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(Update: Hier der Follow-Up-Beitrag: Rezept gegen abfällige Kommentare in Online-Zeitungen)

Unter Politikern gilt “Das Lesen der Kommentare in Online-Zeitungen schadet der Gesundheit”. Denn die Foren von DerStandard.at, DiePresse.com, oe24.at, ORF.at, etc. sind voll von persönlichen Angriffen, wilden Spekulationen und Verschwörungstheorien. Kaum je steuert jemand etwas Substantielles bei. Armin Thurnher weigert sich bekanntlich gar, das Internet “als Medium ernst zu nehmen”, solange es Hort anonymer Diffamierungen sei.

International sieht’s nicht viel anders aus. Der Gawker forderte Zeitungen sogar dazu auf, Kommentare zu verbieten, da fände sich eh nur Müll. Doch das wird nicht passieren – zu wertvoll sind die Page Impressions, die diese Diskussionen produzieren. Es ist zb. ein offenes Geheimnis, dass DerStandard.at seine ÖWA-Top-Platzierung in erster Linie den Kommentaren verdankt. Ebenso, dass es in Politik und Wirtschaft Usus ist, in den Foren anonym Stimmung für sich und gegen Konkurrenten zu machen. Der Medienbeobachter Max Kossatz berichtet gar von Threads zu Wahlkampfzeiten, in denen sich seitenweise als Kampfposter von Parteien identifizierbare User anonym Scheingefechte lieferten.

Substantielles ist dabei naturgemäß nicht zu erwarten. Dass das auch ganz anders ginge, kann jeder Blogger berichten. So wurde das hier letztes Jahr veröffentlichte Gerücht zu Google Kronstorf in kurzer Zeit durch die Kommentatoren mit wertvollen Indizien zu Glasfasernetzen und Wasserkraftwerken angereichert. Ohne sie hätte die APA Tags darauf nicht ihre “Google plant Rechenzentrum”-Meldung durchs Land geschickt. Doch an solcher Schwarmintelligenz scheint kein Medium interessiert. Die Dummheit der Kommentare wird als Naturgesetz hingenommen.

Zeigen wir denen, dass es auch anders geht!

Welche konkreten Maßnahmen könnte eine Online-Zeitung setzen (Stichwort Partizipationsarchitektur), um die Trolle loszuwerden und substantielle Diskussionen zu fördern? (Das Ergebnis fasse ich dann in einem Extra-Beitrag zusammen.)

Zehn Jahre Helge.at

December 29, 2009  

Fast hätte ich den Geburtstag übersehen: Vor ziemlich genau 10 Jahren, am Weihnachtstag 1999, begann ich zu bloggen. Auch wenn ich das damals noch nicht wusste.

10-jahre-helge.at

Bei eisigen Minusgraden war mir 10 Stunden vor der geplanten Abfahrt das Zündschloss des Landcruisers, den ich nach Burkina Faso überstellen sollte, eingegangen. Die folgenden fünf Wochen waren der Beginn dieses Blogs – per Laptop und koffergroßem Satellitentelefon, als Reisebericht unserer Saharadurchquerung.

Die Beiträge landeten zuerst nur auf der Site des damaligen Sponsors und einige Monate später dann auf helge.cc, meiner ersten eigenen Domain. Es war die Zeit der grauenvollen cc-Domains (erinnert sich noch wer an lion.cc?), und helge.at war nicht frei. Wurde sie aber 2003 und ich zog dahin um, damals noch unter der mühsamen Blogsoftware Greymatter. WordPress läuft seit 2006 (und ist immer noch best of breed). Das Logo (es wird Zeit für ein neues..) ist das zufällige Überbleibsel aus einem der beiden ursprünglichen Designs, die aus den Farben zweier Fotos von Reisen nach Marokko und Thailand entstanden. Darum die pseudo-arabische Schrift.

