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Auf den Medientagen postulierte der Vorarlberger Medientycoon Eugen Russ den Triumph der mobilen Apps: „In zwei Jahren ist das Web ziemlich tot.“ Tatsächlich deutet einiges darauf hin: Während zur Jahrtausendwende 50% des Traffics über Browser lief, sind es heute kaum noch 20%. Und erst kürzlich kündigte Facebook eine vielversprechende Mobile API an: Dritt-Apps sollen direkt auf Funktionen der Facebook-App wie Likes oder Benachrichtigungen zugreifen können, und man wird sie direkt aus Facebook heraus aufrufen können.

Doch was nach einem weiteren Sargnagel für die mobile Browsernutzung aussieht, zeigt in Wahrheit die großen Schwächen der App-Welt auf, die hier nur notdürftig ausgebessert werden: Man kann nicht in sie verlinken, Suchmaschinen können sie nicht crawlen und man muss sie für jeden Handsethersteller extra entwickeln. Sie sind die einsamen Inseln der Online-Welt.

Als in den 90ern das Netz populär wurde, wurde es das zuerst in den abgeschlossenen Welten von AOL und Compuserve. Zu unübersichtlich und hässlich war das WWW. Als Walled Gardens waren AOL & Co – wie Apps heute auch – ökonomisch leichter verwertbar. Das mobile Web ist drauf und dran, dank HTML5 die Bequemlichkeiten der App-Welt zu lernen. Wie damals könnte es die Insellösungen bald wieder auf die Ränge verweisen.

Auch wenn das den Medientycoons nicht schmeckt, die die App-Welt schon als Retter der Medienwelt sahen.

Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin. Illustration: (cc) BY SA Geek & Poke
 


 

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11 Comments
#272743 Tom Schaffer says on November 8, 2011 at 3:57 pm
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Ich hab Apps immer nur für Übergangslösungen gehalten, bis sich im Webdesign die Skalierung auf unterschiedliche Endgeräte durchgesetzt hat. Was Browser in den letzten Jahren auf PCs gelernt haben deutet ihre potentielle Überlegenheit an.

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#272828 Johann Höchtl says on November 9, 2011 at 2:40 pm
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2010 hat das Chris Anderson in
http://www.wired.com/magazine/2010/08/ff_webrip/all/1
auch prophezeit. Sie sollten den Ausweg aus der “free”-Ökonomie des Webs weißen, da den “Rückschritt” zu Bezahldiensten die wenigsten Konsumenten gehen wollten. Aber mit iOS, Android, WP7, Meego?, Blackberry?, Symbian? gibt es zu viele Plattformen, als dass sie von den entwicklern bedient werden könnten. Inseln entstanden und sind im entstehen. Apps entsprechen damit so gar nicht dem, was in den letzten 15 Jahren die Entwicklung des web wie wir es kennen vorangetrieben haben: (Offene) Standards und Schittstellen.

cf.: http://www.circleid.com/posts/why_app_stores_wont_survive/

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#272833 Helge Fahrnberger says on November 9, 2011 at 4:16 pm
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Ja, bei Anderson hat mich die Prophezeihung besonders gewundert. Noch dazu mit so schwachen Argumenten – als würde der Bit-Transport (der noch dazu häufig aus dem Web getriggert wird – bestes Beispiel Youtube) irgendwas aussagen.

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#273931 Florian says on November 18, 2011 at 7:28 pm
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Ich glaube dass dieser TED Beitrag ganz gut zum Thema passt: http://www.youtube.com/watch?v=D9_6G8J6VJg&feature=youtu.be

Da sieht man doch ganz gut wohin die Reise geht (gehen muss).

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#277526 Mitch says on December 13, 2011 at 4:15 pm
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Bin ich gespannt was daraus noch wird.

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#320046 Synonymik says on March 9, 2012 at 4:56 pm
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Apps verwende ich aus genau diesen Gründen nicht, ausserdem ist mir die Zeit dafür zu schade – und braucht man sie wirklich ?

Komme bisher sehr gut ohne diese zurecht und freue mich auf offene Standards für alle – sie mögen kommen.

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#327576 Kaiser says on May 19, 2012 at 3:50 am
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Apps sind schon jetzt an der Kippe der Geschichte: Das Entwickeln für unterschiedlichste Plattformen kostet einfach zu viel. Zum Schluss wird es wieder Apps geben, aber diesmal Web-Apps, die direkt aus dem mobilen Browser raus laufen. Standard wird nicht die SDK des Herstellers sein, sondern Css v.X und Html v.X. Und laufen wird alles über Google OAuth/Facebook Login/OpenID/etc. Das Thema Plattform-Inseln ist eh schon wieder vorbei.

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#331066 Thomas says on June 13, 2012 at 3:49 pm
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Follow up zur Twitter Konversation ;)

