Google this site (~ 2000 pages):

Home
RSS Feed RSS Feed

In einem Wort: Kobuk

February 5, 2010  

Ab Sommersemester mache ich etwas für mich komplett Neues (und Aufregendes!): ich unterrichte. Ich halte eine Übung am Publizistikinstitut der Uni Wien zum Thema “Online-Journalismus”. Und dabei vor allem das “Online”. Dialog statt Monolog, Auffindbarkeit, Hypertext, Umgang mit Quellen, Umgang mit Multimedia, eventuell noch so Themen wie Liveblogging. Worüber ich mich besonders freue: Luca wird der Tutor der Lehrveranstaltung.

Folgendes habe ich mir überlegt: Wir werden gemeinsam ein Online-Magazin zum Thema Medienkritik schreiben, quasi ein Watchblog. Der Name: Kobuk.at. Kobuk hieß der berühmte Eskimodichter, den am 3. Juli 1951 am Westbahnhof eine Schar Reporter und Fotografen in Empfang nahmen. Im Vorfeld waren in den Wiener Tageszeitungen Notizen über dessen Wienbesuch erschienen. Doch ausstieg – im Pelzmantel – Helmut Qualtinger, der die Zeitungen mit gefakten Einladungen reingelegt hatte. Berühmter Ausspruch auf die Frage eines Reporters, der ihn nicht erkannt hatte, wie ihm Wien gefiele: “Haaß is”. Ganz im Sinne Qualtingers soll Kobuk medienkritisch aber auch unterhaltsam sein. Zusätzlich zu den etwa 25 Studenten wird es noch Gastautoren geben – Lena und Isabella haben schon Interesse angemeldet.

Jetzt brauche ich eure Hilfe: Das Logo, das ich gebastelt habe, ist schlecht. Mag wer ein besseres basteln? Ideal wäre ein Trick, der den Namen leichter merkbar macht, denn Kobuk/Kubok/Kobak ist leicht zu verwechseln. Mir fiel bislang nur ein grafisches Spiel mit K.O. am Anfang oder ein britisches Einfärben von UK am Ende ein – nicht sehr überzeugend..

Hier zwei Entwürfe von mir, beide nicht das Gelbe vom Ei. Beim zweiten habe ich versucht, einen Letterpress-Effekt zu verwenden, der thematisch ganz gut passen würde.

kobuk-logo-schwarz
 

kobuk-logo2

Wer mag?

Übrigens: Es gibt natürlich auch schon eine Facebook-Page.

Update: Mandý Röver hat einen Entwurf gemacht:

mandy-kobuk


pointless-argumentsDa wollte ich meine g’scheite Liste an Maßnahmen zur Hebung der Qualität von Leser-Diskussionen in Online-Zeitungen posten, habe es dann aber bei der Einleitung belassen und das ganze als Frage an meine Leser formuliert: Sind abfällige Kommentare Naturgesetz?

Das hab ich davon – alle meine cleveren Ideen sind jetzt dabei (vor allem von Luca Hammer) genannt worden. Jetzt wird mir keiner glauben, dass ich selber drauf gekommen bin..

Womit auch schon ein Grund identifiziert wäre, warum das so schwierig ist mit dem Diskurs in Online-Medien: Journalisten wollen nicht Fragen stellen, sie wollen clever wirken. (Blogger eh auch, nur wurden wir halt von Anfang an in der Kommentarkultur sozialisiert.)
 

Worum geht’s?

Es sind meines Erachtens vier Faktoren, die das Niveau der Diskussionen auf einer Plattform bestimmen:

  1. Wie wichtig ist Reputation und Identität eines Kommentierenden?
  2. Wie wird moderiert?
  3. Wie aktiv sind die Mitarbeiter der Redaktion – insbesondere der Autor eines Artikels – in den Diskussionen?
  4. Welchen Effekt erzielen Trolle und Kampfposter?

 

1. Identität und Reputation

Aber zuerst zur Theorie. Wenn die Betreiber eines Online-Forums höfliche und inhaltlich differenzierte Beiträge erreichen möchten, müssen sie sich mit den beiden Motiven auseinander setzten, die User dazu bewegen, sich kooperativ zu verhalten:

 

(Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von Menschen wie Peter Kollock und Howard Rheingold, die sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt haben. Mehr zb. hier.)

Die Erwartung, selbst von der Kooperation anderer zu profitieren, ist hier ein eher zu vernachlässigender Faktor, das trifft mehr auf Support-Foren zu. (Wobei sich die Teilnehmer eines gut laufenden Forums einer Online-Zeitung auch Hilfestellung bieten, sei es bei Quellentipps oder bei Artikeln wie “Launch von Windows 7”, die zu Support-Foren werden.) Sehr viel wichtiger ist das Thema “Reputation“. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt funktionierender Partizipation in Online-Medien.

Die Voraussetzung für den Aufbau von Reputation ist Identität. Je stärker die Identität eines Benutzers mit seinem Verhalten in der Vergangenheit verknüpft ist, desto mehr kann auf Reputation gebaut werden. Die Soziologie nennt das “Record of previous behaviour” (Axelrod, 1984).
 