Das ist mein 800. Beitrag – macht im Schnitt knapp einenhalb pro Woche. Die Chancen, dass die Frequenz in den nächsten 10 Jahren steigt, stehen schlecht. Bin gespannt, ob’s zu Weihnachten 2019 hier noch was zu posten gibt. (Und ob’s 2019 noch immer Studenten gibt, die Fragebögen zu Weblogs schicken ;-)


Michael Andres und Michael Moser von der Uni Salzburg haben mir einen Fragebogen (gefühlt der hundertste in den letzten Jahren) zum Thema Weblogs geschickt. Das Ergebnis soll auf ZurPolitik.com veröffentlicht werden. Hier ein Auszug meiner Antworten:

Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen Ihr Selbstverständnis als Blogger_in:

  1. Der Subjektivität verpflichtet
  2. Interessenskonflikte immer transparent
  3. Quellen nennen

Was war Ihre ursprüngliche Motivation mit dem Bloggen zu beginnen?

Ist mir passiert. Brauchte zuerst nur Raum für meine Bilder und Texte.

In welchen gesellschaftlichen Bereichen sehen Sie Blogs generell als wirksames Instrument zur Unterstützung gesellschaftlicher Veränderungen?

Erstens, Gegenfrage: In welchen nicht? Zweitens beschränkt sich das nicht auf Blogs sondern ist ein Phänomen des Citizen Journalism und umfasst alle Sozialen Medien, v.a. auch Youtube & Co, Twitter, Facebook.

Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Blogs als Instrument der Diskussion und Meinungsbildung kritisch betrachten?

Der (grundsätzlich begrüßenswerte) Mangel an journalistischer (Selbst)-Zensur – im Gegensatz zu etablierten/kommerziellen Medien, wo Chefredaktion, Redaktionskonferenz und nicht zuletzt Anzeigenabteilung mitreden – kann in Fällen, wo es zwischen Privatsphäre und öffentlichem Interesse abzuwägen gilt, sehr leicht zu einer Verletzung ersterer führen.

Oft liest man die verkürzte Bezeichnung von Blogs als „Online-Tagebuch“. Wie definieren Sie Blogs?

Ein Blog ist ein Online-Journal aus der Ich-Perspektive, oft ohne journalistische oder kommerzielle Ambitionen.

Wie würden Sie, in drei Sätzen, die österreichische Blogosphäre beschreiben?

Klein, überschaubar, Wien-lastig.

Sind Sie der Meinung, dass Blogs in Österreich den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen? Falls ja, können Sie Beispiele hierfür anbringen?

Ja, mit der Betonung auf “mit”. Beispiele: DieTiwag.org, Die Grünen Vorwahlen oder Politikerblogs wie die von Peter Pilz oder Christoph Chorherr.

Wie würden Sie die österreichische Blogosphäre nach politischen Kriterien (z. B. rechts/links, liberal/konservativ etc.) einschätzen?

Eine Wahlempfehlungsaktion 2008, der viele Blogs gefolgt sind, hat in etwa eine 50:50-Stimmenverteilung zwischen Grün und LIF ergeben. Also eher links-liberal. Allerdings sind 2009 einige konservative Blogger dazugekommen.

Nennen Sie bitte drei österreichische Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?

„Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten“. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung und welche Verbindungen sehen sie zwischen Blogging und traditionellem Journalismus?

Blogger können Journalisten sein und Journalisten Blogger. Im Regelfall sind Blogger jedoch keine Journalisten und stellen diesen Anspruch auch nicht an sich. Die ganze (leidige) Diskussion rührt vielleicht daher, dass Journalisten durch Blogger ihr Meinungsmonopol bzw. ihre Gatekeeper-Funktion bedroht sehen.

Behindert Sie die medienrechtliche Ungleichheit von Blogger_innen im Vergleich zu Journalist_innen bei Ihrer bloggerischen Tätigkeit?

