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This great typogram by Aaron Kuehn (cc) now decorates the wall of our new office. (Looks a lot better than on the picture, that’s just a quick iPhone photo.) Here’s a tutorial for those who want to tatoo their walls, too.

Costs: <10 Euros.
Time: 1 day preparation, 1 day drawing.

1) The Motif

 
There is a lot of great artwork out there suitable for self-made wall tatoos. Many artists will be happy to allow you using it or have shared it under an open licence already. Use Google Images with b/w option or white color and size=large, along with approriate keywords (I used “bicycle typography”). Avoid shades of grey and too thin or complex lines unless you have some kind of artistic experience.

Make sure to give the artist credit, on the wall and online.

2) The Projection

 
I first tried a beamer with a measly 800×600 resolution. As soon as I was in drawing distance all lines were just pixels, with lots of anti-aliasing artefacts. I would have had to improvise a lot trying to get sharp edges, and probably have failed.

Someone suggested to go analogue so I asked for an overhead projector on Twitter and quickly found one to lend. Lines were great but it showed other problems: Heat and a not so solid construction let the mirror shiver and slowly drop milimeter by milimeter. I had to stabilize the projector and the table it was on by putting lots of heavy stuff on it. And I had to recalibrate the image maybe 50 times. An HD beamer would have possibly been better but I didn’t try.

Printing the image onto transparent film was also not so easy as the laser printer refused the film (despite being laserjet film). An inkjet printer produced a decent image, yet with many stripes and weak spots on it (see image on the right!), so I had to improvise often. (A great thanks to the folks from Sektor 5 for their printing support!)

To avoid visible distortion I to put the projector on a high position. To get the image straight I measured and marked the lower edge of both tires on the wall .

3) The Drawing

 
I bought ten permanent marker pens in black, different strengths. A Stadtler line width M proved most convenient. (One “RIM” on the very left is an F.) To my surprise one pen lasted the entire drawing, probably because I was too lazy to fill all the letters in the end (with the exception of my first letter, which I filled). And I liked it better that way.

For right handers it’s best to stark at the top left corner, moving down and right, as otherwise you’ll be wiping things you have drawn already with your hand.

The drawing took around six hours (including projector adjustments..), and preparation took its time, too.

4) The Sharing

 
Pictures or it didn’t happen!


Letzte Woche war ich unter dem etwas großspurigen Titel “Mit dem Internet die Welt verändert” bei Alois Schörghuber im Ö1 Nachtquartier zu Gast. Hier die Aufzeichnung:

Die Themen:
(Auf Vimeo sind die Zeitangaben klickbar, aber erst wenn das ganze Video geladen ist)

03:18 – Blogging, Social Media
05:15 – Abgrenzung zu Journalismus
06:50 – ♬ Kutiman: Mother of all Funk Chords
11:25 – Die disruptive Kraft des Netzes
17:00 – “Wie verändern Sie die Welt mit dem Internet?”
18:50 – Anrufer 1: Wird die Rolle des Internets in der ägyptischen Revolution überschätzt?
21:50 – Anrufer 2: These, dass Internet ähnliche Rolle zukommt wie Erfindung des Buchdrucks
23:40 – Wikipedia
27:30 – Laafi und Laafi.at/Amazon
29:40 – ♬ Sour: 日々の音色
32:50 – Zur Facewall von ORF Contra
34:30 – Anrufer 3: Angst vor dem Internet
37:00 – Warum das Internet unsere Gesellschaft demokratischer macht
38:50 – Wie sehr wir negative Auswirkungen von Veränderung überschätzen
41:20 – ♬ Clazz: This is magic
42:50 – A comment a day
44:00 – Kobuk
47:20 – Wer finanziert Journalismus?

Ich wollte auch das vielversprechende Buch “Soziale Bewegungen und Social Media” (by Kellerabteil) empfehlen, aber irgendwie hat das Gespräch einen anderen Verlauf genommen. Sei hiermit nachgeholt.


Heute Abend ab Mitternacht bin ich bei Alois Schörghuber im Ö1-Nachtquartier zu Gast. Auslöser war meine Frage, ob destruktives Verhalten in Onlineforen Naturgesetz ist – ich glaube nicht. Foren und Websites sollten an ihrer Partizipationsarchitektur arbeiten, hier ein Ansatz dazu.