2. Aufbau von Identität

Zum Aufbau von Identität fallen mir drei Maßnahmen ein:

 

3. Verhaltensregeln und automatisierte Erhebung ihrer Einhaltung

Ein Reputationssystem muss in der Folge dafür sorgen, dass gute Inhalte implizit belohnt und schlechte bestraft werden. Dazu muss erst festgehalten werden, was “gut” ist. Das sollte in einer Kommentar-Policy, quasi einem “Ehrenkodex”, festgeschrieben und prominent von jedem Kommentarformular aus verlinkt werden. (In Urzeiten des Internets nannte man das Netiquette.) Ein gutes Beispiel ist die Comment-Policy der Huffington Post, laut der zb. selbst sachliche Kommentare verpönt sind, wenn sie off-topic sind. Reputationssystem bedeutet, über die Bewertung von Beiträgen durch andere Benutzer und/oder Moderatoren (auf Basis der publizierten Policy!) einen Wert (oft “Karma”) für jeden User zu berechnen. Diesen kann man beispielsweise dazu nutzen, um zu unterscheiden, wessen Beiträge vormoderiert werden müssen und wessen nicht, um besonders verdiente Mitglieder der Community zu kennzeichnen (à la “Verkäufer mit Top-Bewertung” bei Ebay) oder um anderen Benutzern die Möglichkeit zu geben, Beiträge von Autoren unter einem gewissen Karma-Schwellwert gar nicht erst anzuzeigen (wie Slashdot das macht). Fortgeschrittene Reputationssysteme berücksichtigen auch den Karma-Wert des bewertenden Benutzers, von dem abhängt, welcher Wert an den zu bewerteten vererbt wird. (Auch Googles PageRank funktioniert so.)

kommentar-derstandard.at

Keinesfalls sollte man negative Werte visualisieren, wie das zb. DerStandard.at macht (siehe Screenshot). Damit belohnt man Trolle, absolut kontraproduktiv. Die goldene Frage bei Reputationssystemen ist, wie man Feedback einholt. Hier ist oft der Wortlaut entscheidend. Ein “Thumbs up” à la Amazon oder ein “Gefällt mir” à la Facebook führt bei Nachrichtenmedien zur ideologischen Selektion, das hat nichts mit der Kommentar-Policy zu tun. Besser wäre irgendetwas im Sinne von “(Un-) Sachlich enstprechend der Kommentar-Policy“.
 

4. Reputation durch Autorität

Eine zweite Methode zur Etablierung von Reputation ist Autorität, die unabhängig von der Bewertung der Inhalte über das Vertrauen zwischen Benutzern ermittelt werden kann. Die Huffington Post hat dafür die Möglichkeit geschaffen, “Fan” eines anderen Benutzers zu werden (siehe Screenshot). Bei Twitter leitet sich Autorität aus den Follower-Zahlen ab (bei aller Beeinflussbarkeit). Diesen Wert kann man auch in die Karma-Bewertung einfließen lassen, vor allem aber sollte man ihn visualisieren. Benutzer mit hoher (sichtbarer) Autorität überlegen sich zweimal, ob sie die Grenzen der Gepflogenheiten überschreiten. Benutzer mit wenig Autorität hingegen werden weniger ernst genommen und schaffen es daher weniger leicht, zu provozieren. Umgekehrt kann eine Blockfunktion, mit der eingeloggte Benutzer andere Benutzer pauschal ausblenden, dazu führen, dass Trolle ins Leere laufen und vor allem für die Moderatoren viel leichter (und objektiver) identifizierbar sind.

kommentar-huffpost
 

5. Moderation von Inhalten

Viele Online-Medien investieren nicht unwesentliche Summen in Schwärme von Praktikanten, die den ganzen Tag Kommentare moderieren. Meines Erachtens in diesem Umfang nicht nur Geldverschwendung sondern auch ein Hemmnis für eine gepflegte Unterhaltung: Wenn der eigene Kommentar nicht nur verspätetet sondern auch an gänzlich anderer Stelle erscheint, als gedacht, zerfranst die Diskussion, wird unübersichtlich. Ist erst mal ein solides Reputationssystem etabliert, ist Pre-Moderation bei etablierten Benutzern (die meist die Mehrheit der Inhalte beisteuern) nicht mehr nötig. Hier reicht eine Meldestelle (“Inhalt melden”, siehe Screenshot der Huffpost), mit der andere Benutzer auf grobe Verstöße aufmerksam machen können, sowie eine aktive Beteiligung des Autors an der Diskussion (siehe unten). Pre-Moderation ist dann nur noch für neue Benutzer sowie solche mit schlechtem “Karma” nötig. Im Online-Standard gehen pro Wochentag 13.000 Kommentare ein. Viele davon müssen – trotz “Foromat” – moderiert werden – das birgt also enorme Einsparungspotentiale.
 

