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Seit zwei Tagen kursiert auf Facebook und per Email ein Text der Seniorchefin des kleinen Verlag Ennsthaler, der am Stadtplatz meiner Heimatstadt Steyr eine Buchhandlung betreibt. In diesem Text wirft Frau Ennsthaler dem deutschen Buchhandlungsriesen Thalia (knapp 300 Filialen) höchst unsaubere Methoden vor:

thalia-vs-ennsthaler

Leider hat Thalia jetzt sein begehrliches Auge auf uns geworfen. Sie hätten einfach mehr Umsatz, wenn es unsere Buchhandlung nicht gäbe, wenn sie unseren Standort hätten. Sie haben uns vor einem Jahr ein Angebot gemacht, wir haben kurz überlegt und dann abgelehnt. (..) Der deutsche Geschäftsführer kam in unser Haus zu einem Vorstellungsbesuch, wie er sagte. Leider war dieser Besuch kein höflicher, wie wir dachten. Entweder wir verkaufen oder sie bestellen nichts mehr bei uns. Mein Mann hat ihn höflich aber bestimmt hinausgeworfen. (..)
 

Wir sind jetzt als Verlag und Auslieferung in den Computern von Thalia gesperrt. Als Kunde könnt Ihr keine Bücher mehr von uns bei Thalia kaufen. (..) Sie haben jetzt die Vorgehensweise verschärft, indem sie Keile zwischen uns und unseren Autoren treiben. Sie erklären unseren Autoren, wenn sie ihre Werke direkt an sie liefern, dann verkaufen sie die Bücher. Sie rufen die Verlage an und versuchen direkt zu bestellen, mit der Begründung, sie nehmen keine Bücher mehr von Ennsthaler an. Sie haben den Bücherpaketdienst angerufen und angewiesen, keine Bücher mehr zuzustellen, die von uns kommen. Sie zwingen also die Verlage, vertragsbrüchig zu werden und direkt zu liefern oder die Auslieferung zu wechseln. So sitzen wir ganz schön in der Zwickmühle.

Der Geschäftsführer von Ennsthaler hat mir die Echtheit des Textes bestätigt. Ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls braucht die Sache ganz dringend Öffentlichkeit, Konzerne dieser Größenordnung müssen öffentlich kontrolliert werden. Spread the word!

Genau das versucht Thalia offenbar zu verhindern: Zwei Blogs, die den Brief ebenfalls veröffentlicht hatten, haben ihn inzwischen offline genommen. Auf einem davon ist zu lesen: “Der Blogeintrag wurde aus aktuellem Anlass in seinem vollen Umfang vorübergehend vom Netz genommen.” (Anmerkung: Dieser Blogbeitrag hier ist medienrechtlich überprüft worden, und ich bin nicht bereit, beim ersten Gegenwind einzuknicken. Noch immer nicht.)

In Wolfgangs Blog ist der Brief noch vollständig zu lesen.

Auf Facebook hat die Thalia-Filiale Steyr eine Gegendarstellung (Link inzwischen offline, s.u.) veröffentlicht, in der sie die Vorwürfe zurückweist:

Zur Zeit wird in verschiedenen Quellen behauptet, dass Thalia die Fa. Ennsthaler aufgrund eines gescheiterten Kaufangebotes boykottieren würde. (..) Herr Ennsthaler hat im Mai die Lieferantenbeziehung zu Thalia abgebrochen, sucht nun mit äußerst fragwürdigen, kreditschädigenden Mitteln den Weg in die Öffentlichkeit. Wir können diesen Schritt nicht nachvollziehen und bedauern diese Entwicklung sehr. Thalia hat sich seit längerem bemüht, eine für beide Seiten positive Lösung zu finden, sowohl was die Lieferantenbeziehung, als auch, was den Standort in Steyr angeht. Im Zuge dessen wurden auch gemeinsame Überlegungen über eine Buchhandlung am Ennsthaler-Standort in Steyr angestellt, die jedoch über die Planungsphase nicht hinausgegangen sind. Es gab zu keinem Zeitpunkt ein Kaufangebot.

ennsthaler-stadtplatzTäusche ich mich, oder wird den Hauptvorwürfen in dieser Darstellung nicht explizit widersprochen? Ich habe Thalia auf ihrer zu diesem Zweck eingerichteten Facebook-Seite jedenfalls um Klarstellung gebeten (Link inzwischen offline, s.u.). Die Firma Thalia ist auch herzlich eingeladen, ihre Sicht der Dinge hier in den Kommentaren kund zu tun.

Thalia ist in Steyr bereits Marktführer, doch die Buchhandlung Ennsthaler hat die bessere Lage, mitten am Steyrer Stadtplatz (Foto rechtes Gebäude).

Update 26. Juni:

Update 28. Juni:

Update 28. Juni 18:00:

Die Agentur von Thalia hat mir eben per Email folgende Stellungnahme geschickt:

Aktualisierte Stellungnahme zu Thalia Steyr/Ennsthaler

Linz/Steyr, 28.6.2010

In verschiedenen Online-Quellen wird derzeit behauptet, dass Thalia die Fa. Ennsthaler boykottieren würde. Wir nehmen dazu wie folgt Stellung:

Die Fa. Ennsthaler betreibt einen Buchverlag und eine Buchhandlung in Steyr. Mit dem Buchverlag bestand eine langjährige Lieferantenbeziehung, die Herr Ennsthaler im April 2010 abgebrochen hatte.

In einem heute von Josef Pretzl, Geschäftsführer von Thalia Österreich, geführten Telefonat wurde dem Wunsch von Herrn Ennsthaler, die Geschäftsbeziehung zu Thalia wieder aufnehmen zu wollen, entsprochen. Es werden ab sofort von Thalia wieder Bestellungen erfolgen.

Herr Ennsthaler bestätigt die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen. Auch wenn Thalia darauf besteht, Ennsthaler nie boykottiert zu haben, habe ich den Eindruck, dass unser öffentlicher Druck hier geholfen hat. Gut wenn sich alle sich wieder lieb haben..

Update 29. Juni:

Update 4. August:

Spiegel Online berichtet über die Sache.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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