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oe3

Heute ging ein schönes Projekt online, das ich in den letzten Monaten mitkonzipieren durfte: Die Facebook-Präsenz des Radiosenders Ö3. Das Team von Ö3 ging sehr offen und pragmatisch an das Projekt heran: Statt hochgestochenen Zielformulierungen voller Marketingspeak war das Motto “Da passiert was, da wollen wir dabei sein, ein bisschen was ausprobieren.”

Schnell wurde klar, wie diese Facebook-Präsenz aussehen könnte:

  1. Inhalte des Radiosenders sollen “sharable” sein und sich “viral” im Facebook verbreiten können: Das wurde beispielsweise mit den Comedy-MP3s umgesetzt, die direkt auf der Facebook-Page – und auch auf der Homepage – anhörbar sind und alle einen “Teilen”- (netzdeutsch für Weiterleiten) Button haben. Dazu werden zunehmend alle Artikel und sonstigen Elemente der Ö3-Website mit solchen “Teilen”-Buttons ausgestattet. Die regelmäßig stattfindenden Events von Ö3 können direkt in den eigenen Kalender übernommen werden (was wiederum alle Freunde sehen) und Freunde können zu den Events eingeladen werden.
  2. Die Funktionen von Facebook sollen für Hörer-Interaktion untereinander und mit dem Sender genutzt werden: So dominieren Kommentare von Ö3-Fans die Startseite, zu Events können Fotos und Videos hochgeladen werden, alle Inhalte können kommentiert werden. Dazu wird Facebook neben Email, Telefon und SMS als vollwertige Kommunikationsmöglichkeit mit dem Hörerservice des Senders etabliert, und einzelne Ö3-Mitarbeiter werden (so sie jeweils nichts dagegen haben – beruht auf Freiwilligkeit) über Facebook erreichbar.
  3. Facebook ist die Stoßstange 2.0: Man kann sich den Player als digitalen Bumpersticker auf das eigene Profil holen – oder natürlich auch direkt auf der Page Ö3 hören. Viele Ö3-Promis sind zudem mit eigenen Fanpages vertreten.
  4. Crossmedia: Konsequenterweise werden Facebook-Funktionen auch auf den existierenden Website verlinkt und auch onair wird wohl ab und zu auf Facebook verwiesen werden.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und einige Funktionen werden erst gelauncht.)

Stellt sich die Frage nach der Erfolgsdefinition und -messung eines solchen Projekts. Harte Zahlen liegen noch keine vor, und ich bezweifle auch, dass der Effekt einer solchen Aktion überhaupt vollständig messbar ist. In einem Markt, in dem Nennungen eines Sendernamens beim Radiotest die alles bestimmende Währung sind, wird sich eine funktioniernde und prominente Präsenz in einer Community, in der die Internetbevölkerung bereits über 4% ihrer gesamten Onlinezeit verbringt, sicherlich bezahlt machen.

comscore-facebook-stats

Besonders bemerkenswert waren für mich in diesem Projekt zwei Personen, ohne die das Ergebnis unmöglich so geworden wäre wie es ist: Zum einen Albert Malli, der stellvertretende Senderchef, der das Projekt mit viel Mut zum Social-Media-Experiment initiiert und uns den Rücken von der Senderbürokratie frei gehalten hat. Wir hatten dank ihm maximalen konzeptionellen Freiraum. Zum anderen Andreas Klinger von den Socialisten, der das Projekt technisch bestens umgesetzt und mit seinen hervorragenden Kontakten zum Facebook-Headquarter viele Dinge erst ermöglicht hat.

Danke, hat Spaß gemacht!


Interessantes Beispiel, wie Wahlkampf auf Facebook stattfindet (von mir anonymisiert):

lunacek-facebook

Die grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek hat also ein Video aufgenommen, mit dem sie die Facebook-Community anspricht. Ich vermute, sie hat es veröffentlicht, indem sie es für ihre Kontakte “gepostet” hat. Einer meiner Facebook-Kontakte hat das Video für gut befunden und ebenfalls gepostet – so hat es mich erreicht. Die Diskussion bezieht sich alleine auf das Posting von meinem Kontakt – potentiell gibt es also viele solcher Diskussionen.

Das wäre auch der erste Kritikpunkt bei einer sonst grundsätzlich sinnvollen Aktion: Ich würde Videos auf Youtube veröffentlichen und dann von dort aus im Facebook posten. Auf diese Weise ist ein Video auch von außen referenzierbar. (Zb. in diesem Blogpost.)