6. Partizipation des Autors

Vielleicht das Wichtigste, weil es keine technischen Fragen sondern die Frage des journalistischen Grundverständnisses betrifft: Die Autoren von Artikeln sind in den meisten Online-Medien kaum bis gar nicht präsent. Doch wie Menschen, die sich in Bahnhofshallen eben noch lauthals daneben benahmen kurz darauf in deinem Wohnzimmer höflich und zurückhaltend sind, so verhält es sich auch im Web: Im öffentlichen Raum eines Online-Forums verhalten sich Menschen instinktiv anders als zb. im persönlichen Raum dieses Weblogs. So auch in Online-Zeitungen: Sobald die Autoren sichtbar sind – mit Name, Foto, “Autorität” (zb. Fans) und gerne visuell hervorgehoben (siehe Screenshot der Huffpost) – und auf Augenhöhe selbst mitdiskutieren bzw. zumindest Fragen beantworten, wird der Ton merklich zurückhaltender. Luca nennt das die Partizipation des Autors. Noch stärker wird die Präsenz des Autors, wenn der Text selbst auch Fragen aufwirft und offen lässt, und die Diskussion darunter nicht auf den Streit reduziert wird, ob die eine im Artikel erwähnte Partei recht hat oder die andere. Siehe den Artikel, auf dem dieser basiert, als Beispiel.
 

7. Umgang mit Trollen

Zuletzt noch zu den Trollen, also denjenigen, die nur um der Diskussion willen diskutieren, und entsprechend bei jeder Gelegenheit provozieren wollen. Hier hilft die Richtlinie der Kommentar-Policy (die jeder kennen muss!) sowie als Ventil die Möglichkeit, jemand mieses “Karma” zu verpassen, jemand zu blockieren oder in groben Fällen gar zu melden. Nichts von dem bekommt der Troll mit, die Motivation fällt also weg. Im Notfall greift ein Moderator oder ein User mit hoher Autorität ein und erinnert die vom Troll Provozierten an die alte (in der Policy unbedingt aufzuführende) Regel “Trolle bitte nicht füttern” (also ignorieren).

Wenn man zudem Postings unter einem gewissen Karma-Schwellwert (siehe oben) ausblendet (einblendbar, also keine Zensur), werden Troll-Posting überhaupt erst nur von wenigen Leuten gesehen.
 

Post Scriptum

Anita Zielina von DerStandard.at schreibt in einem Kommentar:

Viele – sicher gut gemeinte – Ideen zur Kommunikation mit den Usern etc lassen sich wahrscheinlich hervorragend auf einem Blog mit ein paar hundert Postern/Postings und ein paar Artikeln pro Tag umsetzen. Allerdings ist das bei einer Onlinezeitung schon noch mal etwas anderes. Ich gebe zu bedenken dass etwa bei derStandard.at täglich (!) rund 13.000 Postings eingehen und hunderte Artikel publiziert werden.

Liebe Anita, ich gebe zu bedenken: Wenn Google es schafft, auf ihren Ergebnisseiten, die sich aus 21 Miliarden Webseiten zusammensetzen, für Qualität zu sorgen, dann sollte das der Standard mit seinen 13.000 Postings pro Tag auch schaffen.

Ein herzliches Danke für die vielen Inputs in den Kommentaren zu meiner ursprünglichen Frage an Luca Hammer, Thomas R. Koll, Markus Widmer, Philipp Sonderegger, Walter Krivanek und all den anderen!

Illustration: Weblogcartoons.com


(Update: Hier der Follow-Up-Beitrag: Rezept gegen abfällige Kommentare in Online-Zeitungen)

Unter Politikern gilt “Das Lesen der Kommentare in Online-Zeitungen schadet der Gesundheit”. Denn die Foren von DerStandard.at, DiePresse.com, oe24.at, ORF.at, etc. sind voll von persönlichen Angriffen, wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien. Kaum je steuert jemand etwas Substantielles bei. Armin Thurnher weigert sich bekanntlich gar, das Internet “als Medium ernst zu nehmen”, solange es Hort anonymer Diffamierungen sei.

International sieht’s nicht viel anders aus. Der Gawker forderte Zeitungen sogar dazu auf, Kommentare zu verbieten, da fände sich eh nur Müll. Doch das wird nicht passieren – zu wertvoll sind die Page Impressions, die diese Diskussionen produzieren. Es ist zb. ein offenes Geheimnis, dass DerStandard.at seine ÖWA-Top-Platzierung in erster Linie den Kommentaren verdankt. Ebenso, dass es in Politik und Wirtschaft Usus ist, in den Foren anonym Stimmung für sich und gegen Konkurrenten zu machen. Der Medienbeobachter Max Kossatz berichtet gar von Threads zu Wahlkampfzeiten, in denen sich seitenweise als Kampfposter von Parteien identifizierbare User anonym Scheingefechte lieferten.

