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(Illustration (cc) Terry Hart)

Heute bin ich durch Zufall über die Plattform Geistiges Eigentum gestolpert – eine gemeinsame Lobbyplattform des Verbands der Österreichischen Musikindustrie und des Verbands Österreichischer Zeitungen.

Geistiges Eigentum.

Genauso wie “Raubkopie” ein Begriff, der in unseren normalen Sprachgebrauch übergegangen ist – und doch gibt es sowas wie geistiges Eigentum nicht. In der Welt der Ideen und digitalen Produkte wird nicht gestohlen und geraubt, sondern kopiert und dupliziert. Dass dabei Schaden entstehen kann, will ich nicht bestreiten. Dass es einen rechtlichen Rahmen zum Schutz der Rechte eines Urhebers braucht, ebensowenig.

Und doch sind die Auswüchse des Urheberrechts gerade im digitalen Zeitalter zur Bedrohung für Kreativität, Meinungsfreiheit und andere Bürgerrechte geworden. Klingt ziemlich radikal? Der Grund, warum das radikal klingt, liegt am intensiven Lobbying der Verwertungsindustrie, das unser Bild von Urheberrechten geprägt hat – fernab vom “Gemeinwohl”, das diesen Regeln irgendwann mal zugrunde lag. Lobbying wie die Plattform GeistigesEigentum.com.

Hans Rauscher, einer der wichtigsten politischen Kommentatoren des Landes, warf in diesem Interview kürzlich nach meinem Hinweis auf die schwedische Piratenpartei ein: “Aber die nehmen doch geistiges Eigentum weg!”. Genauso wird obige Lobbying-Plattform von vielen gescheiten und honorigen Autoren und Künstlern unterstützt.

Das zeigt, wie sehr dieser Diskurs von Kräften dominiert wird, deren Aufgabe es ist, einen milliardenschweren Markt abzusichern, koste es was es wolle. Ein Gegenpol – von schwedischen Piraten abgesehen – ist kaum zu sehen.

Darum habe ich heute spontan in meinem Wiki eine Seite eingerichtet, auf der etwas entstehen kann, was der Plattform Geistiges Eigentum Paroli bieten könnte – wenn du als politisch Interessierte/r dabei mithilfst. Die nötige Domain OffeneKultur.com gibt es dafür auch schon. Let’s roll.

Sehenswert in dem Kontext:

Teil 2 des Beitrags: Urheber 2.0: Was tun, wenn keiner kauft?


 

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36 Comments
#185544 The Right To Copy - Feuerhaken.org says on July 20, 2009 at 9:58 pm
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[…] folgt aus aktuellem Anlass ein kurzer Kommentar zu Kevin Kellys Artikel „Scan This Book!“ (NYT May 14, 2006) den ich […]

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#185560 Andy says on July 20, 2009 at 10:55 pm
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Hm, ich würde mich da schon gerne einbringen, aber Wikis sind mir dann doch zu “unbekannt” in der Anwendung.

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#185733 Johannes says on July 21, 2009 at 12:38 pm
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“In der Welt der Ideen und digitalen Produkte wird nicht gestohlen und geraubt, sondern kopiert und dupliziert.”
Dieser Satz ist falsch, weil auch eine Kopie bzw. ein Duplikat dem Akt des Diebstahls bzw. des Raubs gleichkommen kann.

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#185737 Helge Fahrnberger says on July 21, 2009 at 12:50 pm
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@Johannes:

Diebstahl wird im Strafrecht als “Wegnehmen einer fremden beweglichen Sache” definiert. Hier wird nichts weggenommen, der Urheber hat es ja weiterhin.

Raub ist Diebstahl unter Gewaltanwendung. Also noch weniger.

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#185752 leonhard says on July 21, 2009 at 2:18 pm
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Zu dem Thema gab es auch einen Eintrag auf netzpolitik sowie eine Aktion in Linz, siehe Bericht auf freienetze.at.

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#185773 TheSandworm says on July 21, 2009 at 4:08 pm
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Sehr spannendes Thema, der Clip ist wirklich informativ! Ich denke was die Musik- und Filmindustrie betrifft, sind diese Auswüchse diejenigen eines wild um sich schlagenden Ertrinkenden. Keiner von beiden hat wirklich erkannt, wie er die Community für sich nutzen kann, beide Industriezweige waren in den vergangenen Jahren im Abstürzen begriffen.

