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.. oder so ähnlich dürfte nach der Befürchtung mancher Grüner die Motivationslage hinter den Grünen Vorwahlen sein.

Eine solche Paranoia legt zumindest diese Aktion nahe, in der jemand von einem Parteicomputer aus versucht hat, über Max Kossatz’ Bannergenerator zb. folgende Texte in den Seitenkopf von Gruenevorwahlen.at zu schleusen:

Ich bin Vorwählerin, weil ich die linken Fundis bei den Grünen loswerden möchte
Ich bin Vorwähler, weil ich den ganzen tag vorm Internet sitze und keine Freunde habe
Ich bin Vorwähler, weil ich von der ÖVP dafür bezahlt werde
Ich bin Vorwähler, weil ich glaube, dass Bloggen Politik ersetzen kann
Ich bin Vorwähler, weil ich linke politik nicht mag
Ich bin Vorwähler, weil mir Heide Schmidt keinen Job verschafft hat
Ich bin Vorwähler, weil mir beim wort Feminismus schlecht wird
Ich bin Vorwähler, weil ich in meinem penthouse sitze und mir fad is
Ich bin Vorwähler, weil ein freies land auch freie märkte braucht
Ich bin Vorwähler, weil Maggy Thatcher mein Vorbild ist
Ich bin Vorwähler, weil Martin Margulies zu links ist

Auch wenn das, das zeigen Einzelgespräche, die Stimmungslage Mancher widerspiegeln dürfte, halte ich das – genauso wie die beiden Gesinnungstests – für eine armselige Aktion eines Einzelnen. (Die zugegebenermaßen über die Wiener Grünen auch etwas aussagt.)

Die Mehrheit der Grünen in Wien, und das muss auch mal betont werden, steht den Grünen Vorwahlen positiv gegenüber und stemmt sich nicht gegen Offenheit. (So zumindest mein Eindruck.) Ich hoffe nur, dass sie sich gegen die militant-paranoide Minderheit durchsetzen kann.

PS. Ich sehe die Gerüchte in grünen Kreisen schon kreisen, einer der Vorwahlen-Initiatoren fordere in seinem Blog eine neoliberale Wende bei den Grünen..


Das habe ich heute per Email von einem Grünen Bezirksrat bekommen:

hallo helge, da du dich ja quasi in warteposition befindest und unterstützer der grünen werden willst, würde ich dich bitten, in deinem kreis gegen den heute abend (8.5.) geplanten neonazi-aufmarsch zu mobilisieren. wenn ihr es mit euren mitteln zusammenbringt, dass eine breite, nachvollziehbare öffentlichkeit davon erfährt, dann bist du einem grünen unterstützerstatus viel näher als jetzt :-)

Ich habe den Kuhhandel abgelehnt: “Wenn die Grünen nur Unterstützer haben wollen, die einen Demo-Mobilisierungstest bestanden haben, dann sollen sie das sagen (oder ins Statut schreiben).”

Schon wieder ein Gesinnungstest? Enttäuschung macht sich breit.


Es gibt sehr viele Grüne, die die Grünen Vorwahlen vorbehaltlos und aufrichtig gut finden und unterstützen. Die Facebook-Gruppe ist voll von teils prominenten Grünen, von Maria Vassilakou über Christoph Chorherr oder Beatrice Acheleke zu Volker Plass. Selbst Eva Glawischnigs Ehemann, Volker Piesczek, ist dabei.

Unter der Decke brodelt es jedoch gewaltig – die Vorwahlen haben bei den Grünen heftige Kontroversen ausgelöst. Soweit, so wenig überraschend, denn klarerweise ändern sich durch den Einzug von Öffentlichkeit in die Kandidatenlistenerstellung die Chancen für die einzelnen Kandidaten. Manche, intern weniger gut vernetze Kandidaten werden sich bessere Chancen ausrechnen, andere fühlen sich offenbar bedroht. Die enstprechenden Diskussionsthreads im Grünen Intranet sollen viele viele Seiten lang sein.

Schade, dass diese Debatte fast ausschließlich hinter geschlossenen Türen stattfindet. Als Ausnahme sei dieses Posting des Vorstandsmitglieds Markus Rathmeier erwähnt. Seine Message: “Die Grüne Basis sind WIR, nicht ihr.”

Insofern ist auch der Kommentar begrüßenswert, den der Grüne Bezirksrat Gerhard Ladstätter im Vorwahlen-Blog hinterlassen hat, denn er macht die Angst vieler Grünfunktionäre öffentlich. Ladstätter stellt uns sieben Fragen zu unserer Gesinnung und unserem Willen zur Mitarbeit (inklusive Einladung zum Flyerverteilen).