Ich werde diesen Beitrag anschließend mit URLs ergänzen, die im Nachtquartier erwähnt werden. (Ich hoffe, ich vergesse nicht, die Laafi-Amazon-Aktion zu erwähnen, die man einfach in den Bookmarks haben sollte.)

Meine Musikvorschläge für die Sendung:

Sehenswertes Video der japanischen Band Sour, das ausschließlich mit den Webcams von 80 Fans, über den Globus verteilt, aufgenommen wurde.

Der Musiker Kutiman verwendet Youtube-Videos als Instrumente. Er mischt was er so findet zu neuen Songs. Großartig.

Dann noch CLAZZ, die Band meiner Schwägerin, Lulu and the Lampshades und Yamore von SALIF KEITA und CESARIA EVORA.


Deutschlandradio sendete letzte Woche einen Beitrag über Grassroots-Kartografie, samt einem heiseren Interview, das Jan Rähm mit mir zu Openstreetmap Ouagadougou und zu Google Mapmaker geführt hat:  

 

Die Datenqualität von Ouaga ist jetzt so weit, dass wir drucken können. Demnächst werden wir bei Toursprung ein druckfähiges PDF produzieren, das dann an Druckereien in Ouaga geht. Hier der aktuelle Status:

OpenStreetMap (mapnik) map of the area around 12.37453, -1.52367


Armin Thurnher schreibt im aktuellen Falter über Fellner, meinen Titelseitenreisebüro-Artikel und Kobuk als “ein Beispiel musterhafter Aufklärung im Netz”. Thurnher hat sich hierzulande um Medienvielfalt und Gegenöffentlichkeit verdient gemacht wie kein ein Anderer (auch wenn wir Meerschweinchen ihm immer wieder das Gefühl vermittelt haben dürften, er würde seine Aufklärerrolle an uns verlieren), darum freut mich sein Urteil ganz besonders.

Übrigens sind Hans und ich am Montag, den 7.3. auf derStandard.at/Etat zum Chat über das Thema Medienkontrolle geladen. Ich habe mich immer gefragt, ob “vermitteltes” Chatten wirklich funktioniert. Ich werde es nicht rausfinden, ich darf selber tippen :-).
 


Dabei steigt mir wahrlich die Galle hoch.

Während der sonstige Boulevard mal schamlosen und mal schlampigen Journalismus macht, ganz offensichtlich getrieben von Personalmangel und Zeitdruck, missbraucht die größte Zeitung des Landes ihre Reichweite zu gezielter Propaganda. Wieder und wieder und wieder.

Die Kunst [der Propaganda] liegt nun ausschließlich darin, dies in so vorzüglicher Weise zu tun, daß eine allgemeine Überzeugung von der Wirklichkeit einer Tatsache, der Notwendigkeit eines Vorganges, der Richtigkeit von etwas Notwendigem usw. entsteht. (..) Ihr Wirken [muss] auch immer mehr auf das Gefühl gerichtet sein und nur sehr bedingt auf den sogenannten Verstand.

Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Mein Kampf, S. 197

Wir brauchen hundert Kobuks. Und BILDblogs. Und Abgeordnetenwatchs. Plattformen auf denen wir all denen auf die Finger schauen, die an den Druckerpressen stehen, in denen unsere Zeitungen und unsere Gesetze gedruckt werden.

Wir, das sind 1000 Augen, denen nichts entgeht.

Jetzt, ohne den Versuch irgendeiner Überleitung, ein Beitrag über Kobuk, der gestern auf Okto TV lief, produziert von einer Gruppe von Studierenden der FH-Wien:

 


In der morgigen “Presse” wird über mein Plädoyer für breite Vorwahlen berichtet. Was genau ist ein Plädoyer? Wenn man angerufen und um Stellungnahme gebeten wird?

Möglicherweise gibt’s keinen besseren Kurs in Medienkunde als die eigenen 15 minutes of fame. Letzten Sommer, als unsere Grünen Vorwahlen bei den Medien hoch im Kurs standen, durften wir hautnah miterleben, wie die österreichische Medienlandschaft so tickt. Spoiler: Nicht nach Lehrbuch. (Siehe auch meine Fragen an einen Presse-Redakteur.)

Ich freu mich ja, um meine Meinung gefragt zu werden – aber ist ein komisches Gefühl, wenn Journalisten der Welt ihre eigene Meinung durch mich und mit mir verkünden. Ein Gefühl, das ich bei vielen der Vorwahlen-Artikel hatte.

