verweisen.
Auch wenn das den Medientycoons nicht schmeckt, die die App-Welt schon als Retter der Medienwelt sahen.
Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin. Illustration: (cc) BY SA Geek & Poke
Die Telekom Austria will die Netzneutralität abschaffen
October 13, 2011Reißerischer Titel*, ich weiß. Aber vielleicht auch nicht:
Vorgestern habe ich Telekom-Chef Hannes Ametsreiter gefragt (eigentlich Tim Berners-Lee, aber der zog es vor, seinem Gastgeber nicht ans Bein zu pinkeln), wie er’s mit der Netzneutralität hält. Ergebnis: Ametsreiter will sie abschaffen. Das hat er meines Wissens auf österreichischem Boden noch nie zugegeben (aber hier).
Im Klartext bedeutet die Aussage bei 1:45: Hannes Ametsreiter stellt die Netzneutralität in Frage und bedroht damit die Freiheit und Offenheit des Internets.
Darüber kann weder seine anfängliche Ablenkung auf Themen, die mit Netzneutralität nichts zu tun haben, noch der Futuretalk-Event samt Anarchy-Logo und Helden wie Berners-Lee hinweg täuschen. Die Ironie ist kaum noch zu toppen. Aber vielleicht will man uns mit dem Event-Motto “Who owns the Internet?” ja einfach auf die Antwort “We do” vorbereiten?
In folgendem Video spricht Berners-Lee Klartext: “Millions of people are using the web freely today. I am worried that this will end.” Und er spricht von millionenschweren Lobby-Kampagnen der großen Telekoms.
Gestern hat er sich offenbar selbst kaufen lassen und geschwiegen. Lediglich Anke Domscheit-Berg hat dagegen gehalten. Was Tim Berners-Lee sagen hätte sollen:
The moment you let net neutrality go, you lose the web as it is. You lose something essential – the fact that any innovator can dream up an idea and set up a website at some random place and let it just take off from word of mouth. You can end up helping humanity and make a profit out of it once you’ve got a domain name.
We can never spend enough time fighting for the neutrality of the underlying network.
Denn das hat er gesagt.
Zur Erklärung: Die Aufgabe von Netzneutralität bedeutet nicht, “Skype ist nur mit dem XY-Zusatzpaket nutzbar”, wie Tom Schaffer in den Kommentaren schreibt. Das ist nur eine Konsequenz. Sie bedeutet, dass Datenpakete nicht mehr gleichwertig behandelt, sondern manche bevorzugt, andere benachteiligt werden. Die Bevorzugung löst nach der Marktlogik eine Versteigerung von Bandbreite aus. Eine Beschleunigung “reicher” Inhalte bremst “arme” Inhalte aus.
Mehr noch: Das schafft den Grundbaustein für Zensur. Die neuen Gatekeeper könnten prohibitive Preise verlangen, schon bleibt dein Inhalt (oder Anschluss) offline. Und illegale Inhalte (oder was irgendeine Lobby oder irgendein Land dafür hält) dürfen gar nicht durch.
- Savetheinternet.com
- What is Net Neutrality? (Youtube)
- Dutch Lawmakers Adopt Net Neutrality Law (NYT)
- La Quadrature du Net
- Respect My Net
- Netzneutralität (Wikipedia)
(Video: © Telekom Austria)
* Ursprünglicher Titel war: Die Telekom Austria bedroht die Freiheit des Internets. War mir dann aber zu pathetisch.
PS. Tim Berners-Lee hat sich auf der Veranstaltung offenbar zu einem früheren Zeitpunkt klar für Netzneutralität ausgesprochen (war mir entgangen), nur halt am Schluss dazu geschwiegen.