Substantielles ist dabei naturgemäß nicht zu erwarten. Dass das auch ganz anders ginge, kann jeder Blogger berichten. So wurde das hier letztes Jahr veröffentlichte Gerücht zu Google Kronstorf in kurzer Zeit durch die Kommentatoren mit wertvollen Indizien zu Glasfasernetzen und Wasserkraftwerken angereichert. Ohne sie hätte die APA Tags darauf nicht ihre “Google plant Rechenzentrum”-Meldung durchs Land geschickt. Doch an solcher Schwarmintelligenz scheint kein Medium interessiert. Die Dummheit der Kommentare wird als Naturgesetz hingenommen.

Zeigen wir denen, dass es auch anders geht!

Welche konkreten Maßnahmen könnte eine Online-Zeitung setzen (Stichwort Partizipationsarchitektur), um die Trolle loszuwerden und substantielle Diskussionen zu fördern? (Das Ergebnis fasse ich dann in einem Extra-Beitrag zusammen.)


Michael Andres und Michael Moser von der Uni Salzburg haben mir einen Fragebogen (gefühlt der hundertste in den letzten Jahren) zum Thema Weblogs geschickt. Das Ergebnis soll auf ZurPolitik.com veröffentlicht werden. Hier ein Auszug meiner Antworten:

Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen Ihr Selbstverständnis als Blogger_in:

  1. Der Subjektivität verpflichtet
  2. Interessenskonflikte immer transparent
  3. Quellen nennen

Was war Ihre ursprüngliche Motivation mit dem Bloggen zu beginnen?

Ist mir passiert. Brauchte zuerst nur Raum für meine Bilder und Texte.

In welchen gesellschaftlichen Bereichen sehen Sie Blogs generell als wirksames Instrument zur Unterstützung gesellschaftlicher Veränderungen?

Erstens, Gegenfrage: In welchen nicht? Zweitens beschränkt sich das nicht auf Blogs sondern ist ein Phänomen des Citizen Journalism und umfasst alle Sozialen Medien, v.a. auch Youtube & Co, Twitter, Facebook.

Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Blogs als Instrument der Diskussion und Meinungsbildung kritisch betrachten?

Der (grundsätzlich begrüßenswerte) Mangel an journalistischer (Selbst)-Zensur – im Gegensatz zu etablierten/kommerziellen Medien, wo Chefredaktion, Redaktionskonferenz und nicht zuletzt Anzeigenabteilung mitreden – kann in Fällen, wo es zwischen Privatsphäre und öffentlichem Interesse abzuwägen gilt, sehr leicht zu einer Verletzung ersterer führen.

Oft liest man die verkürzte Bezeichnung von Blogs als „Online-Tagebuch“. Wie definieren Sie Blogs?

Ein Blog ist ein Online-Journal aus der Ich-Perspektive, oft ohne journalistische oder kommerzielle Ambitionen.

Wie würden Sie, in drei Sätzen, die österreichische Blogosphäre beschreiben?

Klein, überschaubar, Wien-lastig.

Sind Sie der Meinung, dass Blogs in Österreich den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen? Falls ja, können Sie Beispiele hierfür anbringen?

Ja, mit der Betonung auf “mit”. Beispiele: DieTiwag.org, Die Grünen Vorwahlen oder Politikerblogs wie die von Peter Pilz oder Christoph Chorherr.

Wie würden Sie die österreichische Blogosphäre nach politischen Kriterien (z. B. rechts/links, liberal/konservativ etc.) einschätzen?

Eine Wahlempfehlungsaktion 2008, der viele Blogs gefolgt sind, hat in etwa eine 50:50-Stimmenverteilung zwischen Grün und LIF ergeben. Also eher links-liberal. Allerdings sind 2009 einige konservative Blogger dazugekommen.

Nennen Sie bitte drei österreichische Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?

„Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten“. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung und welche Verbindungen sehen sie zwischen Blogging und traditionellem Journalismus?

Blogger können Journalisten sein und Journalisten Blogger. Im Regelfall sind Blogger jedoch keine Journalisten und stellen diesen Anspruch auch nicht an sich. Die ganze (leidige) Diskussion rührt vielleicht daher, dass Journalisten durch Blogger ihr Meinungsmonopol bzw. ihre Gatekeeper-Funktion bedroht sehen.

Behindert Sie die medienrechtliche Ungleichheit von Blogger_innen im Vergleich zu Journalist_innen bei Ihrer bloggerischen Tätigkeit?

Eher die medienrechtliche Gleichheit: Die Impressumspflicht verunmöglicht anonyme Blogs – eine internationale Seltenheit. Meines Erachtens eine implizite, jedoch grobe Einschränkung der Meinungsfreiheit. Führt zur Schere im Kopf, da Blogger nicht die Möglichkeit haben, sich hinter Verlagen und deren Rechtsabteilungen (und Rechtsschutzversicherungen) zu verstecken.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Blogs und traditionellen Medien? Werden Blogs laut Ihrer Einschätzung von traditionellen Medien als Akteur im Informations- und Meinungssektor vom traditionellen Journalismus anerkannt und wie schätzen Sie das Konkurrenzverhältnis zwischen Weblogs und traditionellen Medien ein?