Der Artikel selbst ist voll ok, ich stehe zur Grundaussage. Nur käme ich nie auf die Idee, das Thema just vor der Wahl aufzuwärmen – das ist kontraproduktiv: Wahlzeiten sind für Diskussionen über Parteireformen ungeeignet. Die Zeit für eine Vorwahlendiskussion ist nach der Wahl.

Insofern hat mich auch gewundert, dass sich Eva Glawischnig zum Satz “So wie die Basisdemokratie derzeit ist, führt sie in eine Sackgasse.” hinreißen hat lassen.

Woraus der “Standard” letztes Wochenende völlig sinnentstellt den Aufmacher “Glawischnig: ‘Basisdemokratie führt in Sackgasse’“ gemacht hat. Auch wieder was für die Medienkunde.

Mir ist natürlich klar, dass Journalisten überlegen, ob sie mich zu einer Story anrufen, wenn sie dann mit einem solchen Blogpost rechnen müssen. Das stört das in Wien so wichtige Beziehungsgeflecht.

Aber auf das wird hier eh viel zu oft Rücksicht genommen.

In einem Wort: Kobuk

February 5, 2010  

Ab Sommersemester mache ich etwas für mich komplett Neues (und Aufregendes!): ich unterrichte. Ich halte eine Übung am Publizistikinstitut der Uni Wien zum Thema “Online-Journalismus”. Und dabei vor allem das “Online”. Dialog statt Monolog, Auffindbarkeit, Hypertext, Umgang mit Quellen, Umgang mit Multimedia, eventuell noch so Themen wie Liveblogging. Worüber ich mich besonders freue: Luca wird der Tutor der Lehrveranstaltung.

Folgendes habe ich mir überlegt: Wir werden gemeinsam ein Online-Magazin zum Thema Medienkritik schreiben, quasi ein Watchblog. Der Name: Kobuk.at. Kobuk hieß der berühmte Eskimodichter, den am 3. Juli 1951 am Westbahnhof eine Schar Reporter und Fotografen in Empfang nahmen. Im Vorfeld waren in den Wiener Tageszeitungen Notizen über dessen Wienbesuch erschienen. Doch ausstieg – im Pelzmantel – Helmut Qualtinger, der die Zeitungen mit gefakten Einladungen reingelegt hatte. Berühmter Ausspruch auf die Frage eines Reporters, der ihn nicht erkannt hatte, wie ihm Wien gefiele: “Haaß is”. Ganz im Sinne Qualtingers soll Kobuk medienkritisch aber auch unterhaltsam sein. Zusätzlich zu den etwa 25 Studenten wird es noch Gastautoren geben – Lena und Isabella haben schon Interesse angemeldet.

Jetzt brauche ich eure Hilfe: Das Logo, das ich gebastelt habe, ist schlecht. Mag wer ein besseres basteln? Ideal wäre ein Trick, der den Namen leichter merkbar macht, denn Kobuk/Kubok/Kobak ist leicht zu verwechseln. Mir fiel bislang nur ein grafisches Spiel mit K.O. am Anfang oder ein britisches Einfärben von UK am Ende ein – nicht sehr überzeugend..

Hier zwei Entwürfe von mir, beide nicht das Gelbe vom Ei. Beim zweiten habe ich versucht, einen Letterpress-Effekt zu verwenden, der thematisch ganz gut passen würde.

kobuk-logo-schwarz
 

kobuk-logo2

Wer mag?

Übrigens: Es gibt natürlich auch schon eine Facebook-Page.

Update: Mandý Röver hat einen Entwurf gemacht:

mandy-kobuk

Zehn Jahre Helge.at

December 29, 2009  

Fast hätte ich den Geburtstag übersehen: Vor ziemlich genau 10 Jahren, am Weihnachtstag 1999, begann ich zu bloggen. Auch wenn ich das damals noch nicht wusste.

10-jahre-helge.at

Bei eisigen Minusgraden war mir 10 Stunden vor der geplanten Abfahrt das Zündschloss des Landcruisers, den ich nach Burkina Faso überstellen sollte, eingegangen. Die folgenden fünf Wochen waren der Beginn dieses Blogs – per Laptop und koffergroßem Satellitentelefon, als Reisebericht unserer Saharadurchquerung.