In diesem Fall aber, das zeigen ja auch die Kommentare, ist der Inhalt selber dürftig. Das wird bei “Social-Media”-Kampagnen immer wieder übersehen: Es geht nicht in erster Linie um das Netzwerk, in dem eine Botschaft verbreitet werden soll, sondern um die “virale” Tauglichkeit dieser Botschaft. Das heißt: Eine Geschichte muss es wert sein, weitererzählt zu werden.

Ich habe mir Lunaceks Video angesehen: Es ist öde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Leute erreichen wird, denn es gibt außer Lunacek- oder Grünen-Verehrung keine Gründe, es weiterzuleiten.


Dieser Artikel darüber, wie Unternehmen Kanäle wie Twitter, Facebook und Weblogs einsetzen, um Kundenprobleme zu lösen und aus Kunden Fans zu machen, wird am 26. Februar im neuen Werbeplanung.at-Guide 2009 erscheinen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt ein Produkt gekauft, weil Sie die Werbung überzeugt hat? Die Empfehlung Anderer ist in allen Studien die starke Nummer Eins unter den externen Faktoren, die zu einer Kaufentscheidung führen. Das geht auch über persönliche Freunde und Kollegen hinaus: Als Blogger erhalte ich ab und zu ein Dankesmail von einem mir völlig unbekannten Leser, der mich informiert, dass er sich eben aufgrund eines Postings bei mir ein bestimmtes Handy gekauft oder dass er aufgrund meiner unspektakulären Reisefotos eine Reise nach Thailand gebucht hat.

Doch nicht nur die relative Minderheit der Blog-Schreiber und -Leser ist betroffen, Online-Mundpropagande wird zunehmend zum Massenphänomen: Dienste wie Facebook (mit seinen “Friend-Feeds”) und Twitter liefern das alltägliche kleine Ärgernis plötzlich in die Augenwinkel eines meist jeweils dreistelligen Publikums von persönlich bekannten “Friends” oder “Followers”.

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Diese Vernetzung von Konsumenten führt zu einem weltumspannenden Frühwarnsystem, das zunehmend bestimmt, ob der neue Kinofilm nach dem ersten Wochenende floppt oder fliegt und ob das neueste Elektronikgadget für Abzocke oder für ein Must-Have gehalten wird.

Doch es gibt auch Markenartikler, die eben diese technischen Möglichkeiten für das besondere Kundenerlebnis nutzen: Stellen Sie sich vor, sie teilen Ihren Frust über ihre neueste Anschaffung per Twitter mit ihren Freunden – und erhalten daraufhin ungefragt persönliche Unterstützung des Herstellers!

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Genau das geschieht: Der US-Internet-Provider Comcast überwacht Millionen an täglichen Twitter-Nachrichten und Blog-Beiträgen nach Nennung seiner Produktnamen und lässt Problembeschreibungen von einem Mitarbeiter direkt – per Twitter-Nachricht oder Blog-Kommentar – beantworten. Unter twitter.com/comcastcares ist die Kommunikation zwischen Comcast und seinen Kunden übrigens öffentlich einsehbar. Selbst auf Facebook betreibt Comcast eine eigene Diskussionsgruppe für Kunden.

Der Hardware-Hersteller Dell agiert ähnlich und bewirtschaftet bereits zwei dutzend Twitter-Accounts (zu sehen unter dell.com/Twitter), mit denen Kundenanfragen beantwortet werden. Der Hauptaccount “DellOutlet” hat bereits über 15.000 Follower.

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Die Fluglinie Southwest Airlines nützt Twitter wiederum auch, um positive Produkterfahrungen zu verstärken: Kunden, die sich beispielsweise auf Twitter über den vereinfachen Check-In-Prozess freuten, erhielten ein nettes “Danke-Schön” von einer Southwest-Mitarbeiterin – worüber die sich natürlich neuerlich öffentlich freuten. Solche positive Überraschungen führen – in ausreichender Menge – zu einem veränderten, persönlicheren Markenbild in der Öffentlichkeit. Neben dieser Funktion als Rückkanal von Kunden eignet sich Twitter übrigens auch hervorragend als Frühwarnsystem oder zur Feinabstimmung der Kommunikation.

Besonders Startups und kleine Unternehmen mit geringen Marketing-Budgets nutzen Twitter, um auf sich aufmerksam zu machen. So kommt es vor, dass man über ein Produkt twittert und kurz darauf eine persönliche Nachricht erhält, das auf ein Konkurrenzprodukt aufmerksam macht. Sind solche Nachrichten nicht durch schlechte Automatisierung am Thema vorbei formuliert, werden sie übrigens nicht als Spam sondern als nützlich empfunden – zumindest solange die Summe solcher Nachrichten überschaubar bleibt.