Vor allem in den letzten beiden Jahren haben viele Mainstream-Journalisten Blogs eröffnet (Barth, Klenk, Brodnig, Unterberger, Ortner, auch Armin Wolf auf Twitter). Dies wird zu einer Stärkung ihrer Stellung gegenüber ihren Arbeitgebern und Chefredakteuren führen. Es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, bis Redaktionen Cross-Posting-Verbote ausprechen.


Niko Alm hat im aktuellen The Gap Magazine einen sehr lesenswerten Text über “Protest 2.0” geschrieben und mich in diesem Kontext auch zu den Grünen Vorwahlen befragt. Hier das ungekürzte Interview:

Die im März gestartete Initiative Grüne Vorwahlen wollte ein bestehendes Statut der Wiener Grünen nützen, wonach Unterstützer der Partei bei den Grünen Vorwahlen stimmberechtigt sind, um möglichst viele Menschen zur Landesversammlung am 15.11. 2009 zu bewegen und dort die Liste für die Gemeinderatswahl mitzuwählen. Die Wiener Grünen akzeptierten entgegen der Annahme der Initiative nur ca. die Hälfte der Unterstützungserklärungen, ohne genau darlegen zu können, warum so viele Sympathisanten abgelehnt wurden. Einer der Initiatoren, Helge Fahrnberger (Bild: © Jakob Polacsek), beantwortet dazu einige Fragen.

Helge-219x300Es gibt zwar Initiatoren, aber eine Kommunikation ist mit den Grünen Vorwahlen nur in ihrer Gesamtheit möglich. Jetzt ist es so, dass viel Vorwähler nicht angenommen wurden. Hätten die Grünen Vorwahlen hier nicht Vertreter mit (Ver)Handlungsvollmacht ausstatten müssen?

Den Grünen hinter verschlossenen Türen irgendwelche Zugeständnisse abzuringen hätte genau das ad absurdum geführt, was wir von ihnen verlangten: Entscheidungen transparenter und unter Einbindung von uns Wählern zu treffen. Daher gab es keine andere Verhandlungsoption, als die Entscheidung der Grünen, jeden Zweiten abzulehnen, transparent zu machen und die Diskussion darüber öffentlich zu führen. Hier war auch der Weg das Ziel: Lieber aufzeigen, wie eine Partei tickt, als ihr in geheimer Absprache was abzuverhandeln.

Haben die Grünen Vorwahlen punkto Organisation einen Punkt verpasst, um mit dem unerwarteten Verlauf anders umgehen zu können?

Es sind im Laufe der Grünen Vorwahlen sicher Fehler passiert: Wir haben zugelassen, dass einzelne Grüne Scharfmacher Gerüchte über einen Putschversuch verbreiten, im Glauben, dass man intern eh unsere Blogs liest, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Auch haben wir uns vielleicht zu bereitwillig vor den Karren von Medien mit eigener Agenda spannen lassen. Trotzdem waren wir zu unserer eigenen Überraschung dem Grünen Landesvorstand organisatorisch und in Sachen Medienarbeit zu jedem Zeitpunkt überlegen. Die Grünen spielten als Gast, für uns war es das Heimspiel. Schade war nur, dass es überhaupt zum Match kommen musste, wir hätten ja auch gemeinsam auf ein Tor spielen können.

Oder wäre es vielmehr alleinige Aufgabe der Grünen, hier die entsprechende Kommunikation richtig aufzubauen?

In einer idealen Welt ja – dann hätten die Grünen die Grünen Vorwahlen als das begriffen, was sie waren: Eine Kampagne für Mitarbeit und Mitbestimmung bei den Grünen. Aber der Landesvorstand stand massiv unter Druck einzelner Funktionäre und war angesichts der Tatsache, dass fast alle Mitglieder selbst für den Gemeinderat kandidieren wollten, erpressbar. Einfach den Wortlaut der Statuten zu vollziehen schien da keine Option mehr zu sein. Das Resultat war ein kommunikatives Fiasko und ein Kampf gegen die eigenen Sympathisanten.

Wie kann aus deiner Sicht, unabhängig von den Grünen Vorwahlen, eine Kommunikation zwischen Netzwerk-Protest/Initiative und hierarchischer Organisation stattfinden? Wer ist verantwortlich für den Bau der Schnittstellen?

Je klarer eine Organisation definiert hat, wo und wie ihre Kunden, Wähler oder Einwohner andocken können, desto besser. Im Bereich der Bürgerbeteiligung gibt’s seit vielen Jahren funktionierende Modelle, selbst wenn die Kommunen oft nicht die Konsequenz besitzen, sie anzuwenden. Auch moderne Organisationen wie der T-Shirt-Hersteller Threadless.com oder die Enzyklopädie Wikipedia haben ihre Partizipationsmöglichkeiten sehr genau definiert und stellen diese in einem ständigen Erneuerungsprozess laufend zur Diskussion. Konsumenten fordern zunehmend Mitsprache auch dort ein, wo sie noch nicht vorgesehen ist. Mit den Mitteln des Internets ist es eben einfacher denn je, “zurückzureden” und sich mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die meisten Organisationen sehen das als Bedrohung, dabei ist es eine riesige Chance.