Eher die medienrechtliche Gleichheit: Die Impressumspflicht verunmöglicht anonyme Blogs – eine internationale Seltenheit. Meines Erachtens eine implizite, jedoch grobe Einschränkung der Meinungsfreiheit. Führt zur Schere im Kopf, da Blogger nicht die Möglichkeit haben, sich hinter Verlagen und deren Rechtsabteilungen (und Rechtsschutzversicherungen) zu verstecken.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Blogs und traditionellen Medien? Werden Blogs laut Ihrer Einschätzung von traditionellen Medien als Akteur im Informations- und Meinungssektor vom traditionellen Journalismus anerkannt und wie schätzen Sie das Konkurrenzverhältnis zwischen Weblogs und traditionellen Medien ein?

Vor allem in den letzten beiden Jahren haben viele Mainstream-Journalisten Blogs eröffnet (Barth, Klenk, Brodnig, Unterberger, Ortner, auch Armin Wolf auf Twitter). Dies wird zu einer Stärkung ihrer Stellung gegenüber ihren Arbeitgebern und Chefredakteuren führen. Es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, bis Redaktionen Cross-Posting-Verbote ausprechen.


Bumsti Strachnigg und seine Freunde von der Judä.., äh, Volksfront von Judäa:

Original wunderbar bebildert von Nattl. Ich wünsche mir eine Maschek-Adaption dieser Idee, bitte!


Heute will der Wiener Gemeinderat die Wiener SPÖ beschließen, im Februar in Wien eine Volksbefragung durchzuführen. Die Fragen sind derart suggestiv, dass sie mich an die einer unheilvollen Abstimmung vor 72 Jahren erinnern:

anschluss

Urteilt selbst:

1. Im Jahr 2000 wurde durch den Bundesgesetzgeber die Möglichkeit abgeschafft, Hausbesorger anzustellen. Eine bundesgesetzliche Neuregelung ist seither nicht zustande gekommen.

Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit geschaffen wird, neue HausbesorgerInnen (mit modernem Berufsbild) einzustellen?

JA / NEIN

2. Internationale Studien zeigen, dass die Ganztagsschule der entscheidende Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie darstellt sowie das Bildungsniveau der Bevölkerung deutlich hebt.

Sind Sie für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen in Wien?

JA / NEIN

3. Einige Großstädte (z. B. London, Stockholm) haben zur Bewältigung des innerstädtischen Verkehrs eine Einfahrtsgebühr für das Stadtzentrum eingeführt (Citymaut). In Wien konnte durch die Verkehrspolitik (Ausbau öffentlicher Verkehr, Parkraumbewirtschaftung, Wohnsammelgaragen, Ausbau Radwegenetz) in den letzten Jahren der Autoverkehr in der Stadt deutlich reduziert werden.

Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden?

JA / NEIN

4. In Wien fahren täglich Nachtbusse von 0.30 bis 5.00 Uhr. Ein 24-Stunden-U-Bahn-Betrieb am Wochenende (Freitag und Samstag) kostet pro Jahr 5 Millionen Euro und bewirkt veränderte Fahrtrouten der Nachtbusse an Wochenenden.

Sind sie dafür, dass die U-Bahn am Wochenende auch in der Nacht fährt?

JA / NEIN

5. Seit 2006 wird in Wien ein freiwilliger Hundeführschein angeboten. Der Hundeführschein ist eine fundierte Ausbildung für Hundehalter/innen, bei welcher der richtige Umgang mit Hunden erlernt wird. Bei der Prüfung müssen die Hundehalter/innen zeigen, dass sie den Hund auch in schwierigen Situationen im Griff haben.

Sind Sie dafür, dass es in Wien für sogenannte “Kampfhunde” einen verpflichtenden Hundeführschein geben soll?

JA / NEIN

Quelle: ORF.at.