Am besten Sie beginnen gleich heute damit, nach Ihren Firmen- und Produktnamen Ausschau zu halten: Durchsuchen Sie Twitter über search.twitter.com und Weblogs über twingly.com. Werden Sie dann Teil des Gesprächs – antworten Sie. Geben Sie dabei Ihre “Corporate Voice” an der Gardarobe ab – benutzen Sie Ihre menschliche Stimme.

Über Ihre Erfahrungen mit dieser Form der Conversation Economy würde ich mich freuen: Sie erreichen mich unter twitter.com/muesli.


Dieses Interview mit Bernhard Lehner vom Wiener Inkubator i5invest habe ich für den Werbeplanung.at-Guide 2009 geführt, der am 26. Februar erscheinen wird.

bernhard-lehnerBernhard, 123people.com wird gerade erst ein Jahr alt, gratuliere zum Geburtstag! Kannst du den Dienst kurz beschreiben?

Bernhard Lehner: 123people findet frei im Internet verfügbare Infos über Personen mittels Echtzeitsuche. Die Suchergebnisse, darunter Fotos, Videos, Telefonnummern, Weblinks, Dokumente, Profile aus Social Networks und noch einiges mehr, werden übersichtlich strukturiert dargestellt. Damit ist 123people so etwas wie das multimediale Telefonbuch der Generation Internet.

Was ist euer Business-Modell?

Bernhard Lehner: Zum einen generieren wir Umsätze über klassische Online-Werbung, zum anderen hat der Traffic, den wir verteilen, natürlich einen gewissen Wert für unsere Partner, die relevante Services anbieten.

Zum Beispiel?

Bernhard Lehner: Zum Beispiel Ärzteverzeichnisse, Gelbe- und Weiße-Seiten-Anbieter, Reputationsmanagement-Anbieter oder Social Networks.

123people.at ist nur eine von vielen Domains, die ihr betreibt. Wie ist eure Internationalisierungsstrategie?

Bernhard Lehner: Derzeit sind wir in sieben Ländern online: Neben Österreich, Deutschland und der Schweiz – in diesen Ländern feiern wir jetzt den ersten Geburtstag – sind dies die USA, UK, Frankreich und, in wenigen Tagen, Spanien. Da länderspezifische Datenquellen und Partner für uns enorm wichtig sind, haben wir uns für diese Multi-Domain-Strategie entschieden. Sieben Länder haben wir jetzt in knapp einem Jahr gelauncht – diesen Speed werden wir im zweiten Lebensjahr deutlich erhöhen.

Seit kurzem seid ihr ÖWA-gelistet – und habt aus dem Stand den vierten Platz der Einzelangebote erobert (nach Unique Clients). Wieviel von diesem Erfolg macht eure Suchmaschinenoptimierung aus?

Bernhard Lehner: Suchmaschinenoptimierung war von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil unserer Marketing- und Produktstrategie. Wobei wir uns da nicht wesentlich von 90 Prozent aller anderen kommerziellen Seiten unterscheiden – Suchmaschinentraffic ist generell enorm wichtig. Aber auch Word-of-Mouth und klassische PR und Social Media treibt den Traffic. Und natürlich arbeiten wir intensiv daran, die Quote der wiederkehrenden User und Traffic, der direkt auf 123people landet, noch weiter zu erhöhen.

123people-Links sind in Google-Ergebnisseiten derzeit omnipräsent, oft sogar mehrfach mit euren unterschiedlichen Länderdomains. Von Google hört man jedoch immer wieder dass “Suchergebnisse innerhalb von Suchergebnissen” unerwünscht seien. Ist die Traffic-Party bald vorbei?

Bernhard Lehner: Der Traffic von Suchmaschinen ist weiterhin wichtigster Trafficmotor für alle Websites. Wir sind überzeugt, dass wir Added Value für die User liefern und damit suchmaschinenkonform sind. Wir haben eine gesunde User-Basis, viele Partner, die uns Traffic schicken und, auf hohem Niveau, noch viel Potenzial mit PR- und Marketingmaßnahmen. Alles in allem, denke ich, eine ganz gute Mischung.

Der Markt der Personensuche ist mit Wink.com, Spock oder Yasni heiß umkämpft – warum sollte gerade 123people überleben?

Bernhard Lehner: In meiner Wahrnehmung hat 123people das schärfste Profil: Wir wollen schlicht die beste Personensuche im Internet bei maximalem Datenschutz anbieten. Ein Schritt weg von Web 2.0, kein Social Networking, pure und schnelle Personensuche. Das können wir am besten, und die User werden das weiter goutieren.