Die Beiträge landeten zuerst nur auf der Site des damaligen Sponsors und einige Monate später dann auf helge.cc, meiner ersten eigenen Domain. Es war die Zeit der grauenvollen cc-Domains (erinnert sich noch wer an lion.cc?), und helge.at war nicht frei. Wurde sie aber 2003 und ich zog dahin um, damals noch unter der mühsamen Blogsoftware Greymatter. WordPress läuft seit 2006 (und ist immer noch best of breed). Das Logo (es wird Zeit für ein neues..) ist das zufällige Überbleibsel aus einem der beiden ursprünglichen Designs, die aus den Farben zweier Fotos von Reisen nach Marokko und Thailand entstanden. Darum die pseudo-arabische Schrift.

Das ist mein 800. Beitrag – macht im Schnitt knapp einenhalb pro Woche. Die Chancen, dass die Frequenz in den nächsten 10 Jahren steigt, stehen schlecht. Bin gespannt, ob’s zu Weihnachten 2019 hier noch was zu posten gibt. (Und ob’s 2019 noch immer Studenten gibt, die Fragebögen zu Weblogs schicken ;-)


Niko Alm hat im aktuellen The Gap Magazine einen sehr lesenswerten Text über “Protest 2.0″ geschrieben und mich in diesem Kontext auch zu den Grünen Vorwahlen befragt. Hier das ungekürzte Interview:

Die im März gestartete Initiative Grüne Vorwahlen wollte ein bestehendes Statut der Wiener Grünen nützen, wonach Unterstützer der Partei bei den Grünen Vorwahlen stimmberechtigt sind, um möglichst viele Menschen zur Landesversammlung am 15.11. 2009 zu bewegen und dort die Liste für die Gemeinderatswahl mitzuwählen. Die Wiener Grünen akzeptierten entgegen der Annahme der Initiative nur ca. die Hälfte der Unterstützungserklärungen, ohne genau darlegen zu können, warum so viele Sympathisanten abgelehnt wurden. Einer der Initiatoren, Helge Fahrnberger (Bild: © Jakob Polacsek), beantwortet dazu einige Fragen.

Helge-219x300Es gibt zwar Initiatoren, aber eine Kommunikation ist mit den Grünen Vorwahlen nur in ihrer Gesamtheit möglich. Jetzt ist es so, dass viel Vorwähler nicht angenommen wurden. Hätten die Grünen Vorwahlen hier nicht Vertreter mit (Ver)Handlungsvollmacht ausstatten müssen?

Den Grünen hinter verschlossenen Türen irgendwelche Zugeständnisse abzuringen hätte genau das ad absurdum geführt, was wir von ihnen verlangten: Entscheidungen transparenter und unter Einbindung von uns Wählern zu treffen. Daher gab es keine andere Verhandlungsoption, als die Entscheidung der Grünen, jeden Zweiten abzulehnen, transparent zu machen und die Diskussion darüber öffentlich zu führen. Hier war auch der Weg das Ziel: Lieber aufzeigen, wie eine Partei tickt, als ihr in geheimer Absprache was abzuverhandeln.

Haben die Grünen Vorwahlen punkto Organisation einen Punkt verpasst, um mit dem unerwarteten Verlauf anders umgehen zu können?

Es sind im Laufe der Grünen Vorwahlen sicher Fehler passiert: Wir haben zugelassen, dass einzelne Grüne Scharfmacher Gerüchte über einen Putschversuch verbreiten, im Glauben, dass man intern eh unsere Blogs liest, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Auch haben wir uns vielleicht zu bereitwillig vor den Karren von Medien mit eigener Agenda spannen lassen. Trotzdem waren wir zu unserer eigenen Überraschung dem Grünen Landesvorstand organisatorisch und in Sachen Medienarbeit zu jedem Zeitpunkt überlegen. Die Grünen spielten als Gast, für uns war es das Heimspiel. Schade war nur, dass es überhaupt zum Match kommen musste, wir hätten ja auch gemeinsam auf ein Tor spielen können.

Oder wäre es vielmehr alleinige Aufgabe der Grünen, hier die entsprechende Kommunikation richtig aufzubauen?

