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Netzdeutsch 2009, das Wörterbuch


jmdn frienden (v)

Jemanden, dessen Hand man irgendwann geschüttelt hat, auf Facebook, StudiVZ, etc. als Freund hinzufügen.

jmdn facebooken (v)

Siehe →jmdn frienden.

jmdn unfrienden (v)

Die als unfreundlicher Akt angesehene Tätigkeit des Entfernens aus der Freundesliste auf Facebook & Co von Menschen, von denen man keine Ahnung hat, wo man deren Hand geschüttelt haben soll.
Auch: Tätigkeit des Entfernens aus der Freundesliste von Menschen, die man liebt, die einen jedoch anstatt dieses Gefühl zu erwidern durch penetrante Zurschaustellung von Zweisamkeit in Text- und Bildform quälen.

jmdn xingen (v)

Jemanden auf Xing suchen. Beispiel: Die (den) süße(n) Kleine(n) von der Messeparty gestern xingen, an deren (dessen) Namen man sich nicht erinnert. [Um Beweise für die Gerüchte, wonach Xing.com zwei Dutzend süße Kleine beschäftigt, die durch Präsenz auf Messepartys den Umsatz mit Premiumaccounts ankurbeln, wird gebeten.]

jmdn von der Blogroll schmeißen (v)

Die als unfreundlicher Akt angesehene Tätigkeit des Entfernens eines aus reiner Höflichkeit auf die öffentliche Leseliste des eigenen →Blogs hinzugefügten, gänzlich langweiligen →Blogs.

emailen (v)

Bezeichnung einer veraltenen Kommunikationsform, die noch von Menschen genutzt wird, die nicht wissen, dass diese Funktion durch Pinwandnachrichten auf Facebook oder Xing-Kontaktanfragen ersetzt wurde.

jmdn [selten: jmdm] followen (v)

Jemand auf Twitter der eigenen Leseliste hinzufügen, meist nicht in der Absicht, die →Tweets dieser Person zu lesen, sondern entweder um auf die eigene Existenz aufmerksam zu machen oder in der Hoffnung, die Zahl der eigenen →Follower zu erhöhen.

jmdn unfollowen (v)

Als unfreundlicher Akt angesehene Tätigkeit des Entfernens eines an Logorrhoe leidenden Zeitgenossen aus der eigenen Leseliste auf Twitter.

etw twittern (v)

Eine maximal 140 Zeichen umfassende Beobachtung mit Nachrichtenwert aus dem persönlichen Tagesablauf verkünden (“Guten Morgen!”).

Tweet (m)

Kurznachricht von meist überregionaler Bedeutung, Ergebnis von →twittern

etw re-tweeten (v)

Weitersenden von →Tweets Anderer mit dem Ziel, selbst re-tweetet zu werden, um mehr →Follower zu gewinnen.

Follower (m)

Benutzer von Twitter, der einen selbst auf der Leseliste hat, meist nicht um einen tatsächlich zu lesen, sondern um →zurückgefollowed [auch: zurückgefollowt] zu werden.

jmdn zurückfollowen (v)

Akt der Freundlichkeit, der das Gefühl vermittelt, jemandes →Tweets zu lesen, der einem dieses Gefühl ebenfalls vermittelt hat. Geht meist dem →Unfollowen voraus.

Blog (n)

Bezeichnung einer veralteten Publikationsform im Internet, die vor allem von Personen genutzt wird, die außer Stande sind, sich auf 140 Zeichen zu beschränken.

Blog (m)

Synonym zu →Blog (n), dessen Verwendung den Verwender augenblicklich als jemanden outet, der den Begriff erst wenige Jahre kennt. Löst bei Verwendern von →Blog (n) das Gefühl von Überlegenheit und den Austausch wissender Blicke aus.

jmdn subscriben(v)

→Blog eines Menschen der eigenen Leseliste hinzufügen, meist um später festzustellen, dass der Konsum seiner Inhalte einen dem erhofften Austausch von Geschäftsbeziehungen oder Körperflüssigkeiten auch nicht näherbringt.

jmdn unsubscriben (v)

→Blog eines gänzlich langweiligen Menschen wieder aus der eigenen Leseliste entfernen. Die Tätigkeit gilt als unfreundlicher Akt. Die Überprüfung erfolgt regelmäßig unauffällig im Gespräch durch Aufbau auf zuvor nur per Blog bekanntgegebener Informationen.

Fail Whale (m)

Weltweit letzte Walart, die nicht vom Aussterben bedroht ist.

Jmdn in den Spamfilter schmeißen (v)

Tätigkeit des Markierens der Emails von Menschen als Werbung, deren überbordender Mitteilungslust man in Hinkunft zu entgehen hofft, zumindest bis diese einen auf Twitter entdecken.

jmdn taggen (v)

Markieren des Gesichtes einer anderen Person auf einem auf Facebook geladenen Foto. Funktion, die dazu zwingt, sich regelmäßig in Facebook einzuloggen, um die Tags auf allen kompromittierenden Fotos zu entfernen, die freundliche Mitmenschen auf einen gesetzt haben.

etw teilen (v)

Etwas weitersenden, mitteilen. Die bis zur nächsten Auflage des Duden falsche Übersetzung von “share” auf Facebook.


 

Update 1. August 2009: Es geschehen noch Zeichen und Wunder – Facebook hat “teilen” in “posten” umbenannt.

Praktische Übungen:
 

 

 

19 replies on “Netzdeutsch 2009, das Wörterbuch”

Grauenhaft! Als leidenschaftlicher Anwender der deutschen Sprache finde ich es immer wieder traurig, wie sich manche englischen Wörter mit dem Deutschen vermischen. Da schmerzt es natürlich auch, wenn man das Verb “googeln” im Duden findet! :(

Bin nicht ganz sicher ob ich mich in allen Bereichen meines Mitteilungsbedürfnisses auf 140 Zeichen beschränken möchte. Ist für Gewisse Themen doch ein wenig knapp bemessen wie ich finde.

das mit dem Beobachten stimmt so nicht ganz. Bestimmt 2/3 aller Tweens die ich lese sind “Rauschen” – sind zwar Beobachtungen, aber gänzlich uninteressant da eher autobiographisch.

Da kippe ich jetzt (fast wortwörtlich :)in die unendlichen Weiten der Twitter, Facebook und Blogwelt ein und dann lese ich von Ihnen sowas:

“…meist um später festzustellen, dass der Konsum seiner Inhalte einen dem erhofften Austausch von Geschäftsbeziehungen oder Körperflüssigkeiten auch nicht näherbringt.”

*shocking* ;)

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