Und was, wenn das Naheliegende eintritt und Google eine eigene Personensuche online bringt? Mit Google Local und Google Accounts existieren ja die besten Voraussetzungen dafür.

Bernhard Lehner: Wir sehen Google nicht als Mitbewerber und sind auch anders aufgestellt. Selbst wenn das von dir beschriebene Szenario eintreten sollte, wird es nicht so leicht sein, lokale Datenquellen und das Deep Web zu integrieren. Letztlich würde in so einem Fall die Qualität der Suchergebnisse und die angebotenen Services entscheiden. Hier sind wir gut positioniert.

Wo siehst du 123people Ende 2010?

Bernhard Lehner: Wir werden unseren Vorsprung als weltweit größtes Personensuch-Service ausgebaut und mit einer Vielzahl von neuen Tools die Qualität der Suchergebnisse verfeinert haben. 123people wird das Synonym für Personensuche – und profitabel sein.

Danke für das Gespräch!


Dieses Interview mit dem Linzer Serienunternehmer Thomas Marban habe ich für den Werbeplanung.at-Guide 2009 geführt, der am 26. Februar erscheinen wird.

thomas-marbanThomas, Popurls.com ist die international vielleicht erfolgreichste Website aus Österreich. Trotzdem ist sie hierzulande relativ unbekannt. Kannst du Popurls kurz erklären?

Thomas Marban: Popurls kapselt die populärsten Websites auf einer Page – diese reichen von klassischen News über Social Media bis hin zu Science oder Off-Beat. Der Eigenanspruch besteht darin, nur die qualitativsten Quellen jedes Genres zu inkludieren und diese neben der klassischen Single-Page auch für jedes erdenkliche Device ansprechend aufzubereiten. Wired-Gründer Kevin Kelly nannte Popurls aufgrund seiner pulsierenden Inhalte “The Dashboard for the Hive Mind” – dafür steht die Seite seit mittlerweile drei Jahren.

Was ist das Business-Modell von Popurls?

Thomas Marban: Einserseites klassische Bannerwerbung als auch hochgradig maßgeschneiderte Kampagnen abseits von CPM & CPC, gepaart mit einer internen Kostenstruktur, die einen profitablen Betrieb ermöglicht.

Du hast für Kunden wie Epson und Intel eigene Versionen von Popurls entwickelt. Wie kommst du als One-Man-Show an solche Deals?

Thomas Marban: Popurls wird durch Federated Media vermarktet – ein verhältnissmäßig kleines jedoch sehr selektives und geschlossenes Netzwerk, das nur rund 200 der größten und populärsten Webservices und Blogs betreut. Durch FMs Fortune-500-Kundenschicht ergibt sich damit ein hoher Grad an individuell gestalteten Werbepartnerschaften, die bewusst die Zusammenarbeit mit kleinen aber einflussreichen Webangeboten suchen. Dadurch erhält man auch als Einzelperson Zugang zu Unternehmen wie eben Intel, mit dem die Kooperation ganz einfach dadurch entstanden ist, weil zahlreiche Mitarbeiter Fans von Popurls waren und die Ideen für ein gemeinsames Projekt ohne großen Sales-Pitch innerhalb von nur zwei Wochen umgesetzt werden konnten. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in ungleicher Größe sehe ich als wichtigen Gegentrend zur “Nobody ever got fired for buying IBM”-These.

Große Anbieter wie GigaOm und Digg haben Federated Media verlassen, bei Techcrunch denkt man laut darüber nach. Ist das eine Bedrohung für Popurls?

Thomas Marban: Diese Fluktuation wird immer bestehen, zumal die Beweggründe meist nicht nur rein monetär getrieben sind, sondern wie im Falle von Digg durch Investoren oder wie bei Techcrunch vorrangig als PR-Stunt geschehen. Federated Media hat es bisher auch geschafft, solche Lücken sehr rasch durch neue hochrangige Autoren zu füllen, und ich denke, dass ein “Rauswachsen” manch ungleich größerer Sites dem Netzwerk nur dienlich ist. Für Popurls ist Federated Media weiterhin der einzig denkbare Vermarkter mit einerseits einer viablen Preisstruktur und auch klein genug, um individuell auf seine Partner einzugehen. Vor allem auch weil ein Massenservice wie Google Adsense bei einer webaffinen Benutzerschicht nur moderate Erfolge zeigt. Die einzig echte Bedrohung ist demnach die allgemeine Preisentwicklung des digitalen Werbemarktes und die Werbebereitschaft innerhalb der nächsten zwei Jahre an sich.