Die Volksbefragung soll laut ORF.at übrigens fast 7 Millionen Euro kosten – deutlich mehr als die Jahreskosten für den als teuer suggerierten Rund-um-die-Uhr-Betrieb der Ubahnen.

Ein Schelm, wer einen Zusammenhang mit den im Oktober anstehenden Gemeinderatswahlen vermutet. Ein Missbrauch der Demokratie und schlimmer noch – ein krasser Fall von Dummheitsvermutung.

Via Christoph Chorherr.

EDIT: Ich habe den Titel von “Michael Häupl in Hitlers Tradition?” auf “Michael Häupls undemokratischer Sündenfall” umbenannt. Zu viele haben das statt als Vergleich einer Methode (suggestive Fragestellung) als Vergleich zwischen den Personen interpretiert. Das muss schließlich nicht sein – eine undemokratische Vorgangsweise macht den Wiener Bürgermeister selbstverständlich (dachte ich) noch lange nicht zum Faschisten.

Update: Den Grünen wurde der Stimmzettelentwurf zugespielt (via Marco on Facebook):

stimmzettel


Niko Alm hat im aktuellen The Gap Magazine einen sehr lesenswerten Text über “Protest 2.0” geschrieben und mich in diesem Kontext auch zu den Grünen Vorwahlen befragt. Hier das ungekürzte Interview:

Die im März gestartete Initiative Grüne Vorwahlen wollte ein bestehendes Statut der Wiener Grünen nützen, wonach Unterstützer der Partei bei den Grünen Vorwahlen stimmberechtigt sind, um möglichst viele Menschen zur Landesversammlung am 15.11. 2009 zu bewegen und dort die Liste für die Gemeinderatswahl mitzuwählen. Die Wiener Grünen akzeptierten entgegen der Annahme der Initiative nur ca. die Hälfte der Unterstützungserklärungen, ohne genau darlegen zu können, warum so viele Sympathisanten abgelehnt wurden. Einer der Initiatoren, Helge Fahrnberger (Bild: © Jakob Polacsek), beantwortet dazu einige Fragen.

Helge-219x300Es gibt zwar Initiatoren, aber eine Kommunikation ist mit den Grünen Vorwahlen nur in ihrer Gesamtheit möglich. Jetzt ist es so, dass viel Vorwähler nicht angenommen wurden. Hätten die Grünen Vorwahlen hier nicht Vertreter mit (Ver)Handlungsvollmacht ausstatten müssen?

Den Grünen hinter verschlossenen Türen irgendwelche Zugeständnisse abzuringen hätte genau das ad absurdum geführt, was wir von ihnen verlangten: Entscheidungen transparenter und unter Einbindung von uns Wählern zu treffen. Daher gab es keine andere Verhandlungsoption, als die Entscheidung der Grünen, jeden Zweiten abzulehnen, transparent zu machen und die Diskussion darüber öffentlich zu führen. Hier war auch der Weg das Ziel: Lieber aufzeigen, wie eine Partei tickt, als ihr in geheimer Absprache was abzuverhandeln.

Haben die Grünen Vorwahlen punkto Organisation einen Punkt verpasst, um mit dem unerwarteten Verlauf anders umgehen zu können?

Es sind im Laufe der Grünen Vorwahlen sicher Fehler passiert: Wir haben zugelassen, dass einzelne Grüne Scharfmacher Gerüchte über einen Putschversuch verbreiten, im Glauben, dass man intern eh unsere Blogs liest, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Auch haben wir uns vielleicht zu bereitwillig vor den Karren von Medien mit eigener Agenda spannen lassen. Trotzdem waren wir zu unserer eigenen Überraschung dem Grünen Landesvorstand organisatorisch und in Sachen Medienarbeit zu jedem Zeitpunkt überlegen. Die Grünen spielten als Gast, für uns war es das Heimspiel. Schade war nur, dass es überhaupt zum Match kommen musste, wir hätten ja auch gemeinsam auf ein Tor spielen können.

