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Mir stinkt Häupl und seine SPÖ, der fünf Tage vor der Wien-Wahl (über die Krone) ein Berufsheer fordert. Nicht aus Überzeugung, aus wahltaktischen Gründen. Mir stinkt die ÖVP, die daraufhin – obwohl jahrzehntelang für ein Berufsheer – reflexartig die Wehrpflicht verteidigt.

Mir stinkt Rot und Schwarz, die das Thema aus ebenso fadenscheinigen Gründen im Herbst aus dem Staub der Geschichte holen (das ist dort, wo auch Politverarschungen wie die Mehrwertsteuerhalbierung 2008 dümpeln), nur um das dominierende Thema Korruption von den Titelseiten zu kriegen. Erwin Pröll fürchtet den Verlust der Absoluten in NÖ – angesichts der Gerichtstermine von Strasser und Mensdorff und der Stimmung nach dem abgewürgten U-Ausschuss nicht ohne Grund – und alle spielen mit. Auch die SPÖ hat kein Interesse an der Aufarbeitung der Korruptionsgeschichten, in ihrem Keller liegt zumindest eine Leiche, die Inseratenaffäre. Im Grunde ist beiden Parteien völlig egal, was morgen rauskommt, sie haben bereits gewonnen: Die tagespolitische Agenda. Der Weg ist das Ziel.

Mir stinkt die Medienlandschaft, die dieses durchsichtige Spiel willfährig mitmacht. Und der Boulevard, der wie immer dreist kampagnisiert (siehe Ausfüllhilfe am Heute-Cover von heute).

Mir stinkt die Politik: Rot, Schwarz, Grün, Blau und die Rechtszwerge. Dafür, dass man uns wochenlang mit den dümmsten anzunehmenden Argumenten von Berufsheer und Wehrpflicht traktiert. Nazi-Zwangsdienst, länger brauchende Rettungen, Schulpflicht/Steuerpflicht/Wehrpflicht, “Hat noch keinem geschadet”, demonstrative Schneeräumungen, Zivildienst, Verlust des Tripple-A-Ratings.

Mir stinkt die ganze Volksbefragung also, dennoch gehe ich morgen hin. Es wird kein Protestkreuzerl, dazu ist die Frage zu wichtig.

Es gibt viele periphere Punkte (Lebenszeit von Menschen, Zwang, Zivildienst, etc.), aber einen zentralen: Landesverteidigung. Schließlich wurde die Wehrpflicht nicht für die Altenbetreuung, den Katastrophenschutz oder das Präparieren der Streif eingeführt. Sondern weil das neutrale Österreich nach dem großen Krieg eine Armee brauchte.

Wie soll Landesverteidigung im 21. Jahrhundert aussehen? Wogegen muss das Land möglicherweise verteidigt werden? Und: Wogegen wahrscheinlich nicht (mehr)? Die Politik hat in diesen Punkten völlig versagt: Morgen werden nicht einmal ansatzweise Antworten am Zettel stehen. Das Bedrohungsszenario hat sich in den letzten 50 Jahren völlig gewandelt – und ist kleiner geworden. Wir brauchen eine hochprofessionelle Truppe, die den Herausforderungen von heute – Cyberwar Clickskrieg, Luftraumüberwachung, friedenssichernde UN-Einsätze, ABC-Abwehr – gerecht wird und das militärische Knowhow pflegt und weiterentwickelt, damit es zur Verfügung steht, sollte sich das Bedrohungsszenario wieder verändern. Eine 35.000 Mann große Truppe, Panzerbataillone, Artillerie oder flächendeckende Präsenz braucht es dazu nicht. Eine an den Waffen “ausgebildete” männliche Bevölkerung schon gar nicht. Kurz: Das Heer, wie es heute existiert, hat ausgedient.

Ein Berufsheer führt nur möglicherweise zu einer zeitgemäßen, schlankeren Landesverteidigung. Ein Milizheer keinesfalls. Darum werde ich morgen für ein Berufsheer stimmen. Auch wenn’s mir stinkt.

PS: Eine lesenswerte Blogschau zum Thema gibt’s bei Andi Lindinger.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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