Und wenn es darum geht “Sachen” gratis zu nutzen – das würde die Wissenschaft vor ein unlösbares Problem stellen. Die lebt davon, dass neue Erkenntnisse für weitere Erkenntnisse genutzt werden. Wer eine Innovation in seinem Artikel auch wortwörtlich übernimmt, den Beitrag seines Kollegen oder seiner Kollegin, aber ausreichend kennzeichnet (zitiert), der kann (und soll!) alles verwenden was er mag.

Ich stelle mir gerade vor, wie es Andy Warhol ergangen wäre, hätte man sich damals schon diesbezügliche Sorgen gemacht: von Campbell’s Tomato Soup verklagt und finanziell bankrott :-)

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#185785 Martin Konzett says on July 21, 2009 at 5:23 pm
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great!

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#185834 Georg says on July 21, 2009 at 9:54 pm
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Grad im Web gefunden:
“Made by Toursprung © 2007- 2009″ bzw. “All images and text published on this site are available under a Creative Commons Licence – unless where noted otherwise!”

(c) oder (cc)???

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#185835 Helge Fahrnberger says on July 21, 2009 at 9:58 pm
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@Georg: Helge.at ist (cc), Bikemap.net ist (c) – was daran verstehst du nicht?

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#185837 Georg says on July 21, 2009 at 10:03 pm
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Ich verstehe nicht, dass helge gleichzeitig (c) und (cc) ist. Siehe Footer.

Und ich verstehe nicht, dass jemand gegen geistiges Eigentum ist und seine Inhalte oder die Inhalte seiner Firma als (c) schützt. Ist das nicht schizophren? Von 9 bis 17 Uhr bin ich (c), davor und danach (cc)?

Sollten nur Privatpersonen (cc) lizenzieren und haben Firmen immer einen Freibrief auf (c)?

Ich bin nicht gegen die Diskussion. Aber zuvor bedarf es einer gewissen Trennung der Begriffe.

1. Geistiges Eigentum ist für mich absolut ok. Striktes (c) ist es für mich nicht.
2. Das Problem ist nicht geistiges Eigentum per se, sondern immer striktere Regelungen zum Fair Use und ein immer größerer Einfluss der Content-Industrie auf die Gesetzgebung (siehe Hadapi oder wie das heißt …)
3. Promote CC! Das ist IMHO der beste Weg zum Ziel. Bringe die eine oder andere Firma dazu, ihre Inhalte unter CC zu stellen. Plan.at könnte dafür ein perfektes Beispiel sein.

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#185842 Helge Fahrnberger says on July 21, 2009 at 10:22 pm
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@Georg: Was den Footer betrifft, sehe ich das so: Das (c) sagt aus, dass ich der Urheber bin, das (cc), dass ich diese als solcher meine Rechte durch CC ersetze. Vielleicht nicht rechtlich sauber, fixe ich irgendwann. Egal.

Ansonsten hast du mich gründlich missverstanden. Ich bin, wie auch mehrfach geschrieben, nicht gegen Urheberrechte. Nur der Begriff “Geistiges Eigentum” ist falsch, genauso wie “Raubkopie”.

Unser Urheberrecht gehört nicht abgeschafft, sondern gründlich überarbeitet. Es spricht überhaupt nichts dagegen, für seine Werke ein © zu besitzen, aber beispielsweise, es bis 70 Jahre nach dem eigenen Tod zu besitzen. Auch gehört die nichtkommerzielle Verwendung von Inhalten neu geregelt.

Deinen Punkten 1 bis 3 kann ich absolut zustimmen. (Abgesehen davon, dass ich statt “Geistiges Eigentum” “Geistige Werke” oder so sagen würde.)