Wo siehst du Parallelen zwischen #unibrennt und den Grünen Vorwahlen?

Der wesentliche Unterschied zwischen den Uniprotesten und den Grünen Vorwahlen ist, dass die Uniproteste nicht wie wir inhaltliche und organisatorische Einschränkungen vorgaben. Bei den Grünen Vorwahlen haben wir von Anfang an sehr genau definiert, dass es unser Ziel ist, möglichst viele Menschen zu wahlberechtigten Vorwählern zu machen. Alles andere war explizit Nicht-Ziel, dabei haben wir uns auch an der Funktionsweise der Wikipedia orientiert. Auf diese Art haben wir jede Möglichkeit ausgeschlossen, uns zu einer Initiative für oder gegen bestimmte Inhalte oder Personen zu machen – wir waren einfach nur der kleinste gemeinsame Nenner der frustrierten Grünwähler. Bei den Uniprotesten ist es umgekehrt, hier entstand ein fast unerfüllbarer Forderungskatalog und ein Engagement in Richtungen wie Antifaschismus, Feminismus oder gewerkschaftlicher Solidarität. Zu meiner Überraschung und Freude sind die Proteste an diesem Interessensspektrum noch nicht zerbrochen. Ein Beweis dafür, dass beharrliches Engagement in Plena, Wikis und Arbeitsgruppen selbst in schwierigen Ausgangslagen zum Kompromiss führen kann. Nur braucht das halt extrem viel Zeit. Wer die nicht hat, muss einen Fokus vorgeben.

Was schätzt du, war für die Verbreitung der Grünen Vorwahlen essentiell und in welchem Ausmaß?

Bei den Grünen Vorwahlen gab es einen Gradmesser in schwarz auf weiß für den Erfolg unserer Maßnahmen, nämlich die Anzahl der neuen Vorwahlregistrierungen: So wissen wir heute, dass ein 8-Minuten-Beitrag im ORF-Report oder ein Artikel im Profil zwar gut fürs Ego ist, aber sonst überraschend wenig bringt. Der Report-Beitrag brachte gerade mal 20 neue Unterschriften, auch der Traffic auf unserer Website war überraschenderweise nicht höher als bei einem Artikel auf DerStandard.at. Am wichtigsten waren die sieben oder acht Infoabende, die fast ausschließlich über Twitter und Facebook beworben wurden. Telefonate und Emails im Hintergrund fanden nur vereinzelt statt, die meiste Organisationsarbeit wurde über Twitter erledigt. Das hatte gleichzeitig den Vorteil, dass sich immer wieder neue Leute einbrachten und nicht der Eindruck entstand, hier wird im Hinterzimmer was ausgemauschselt. Die Grünen Vorwahlen hätte es ohne Telefon, SMS, Facebook und selbst ohne Massenmedien geben können – aber ohne Blogs und Twitter wären sie undenkbar.


A blog post of mine originally published on GlobalVoices (Translations: Russian, Dutch, Spanish, Chinsese simplified, Chinese traditional, Swahili, Aymara, Italian):

250px-Unibrennt-neuDid you know that at this very moment many universities throughout Europe are occupied by students? Thousands of them are sleeping, cooking, debating and partying in their auditoriums to protest against the under-financing of the educational system and the so-called Bologna Process, a European Union education policy.

What is so special about these protests is the fact that they have not been centrally coordinated by student unions but have been organized entirely bottom-up, with the help of online social media.

It all started in Vienna, Austria on October 22, when a small group of students met for a flashmob in the city center to protest, and then headed to University of Vienna where they spontaneously occupied the Auditorium Maximum. By the time police arrived, the news of the occupation had already circulated on Twitter, mobilizing so many supporters it was impossible to clear the hall.

Within days, the occupiers – to their own surprise – put in place a remarkable organizational structure: Mobilization and communication was organized via the Twitter “hashtags#unibrennt and #unsereuni (”university on fire” and “our university”).

A 24h webcast from the Auditorium Maximum was put in place. Organizational tasks from cooking to cleaning were structured via a wiki, and a website communicated with the public. Twitter, blogs and Facebook (32,400 fans so far) were used to spread the word.

This had two effects:

Soon the protests infected other university cities in Austria and abroad: Today, less than a month and a half after the first protests, almost 100 universities in Austria, Germany, Switzerland, Albania, Serbia, France, Italy, Croatia and the Netherlands are occupied or have seen other forms of mass protest.