Du betreibst Popurls nach wie vor als Ein-Personen-Unternehmen und launchst neue Funktionen im Wochentakt – arbeitest aber auch an anderen Projekten wie Readbag.com. Wie schaffst du das?

Thomas Marban: Die One-Man Struktur war eine gezielte Entscheidung nachdem ich meinen Anteil eines ungleich größeren IT Unternehmens verkauft und in dieser Zeit gelernt habe, welche Fähigkeiten es zu vereinen gilt, um technologisch, gestalterisch und menschlich fit zu bleiben. Demnach ermöglicht nur eine langjährige Vorarbeit und -erfahrung gezieltes und effektives Arbeiten, und andererseits kann man durch überdurchschnittlich leidentschaftliche Neugier und Persistenz auch so manche Unkenntnis kompensieren. In einem 24/7-Popularitätswettbewerb wie dem Web ist es auch hilfreich sich nicht allzu lange mit analytischer Missionarsarbeit wie Bloggen über Bloggen aufzuhalten.

In Österreich werden deutlich höhere TKPs gezahlt als in den USA – warum konzentrierst du dich alleine auf den US-Markt?

Thomas Marban: Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits aufgrund der Tatsache, dass ich nur den US Markt sowohl groß als auch interessant genug finde, um ein Projekt wie Popurls umzusetzen, welches nicht erst die Warum-Wieso-Weshalb-Mauer durchbrechen muss, oder sich in einem Markt bewegt, dessen Denkweise hohe Produktkomplexität automatisch mit Wertigkeit verbindet. Des weiteren besteht natürlich die Sprachbarriere sowie ein fehlender Einblick in beispielsweise die vollkommen anders tickende spanische oder französische Webszene, um hier überhaupt die populärsten Inhalte und Trends zu erkennen. Ich erhalte zwar ständig Angebote von Benutzern, die diese Rolle lokal übernehmen möchten, allerdings würde dies einen Kosten- und Kontrollverlust für die Marke Popurls bedeuten, den ich aktuell nicht eingehen möchte. Generell halte ich es mit der österreichischen Internetindustrie wie mit seinem Film: punktuell ambitioniert, international mit wenigen Ausnahmen kaum beachtet, keine Blockbuster.

Aggregatoren wie Google oder auch Popurls machen Verlagen Angst, weil sie sich als neue Gatekeeper etablieren. Ist die Angst berechtigt?

Thomas Marban: Im Gegenteil, es besteht eine wichtige Interdependenz. Zudem sind Aggregatoren schon jetzt einer der wichtigsten Traffic-Treiber zu Content-Seiten und werden langristig weiterhin an Bedeutung gewinnen. Alleine am Beispiel der New York Times, die seit einiger Zeit News von Drittanbietern nahtlos in die eigene Seite integriert zeigt sich, dass Information frei sein will und die “Don’t Link to your Competitors”-Haltung nicht mehr zeitgemäß ist. Es stellt sich daher nicht mehr die Frage, wo Inhalte leben oder ob, und wie sie distributiert werden, sondern ganz einfach wie schnell und ob man seine Informationsproduktion auf diese neue Situation anpassen kann. Langfristig wird auch nicht der Aggregator sondern der Benutzer selbst zum Gatekeeper, wenn er nur noch relevante News zulässt, die bereits durch sein soziales Umfeld vorgefiltert wurden. Dazu passend, ein Zitat von Stewart Brand aus 1985: “Information wants to be free. Information also wants to be expensive. … That tension will not go away.”

Popurls besteht im Wesentlichen nur aus einer Seite und ist damit die Antithese von PI-Maschinen wie Slideshows, wie sie viele ÖWA-Mitglieder einsetzen. Sind die österreichischen Medien in veralteter Denke verhaftet?

Thomas Marban: Solange man auf beiden Seiten Internetwerbung wie Kilometerbanken der Bundesbahn ansieht und klassische Media-Agentur-Strukturen aufrecht erhält, sehe ich langfristig keine Verbesserung. Mittelfristig wäre hier angebracht, mehr mit kuratierten Inhalten und weniger mit visuellen Ablenkungen zu experimentieren. Die Situation ist aber auch international gesehen nicht wesentlich besser. Es gibt zwar bereits zahlreiche neue Ideen zu einer Engagement-basierten Messung und Preisfindung, sie existieren aber vielmehr als Buzz-Words in den Köpfen von Proponenten der Attention-Economy als in den Preislisten der Media-Planer.