Leider zeugen diese Fragen kaum verhüllter Unfreundlichkeit nicht nur vom verkorksten Basisdemokratieverständnis eines Einzelnen, sondern könnten auch konkrete Relevanz haben: Meines Wissens wurde bislang noch keiner der Vorwähler vom Landesvorstand aufgenommen, obwohl die ersten Anträge vor vier Wochen übermittelt wurden, und der Landesvorstand wöchentlich tagt. Dazu kommt, wie ein anderer Grünfunktionär beim letzten Infoabend erzählt hat, dass unabhängig von uns 150 Anträge einer Migrantengruppe eingegangen sind, die, so fürchtet man, zur Unterstützung eines bestimmten Kandidaten gedacht sind. Da liegt die Vermutung nahe, dass alle Unterstützer einer Gewissensprüfung unterzogen werden sollen. Zudem haben die Grünen, wie Gerald Bäck entdeckt hat, schon mal vorsorglich ihre Mitmachbedingungen geändert. Will man die Möglichkeit schaffen, Unterstützer (=Vorwähler) auf Basis fehlender “Mitarbeit” zu entfernen?

Nicht nur Heinz Duschanek, Grüner Vorwähler, findet all das “..anmaßend. Ich mag keinen Ideologie-Test ablegen, nur weil ich wo drei Sätze mitreden will.” Jana Herwig hat den Ball konsequenterweise zurückgespielt, und stellt Ladstätter selbst sieben Fragen. Klaus Werner-Lobo wird deutlich:

olobo

Das Einzige, was stört, ist wieder einmal der Wähler.


oe3

Heute ging ein schönes Projekt online, das ich in den letzten Monaten mitkonzipieren durfte: Die Facebook-Präsenz des Radiosenders Ö3. Das Team von Ö3 ging sehr offen und pragmatisch an das Projekt heran: Statt hochgestochenen Zielformulierungen voller Marketingspeak war das Motto “Da passiert was, da wollen wir dabei sein, ein bisschen was ausprobieren.”

Schnell wurde klar, wie diese Facebook-Präsenz aussehen könnte:

  1. Inhalte des Radiosenders sollen “sharable” sein und sich “viral” im Facebook verbreiten können: Das wurde beispielsweise mit den Comedy-MP3s umgesetzt, die direkt auf der Facebook-Page – und auch auf der Homepage – anhörbar sind und alle einen “Teilen”- (netzdeutsch für Weiterleiten) Button haben. Dazu werden zunehmend alle Artikel und sonstigen Elemente der Ö3-Website mit solchen “Teilen”-Buttons ausgestattet. Die regelmäßig stattfindenden Events von Ö3 können direkt in den eigenen Kalender übernommen werden (was wiederum alle Freunde sehen) und Freunde können zu den Events eingeladen werden.
  2. Die Funktionen von Facebook sollen für Hörer-Interaktion untereinander und mit dem Sender genutzt werden: So dominieren Kommentare von Ö3-Fans die Startseite, zu Events können Fotos und Videos hochgeladen werden, alle Inhalte können kommentiert werden. Dazu wird Facebook neben Email, Telefon und SMS als vollwertige Kommunikationsmöglichkeit mit dem Hörerservice des Senders etabliert, und einzelne Ö3-Mitarbeiter werden (so sie jeweils nichts dagegen haben – beruht auf Freiwilligkeit) über Facebook erreichbar.
  3. Facebook ist die Stoßstange 2.0: Man kann sich den Player als digitalen Bumpersticker auf das eigene Profil holen – oder natürlich auch direkt auf der Page Ö3 hören. Viele Ö3-Promis sind zudem mit eigenen Fanpages vertreten.
  4. Crossmedia: Konsequenterweise werden Facebook-Funktionen auch auf den existierenden Website verlinkt und auch onair wird wohl ab und zu auf Facebook verwiesen werden.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und einige Funktionen werden erst gelauncht.)

Stellt sich die Frage nach der Erfolgsdefinition und -messung eines solchen Projekts. Harte Zahlen liegen noch keine vor, und ich bezweifle auch, dass der Effekt einer solchen Aktion überhaupt vollständig messbar ist. In einem Markt, in dem Nennungen eines Sendernamens beim Radiotest die alles bestimmende Währung sind, wird sich eine funktioniernde und prominente Präsenz in einer Community, in der die Internetbevölkerung bereits über 4% ihrer gesamten Onlinezeit verbringt, sicherlich bezahlt machen.

comscore-facebook-stats

Besonders bemerkenswert waren für mich in diesem Projekt zwei Personen, ohne die das Ergebnis unmöglich so geworden wäre wie es ist: Zum einen Albert Malli, der stellvertretende Senderchef, der das Projekt mit viel Mut zum Social-Media-Experiment initiiert und uns den Rücken von der Senderbürokratie frei gehalten hat. Wir hatten dank ihm maximalen konzeptionellen Freiraum. Zum anderen Andreas Klinger von den Socialisten, der das Projekt technisch bestens umgesetzt und mit seinen hervorragenden Kontakten zum Facebook-Headquarter viele Dinge erst ermöglicht hat.

Danke, hat Spaß gemacht!

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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