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In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Ich stehe auf Gadgets und kann es nicht erwarten, Wearable-Computing-Gadgets wie Google Glass auszuprobieren. Die Idee, einen persönlichen Assistenten permanent im Blickfeld zu haben, wichtige Momente festzuhalten oder schnell ein Keyword zu googlen, ohne mich aus einem Gespräch ausklinken zu müssen, ist bestechend.

Andererseits beunruhigt mich der Gedanke: Wir werden nie wissen, ob ein Gespräch aufgezeichnet wird und, verknüpft mit unseren digitalen Identitäten, in der Cloud landet. Der feuchte Traum aller Nachrichtendienste. Unser Leben ist beinahe lückenlos nachvollziehbar, dank Handys und digitaler Zahlungen, doch bislang betraf diese Überwachung nur uns selbst, nicht unsere Gesprächspartner und in der Regel auch nicht die Gesprächsinhalte.

Mit Geräten wie Glass – irgendwann als Kontaktlinse gar unsichtbar – könnte sich das ändern. Kombiniert mit Stimm- und Gesichtserkennungssoftware (wofür die großen Digitalkonzerne längst Patente besitzen, wie jeder iPhoto-User berichten kann) könnte Glass „Privatsphäre“ endgültig zu einem Konzept aus einer anderen Zeit machen.

Zwischen Technologieapologeten und –apokalyptikern wird es nicht leicht, solchen Entwicklungen mit der nötigen Distanz (und wenn’s sein muss: Regulierung) zu begegnen, ohne sich gleich unter die hauptberuflichen Bedenkenträger der Holzfraktion zu reihen.

Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin.
 


 

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6 Comments
#444064 Helge Sverre says on April 30, 2013 at 4:08 pm
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Hmm I’m not too sure about Google glass… It seems like it would open a whole new world of online bullying…

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#444066 Meicel says on April 30, 2013 at 4:30 pm
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Hi Helge,
Deine Meinung dazu gefällt mir. Zwar sehe ich auch das schwarze Schaf in solch neuen Technologien welche uns noch transparenter machen als je zuvor, doch die Welt da draußen ist irgendwie danach besessen es immer weiter im Leben zu bringen..ich meine, was wäre heute alles nicht möglich gewesen wenn sich alle brav an jedem Datenschutzgesetz, Urheberecht etc. gehalten hätten? Auch wenn google da einen gewaltigen Schritt in Richtung Zukunft machen, ist die Kehrseite von Privatsphäre und Co. mindestens genauso groß :(

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#445005 tomasio reicht says on May 9, 2013 at 7:28 am
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Jeder User kriegt die Privatsphäre, die er verdient. Dabei handelt es sich allerdings um Power-User, Normalsterbliche lassen sich meist aus Unkenntnis in ihre digitalen Karten schauen. Ich mach mir eher Sorgen, dass mit Google Glass noch mehr Autounfälle durch die Ablenkung passieren.

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#465180 Gerda says on November 6, 2013 at 10:53 am
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In meiner Brust schlagen die selben 2 Herzen. Allerdings bin ich der Meinung das seitens der Hersteller solcher Gadgets und auch den Behörden mehr Aufklärung passieren muss. Auslieferung- Standardeinstellungen sollten schon so vorkonfiguriert sein das eine “Anonymität” größtmöglich gewährt wird. Und ich glaube auch das es heutzutage wichtig wäre auch schon in Schulen Aufklärungskampagnen einzuführen. Nicht in der Handhabung von solchen Gadgets sondern was für “Gefahren” von öffentlichen Profilen/Accounts usw. ausgehen können.

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#473413 Ernst says on January 16, 2014 at 8:26 pm
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Ich bin auch gespannt wie die Brille bei einem grossen Publikum ankommen wird. Als ich das erste Mal davon gehört habe, dachte ich mir diese muss ich unbedingt haben. Aber ist wieder einmal mehr etwas zu der Spionage von Google herausgekommen. Und dass sie jetzt noch Haushaltsgerätefirmen kaufen, macht mir etwas Angst. Mal sehen wie sich’s weiter entwickeln wird.

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#474167 dessert says on March 3, 2014 at 9:01 pm
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Das Problem mit solchen “Gadgets” ist vor allem, dass sie uns, vorerst vielen noch unbewusst, potentiell in ein Zeitalter der Selbstzensur katapultieren. Wenn die Technologie reif und verbreitet ist, werden sich viele nicht mehr trauen, ihre persönliche Meinung kund zu tun da potentiell alles versteckt aufgezeichnet, und später “gegen einen” verwendet werden kann. Dies betrifft sowohl Privatangelegenheiten (im Privatleben) als auch die Meinung zu öffentlichen Themen. Im schlechtesten Fall führt das dann dazu, das viele sich nicht einmal mehr trauen am Wochenende das Wochenende zu genießen, da womöglich am nächsten Morgen alles auf youtube oder dessen Nachfolger gelandet ist.

Hat das Internet mittels Anonymität (oder zumindest einer gefühlten Anonymität), dazu beigetragen, dass viele Menschen im Mantel dieser Anonymität ihre persönliche Meinung äußern (auch wenn sie nicht immer “schön” ist), so könnten GG und andere Geräte genau zum Gegenteil in der “offline” Gesellschaft führen. Zur perfekten “der König ohne Kleider” Gesellschaft also, alle wissen der König ist nackt, aber noch weniger als heute traut es sich niemand auszusprechen.

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