Ich wähle Fischer, aus zwei simplen Gründen
April 23, 2010Diesen Sonntag ist Bundespräsidentschaftswahlkampf, und auch wenn der Sieger bereits feststeht, gehe ich a) hin und wähle b) Heinz Fischer. Die Gründe sind einfach:
- Wenn ich nicht (oder weiß) wähle, werde ich am Sonntag abend, wenn ich Pech habe, zu 20% eine Kandidatin gewählt haben, gegen die die FPÖ ein linksextremer Haufen ist, und zu 10% einen christlichen Obskuranten, der sich vor der flächendeckenden Entweihung der göttlichen Schöpfung durch RFID-Implantate fürchtet. Wer nicht wählt, wählt das Wahlergebnis der anderen.
- Ein Bundespräsident braucht im Fall einer gröberen Krise Autorität und ein demokratisches Rückgrat. (In Friedenszeiten geht’s bei dem Amt ja nicht um viel.) Auch wenn ich mir andere Kandidaten gewünscht hätte – von den drei zur Wahl stehenden hat Heinz Fischer davon am meisten. Mit sehr großem Abstand.
Das reicht für eine Entscheidung. Dass man auf ÖVP und Grüne sauer sein darf, weil sie niemanden aufgestellt haben, steht auf einem anderen Blatt. Besonders die ÖVP gehört abgewatscht, weil sie halboffiziell zum Weißwählen aufruft. Ist doch die Aufgabe einer Partei, selbst Wahlangebote zu stellen und nicht zum Wahlboykott aufzurufen! So sieht Totalversagen aus, politisch und menschlich.
Wer noch nachdenkt, dem empfehle ich die Beiträge von Martin Schimak, Gerald Bäck (2), Andreas Lindinger, Tom Schaffer, Jana Herwig, Robert Misik und Thomas Knapp.
So vorhersehbar der Wahlausgang, so haben diesen Wahlen auch etwas besonderes: Der Internetwahlkampf des Fischer-Teams ist der (relativ) beste, den österreichische Wahlen bislang gesehen haben. Das dürfte auch am geringen Druck gelegen haben. (Und ist sicherlich auch ein Testlauf für zukünftige Wahlen wie die kommende Wien-Wahl.)
Ich durfte auf Ö1 (wieder) ein paar Wortspenden dazu abgeben:
Hier der Artikel dazu auf o1.orf.at. Audio: © Ö1/ORF.







[...] This post was mentioned on Twitter by Helge Fahrnberger and Helge Fahrnberger, Martin Gratzer. Martin Gratzer said: RT @muesli: Ich wähle am Sonntag Fischer, aus zwei simplen Gründen: http://bit.ly/8YLBIW #helgesblog #heifi2010 [...]
Da kann ich nur zustimmen. Es wäre eine Schande wenn die “liebe Dame” über 20% kommen würde.
Höhere Mathematik:
Wenn sagen wir, einmal grob und großzügig geschätzt jeder 2te Österreicher gegen den Vertrag von Lissabon ist und man versammelt 182 Österreicher in einem Kasperltheater am Wr. Ring. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle 182 für den Vertrag von Lissabon sind? 1 zu 2 hoch
182, das heißt 1 zu einer 4 mit 54 Nullen hinten dran. So groß ist die Chance, dass wir in einer Demokratie leben.
Drum Rosenkranz ist der letzte winzige Rest von Demokratie in diesem Land. Sie war die 183te
@Adam Riese (zu feig für einen echten Namen?): Lass dir nochmal erklären, was Demokratie ist.
Hr. Fahrnberger, ich finde keine Worte auszudrücken, wie egal mir ist, wen Sie wählen. Außerdem dachte ich mir, Sie hätten sich mit den grünen Vorwahlen schon genug blamiert und würden deshalb ihre Lautstärke etwas runterdrehen. “Naive Nerds” und so …
Aber anscheinend geht es bar jeden realen Einflusses nun umso ideologischer weiter. “Obskurantismus” ist ein Kampfbegriff, der u.a. im Stalinismus Hochkonjunktur hatte und der in der demokratischen Auseinandersetzung mit einem öffentlich seinen Glauben lebenden Christen nichts zu suchen hat. Außer Sie wünschen sich insgeheim, daß die GAJ Hr. Dr. Gehring per Genickschuß erledigt. Was weiß man schon, in Zeiten des Internets hat ja alles eine eigene Speakers’ Corner, auch Sie.
@raptor: Keine Ahnung, wer dir solche Märchen erzählt, aber mit deiner Definition hat Obskurantismus nichts zu tun.
Als Obskuranten wurden während der Aufklärung Menschen bezeichnet, die zur Aufrechterhaltung des päpstlich-biblischen Weltbilds die Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen verhindern wollten. Eine Beschreibung, die zu deinem Hr. Dr. Gehring recht gut passt, wie ich finde.
Ursprünglich geht der Begriff übrigens auf die mittelalterlichen Dunkelmännerbriefe zurück, die einen ähnlichen Hintergrund hatten.
[...] wird den “Gültig”-Wählern überlassen. Man sollte sich das bewusst machen: Wer nicht wählt, wählt das Ergebnis der anderen. Aber es ist völlig legitim und muss auch legitim [...]