In einer idealen Welt ja – dann hätten die Grünen die Grünen Vorwahlen als das begriffen, was sie waren: Eine Kampagne für Mitarbeit und Mitbestimmung bei den Grünen. Aber der Landesvorstand stand massiv unter Druck einzelner Funktionäre und war angesichts der Tatsache, dass fast alle Mitglieder selbst für den Gemeinderat kandidieren wollten, erpressbar. Einfach den Wortlaut der Statuten zu vollziehen schien da keine Option mehr zu sein. Das Resultat war ein kommunikatives Fiasko und ein Kampf gegen die eigenen Sympathisanten.

Wie kann aus deiner Sicht, unabhängig von den Grünen Vorwahlen, eine Kommunikation zwischen Netzwerk-Protest/Initiative und hierarchischer Organisation stattfinden? Wer ist verantwortlich für den Bau der Schnittstellen?

Je klarer eine Organisation definiert hat, wo und wie ihre Kunden, Wähler oder Einwohner andocken können, desto besser. Im Bereich der Bürgerbeteiligung gibt’s seit vielen Jahren funktionierende Modelle, selbst wenn die Kommunen oft nicht die Konsequenz besitzen, sie anzuwenden. Auch moderne Organisationen wie der T-Shirt-Hersteller Threadless.com oder die Enzyklopädie Wikipedia haben ihre Partizipationsmöglichkeiten sehr genau definiert und stellen diese in einem ständigen Erneuerungsprozess laufend zur Diskussion. Konsumenten fordern zunehmend Mitsprache auch dort ein, wo sie noch nicht vorgesehen ist. Mit den Mitteln des Internets ist es eben einfacher denn je, “zurückzureden” und sich mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die meisten Organisationen sehen das als Bedrohung, dabei ist es eine riesige Chance.

Wo siehst du Parallelen zwischen #unibrennt und den Grünen Vorwahlen?

Der wesentliche Unterschied zwischen den Uniprotesten und den Grünen Vorwahlen ist, dass die Uniproteste nicht wie wir inhaltliche und organisatorische Einschränkungen vorgaben. Bei den Grünen Vorwahlen haben wir von Anfang an sehr genau definiert, dass es unser Ziel ist, möglichst viele Menschen zu wahlberechtigten Vorwählern zu machen. Alles andere war explizit Nicht-Ziel, dabei haben wir uns auch an der Funktionsweise der Wikipedia orientiert. Auf diese Art haben wir jede Möglichkeit ausgeschlossen, uns zu einer Initiative für oder gegen bestimmte Inhalte oder Personen zu machen – wir waren einfach nur der kleinste gemeinsame Nenner der frustrierten Grünwähler. Bei den Uniprotesten ist es umgekehrt, hier entstand ein fast unerfüllbarer Forderungskatalog und ein Engagement in Richtungen wie Antifaschismus, Feminismus oder gewerkschaftlicher Solidarität. Zu meiner Überraschung und Freude sind die Proteste an diesem Interessensspektrum noch nicht zerbrochen. Ein Beweis dafür, dass beharrliches Engagement in Plena, Wikis und Arbeitsgruppen selbst in schwierigen Ausgangslagen zum Kompromiss führen kann. Nur braucht das halt extrem viel Zeit. Wer die nicht hat, muss einen Fokus vorgeben.

Was schätzt du, war für die Verbreitung der Grünen Vorwahlen essentiell und in welchem Ausmaß?

Bei den Grünen Vorwahlen gab es einen Gradmesser in schwarz auf weiß für den Erfolg unserer Maßnahmen, nämlich die Anzahl der neuen Vorwahlregistrierungen: So wissen wir heute, dass ein 8-Minuten-Beitrag im ORF-Report oder ein Artikel im Profil zwar gut fürs Ego ist, aber sonst überraschend wenig bringt. Der Report-Beitrag brachte gerade mal 20 neue Unterschriften, auch der Traffic auf unserer Website war überraschenderweise nicht höher als bei einem Artikel auf DerStandard.at. Am wichtigsten waren die sieben oder acht Infoabende, die fast ausschließlich über Twitter und Facebook beworben wurden. Telefonate und Emails im Hintergrund fanden nur vereinzelt statt, die meiste Organisationsarbeit wurde über Twitter erledigt. Das hatte gleichzeitig den Vorteil, dass sich immer wieder neue Leute einbrachten und nicht der Eindruck entstand, hier wird im Hinterzimmer was ausgemauschselt. Die Grünen Vorwahlen hätte es ohne Telefon, SMS, Facebook und selbst ohne Massenmedien geben können – aber ohne Blogs und Twitter wären sie undenkbar.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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