Welches Service würdest du gerne noch bauen?

Thomas Marban: Ein Service, welches ein Problem löst, das nicht durch das Web selbst verursacht wurde.

Danke für das Gespräch!


voters-speaking

Wie so viele bin ich schwer enttäuscht von der grünen Parteiführung. Anstatt endlich die Vorteile eine kleinen Partei zu nützen und die Großparteien in Sachen partizipativer Demokratie auszustechen, wird dem höchst populären und angesehenen Europaexperten Johannes Voggenhuber nicht einmal gestattet, auf dem letzten Listenplatz zu kandidieren.

Grund: Er würde mittels Vorzugsstimmen vom Wahlvolk an die erste Stelle gewählt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Voggenhuber darf nicht kandidieren, weil absehbar ist, dass er zu viele (!) Stimmen bekommt – und damit die erstplatzierte Ulrike Lunacek überholt.

Unpackbar. Martin Schimak stellt in einem Kommentar (hier) die entscheidende Frage:

Warum versucht Lunacek nicht mehr Vorzugsstimmen zu erhalten?

Die Grünen sind gemeinsam mit dem BZÖ die derzeit am schlechtesten positionierte Partei (im Marketing-Sinn). Alle Positionierungschancen wie Energiekrise (Stichwort Putin), Klimawandel oder Finanzkrise verstreichen ungenützt, weil den Grünen zweierlei fehlt:

  1. Glaubwürdigkeit und
  2. Aufmerksamkeit.

Für beides gibt es meines Erachtens einen Schlüssel: Den Weg zum Wähler ändern. Sowohl in der Kommunikation – hier gilt es, direkte Kanäle an den Massenmedien vorbei aufzubauen – als auch in der Personalauswahl: bindet eure Wählerschaft ein!

Für beides gibt es ein triviales (weil in letzter Zeit erschöpfend zitiertes) Vorbild: Barack Obama:

  1. Ohne das US-Vorwahlensystem wäre nie ein so pointierter, kantiger und einer Minderheit angehörender Kandidat aufgestellt worden. Die etablierte Funktionärsbasis hätte direkt aus ihrer Mitte die vergleichsweise farblose Hillary Clinton gewählt.
  2. Obamas Kampagne hat in dreijähriger Arbeit eine glaubwürdige Online-Präsenz und ein großes Netz an Freiwilligen aufgebaut – weitgehend an den Medien vorbei. Diese Edelman-Studie zeigt, wie unglaublich viele Direktkontakte Obamas Kampagne erzielt hat:

obama-social

Um auf Vergleichszahlen für Österreich zu kommen, braucht man entsprechend der Einwohnerzahlen nur durch 30 dividieren: Das ergibt für Österreich 33.000 Offline-Events, 13.000 Blogposts, 33 Mio. Emails, 210.000 Online-Spenden und 15.000 Online-Videos! Damit, liebe Grüne, hättet ihr am 29. September beginnen müssen.

Wie sehr die Haltung der Partei in Sachen Voggenhuber den Grünen schadet, hat Max Kossatz ansatzweise statistisch erhoben.

Wenn die Grünen keinen Kurswechsel hinkriegen, werden sie in den nächsten Wahlen (Salzburg, Kärnten, Wien, ..) marginalisiert.


Wenn man dem Youtube-Blog glauben darf, verkaufen sich Monty-Python-DVDs um sagenhafte 23.000 Prozent besser als noch vor ein paar Monaten.

Begonnen hat alles mit dem selben Riesenproblem, vor dem alle Musik- und Videokünstler derzeit stehen: Die Konsumenten nehmen deren Inhalte und stellen sie massenhaft im Internet, ohne dass die Künstler irgendwas dafür bekämen.

Die meisten kämpfen dagegen juristisch an: Prince beispielsweise ließ eine Mutter verklagen, die die ersten Tanzschritte ihres Babies zu aus dem Nebenraum dröhnender Prince-Musik gefilmt und online gestellt hatte.

Nicht so Monty Python (letzten November):

Jetzt haben sie den Salat. Dreiundzwanzigtausend Prozent davon. Wenn der Wind of Change weht, bauen die einen Windschutz, die anderen aber Windmühlen.

(via Netzwertig)


Ob T-Mobile einen Blogbeitrag wie diesen hier im Sinne hatte, als sie neun österreichische Blogger, darunter mich, mit einem Exemplar des neuen Google-Handys mit dem vielversprechenden Betriebssystem Android ausstatteten, bezweifle ich.