Das neue, doppelseitige Ipad Janus
February 5, 2011Das kommt raus, wenn man Macbook Air und Ipad kreuzt:

Auf den ersten Blick mag die Idee eines Tablets mit zwei Screens wenig sinnvoll erscheinen, aber auf den zweiten Blick vielleicht doch. Man stelle sich vor, wie mit einem solchen Ipad Janus (das natürlich voll aufklappbar wäre):
- Bücher und Magazine gelesen werden,
- zwei Menschen miteinander Multiplayer-Games spielen,
- man zu zweit gegenübersitzt und das Gerät gemeinsam aber unabhängig voneinander benutzt,
- Tools während der Texteingabe oberhalb der Tastatur kontextuelle Hilfe geben (Rechtschreibung, Grammatik, semantische Suchergebnisse aus Internet oder Intranet, etc.), ohne sich in den Vordergrund zu drängen,
- “periphäre” Anwendungen wie MP3-Player, Radio, Wetter, Newsticker, etc. sowie ein Ipad-Dock am zweiten Screen ständig zur Verfügung stünden,
- ein Screen als Lupe für den anderen verwendet werden könnte, beispielsweise bei der Bildbearbeitung,
- ein Screen als Grafiktablett zum pixelgenauen Zeichnen verwendet werden kann, während am anderen Screen das ganze Bild zu sehen wäre,
- eine Maps-Applikation einen Ort gleichzeitig in verschiedenen Ansichten (zb. Aufsicht und 45°-Sicht) zeigen würde.
Jeder, der im Büro zwei Bildschirme stehen hat, wird außerdem wissen, wie viel produktiver so ein Setting ist, besonders wenn man mehrere Programme parallel benutzt oder wenn Programme wie Photoshop Werkzeuge haben, die viel Platz brauchen.
So ein Ipad Janus (oder auch ein Android Janus..) hätte ich gern, schreibt bitte wer Jobs ein Email?
PS. Call me nuts, aber ich habe heute Nacht von diesem Gerät geträumt, und auch, dass ich darüber blogge. Nur dieser Absatz fehlte im Traum ;-)
Thanks to Slashgear for the picture!
Update: Michael Groh berichtet, dass es sowas seit kurzem schon gibt, und zwar das Acer Iconia. Allerdings mit Windows..
Kundenservice im Web: Mobilkom hat’s begriffen, T-Mobile nicht
February 12, 2010Johannes Bauer hat in seinem Blog seine schlechten Erfahrungen mit seinem Netzbetreiber A1 dokumentiert. Nachdem das Ganze eine kurze Runde in Twitter machte, antwortete wenige Stunden später der Pressesprecher der Mobilkom per Kommentar: “Bitte melden Sie sich bei mir und wir finden eine Lösung!”
Offenbar kein leeres Versprechen, denn Johannes gab noch am selben Tag Entwarnung:

Umgekehrt ist diese Horrorgeschichte mit T-Mobile in meinem Blog nun bald 4 Jahre gänzlich ohne Reaktion. Stattdessen sammelten sich in den Kommentaren einige weitere Horrorgeschichten.
Und da die Story seit Anfang an bei Google an erster Stelle steht, wenn man nach dem Kundenservice von T-Mobile Österreich sucht – noch vor T-Mobile selbst, findet die Geschichte jeden Tag ihre aufs neue Leser – inzwischen waren es viele tausend.

(Wenn man “Österreich” weglässt, ist der Artikel übrigens an zweiter Stelle.) Wie damals mein Fazit:
Da baut ein Unternehmen mit teuren Printanzeigen, Kino- und TV-Spots und blonden Schönheiten in der Fußgängerzone mühsam an ihrer Marke – und auf Prozessebene und im Customer Care machen sie alles wieder kaputt. Noone cares.
Das dafür konsequent und über Jahre.
Warum das Apple iPad ein Megaseller wird
January 28, 2010
Das neue iPad hat:
- Kein Multitasking
- Keinen Flash-Support
- Keine eingebaute Kamera
- Keine Funktion als externe Festplatte
- Kein normales OSX
- Keine Möglichkeit, normale Mac-Programme zu installieren
- Keinen SIM-Karten-Slot, nur Micro-SIM (die man von kaum einem Netzbetreiber kriegt)
- Keinen USB-Anschluss
Das iPhone hatte das meiste davon auch nicht, konnte nicht mal Copy&Paste, und hat sich Millionen Mal verkauft. Ich hab selber eins. Das iPad wird also eindeutig ein Megaseller.