https://twitter.com/Helge/status/212892054274056192

Ich glaube weder dass die Apps das Web killen können, genauso wenig glaub ich allerdings auch dass Webapps den Erfolg der Apps gefährden können. Es gibt in meine
Augen einige Punkte die wichtig sind. Wie auf Twitter erwähnt ist das für Entwickler die Produktivität und die Möglichkeit Geld damit zu verdienen. Wenn man sich ansieht wie langsam und mühsam ein neuer Web-Standard entsteht ist klar, dass neue Techniken, neue Technologien, neue Features der Geräte (z.B. NFC) in Apps JAHRE vor dem Web verwendet werden können.
HTML 5 ist zur Zeit nichts anderes als ein Entwurf, JAHRE(!!!) bevor es ein wirklicher Standard wird. Da hat “Objective C”, “WinRT”, etc einen Jahrelangen
Vorsprung wenn es darum geht Features zu verwenden.
Und das ist ein grundsätzliches Problem, kein spezielles. Es ist nicht abzusehen dass das irgendwann anders werden kann! Und wenn man sich ansieht wieviele Kompromisse HTML5
beinhält, besteht für mich wenig Hoffnung auf “Besserung” in diesem Bereich. Siehe Video Tag, dass zwar vorsieht einen
Standard ein Video einzubinden, aber KEIN Format vorschreibt das unterstützt werden muß. Wenn der 100 Prozentig standardkonforme (wenn man das überhaupt von einem Entwurfsstandard behaupten kann) Webbrowser “XYZ” aus welchen Gründen
auch immer nur das selbsterfundene Videoformat Codec-XYZ unterstützt, wird der im ganzen Web keine Videoplattform finden
die dem Benutzer ein Video anzeigen kann.
Erschwerend kommt natürlich dazu dass Apps in Programmiersprachen geschrieben werden, während Javascript im Vergleich dazu eigentlich fast eine Strafe für Entwickler ist. Ja, es geht vieles, aber
produktiver ist man mit C# oder Objective C mit großem Abstand.
Bleiben die Einnahmen: Im Web gibts nur Werbung, Paid-Content gibts nur in Form von Apps. Die Vermarktung in einem zentralen Storeist wesentlich einfacher, während das Web aufgrund seiner demokratischen
Grundausrichtung IMMER wesentlich chaotischer sein wird – selbst wenn
es irgendwann “Web-Apps” zu kaufen gibt.

So, zu den Argumenten im Artikel: Die Hersteller der Systeme schlafen auch nicht, sehen die Nachteile, und können hier WESENTLICH schneller nachbessern. Als bestes Beispiel seh ich hier Windows 8. (Das in meinen Augen so innovativ ist dass viele Konzepte mittelfristig in Android und
iOS übernommen werden MÜSSEN). Eines der Kernfeatures ist der “Share” Button. Wenn ich z.B. eine Windows 8 App entwickle, und Content teilen will, gibt es einen zentralen Knopf den der Benutzer drückt. Die
App teilt dem System z.B. mit: “Ich habe einen Link anzubieten”, und das System zeigt nun alle Applikationen an die mit dem Typ “Link” etwas anfangen können. So hat man mit gegen null gehendem Aufwand in “Versende per Mail” oder “Teile auf Facebook” implementiert, obwohl die Applikation nicht davon weiß dass es das überhaupt gibt. Damit verlinke ich Applikationen auf eine
Art und Weise wie es im Web mehr oder weniger fast unmöglich ist. Oder Beispiel Suche: In Windows 8 gibt es – wie das Teilen – einen zentralen Suchbutton. Hier kann ich etwas suchen, und ohne verlassen des Suchformulars nicht nur im System suchen, ich kann auch das Web oder den Store durchsuchen. Das geht soweit dass jede Applikation dem System mitteilen kann “Bei mir kann man suchen”, und schon erscheint man dort. Ich seh viel weniger das Problem dass Apps nicht durchsuchbar sind, sondern viel mehr das Problem dass man Google nicht mehr so häufig benötigt. Ich geh nicht ins Web und suche nach der Kuba-Krise als Beispiel, sondern ich such gleich in der
Wikipedia. Ohne einen Browser aufmachen zu müssen. Ich glaub dass viele dieser Konzepte so stark sind dass Apple und Google gar nicht umherkommen ähnliche Ansätze zu implementieren.

Aus diesen Gründen glaub ich, dass Webtechnologien zwar gut sind um möglichst
schnell etwas für alle Plattformen zu entwickeln, aber den riesigen Nachteil haben dass die Technologie immer hinter her hinken wird. Und somit wirds eine WebApp mit den grundsätzlichen Funktionen geben, und eine “Full-Featured” App im Store. Und die wird auch in Zukunft verwendet werden, egal wieviele Features jetzt in einen HTML5 Standard reinkommen.

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#331078 Johann Höchtl says on June 13, 2012 at 6:26 pm
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Die kürzlich geführte Dokumentation auf reddit zu diesem Thema unterstreicht wie irrelevant das W3C zusehends für praktikable Standards wird: http://www.reddit.com/r/programming/comments/ut0rh/zed_a_shaw_the_web_will_die_when_oop_dies/

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#332565 Marc says on June 25, 2012 at 7:37 pm
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Ich will hoffen, dass das Web nicht auf einmal durch einen Haufen Apps ersetzt wird; zu stark habe ich mich an den Komfort gewöhnt, zwischen Webseiten hin und herzuwechseln. Man wird sehen.

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#339327 Marius says on August 19, 2012 at 8:21 pm
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Super interessanter Artikel und vielen Dank erstmal dafür. Auch finde ich es super, dass du uns über die Twitter Konversation auf dem Laufenden hältst.

Ich persönlich glaube jedoch nicht, dass das Web irgendwann mal durch eine Armada an Apps ersetzt wird. Ich glaube auch nicht, dass wir irgendwann mal auf unseren Desktop Computern nur noch mit kleinen Apps und Programmen hantieren werden, wie es Microsoft beispielsweise mit Windows 8 probieren wollte. Das funktioniert einfach nicht, ist viel zu impraktikabel für Leute, die wissen was sie tun.

Aber wer letztendlich Recht hat, wird vermutlich die Zukunft zeigen, nicht wahr ;)

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