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Ich wähle heute nicht Grün, weil..

..eben zwei achtjährige Zwillinge zuerst inhaftiert und dann ohne ihre Mutter in den Kosovo abgeschoben wurden, und die Grünen die Einzigen sind, die glaubwürdig dagegen auftreten. Das macht mich wütend, und dennoch entscheide ich anders. Ich wähle die Grünen auch nicht, weil Maria Vassilakou in den TV-Diskussionen so gut war oder aus sonstigen “medialen” Gründen.

Ich wähle diejenigen Kandidaten, denen ich glaube, dass sie in den nächsten Jahren Wien verändern: Abkehr von fossiler Energie, Rückeroberung des öffentlichen Raumes vom Blech, vernünftige Bildungspolitik inklusive Nutzung der Mehrsprachigkeit von Kindern anderer Muttersprache, Ausbau des öffentlichen Verkehrs (vor allem des Straßenbahnnetzes), Ausbau von Partizipationsmöglichkeiten.

Die SPÖ wähle ich nicht, weil absolute Mehrheiten absolut korrumpieren. Außerdem scheint sie mir zu träge, um wichtige Reformen umzusetzen.

Die ÖVP wähle ich nicht, weil nicht einmal klar ist, wofür sie steht. Jedenfalls nicht für eine Trendwende in Energie- und Verkehrspolitik. Ihre letzte Regierungsbeteiligung ist ohne erkennbare Erfolge zu Ende gegangen. Gut, sie haben inzwischen die 24h-Ubahn-erkämpft, aber ansonsten besteht ihre Verkehrspolitik mehr aus Autolobbyismus à la Entfernung von Fahrradbügeln. Abgesehen davon ist die Partei einer Fekter für mich so wählbar wie die Partei eines Strache.

Darum wähle ich Grün. Die Grünen haben nicht nur in den mir wichtigen Themen die besseren Konzepte, sie haben auch – trotz Oppositionsrolle und trotz vielzitiertem “Chaos” – in der Vergangenheit gezeigt, dass sie konkrete Projekte verwirklichen können: Seit 2001 haben sie der SPÖ 55 konkrete Rot-Grüne Projekte abgetrotzt, darunter Citybike, Wientalhighway, Biomassekraftwerk und Okto. Für die nächsten Jahre sind 23 weitere Projekte (anschauen!) geplant. Auch Bezirksprojekte wie die Fuzo Josefstädterstraße überzeugen mich.

Auch andere denken ähnlich: Jana Herwig, Franz Joseph, Robert Misik oder Robert Menasse. Und vielleicht sogar Gerald Bäck.

Ideen für Vorzugsstimmen (man kann – stadtweit – zwei vergeben):

Wer übrigens Grüne Vorwahlen will, weil die Grünen nach wie vor und mehr denn je Veränderung brauchen: Die beste Zeit dafür ist ab Montag. Geh der / dem Grünen deines Vertrauens damit auf die Nerven.

9 replies on “Ich wähle heute nicht Grün, weil..”

Meinst du das wirlich ernst? Den roten Projekte abgetrotzt. Einige der von dir zitierten Projekte wurden mit großer Zufriedenheit von der spö umgesetzt. Es ist schön, wenn die grünen bei einigen Projekten ein guter Partner sind. Und wenn sie auch noch einheitlich auftreten würden, wären sie ja auch ein super Koalitionspartner. Ich finde momentan einige von dir zitierte personen wenig konstruktiv.

@Günter: Stimmt, dein Wahlendorsement hab ich ganz vergessen zu verlinken! Danke fürs Nachreichen.

@Helmuth: Ja, meine ich ernst. Michael Häupl ist absolut hoch anzurechnen, dass die SPÖ diesen Projekten gegenüber aufgeschlossen war und sie unterstützt und mitgestaltet hat, obwohl vom politischen Gegner und obwohl mit komfortabler Mehrheit ausgestattet. Trotzdem wären das keine “Rot-Grünen Projekte”, wenn die Initiative nicht von den Grünen gekommen wäre.

@Martin: Ich (glaube ich) teile viele deiner Hoffnungen in Richtung einer neuen politischen Qualität und einer Neudefinition von Mitbestimmung. Viel davon wird sich schon alleine durch die sich verändernde Medien- und Kommunikationslandschaft in den nächsten Jahren erfüllen. Für Anderes braucht es kleine Revolten und Revolutionen. Trotzdem ist Kommunalpolitik auch die Politik der kleinen Schritte und des pragmatischen Zugangs. Verändern was sich verändern lässt. Wenn ich wie (vermutlich) du meine Stimme nicht einer Liste schenke, die auch in den Gemeinderat einziehen kann, dann habe ich faktisch zu 50% SPÖ und zu 25% FPÖ gewählt – also das Wahlergebnis der anderen. Da wähle ich VIEL lieber Grün, mit der Chance auf konkrete Änderungen, zumindest im Kleinen. Deine Hoffnung auf was Anderes, was eine neu entstehende Lücke besser füllen könnte, teile ich nur zu sehr kleinen Teilen.

Ich habe zwei Jahre im Parlament für Eva Glawischnig gearbeitet, seit dem wähle ich grün nimmer……

@”Maria”: Deine Emailadresse lässt vermuten, dass du nicht Maria heißt. Wenn du hier kommentierst – vor allem mit solchen Details – dann bitte stehe entweder zu deinem Namen oder zu deiner Anonymität.

@Helge Man kanns halt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: ich hab gestern einer Partei den Rücken gestärkt, die derzeit wahrscheinlich jede einzelne Stimme feiert – und gleichzeitig dafür gesorgt, dass die die es sich in ihrer Etabliertheit grade gemütlich machen, irgendwann vielleicht wieder aufwachen. Wir sind, wie Du sagst, so unterschiedlich da nicht. (Das ist ja eines der Probleme, die ich mit diesem einmal alle fünf Jahre ein Kreuz machen habe: Menschen entscheiden sich mit guten Gründen und ähnlichen Intentionen für andere Wege das auszudrücken, unterm Strich ändert das alles nicht gar so viel) Glg! (Und cool, dass Du gestern da warst, nächstes Mal hoffentlich wieder mehr Zeit zum Plaudern!)

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