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#185881 Walter Gröbchen says on July 22, 2009 at 1:48 am
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Interessante Diskussion. Ich denke, das lesen auch einige Herren und Damen der AKM, Austro-Mechana, Literar-Mechana, VAM, VDK, VDFS, LSG und VGR und der staatlichen Aufsichtsbehörde RTR… Stayin’ tuned, WG

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#185989 georg tomandl says on July 22, 2009 at 11:39 am
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hi,
hier meldet sich einer der genannten ‘bösen’ lobbyisten, in diesem fall einer der ‘untergehenden’ musikindustrie :-(
ich finde es erfreulich, dass du (helge), nicht gegen das urheberrecht, sondern für eine transformation des urheberrechtes in die jetztzeit bist
ich bin kein großer fan von wortklaubereien – ob es sich hier um raub oder um aneignung oder was auch immer handelt, tatsache ist, dass hier ein großer schaden für die kreativwirtschaft entstanden ist – das ist der preis dafür, dass viele menschen viel content bekommen, (woran übrigens im wesentlichen die kommunikationsindustrie verdient)
ich erleben am eigenen leib (mit meinem musikstudio und in meinen funtionen in der musikförderung), wie schwer sich musiker und labels seit jahren tun, ihren lebensunterhalt mit musik zu verdienen – da tun sich im übrigen die majors leichter als die indies, weil sie potenzial zum schrumpfen haben, bei kleinen folgt auf selbstausbeutung meist der privatkonkurs
klingt traurig und dramatisch ? ist es auch !
ich höre immer als argument für den freien ‘austausch’ von musik, dass es im internet keine schranken im informationsfluß geben darf – bin ich absolut dafür, nur ist für mich musik keine ‘information’, die öffentlich zugänglich sein muß, damit man sich zb ein bild über politik und gesellschaft in einem land machen kann (über radio und fernsehen ist das ja möglich, über verwertungsgesellschaften geregelt)
es handelt sich beim urheberrecht, das musikalischen content vor allgemeinem zugriff schützt, also nicht um ‘zensur’, sondern ganz einfach nur um einen mechanismus, der dafür sorget, dass der urheber für seine leistung entlohnt wird, womit er dann seine miete zahlt und seine familie ernährt
man verlangt ja auch nicht von der telko industrie, das sie datenleitungen gratis zur verfügung stellt, weil man ja nur über diese (abgesehen von ubahn gratiszeitungen) an die wichtigen informationen kommt – das wäre ja noch durchaus argumentierbar, aber auch nur, wenn die allgemeinheit mit gebühren dafür aufkommen würde
wir müssen auch einen klaren unterschied zwischen software und musik/film machen, da man diese bereiche so nicht vergleichen kann
wieso ? weil man als user mit einem shareware programm geld verdienen kann, während man als musikuser ganz einfach das letzte glied der konsumkette ist (und wi rden hier nicht von gemeinschaftlicher musikproduktion über internet, der steht ja eh nix im weg)
es macht für einen programmiere absolut sinn, an einer software mitzuarbeiten, wenn er diese dann für seinen dienstleistungen einsetzten kann
welchen sinn macht es aber für einen musikproduzenten oder komponisten, seine werke frei zur verfügung zu stellen (was ihm ja im internet ohnehin offensteht ?)
eine antwort wäre promotion für seine livegigs – gut !
sollte aber doch freiwillig passieren, oder ?
mir kommt es in dieser ganzen diskussion so vor, als würde hier ganz einfach eine abrechnung mit der großen industrie stattfinden – doch diese hat sich in windeseile in der welt des internets ganz genauso gebildet mit allen auswüchsen wie verwendung von geschützten daten für direktmarketing und ähnlichem mißbrauch ! ich melde mich bei facebook sicher nicht an, mir ist einfach nicht klar, was mit meinen daten dann passiert !
also bitte das kind nicht mit dem bad ausschütten, solidarität mit der kreativen szene ist gefordert, sonst kann man von österreich nicht mehr als musikland sprechen
im übrigen mal bei http://www.sos-musikland.at vorbeischauen

danke u
lgg

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#185993 Andy says on July 22, 2009 at 12:05 pm
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@georg:

du tust ja gerade so, als ob du vor dem digitalen zeitalter reich warst und jetzt um dein gnadenbrot betteln musst. ich kann mich noch lebhaft erinnern an so manche jahresversammlung der akm, wenn sich der skrepek den mund fusselig geredet hat, weil die u-musik die e-musik mitträgt, und wie ungerecht eigentlich die abrechnung für die mitglieder ist etc….
dass jeder mit seiner arbeit geld verdienen soll, streitet ja niemand ab, auch helge nicht, aber dass die ganze sache rechtlich ungefähr so abgehandelt wird, als müsste in oklahoma wirklich noch einer mit einer laterne vor jedem mororisierten vehikel herlaufen, müsstest auch du zugeben ;-)