Die Gewinner des Nokia N97 sind..
August 4, 2009
..neben diesen Sturmtruppen Martin, Johannes Brötz, Richard Haderer (dem wer Permalinks erklären sollte), Erhard Wenger und Markus Huszar.
Ah, darum geht’s. Die Gewinner wurden aus allen Teilnehmern bei Meral, Ritchie, Luca, Helmut und mir (und natürlich auf Twitter, etc.) gezogen. Die Ziehung hat Mathias übernommen, heute abend werden die Handies im WerkzeugH übergeben.
Mein Testbericht wird noch ein bisschen warten müssen. Das N97 ist kein Handy, mit dem man schnell warm wird, die Gewöhnungsphase ist lang, zumindest für Menschen, die das Iphone gewöhnt sind. Ein Fazit jetzt würde eher schlecht ausfallen, aber ich geb dem Handy noch etwas Chance sich zu bewähren. Für Ungeduldige: Helmut Hackl hat die Problembereiche gut zusammengefasst. Für mich als Nicht-Symbian-Geübter kommt zumindest noch ein weiterer Minuspunkt dazu: Die Benutzerfreundlichkeit von Betriebssystem und Applikationen ist grottenschlecht. Dazu ein andermal mehr.
Photo (cc) by Julien Min GONG
Hier gibt’s ein Nokia N97 zu gewinnen
July 20, 2009Update: Die Gewinner.

Nokia macht derzeit eine Blogger-Aktion rund um das nagelneue N97, und hat mir und ein paar anderen Bloggern ein Testgerät zur Verfügung gestellt. Hier wird es also bald einen N97-Testbericht (remember: G1) geben – mal schauen, ob es das Zeug zum Iphone-Killer hat. (Disclaimer: Ich muss es nicht zurück geben.)
Ein zweites Gerät darf ich verlosen. Gemeinsam mit den anderen Bloggern (Meral, Ritchie, Luca und Helmut) gibt es fünf Stück zu gewinnen. Die Geräte sind entsperrt, dh. mit jeder Simkarte verwendbar.
Wir wollen die Handys jemandem geben, der sie testet und danach auch darüber schreibt, darum haben wir uns diese Regeln ausgedacht:
- Berichte über diese Verlosung per Blog, Twitter o.ä. Schreib dazu, warum du das N97 testen willst.
- Verlinke (wenn möglich) in deinen Beitrag unsere fünf Gewinnspiel-Beiträge (Meral, Ritchie, Luca, Helge und Helmut) und poste den Link zu deinem Beitrag hier als Kommentar. Tweets mit Hashtag #n97at zählen ebenso.
- Für ein Blogpost erhältst du 10 Lose, für deine Tweets je 5 Lose, ein Kommentar zu deinem Blogartikel oder ein Retweet bringen dir jeweils ein zusätzliches Los. Je mehr Lose du anhäufst, umso größer die Gewinnchance – die fünf Gewinner werden aus allen Losen im Zufallsverfahren gezogen.
- Das Gewinnspiel endet am 30. Juli 2009, 14:00, danach erfolgt die Ziehung und die Gewinner werden verständigt.
Extrabonus: Einige von uns (ich nicht..;-) werden auf Twitter (Accounts: Digitalks, Luca, datadirt, muesli, mobilitylounge) einige Quiz-Fragen verschicken. Wer eine Frage am schnellsten richtig beantwortet, erhält jeweils ein Zusatzlos.
Die genauen Teilnahmebedingungen stehen bei Ritchie, der sich die auch ausgeheckt hat.