Aber so ist das bei Bloggern, die sind noch weniger leicht einzuschätzen als Journalisten. Was sie dann schreiben, ist schwer vorherzusagen. Trotzdem zeichnet sich bereits ab, dass sich die Aktion auszahlt. Warum, und wie das ganze ablief, versuche ich hier nachzuzeichnen:

Die Kontaktaufnahme erfolgte über jemand, den ich persönlich kenne und der, nachdem ich Interesse bekundet hatte, den Kontakt zu T-Mobiles Agentur, Ambuzzador, herstellte. (Ambuzzador ist auf Buzz Marketing spezialisiert, neudeutsch für Mundpropaganda.) Nicht dass persönliche Kontaktaufnahme Voraussetzung für so eine Aktion wäre, aber es hilft.

Ambuzzador hatte nach Inhalten und Reichweite eine Liste von Bloggern zusammengestellt, die zum Thema passen aber auch genügend Reichweite und Google-Juice haben: Max, Michi, Luca, Peter, Ritchie, Robert, Martin, Peter und Georg. (Jana fällt krankheitsbedingt aus – gute Besserung!)

Ein gute Mischung: Thematisch breitere Blogs mit Reichweite sowie auf Mobil- und Technikthemen spezialisierte Blogs. Zur Auswahl hat sich Ambuzzador relativ eingehend mit den Blogs auseinander gesetzt, wie eine versehentlich beim Kennenlerntermin liegengelassene Liste zeigt: Nicht nur die Themen jedes Blogs waren sauber recherchiert, die Blogs waren auch nach diversen Reichweitenkriterien wie Technorati-Authority, Page-Rank, Feedburner-Zahlen und Google-Backlinks bewertet. Dazu wurde mit Mobileblogger.at ein Blog-Aggregator eingerichtet, der all unsere Beiträge zum Thema aggregiert.

Die Kontaktaufnahme erfolgte bei jedem persönlich. Die übermittelten Infos waren ok, auch wenn ein paar Wünsche ans Christkind dabei waren (“Regelmäßiger Bericht in deinem Blog, idealerweise mit Fotos und Screenshots bebildert, im Idealfall mindestens 3-mal wöchentlich..”, “SEO-Optimierung deines Blogs auf die Suchworte T-Mobile G1, HTC, Google, Handy, Wikitude, Shopsavy und Android.”). Ein dreimalig stattfindendes Treffen im WerkzeugH, Catering included, sorgt für genügend Schnittflächen mit den involvierten T-Mobile-Mitarbeitern und ist – ob geplant oder nicht – gleichzeitig eine kostengünstige Fokusgruppe für ein Produkt, dessen Positionierung am Markt ohnehin schwer festzumachen ist.

Kostenpunkt der Aktion: Die Agentur, neun Testhandies (müssen wir nicht zurückgeben), neun auf die Dauer der Aktion beschränkte T-Mobile-Simkarten und ein bisschen Catering. Überschaubar.

Auf der anderen Seite stehen dutzende Blogbeiträge zum Thema schon ein Monat vor offiziellem Verkaufsstart. Die Anzahl der Leser dieser neun Blogs alleine rechtfertigt den Aufwand jedoch nicht: Schon der Technikredakteur eines mittleren Regionalblatts erreicht mehr Leser als wir zusammen.

Das im Firmennamen der Agentur verkündete Ziel, “Buzz”, wird durch Blogleser – die selbst oft auch Blogger, Journalisten oder Twitterer sind – jedoch viel mehr erzeugt, als das bei Zeitungslesern der Fall ist. Der spontan vereinbarte “Hashtag” g1at wird auf Twitter beispielsweise auch schon von anderen, nicht an der Aktion beteiligten Twitterern verwendet.

Außerdem, und das halte ich für den wesentlichen Effekt der Aktion: Einen Monat vor Verkaufsstart sorgen dutzende Blogbeiträge auf gut gerankten Blogs dafür, dass sich T-Mobile für den zu erwartenden Suchmaschinentraffic zum Thema wappnet. Schon jetzt, kurz nach dem Start ist ein Blogpost der Aktion auf Seite 1, wenn man auf Google nach “T-mobile G1” sucht. Weiters wird Mobileblogger.at nachhaltig und glaubwürdig für gute Suchmaschinenplatzierung zum Thema sorgen.

Zum Handy selbst ein anderes Mal mehr. Leider umfasst die Testvereinbarung kein Roaming, also wird’s die nächsten Tage nichts mit Testen – da bin ich in Deutschland unterwegs, und das Handy ist berüchtigt dafür, ständig “nach Hause zu telefonieren” und auch ohne bewusste Internetnutzung hohes Datenvolumen zu erzeugen.

