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Meine Kolumne im aktuellen UPDATE-Magazin:

Deutsche Medien kannten in diesem Sommerloch nur ein Thema: Google Streetview. “So ist ihr Haus im Internet zu sehen!” titelt die BILD. Medien und Politik echauffieren sich darüber, dass Google den öffentlichen Raum abfotografiert. Für Zeitungsartikel werden Pensionisten vor ihrem Haus abgelichtet, die darüber erbost sind, dass ihr Haus öffentlich abgelichtet werden soll.

Dabei geht es lediglich um das Abbilden von Öffentlichkeit. Etwas, das Reise- und Fotobuchverlage seit jeher machen und damit hochwillkommene historische Dokumentationsarbeit leisten.

Die Zeitungsverlage schüren die Anti-Google-Stimmung, um das von ihnen geforderte Leistungsschutzrecht politisch durchzuboxen. Dieses sieht vor, Überschriften und Teile von Sätzen einem Monopolrecht zu unterwerfen. Snippets, wie sie auf Suchmaschinen und Aggregatoren üblich sind, aber auch Zitate wären bei Verlagsinhalten nicht mehr möglich. Ein klarer Angriff auf die Informationsfreiheit.

Politiker wiederum profilieren sich ängsteschürend als Datenschützer. Praktisch wenn sie damit von den von eigenen Eingriffen in die Privatsphäre ablenken: Die hierzulande kurz vor Umsetzung stehende Vorratsdatenspeicherung sieht die Speicherung aller Verkehrsdaten inklusive URLs, Emailadressen und Ortskoordinaten von Handygesprächen über sechs Monate vor. Eines jeden Bürgers, ausnahmslos. Die eben ausgehandelte ACTA-Regelung erlaubt unter anderem das Durchsuchen von Notebookfestplatten nach Urheberrechtsverletzungen bei Grenzübertritten. Et cetera. Die Streetview-Diskussion eignet sich hier wunderbar als Nebelbombe.

Wie komme ich dazu, mir mein Haus von einem paranoiden Nachbarn verpixeln, und wie das Tourismusland Österreich mit 22 Mrd. Einnahmen pro Jahr, sich ein derart wichtigstes Marketinginstrument nehmen zu lassen? Verbieten wir demnächst Postkartenverlagen ihr Geschäft? Oder unseren Gästen das Veröffentlichen ihrer Urlaubsfotos auf Facebook?

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, also hat das Anrecht auf öffentlichen Raum („Panoramafreiheit“) auch da zu gelten. Für jeden, auch für Google. Dabei gäbe es rund um Google genug tatsächlichen Regulierungsbedarf, beispielsweise dominiert Google etwa die Hälfte der weltweiten Online-Werbung.

Foto: (cc) Norbert Aepli

PS. Weil es gerade zum Thema passt: Ein sehenswertes Video zur ACTA-Vereinbarung:


Kim Il Häupl..

..und seine Photoshop-Jünger:

Wobei die Plakate natürlich an die Neue Politik von vor zwei Jahren nicht rankommen. Das ist noch mehr drin, liebes SPÖ-Wahlkampfteam! :-)

Via Thomas Blimlinger und Georg Günsberg.


In der morgigen “Presse” wird über mein Plädoyer für breite Vorwahlen berichtet. Was genau ist ein Plädoyer? Wenn man angerufen und um Stellungnahme gebeten wird?

Möglicherweise gibt’s keinen besseren Kurs in Medienkunde als die eigenen 15 minutes of fame. Letzten Sommer, als unsere Grünen Vorwahlen bei den Medien hoch im Kurs standen, durften wir hautnah miterleben, wie die österreichische Medienlandschaft so tickt. Spoiler: Nicht nach Lehrbuch. (Siehe auch meine Fragen an einen Presse-Redakteur.)

Ich freu mich ja, um meine Meinung gefragt zu werden – aber ist ein komisches Gefühl, wenn Journalisten der Welt ihre eigene Meinung durch mich und mit mir verkünden. Ein Gefühl, das ich bei vielen der Vorwahlen-Artikel hatte.

Der Artikel selbst ist voll ok, ich stehe zur Grundaussage. Nur käme ich nie auf die Idee, das Thema just vor der Wahl aufzuwärmen – das ist kontraproduktiv: Wahlzeiten sind für Diskussionen über Parteireformen ungeeignet. Die Zeit für eine Vorwahlendiskussion ist nach der Wahl.

Insofern hat mich auch gewundert, dass sich Eva Glawischnig zum Satz “So wie die Basisdemokratie derzeit ist, führt sie in eine Sackgasse.” hinreißen hat lassen.

Woraus der “Standard” letztes Wochenende völlig sinnentstellt den Aufmacher “Glawischnig: ‘Basisdemokratie führt in Sackgasse’“ gemacht hat. Auch wieder was für die Medienkunde.

Mir ist natürlich klar, dass Journalisten überlegen, ob sie mich zu einer Story anrufen, wenn sie dann mit einem solchen Blogpost rechnen müssen. Das stört das in Wien so wichtige Beziehungsgeflecht.

Aber auf das wird hier eh viel zu oft Rücksicht genommen.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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