Helge.at-TV: Blick in die Zukunft
March 13, 2009In den letzten Wochen sind mir unglaublich sehenswerte Videos untergekommen (ich besitze keinen Fernseher..), ich hatte aber keine Zeit darüber zu bloggen. Darum mach ich’s jetzt wie Knallgrau und veröffentliche die Videos hier als “Helge.at-TV” :-)
In allen geht es irgendwie um das spannenste aller Themen: Die Zukunft.
Das Handy der Zukunft
In diesem TED-Talk von MIT-Forscherin Pattie Maes geht es viel mehr als nur um das “Handy der Zukunft”: Es geht um Augmented Reality, es geht um dauerhaften Zugang zur “Cloud”, der einzigen Maschine die künstliche Intelligenz besitzt und die über 100% Uptime verfügt. (Das wäre wieder ein anderes Thema..)
(via Tom Schaffer)
Dieses Video illustriert, wie dringend wir radikal moderne Verfassungsbestimmungen brauchen, die die Bürgerrechte von Grund auf neu definieren und Überwachungsmöglichkeiten von Behörden und Unternehmen ganz klar beschränken. Plus entsprechende, weisungsfreie Kontrollinstanzen. Ansonsten sehe ich nur zwei Alternativen, nämlich die totale Überwachung oder die persönliche Entkoppelung von dieser Informationsgesellschaft. Beides sind Horrorvorstellungen, die uns von der offenen Gesellschaft wegführen.
Die Medienlandschaft der Zukunft
Clay Shirky (dem ich bei dieser Gelegenheit einen deutschen Wikipedia-Eintrag spendiert habe) im Gespräch mit Journalist/Blogger Thomas Knüwer über die Zukunft der New York Times und von Printmedien im Allgemeinen.
Eine Auswahl seiner Thesen: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die NY Times ihre Papieredition einstellt. / Publikationen der Zukunft werden entweder hyperlokal oder global ausgerichtet sein. / Nie in der Geschichte der Menschheit wurde für Inhalte bezahlt, es wurde immer nur für die Übermittlungsmethode (Papier, CDs..) bezahlt. Und heute kostet Übermittlung nichts mehr. / In 5 Jahren wird die Mehrzahl der News-Verbreitung durch Unternehmen erfolgen, die im 20. Jahrhundert noch gar nicht existiert haben.
Inmitten der Kernschmelze
Dieses Video dauert länger, nämlich eine Stunde. Spannend wie ein Krimi erzählt “Inside the Meltdown”, eine Dokumentation des quasi-öffentlich-rechtlichen Senders PBS, wie es zur aktuellen Finanzkrise kam. (An Qualität wie Verfügbarmachung im Internet könnte sich der ORF eine Scheibe abschneiden. #anlorenz)
Die Doku beleuchtet zwar die Vergangenheit, erzählt uns damit aber auch viel über die Zukunft. Pflichtprogramm für jeden, der die Wirtschaftskrise verstehen will.
Kutiman
Der Künstler Kutiman benützt nur ein Instrument: Youtube. Und illustriert damit wieder einmal wie wenig das geltende Urheberrecht in diese Welt passt. Auf Youtube gibt’s übrigens jede Menge weitere Kostbarkeiten von Kutiman. Würde mir sofort eine CD von ihm kaufen – wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, bis 2011 keine Tonträger mehr zu kaufen.
(via Rivva)
PS.
Vielleicht mache ich das öfter so – so eine Videosammlung ist schon was Schönes :-)
Twitter im Kundenservice: Ab jetzt wird zurückgetwittert
February 20, 2009Dieser Artikel darüber, wie Unternehmen Kanäle wie Twitter, Facebook und Weblogs einsetzen, um Kundenprobleme zu lösen und aus Kunden Fans zu machen, wird am 26. Februar im neuen Werbeplanung.at-Guide 2009 erscheinen.
Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ein Produkt gekauft, weil Sie die Werbung überzeugt hat? Die Empfehlung Anderer ist in allen Studien die starke Nummer Eins unter den externen Faktoren, die zu einer Kaufentscheidung führen. Das geht auch über persönliche Freunde und Kollegen hinaus: Als Blogger erhalte ich ab und zu ein Dankesmail von einem mir völlig unbekannten Leser, der mich informiert, dass er sich eben aufgrund eines Postings bei mir ein bestimmtes Handy gekauft oder dass er aufgrund meiner unspektakulären Reisefotos eine Reise nach Thailand gebucht hat.