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#186001 Law on the Blog » Sommer break says on July 22, 2009 at 12:59 pm
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[…] […]

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#186007 georg tomandl says on July 22, 2009 at 1:34 pm
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ad andy
ich weiß nicht, was sich in oklahoma abspielt
ich weiß nur, dass sich die jährliche wertschöpfung aus heimischer musik (und da ist nicht der handel mit internationalem produkt inkludiert) seit dem stand vom jahr 2000 um 15 mio euro reduziert hat
also die einnahmen heimischer musikschaffender aus produktion, verkauf, livegigs etc
ich finde, dass das absolut besorgniserregend ist
lgg

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#186075 Andy says on July 22, 2009 at 9:33 pm
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Und daher der Umkehrschluss, dass “Raubkopien” daran schuld sind? Wie wärs es denn mit dem Sender, der sich in den Jahren vor der Jahrtausendwende damit beworben hat, die Hits der 80er und 90er zu spielen? Und die Quoten-Ösis wie Fendrich, Ambros, Werger und Falco bringen dem durchschnittlichen Künstler auch AKM-mässig genau Nüsse!
Interessant auch, dass ich seit knapp 10 Jahren nicht besonders viel von öst. Musikschaffenden gehört habe, liegt das am Radio oder eher daran, dass eh nix gscheids produziert wird?

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#186220 Andy says on July 23, 2009 at 4:18 pm
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@Georg:
Mir ist heute noch etwas anderes eingefallen zur Wertschöpfung:
Man bezahlt ja mit jedem gekauften Datenträger eine Gebühr unter dem Vorwand, dass darauf Bild und Ton gespeichert werden kann, unabhängig davon, ob der Datenträger nun wirklich auch dafür verwendet wird oder nicht. Datenträger verkaufen sich aber prima, ich frage mich also, wer das Geld bekommt? Bild- und Tonkünstler offenbar nicht, sonst würdest du nicht über ein Minus in der Wertschöpfung sprechen….

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#186290 Ric says on July 24, 2009 at 12:23 am
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@Georg:

Die Musikindustrie hat ein ganz anderes Problem, dessen sie sich nicht bewusst ist/ nicht bewusst sein möchte: nämlich Konsumenten (und zu diesen zähle ich nicht nur mich, sondern auch relativ viele in meinem Bekanntenkreis), die einen Industriezweig für sein absolut inakzeptables Verhalten abstrafen, indem sie schlichtweg den Konsum verweigern und sagen “So nicht, es reicht!”.

Um hier nicht falsch interpretiert zu werden: Weder kaufe ich mir Musik, noch nutze ich Filesharing. Ich weigere mich schlicht und einfach, diese Industrie, welche zur EU jammern geht, sich Gesetze “kauft” (manche EU-Parlamentarier ließen uns ja daran teilhaben, wie der Hase in Brüssel läuft – Stichwort 3 Strikes) auch nur in irgendeiner Form zu unterstützen. *Jeglicher* Vorschlag von Seiten der Konsumentenvertreter – wie z.B. eine Kulturflatrate – wurde von der Musikindustrie rigoros abgelehnt, stattdessen besinnt man sich weiterhin darauf, Kinderzimmer und Studentenbuden zu stürmen (im Falle von Deutschland sogar von privaten (!!) Ermittlern), zu klagen und wie in den USA Studenten die Zukunft zu versauen, nur um Geld einzufordern, welches dann ohnehin nicht an die Künstler weitergeleitet wird. Als Draufgabe ist es doch unterm Strich so, dass man sich Audiofiles – egal welches Medium – ohnehin nur “borgt”, denn man erwirbt ja als Konsument damit keine Rechte. Amazon hat es diese Woche sehr anschaulich demonstriert und einfach per Fernwartung bezahlte E-Books von den Kindles der Kunden gelöscht, weil es Ungereimtheiten mit – na? Kannst du’s erraten? Richtig: mit dem Urheberrecht gab.