On Wissen belastet, Max Kossatz, a blogger and media observer from Austria, has analyzed [de] the Twitter stream: 66,379 tweets by 6,780 different usernames have been published on the subject in the last month. 1,043 pictures were posted on Twitpic and produced 125,612 views – see this Twitpic photo mashup on Youtube. And especially interesting, is the following map of tweets that illustrates how the protests spread over time (watch in HD and fullscreen to get the full experience):

Gerald Bäck of Bäck Blog, who works in the media observation business, found out that the gross reach of the tweets, i.e. the unique number of followers exposed to them, was 386,860. His analysis [de] shows who the key influencers were, what URLs were most linked to and what hashtags were used most.

In his blog, smime, Michael Schuster, a blogging specialist in semantic analysis, contributed an overview [de] of the “old media” covering the events. He counted 2,700 articles and identified four trends lasting roughly one week each: “Protests take place”, “protests continue”, “protests widen”, and recently, “ok, enough now.”

Luca Hammer of 2-Blog, a student and technical mastermind behind the Viennese web activities, has published a field report [de] of how wikis, Twitter and webcast were used to get things rolling.

It looks like the case of #unibrennt may become an early milestone in the transformation of Austrian politics by the use of online social media. It has created wide attention – and confusion – among established media and political structures, and created a spirit of empowerment among students and digital leaders.


Heute lag das neue Update-Magazin für digitales Marketing bei mir in der Post, was mich daran erinnert, dass ich meinen Kommentar in selbigem noch nicht gebloggt habe:

250px-Unibrennt-neuAls am 22. Oktober einige Wiener Studenten spontan zu einem Flashmob gegen die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems aufriefen, konnte niemand wissen, welche Ausmaße die Proteste annehmen würden: Neben wochenlangen Besetzungen von Hörsälen in den wichtigsten Universitäten des Landes und Massendemonstrationen auf den Straßen sind die Proteste auch auf deutsche und italienische Universitäten übergeschwappt.

Zwei Dinge sind neu: Erstmals in der Geschichte des Landes werden Aktionen dieser Größenordnung dezentral organisiert – die offizielle Interessensvertretung steht am Spielfeldrand und sieht verdutzt zu. Administratives wird über Arbeitsgruppen und Wiki erledigt, über Twitter ausgesendete Hilferufe mobilisierten professionelle Unterstützung vieler Einzelner, auch weit jenseits des studentischen Umfelds. Networking in Reinkultur.

Zudem agierten die Studenten völlig autonom von Massenmedien: Zehntausende Zuseher informierten sich ungefiltert über den Livestream, was einen „Krawallo“-Spin im Boulevard weitgehend verhinderte. Selbst zur Massenmobilisierung haben ORF und Zeitungen ausgedient, diese erfolgte hauptsächlich durch Twitter (Hashtags #unibrennt und #unsereuni) und Facebook. Entsprechend zurückhaltend die Medienarbeit der Studierenden – sie sind keine Bittsteller mehr.

Was ist passiert? Die Kosten für die Organisation in Gruppen sind auf Null gesunken: Was die ÖH mit ihrem 8-Mio-Budget nicht schafft, gelingt den Aktivisten kraft ihrer Medienkompetenz und Glaubwürdigkeit. Die Vernetzung in sozialen Medien macht jeden zum Multiplikator, der Schneeball war nicht mehr zu stoppen.

Wer jetzt schadenfroh auf das politische Establishment schaut, sollte daran denken, dass all das auch für die eigenen Kunden gilt. Ein Funke, und die Masse kann Feuer fangen. Wie schnell das geht, mussten in den letzten Wochen zwei Bekleidungshersteller erleben: Jack Wolfskin hatte Hobbybastler teuer abgemahnt, auf deren Produkten eine mit viel Phantasie an das Wolfskin-Logo erinnernde Katzentatze zu sehen war. Der deutsche Trikot-Hersteller JAKO bedrohte einen Blogger wegen eines satirischen Beitrags mit Klage.

Beide Unternehmen sahen sich innerhalb weniger Tage mit breiten, unsteuerbaren Solidarisierungsbewegungen konfrontiert, die zu Imageschäden, breiter Aufmerksamkeit und wenig schmeichelhaften Präsenzen in Wikipedia und Google führten. Beide Unternehmen mussten zurückrudern, ganz ohne dass es dafür den Konsumentenschutz gebraucht hätte.

Wie sieht’s mit Ihrem Unternehmen aus? Haben Sie Ihre Rechtsabteilung an der Leine? Ist Ihre Krisenkommunikation auf die neue Macht der Vielen vorbereitet?

Wenn Sie das bereits mit Ja beantworten, können Sie beginnen, die Vernetzung mit Ihren Kunden zu nutzen, um diese zu begeisterten Botschaftern ihrer Marke und zu Impulsgebern Ihrer Produktentwicklung zu machen.

Flatrate (wir nennen es Abo)

November 18, 2009  

An der Echtzeit-Funktion hapert’s noch ein bisschen. (Via Netzlogbuch)

Angewandte Ufologie

November 8, 2009  

Musste wieder mal ein Comic übersetzen:

lapulgasnob-ufo

Im Original: Verschleierung, aus La Pulga Snob (Der versnobte Floh) des Argentiniers Andres Diplotti (via Microsiervos).