Oder wäre es vielmehr alleinige Aufgabe der Grünen, hier die entsprechende Kommunikation richtig aufzubauen?

In einer idealen Welt ja – dann hätten die Grünen die Grünen Vorwahlen als das begriffen, was sie waren: Eine Kampagne für Mitarbeit und Mitbestimmung bei den Grünen. Aber der Landesvorstand stand massiv unter Druck einzelner Funktionäre und war angesichts der Tatsache, dass fast alle Mitglieder selbst für den Gemeinderat kandidieren wollten, erpressbar. Einfach den Wortlaut der Statuten zu vollziehen schien da keine Option mehr zu sein. Das Resultat war ein kommunikatives Fiasko und ein Kampf gegen die eigenen Sympathisanten.

Wie kann aus deiner Sicht, unabhängig von den Grünen Vorwahlen, eine Kommunikation zwischen Netzwerk-Protest/Initiative und hierarchischer Organisation stattfinden? Wer ist verantwortlich für den Bau der Schnittstellen?

Je klarer eine Organisation definiert hat, wo und wie ihre Kunden, Wähler oder Einwohner andocken können, desto besser. Im Bereich der Bürgerbeteiligung gibt’s seit vielen Jahren funktionierende Modelle, selbst wenn die Kommunen oft nicht die Konsequenz besitzen, sie anzuwenden. Auch moderne Organisationen wie der T-Shirt-Hersteller Threadless.com oder die Enzyklopädie Wikipedia haben ihre Partizipationsmöglichkeiten sehr genau definiert und stellen diese in einem ständigen Erneuerungsprozess laufend zur Diskussion. Konsumenten fordern zunehmend Mitsprache auch dort ein, wo sie noch nicht vorgesehen ist. Mit den Mitteln des Internets ist es eben einfacher denn je, “zurückzureden” und sich mit Gleichgesinnten zu organisieren. Die meisten Organisationen sehen das als Bedrohung, dabei ist es eine riesige Chance.

Wo siehst du Parallelen zwischen #unibrennt und den Grünen Vorwahlen?

Der wesentliche Unterschied zwischen den Uniprotesten und den Grünen Vorwahlen ist, dass die Uniproteste nicht wie wir inhaltliche und organisatorische Einschränkungen vorgaben. Bei den Grünen Vorwahlen haben wir von Anfang an sehr genau definiert, dass es unser Ziel ist, möglichst viele Menschen zu wahlberechtigten Vorwählern zu machen. Alles andere war explizit Nicht-Ziel, dabei haben wir uns auch an der Funktionsweise der Wikipedia orientiert. Auf diese Art haben wir jede Möglichkeit ausgeschlossen, uns zu einer Initiative für oder gegen bestimmte Inhalte oder Personen zu machen – wir waren einfach nur der kleinste gemeinsame Nenner der frustrierten Grünwähler. Bei den Uniprotesten ist es umgekehrt, hier entstand ein fast unerfüllbarer Forderungskatalog und ein Engagement in Richtungen wie Antifaschismus, Feminismus oder gewerkschaftlicher Solidarität. Zu meiner Überraschung und Freude sind die Proteste an diesem Interessensspektrum noch nicht zerbrochen. Ein Beweis dafür, dass beharrliches Engagement in Plena, Wikis und Arbeitsgruppen selbst in schwierigen Ausgangslagen zum Kompromiss führen kann. Nur braucht das halt extrem viel Zeit. Wer die nicht hat, muss einen Fokus vorgeben.

Was schätzt du, war für die Verbreitung der Grünen Vorwahlen essentiell und in welchem Ausmaß?