Let’s face it: ich würde mein Geld lieber in der Toilette runterspülen, als auch nur einen Cent in die Taschen der Labels wandern zu lassen. Konzertbesuch – o.k., dann kommt das Geld auch da an, wo es hingehört und fließt nicht in einen aufgeblähten Apparat.

Weiters würde mich die Antwort auf Andys Frage ebenfalls brennend interessieren. Was passiert mit den Urheberrechtsabgaben, die wir mit dem Kaufpreis eines jeden Mediums bezahlen? Jeder Rohling, jede Festplatte, jeder Drucker, jeder Scanner ist mit einer Urheberrechtsabgabe belegt – das kommt den ORF-Gebühren gleich. Egal ob man das “Angebot” nutzt – man bezahlt in jedem Fall, außer man verzichtet auf sämtliche Technik. Wieviele Industriezweige genießen sonst noch dieses Privileg? Was passiert mit diesem Geld?

Langer Rede kurzer Sinn: letztlich hat die Musikindustrie sich ihr Grab selbst geschaufelt und ja – auch ich bin der Meinung, dass sie in den letzten Zuckungen liegt, weil sie nach wie vor nicht dazu bereit ist, endlich ein zeitgemäßes, adäquates Vertriebssystem mit akzeptablen Preisen – OHNE Kopierschutz – zu schaffen. Selber schuld. Wer nicht bereit ist, sich auf den Kunden einzustellen, bekommt die Rechnung präsentiert.

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#186292 Walter Gröbchen says on July 24, 2009 at 12:34 am
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@ Ric

Hübsche Zusammenfassung so ziemlich aller vorschnellen Urteile und Vorurteile zur “Musikindustrie”, die vielen Leuten so in den letzten ein- und aufgefallen sind. Leider in vielen Details komplett falsch (“Jeglicher Vorschlag von Seiten der Konsumentenvertreter – wie z.B. eine Kulturflatrate – wurde von der Musikindustrie rigoros abgelehnt”), von der Wirklichkeit überholt (“nach wie vor nicht dazu bereit, endlich ein zeitgemäßes, adäquates Vertriebssystem mit akzeptablen Preisen – OHNE Kopierschutz – zu schaffen”) oder komplett daneben (“Konzertbesuch – o.k., dann kommt das Geld auch da an, wo es hingehört”). So kommen wir nicht weiter.

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#186294 Walter Gröbchen says on July 24, 2009 at 12:37 am
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korr.: … die vielen Leuten so in den letzten Jahren ein- und aufgefallen sind…

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#186297 Ric says on July 24, 2009 at 12:41 am
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@ Walter Gröbchen:

Die Musikindustrie trägt leider nicht sonderlich viel dazu bei, diese Vorurteile abzubauen – im Gegenteil.

Also – im Namen aller Konsumenten, die so denken wie ich: Wie kommen wir weiter?

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#186299 Andy says on July 24, 2009 at 12:47 am
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@walter:

Ob das jetzt sein Urteil oder ein Vorurteil ist, kannst du gar nicht feststellen, das nur so nebenbei (das Wort Vorurteil wird nämlich bei uns leider inflationär vorverurteilt ;-) ).

Tatsache ist aber, und da bin ich bei Ric, meine letzte gekaufte CD die 13 schmutzigen Lieder vom Danzer waren. Und ich bin auch kein Filesharer, do schau her….

Ich brauchs einfach nicht, und es wird mir auch nichts dargebracht, was mich zum Kauf animieren würde. Ich höre Radio im Auto, wenn ich unterwegs bin (dafür zahlt man sowieso als Konsument) und das wars. ich sehe noch nichtmal GO-TV oder gar MTV….
Und ich war immerhin über 20 Jahre DJ ;-)

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#186302 Walter Gröbchen says on July 24, 2009 at 12:57 am
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@ Ric: ja, wie kommen wir weiter? Was schlägst Du vor, wie Musiker, Autoren, Journalisten, Filmemacher, Fotografen etc. usw. “gerecht” zu entlohnen wären? (denn es geht beim Urheberrecht nun mal nicht nur um die Musikindustrie)

@ Andy: Und darauf bist Du, noch dazu als ehemaliger DJ, stolz, daß Du seit Danzers “Schmutzigen Liedern” (2001) keine Musik mehr käuflich erworben hast? Na meinetwegen. Es besteht ja kein Kaufzwang. Beim Radio geht’s übrigens auch um Urheberrechte.