Der Falter bat mich, einen Kommentar zur wiederaufgebrandeten Internetdebatte, die Armin Thurnher letzten Dezember auslöste, beizusteuern. Er erscheint heute im Falter in einer gekürzten Version und hier im Volltext. Ich konnte die Falter-Redaktion dazu überreden, die Gelegenheit für ein Hyperlink-Experiment zu nutzen: Alle Links im Text wurden unterstrichen abgedruckt, um die Anknüpfungspunkte zu illustrieren, den Text “scannbar” zu machen und auf die Links in dieser Onlineversion hinzuweisen. Die Idee stammt von einem Vorschlag Oliver Reichensteins für den Schweizer Tagesanzeiger, wo man aber vermutlich zu feig war, das umzusetzen.

 
180px-Armin_Thurnher_Wien2008Armin Thurnher nimmt also, wie er schreibt, das Internet nicht ernst. Er spricht von einem ressentimentgeladenen Internetpublikum, das für nichts bezahlen wolle und sich zudem feig hinter Pseudonymen verstecke und von egomanischen Ich-AGs der Blogosphäre (wie viel weniger egomanisch waren eigentlich die Ich-AGs der Noch-nicht-aber-hoffentlich-bald-Zeitungsherausgeber der 70er?). Man läse nicht mehr Leitartikel und sähe Nachrichten, „ein jeder bloggt und blökt vor sich hin“.

Weil Medien wie Standard, ORF und Presse die Partizipationsarchitektur ihrer Online-Foren nicht in den Griff bekommen und diese anonymen Trollen überlassen, weil Facebook und Twitter ihm die Aufmerksamkeit der eigenen Redakteure streitig machen, weil Online-Mundpropaganda – Überraschung! – verkürzt, vereinfacht und polemisiert anstatt journalistisch korrekt zu differenzieren, verweigert Thurnher dem größten kulturellen Ereignis seit Gutenberg seine Teilnahme.

Die Verschriftlichung von Mundpropaganda verändert Meinungs- und Warenmärkte radikal: Wähler und Konsumenten reden nun zurück, sie nützen den neuen Rückkanal für die Vertretung ihrer Interessen. Die Kosten von Veröffentlichung sowie von Organisation in Gruppen sind auf Null gesunken. Die „Gatekeeper“ verlieren an Macht, ihre Rolle wird auf die von Multiplikatoren zurechtgestutzt.

Wie ein Abt, der das intellektuelle Monopol seiner mittelalterlichen Schreibmönche durch Druckerpressen bedroht sieht, beklagt Thurnher, es ginge an die Substanz dessen, „was eine Gesellschaft zusammenhält, nämlich die gemeinsame Verständigung darüber, was ihr wichtig ist.“ Bisher eine gemeinsame Verständigung der Wenigen.

Statt über diese Renaissance, die Politik, Wirtschaft und Medien verändert wie nichts zuvor, leitartikelt Abt Armin – exklusiv auf toten Bäumen – lieber über das eigene kulturelle Unverständnis. Im übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Komplex wird gerade zerschlagen. Vom nicht ernst zu nehmenden Internet.

Wohin die Links führen und warum das Internet trotzdem kein Allheilmittel steht auf helge.at/AbtArmin. (Also eh hier. Womit die Printversion endet.)

 
Das Internet also als großer Heilsbringer? Mitnichten. Allen technologischen und gesellschaftlichen Chancen stehen ebenso große Herausforderungen und Probleme gegenüber:

Die technischen Möglichkeiten der Überwachung und Manipulation – wer redet mit wem, kauft was, wählt was, bewegt sich wo? – führen zu Begehrlichkeiten von Behörden und einer milliardenschweren Unterhaltungsindustrie, die um ihre Pfründe fürchtet. Alles im Interesse von Kampf gegen Terrorismus und Kinderpornographie, versteht sich. Ganz konkret auf dem Spiel stehen nicht weniger als die Errungenschaften von Aufklärung und Demokratie: Meinungs- und Pressefreiheit, Wahlgeheimnis, Postgeheimnis, Gewaltenteilung. Ich fürchte, ich übertreibe nicht.

Dazu kommen neue privatwirtschaftliche Datenmonopole, ein Patent- und Urheberrecht, das den technologischen Gegebenheiten nicht mehr gerecht wird und allgemein mangelnde Medienkompetenz, die hilflose Eltern, unvorsichtige Kinder und ahnungslose Entscheidungsträger hervorbringt.

Doch Armin Thurnher zieht es vor, das Internet nicht ernst zu nehmen. Und liegt mit seinen Interpretationen auf weiten Strecken einfach falsch, wie so viele. Ich gebe zu, das wurmt mich.

Eine Chronologie der Debatte (Thurnhers Texte sind bezeichnenderweise nicht online):

 

Danke an Ingrid Brodnig für das Orchestrieren dieser Debatte! Foto: (cc) Manfred Werner.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
corner