Wer’s nicht erwarten kann: Auf t-mobileg1.com gibt es ausführliche Demos.

Zum Foto: Der vorinstallierte Browser ist für Iphone-verwöhnte Menschen eine Enttäuschung. Zum Glück gibt es im Android-Applikationsmarktplatz einen kostenlosen Browser namens Steel, der keine Wünsche offen lässt. Oder, doch, einen: Multitouch für Zoom geht beim G1 nicht (bzw. nicht ohne irgendwelche Hacks).

Update: Auch bemerkenswert: Der 10. Platz wurde ausgeschrieben, den Zuschlag bekam Barbara. Die 22 weiteren Blogger, die sich bewarben, lädt T-Mobile zu einer Testveranstaltung vor Verkaufsstart. Sauber, so macht man das.


Vor einer Woche wurde die von mir angelegte nostalgische Fanpage für Windows 3.1 auf Facebook gelöscht. Ohne Anhörung, ohne über (unzutreffenden) Standardtext hinausgehende Begründung. Meine Nachfrage blieb unbeantwortet.

Die Vermutung, dass das jemand von Microsoft verlangt hat (die bezahlen bei Facebook ja auch die Rechnungen), hat sich jetzt indirekt bestätigt:

Ich wurde offenbar (wie vermutlich alle 346 Win3.1-Nostalgiker) automatisch zum Fan der MS-Windows-Fanpage gemacht. Die ist Teil der $300-Millionen-Kampagne “I’m a PC”, mit der Microsoft verzweifelt versucht, den Geruch der Uncoolness loszuwerden.

Zuerst lässt Microsoft also mit unzutreffender Begründung eine liebevoll-nostalgische Page löschen (mit ihr wurde jede Menge Content vernichtet), und mich bedrohen (“Continued misuse could result in your account being disabled”), jetzt werde ich auch noch zum Windows-Fan gestempelt. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall.

Microsoft, ich fühle mich verarscht.

(Bild via)


Die Website der Bahn ist in jedem Land quasi nationales Kulturgut, und in einem reise- und pendelfreudigem Land wie Deutschland besonders. Dementsprechend haben sich jahrelang Bahnkunden über die “Scheiß-Usability” von Bahn.de geärgert (oben Frank Helmschrott über Twitter). Und dementsprechend wurde eine große Chance für die Bahn vertan: Denn Bahn.de wurde heute relaunched ohne die Schwarmintelligenz zu bemühen.

Denn für gute Usability gibt es gutbezahlte Experten (wie die Agentur Namics, die für den Relaunch verantwortlich zeichnet), doch wir Konsumenten wissen immer alles besser. (Echt jetzt.)

Das Zauberwort heißt Crowdsourcing. Grausliches Neudeutsch, mit dem man wunderbar Buzzword Bingo spielen kann. Aber auch ein Konzept, das Gold wert ist (buchstäblich): Deine Kunden wissen am besten wie’s geht.

Die Bahn-API

Im Falle der Bahn ginge das so: Statt eines Relaunches von Online-Fahrplan und Ticketbuchung (und darum geht es im Wesentlichen) werden die technischen Schnittstellen des Formulars so gestaltet und dokumentiert, dass Hinz und Kunz selbst Formulare gestalten können. Und nicht nur Hinz und Kunz, sondern auch die besten Designer und UX-Ingenieure des Landes werden mitmachen, des Ruhmes wegen. Bahn.de ist ja nicht irgendeine Website.

Die Formulare – voll funktionsfähig – werden dann gesammelt, vielleicht ein bisschen vorselektiert und dann längere Zeit parallel betrieben. Bei jedem Formular werden vorher definierte Performance-Indikatoren mitgemessen und veröffentlicht. Diese und die Popularität der Formulare (es werden sich schnell ein paar Favoriten herauskristallisieren) werden innerhalb weniger Monate zu einem Ergebnis führen, das besser ist als alles was die Namics dieser Welt gegen gutes Geld produzieren können.

Ganz nebenbei wird ein enormer Werbeeffekt für die Bahn und ihre Website erzielt. Vielleicht wäre das Modell ja was für unsere ÖBB? Mit Smeidus Iphone-Version gibt es ja schon ein gutes Crowdsourcing-Beispiel. Und ein bisschen Innovation hätte oebb.at dringend nötig.

Übrigens finde ich das Ergebnis zwar deutlich besser als die alte Website, aber die war auch verdammt schlecht. So richtig überzeugt bin ich immer noch nicht. (via)

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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