Doch nicht nur die relative Minderheit der Blog-Schreiber und -Leser ist betroffen, Online-Mundpropagande wird zunehmend zum Massenphänomen: Dienste wie Facebook (mit seinen “Friend-Feeds”) und Twitter liefern das alltägliche kleine Ärgernis plötzlich in die Augenwinkel eines meist jeweils dreistelligen Publikums von persönlich bekannten “Friends” oder “Followers”.
Diese Vernetzung von Konsumenten führt zu einem weltumspannenden Frühwarnsystem, das zunehmend bestimmt, ob der neue Kinofilm nach dem ersten Wochenende floppt oder fliegt und ob das neueste Elektronikgadget für Abzocke oder für ein Must-Have gehalten wird.
Doch es gibt auch Markenartikler, die eben diese technischen Möglichkeiten für das besondere Kundenerlebnis nutzen: Stellen Sie sich vor, sie teilen Ihren Frust über ihre neueste Anschaffung per Twitter mit ihren Freunden – und erhalten daraufhin ungefragt persönliche Unterstützung des Herstellers!
Genau das geschieht: Der US-Internet-Provider Comcast überwacht Millionen an täglichen Twitter-Nachrichten und Blog-Beiträgen nach Nennung seiner Produktnamen und lässt Problembeschreibungen von einem Mitarbeiter direkt – per Twitter-Nachricht oder Blog-Kommentar – beantworten. Unter twitter.com/comcastcares ist die Kommunikation zwischen Comcast und seinen Kunden übrigens öffentlich einsehbar. Selbst auf Facebook betreibt Comcast eine eigene Diskussionsgruppe für Kunden.
Der Hardware-Hersteller Dell agiert ähnlich und bewirtschaftet bereits zwei dutzend Twitter-Accounts (zu sehen unter dell.com/Twitter), mit denen Kundenanfragen beantwortet werden. Der Hauptaccount “DellOutlet” hat bereits über 15.000 Follower.
Die Fluglinie Southwest Airlines nützt Twitter wiederum auch, um positive Produkterfahrungen zu verstärken: Kunden, die sich beispielsweise auf Twitter über den vereinfachen Check-In-Prozess freuten, erhielten ein nettes “Danke-Schön” von einer Southwest-Mitarbeiterin – worüber die sich natürlich neuerlich öffentlich freuten. Solche positive Überraschungen führen – in ausreichender Menge – zu einem veränderten, persönlicheren Markenbild in der Öffentlichkeit. Neben dieser Funktion als Rückkanal von Kunden eignet sich Twitter übrigens auch hervorragend als Frühwarnsystem oder zur Feinabstimmung der Kommunikation.
Besonders Startups und kleine Unternehmen mit geringen Marketing-Budgets nutzen Twitter, um auf sich aufmerksam zu machen. So kommt es vor, dass man über ein Produkt twittert und kurz darauf eine persönliche Nachricht erhält, das auf ein Konkurrenzprodukt aufmerksam macht. Sind solche Nachrichten nicht durch schlechte Automatisierung am Thema vorbei formuliert, werden sie übrigens nicht als Spam sondern als nützlich empfunden – zumindest solange die Summe solcher Nachrichten überschaubar bleibt.
Am besten Sie beginnen gleich heute damit, nach Ihren Firmen- und Produktnamen Ausschau zu halten: Durchsuchen Sie Twitter über search.twitter.com und Weblogs über twingly.com. Werden Sie dann Teil des Gesprächs – antworten Sie. Geben Sie dabei Ihre “Corporate Voice” an der Gardarobe ab – benutzen Sie Ihre menschliche Stimme.