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#186303 Andy says on July 24, 2009 at 1:03 am
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@ric:
Wie wir weiterkommen? Wobei mich das “Wir” schon ein wenig belustigt, da ich ja keine Probleme habe…

Ganz einfach:
Die Musikindustrie agiert wie die ÖBB – wir haben zu wenig Kunden, also erhöhen wir einfach die Preise, fahren müssen wir sowieso. Und dann wundern sie sich, dass noch weniger Leute fahren und erhöhen die Preise weiter.

@walter:
Jeder, der ein Autoradio hat, muss eh zahlen, also ich zahle als Autofahrer eh dafür, dass ich Lounge.fm höre :-)
Ich muss mir dehslab aber noch lange keine CD kaufen, alles klar?

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#186310 Ric says on July 24, 2009 at 1:22 am
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@ Walter Gröbchen:

Ich weiß nur, wie es nicht weitergehen kann und darf:
http://www.laut.de/vorlaut/news/2009/07/17/22532/index.htm
Soviel zur Musikindustrie.

Was Autoren anbelangt, so unterstütze ich diese ohnehin durch meinen exzessiven Bücherkonsum. Ich für meinen Teil will nichts geschenkt, schließlich arbeite ich auch nicht umsonst. Ich will aber auch nicht über den Tisch gezogen werden, denn genau diesen Eindruck erwecken Kommentare Seitens der Rechteinhaber in dieser leidigen Diskussion.
Die aktuelle Entwicklung in Deutschland demonstriert doch das Dilemma. Kaum wurden die Netzsperren beschlossen, wittert manch einer (Börsenverein des deutschen Buchhandels) seine Chance, kriminalisiert quasi alle Nutzer von Filehostern pauschal und schreit nach mehr Sperren, was logischerweise die Fronten noch mehr verhärtet. Eine grundlegende Reform wäre vonnöten, aber davon ist man anscheinend meilenweit entfernt.

@Andy: ganz deiner Meinung. Weniger Qualität für mehr Geld kann nicht aufgehen.

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#186312 Walter Gröbchen says on July 24, 2009 at 1:25 am
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Rammstein-Fans stehen auf autoritäre Drohgebärden, don’t they? ;-)

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#186314 Ric says on July 24, 2009 at 1:37 am
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Vermutlich tun sie das – diesmal dürfte der Schuss aber nach hinten losgehen ;-)

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#186315 Walter Gröbchen says on July 24, 2009 at 1:38 am
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Was, geschossen wird auch? ;-)

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#186796 Wolf-Dieter Grabner says on July 26, 2009 at 10:32 pm
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@ Walter Gröbchen – danke für die Kommentare, bringen ein wenig Besonnenheit in die Diskussion
@ Georg Tomandl – thumbs up für viele deiner/eurer Produktionen, höre ich sehr gern

Viele der Argumente auf beiden Seiten kann ich nachvollziehen. Meine Nackenhaare stellen sich aber empfindlich auf, wenn schon auf der ersten von Helge verlinkten Seite recht klar zur Sprache kommt, worum es vielen wohl im Grunde geht: weiter konsumieren zu wollen, aber nicht dafür zu zahlen. Wenn “die Musikindustrie” nur Schrott produziert, so gibt’s ja einen einfachen Ausweg: einfach nicht nutzen. Ich bezweifle aber, dass die Verbreitung heutiger Mainstream-Alben so massiv zurückgegangen ist, wie das auf die Einnahmen zutrifft. Das bringt die gesamte Argumentation dann doch in den Bereich der Verlogenheit, was ich als schade empfinde, da viele der (kurzsichtigen) Gegenmaßnahmen von Industrie bzw. Gesetzgeber ja auch nicht gerade das Gelbe vom Ei sind.