Bei den Grünen Vorwahlen gab es einen Gradmesser in schwarz auf weiß für den Erfolg unserer Maßnahmen, nämlich die Anzahl der neuen Vorwahlregistrierungen: So wissen wir heute, dass ein 8-Minuten-Beitrag im ORF-Report oder ein Artikel im Profil zwar gut fürs Ego ist, aber sonst überraschend wenig bringt. Der Report-Beitrag brachte gerade mal 20 neue Unterschriften, auch der Traffic auf unserer Website war überraschenderweise nicht höher als bei einem Artikel auf DerStandard.at. Am wichtigsten waren die sieben oder acht Infoabende, die fast ausschließlich über Twitter und Facebook beworben wurden. Telefonate und Emails im Hintergrund fanden nur vereinzelt statt, die meiste Organisationsarbeit wurde über Twitter erledigt. Das hatte gleichzeitig den Vorteil, dass sich immer wieder neue Leute einbrachten und nicht der Eindruck entstand, hier wird im Hinterzimmer was ausgemauschselt. Die Grünen Vorwahlen hätte es ohne Telefon, SMS, Facebook und selbst ohne Massenmedien geben können – aber ohne Blogs und Twitter wären sie undenkbar.


A blog post of mine originally published on GlobalVoices (Translations: Russian, Dutch, Spanish, Chinsese simplified, Chinese traditional, Swahili, Aymara, Italian):

250px-Unibrennt-neuDid you know that at this very moment many universities throughout Europe are occupied by students? Thousands of them are sleeping, cooking, debating and partying in their auditoriums to protest against the under-financing of the educational system and the so-called Bologna Process, a European Union education policy.

What is so special about these protests is the fact that they have not been centrally coordinated by student unions but have been organized entirely bottom-up, with the help of online social media.

It all started in Vienna, Austria on October 22, when a small group of students met for a flashmob in the city center to protest, and then headed to University of Vienna where they spontaneously occupied the Auditorium Maximum. By the time police arrived, the news of the occupation had already circulated on Twitter, mobilizing so many supporters it was impossible to clear the hall.

Within days, the occupiers – to their own surprise – put in place a remarkable organizational structure: Mobilization and communication was organized via the Twitter “hashtags#unibrennt and #unsereuni (”university on fire” and “our university”).

A 24h webcast from the Auditorium Maximum was put in place. Organizational tasks from cooking to cleaning were structured via a wiki, and a website communicated with the public. Twitter, blogs and Facebook (32,400 fans so far) were used to spread the word.

This had two effects:

Soon the protests infected other university cities in Austria and abroad: Today, less than a month and a half after the first protests, almost 100 universities in Austria, Germany, Switzerland, Albania, Serbia, France, Italy, Croatia and the Netherlands are occupied or have seen other forms of mass protest.

On Wissen belastet, Max Kossatz, a blogger and media observer from Austria, has analyzed [de] the Twitter stream: 66,379 tweets by 6,780 different usernames have been published on the subject in the last month. 1,043 pictures were posted on Twitpic and produced 125,612 views – see this Twitpic photo mashup on Youtube. And especially interesting, is the following map of tweets that illustrates how the protests spread over time (watch in HD and fullscreen to get the full experience):

Gerald Bäck of Bäck Blog, who works in the media observation business, found out that the gross reach of the tweets, i.e. the unique number of followers exposed to them, was 386,860. His analysis [de] shows who the key influencers were, what URLs were most linked to and what hashtags were used most.

In his blog, smime, Michael Schuster, a blogging specialist in semantic analysis, contributed an overview [de] of the “old media” covering the events. He counted 2,700 articles and identified four trends lasting roughly one week each: “Protests take place”, “protests continue”, “protests widen”, and recently, “ok, enough now.”

Luca Hammer of 2-Blog, a student and technical mastermind behind the Viennese web activities, has published a field report [de] of how wikis, Twitter and webcast were used to get things rolling.

It looks like the case of #unibrennt may become an early milestone in the transformation of Austrian politics by the use of online social media. It has created wide attention – and confusion – among established media and political structures, and created a spirit of empowerment among students and digital leaders.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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