Über Ihre Erfahrungen mit dieser Form der Conversation Economy würde ich mich freuen: Sie erreichen mich unter twitter.com/muesli.
Android – und Googles globales Internet-Betriebssystem
February 16, 2009Im September schrieb ich, warum Google Chrome ein Betriebssystem ist, und kein Browser. Heute – beim Schreiben des G1-Reviews – wurde mir klar, dass Google Android (das Betriebssystem des G1) ebenso nur ein weiterer Mosaikstein zum globalen Web-Betriebssystem von Googles Gnaden ist.
Noch ist das G1 kein Gerät, das die Welt zum Staunen bringt. (Wobei: Hätte es das Iphone nicht gegeben, wäre das anders.) Aber bereits jetzt ist absehbar, dass Google mit Android genau das gelingt könnte, woran Symbian und Openmoko leider gescheitert sind: Den Standard für Handy-Betriebssysteme zu setzen. Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig auch Windows Mobile durch Android unter Druck kommt.
Das Betriebssystem Android ist solide und – im Gegensatz zu Windows Mobile oder dem Iphone – in alle Richtungen offen. Die Strategie heißt “Out-Open your competitors”. (Etwas, das Yahoo gerade – allerdings aus der Position des Verlierers – mit der Yahoo Open Strategy und BOSS versucht.)
Noch gibt es noch nicht viele aufregende Applikationen, aber das wird sich ändern. Die Android-Plattform wird es ermöglichen, dass Programmierer und Startups das Paradigma “Handy” gänzlich neu definieren. Außerdem werden wir vermutlich auch andere Geräte sehen, auf denen Android läuft: Netbooks, Kühlschränke, Digitalkameras, GPS-Geräte, Fernbedienungen, MP3-Player, Roboter, Autos.
Die Macht der Hersteller – Größen wie Sony, Motorola, HTC, LG, Samsung und Garmin arbeiten an Android-Hardware – und der Netzbetreiber wird durch die Offenheit auf ein erträgliches Maß zurückgestutzt. Langfristig werden Netzbetreiber lediglich die Rolle des kabellosen Internetproviders spielen – alle Dienste die in diesem Netz laufen (auch Voice) werden dem freien Markt unterliegen. Beschränkungen wie heute üblich sind auf offenen Plattformen wie Android technisch leicht umgehbar. Interessant zu sehen, wie Google die Branchengrößen vor sich hertreibt und zwingt, ihre eigenen Monopole abzutragen.
Neben der Offenheit profitiert natürlich Google: Ähnlich wie Microsofts Webdienste davon leben, dass viele Windows-User ihre Standard-Einstellungen nicht verändern, ist Android direkt mit Google-Webdiensten verbunden. Wetten, der erste große Android-Antitrust-Prozess gegen Google ist weniger als fünf Jahre entfernt?
Doch im Gegensatz zu Microsoft, deren Integration Betriebsystem <--> Webdienste hauptsächlich der größeren Reichweite zweiterer dient, beginnt Googles Strategie mit dieser Integration erst: Googles Stärke Nummer eins ist die “Computing Power”. In dutzenden Datenzentren rund um den Globus stehen hunderttausende Server.
Auf diesen Servern läuft das globale Internet-Betriebssystem (WebOS), das auch Android-Usern eine ganze Reihe von Diensten leistet: Übersetzungen (bald auch Voice und Realtime?), Spamschutz, Email, Kalender, Spellcheck, Kontaktverwaltung, Dokumentverwaltung, Presence (über Google Talk), Informationsmanagement (Google Reader), Navigation und Verkehr (Maps), Suche (Search und Local), etc.

Übrigens fehlt Google zur universellen Strategie noch die richtige Voice-over-IP-Technologie. Was die alten Google-buys-Skype-Gerüchte wieder aufwärmen könnte. Ebay will Skype eh los werden.
Android ist kein Betriebssystem, es ist Teil eines Betriebssystems. Des Betriebssystems.
Foto (cc) Dekuwa. Thanks for sharing!