Anstatt von der bösen Medienindustrie zu sprechen sollte man sich lieber auch mal verdeutlichen, was die gegen 0 strebende Einnahmensituation für kleine, oft aber feine Produktionen bedeutet: quersubventioniertes Hobby. Und Abstriche bei der Qualität. Ich denke, vieles lebt da gerade einmal von der Liebe einzelner zu dem, was sie tun. Schade aber, wenn das sicher nicht nachhaltig funktioniert. Was mittelfristig überbleibt ist wohl genau der fade Schrott, den niemand so wirklich mag, der sich aber irgendwie mit viel PR doch noch verkaufen lässt – well done, thank you.

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#186801 Andy says on July 26, 2009 at 10:44 pm
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Die Frage ist ja im Grunde genommen jene:

Welche Existenzberechtigung hat denn heutzutage überhaupt noch die “Industrie”, da fängt der Kopf des Fisches zu stinken an.

Vergleicht es doch mal mit Meisterfotografen, Pressefotografen und Szeneknipsern. Da gabs/gibts auch massive Verschiebungen durch die Technik und die sinkenden Kosten, aber auch durch die veränderte Nachfrage.

Was Szeneknipser pro Abend verdienen, lockt weder Presseknipser noch meisterknipser aus dem Haus, und würden die Bilder mehr kosten, gäbe es keine Auftraggeber.
Der Auftraggeber mit System (APA, freie Medien etc) zahlt mehr, verlangt aber mindestens einen (freien) Presse-Gewerbeschein. Auch das macht der Meister nicht hauptberuflich.
Der Meister stirbt aber auch nicht, denn der liefert jetzt genau die gleiche Qualität an seine Auftraggeber mit Technik, die ohne die Szeneknipser niemals so billig geworden wäre.

Zerrieben wurden und werden naturgemäss die faulen und/oder unfähigen Meister oder Presseleute, allen gemeinsam ist ihnen aber, dass sie keine “Industrie” dahinter haben, die ständig die Entwicklung hemmt.

Meiner Meinung nach liesse sich das alles 1:1 umlegen auf die Musikbranche, wären da nicht die alten Strukturen ala AKM und Plattenfirmen, Manager, Presswerke – mit anderen Worten: die Schlipsträger!

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#187055 nico says on July 28, 2009 at 12:17 pm
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Das Problem an diesen Plattformen/Seiten/Aktionen/… ist ja nicht, dass sie sich mit Urheberrecht beschäftigen. Aber sie behandeln immer nur eine Seite und zwar die wirtschaftliche Verwertbarkeit von geistigem Eigentum.

Man versucht nie einen Vertreter der offenen Verwendung des Urheberrechts mit ins Boot zu holen. Dabei sind z.B. die Creative Commons Österreich und ihre Partner nicht so schwer zu finden.

Immerhin soll es um Urheberrecht und den Schutz gehen. Und Urheberrecht ist kein Privileg einer Industrie. Jeder der nur Fotos oder Videos auf Flickr, Youtube oder Facebook lädt sollte von so einer Plattform geschützt und unterstützt werden. Selbst dann wenn jemand sein geistiges Eigentum quasi verschenkt und nur Anerkennung haben möchte.

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#187057 Andy says on July 28, 2009 at 12:27 pm
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Creative Commons ist eine super Idee, problematisch wirds aber dann, wenn von Organisation und Schutz gesprochen wird, denn das wäre dann nichts anderes als die AKM, die ja ursprünglich auch eine gute Einrichtung war, bis es fast nur noch ums Geld für die eigene Systemerhaltung ging.

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#189327 Airport says on August 9, 2009 at 12:21 am
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Das find ich ja mal ein geiles Projekt Helge. Nur eben, ist eine zweischneidige Sache. Überall nach Copyright zu schreien und die Bürger zu piratisieren ist das eine, doch muss auch irgendwie der Schutz gewährleistet werden können…. weiss selbst nicht wirklich wie.

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#189760 Ideen für ein neues Urheberrecht | Alte Knacker says on August 11, 2009 at 8:37 pm
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[…] durch einen Artikel von Helge machte ich mir so meine Gedanken, und man tauscht sich natürlich mit Musikern aus. Gestern wurde […]

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#189888 Frank says on August 12, 2009 at 2:09 pm
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Endlich mal einer der schreibt was ich denk ;-) Warte mal..klaust du mir nicht damit mein geistiges Eigentum?

LG
Frank

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