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Dieses Interview mit dem Linzer Serienunternehmer Thomas Marban habe ich für den Werbeplanung.at-Guide 2009 geführt, der am 26. Februar erscheinen wird.

thomas-marbanThomas, Popurls.com ist die international vielleicht erfolgreichste Website aus Österreich. Trotzdem ist sie hierzulande relativ unbekannt. Kannst du Popurls kurz erklären?

Thomas Marban: Popurls kapselt die populärsten Websites auf einer Page – diese reichen von klassischen News über Social Media bis hin zu Science oder Off-Beat. Der Eigenanspruch besteht darin, nur die qualitativsten Quellen jedes Genres zu inkludieren und diese neben der klassischen Single-Page auch für jedes erdenkliche Device ansprechend aufzubereiten. Wired-Gründer Kevin Kelly nannte Popurls aufgrund seiner pulsierenden Inhalte “The Dashboard for the Hive Mind” – dafür steht die Seite seit mittlerweile drei Jahren.

Was ist das Business-Modell von Popurls?

Thomas Marban: Einserseites klassische Bannerwerbung als auch hochgradig maßgeschneiderte Kampagnen abseits von CPM & CPC, gepaart mit einer internen Kostenstruktur, die einen profitablen Betrieb ermöglicht.

Du hast für Kunden wie Epson und Intel eigene Versionen von Popurls entwickelt. Wie kommst du als One-Man-Show an solche Deals?

Thomas Marban: Popurls wird durch Federated Media vermarktet – ein verhältnissmäßig kleines jedoch sehr selektives und geschlossenes Netzwerk, das nur rund 200 der größten und populärsten Webservices und Blogs betreut. Durch FMs Fortune-500-Kundenschicht ergibt sich damit ein hoher Grad an individuell gestalteten Werbepartnerschaften, die bewusst die Zusammenarbeit mit kleinen aber einflussreichen Webangeboten suchen. Dadurch erhält man auch als Einzelperson Zugang zu Unternehmen wie eben Intel, mit dem die Kooperation ganz einfach dadurch entstanden ist, weil zahlreiche Mitarbeiter Fans von Popurls waren und die Ideen für ein gemeinsames Projekt ohne großen Sales-Pitch innerhalb von nur zwei Wochen umgesetzt werden konnten. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in ungleicher Größe sehe ich als wichtigen Gegentrend zur “Nobody ever got fired for buying IBM”-These.

Große Anbieter wie GigaOm und Digg haben Federated Media verlassen, bei Techcrunch denkt man laut darüber nach. Ist das eine Bedrohung für Popurls?

Thomas Marban: Diese Fluktuation wird immer bestehen, zumal die Beweggründe meist nicht nur rein monetär getrieben sind, sondern wie im Falle von Digg durch Investoren oder wie bei Techcrunch vorrangig als PR-Stunt geschehen. Federated Media hat es bisher auch geschafft, solche Lücken sehr rasch durch neue hochrangige Autoren zu füllen, und ich denke, dass ein “Rauswachsen” manch ungleich größerer Sites dem Netzwerk nur dienlich ist. Für Popurls ist Federated Media weiterhin der einzig denkbare Vermarkter mit einerseits einer viablen Preisstruktur und auch klein genug, um individuell auf seine Partner einzugehen. Vor allem auch weil ein Massenservice wie Google Adsense bei einer webaffinen Benutzerschicht nur moderate Erfolge zeigt. Die einzig echte Bedrohung ist demnach die allgemeine Preisentwicklung des digitalen Werbemarktes und die Werbebereitschaft innerhalb der nächsten zwei Jahre an sich.

Du betreibst Popurls nach wie vor als Ein-Personen-Unternehmen und launchst neue Funktionen im Wochentakt – arbeitest aber auch an anderen Projekten wie Readbag.com. Wie schaffst du das?

Thomas Marban: Die One-Man Struktur war eine gezielte Entscheidung nachdem ich meinen Anteil eines ungleich größeren IT Unternehmens verkauft und in dieser Zeit gelernt habe, welche Fähigkeiten es zu vereinen gilt, um technologisch, gestalterisch und menschlich fit zu bleiben. Demnach ermöglicht nur eine langjährige Vorarbeit und -erfahrung gezieltes und effektives Arbeiten, und andererseits kann man durch überdurchschnittlich leidentschaftliche Neugier und Persistenz auch so manche Unkenntnis kompensieren. In einem 24/7-Popularitätswettbewerb wie dem Web ist es auch hilfreich sich nicht allzu lange mit analytischer Missionarsarbeit wie Bloggen über Bloggen aufzuhalten.

In Österreich werden deutlich höhere TKPs gezahlt als in den USA – warum konzentrierst du dich alleine auf den US-Markt?

Thomas Marban: Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits aufgrund der Tatsache, dass ich nur den US Markt sowohl groß als auch interessant genug finde, um ein Projekt wie Popurls umzusetzen, welches nicht erst die Warum-Wieso-Weshalb-Mauer durchbrechen muss, oder sich in einem Markt bewegt, dessen Denkweise hohe Produktkomplexität automatisch mit Wertigkeit verbindet. Des weiteren besteht natürlich die Sprachbarriere sowie ein fehlender Einblick in beispielsweise die vollkommen anders tickende spanische oder französische Webszene, um hier überhaupt die populärsten Inhalte und Trends zu erkennen. Ich erhalte zwar ständig Angebote von Benutzern, die diese Rolle lokal übernehmen möchten, allerdings würde dies einen Kosten- und Kontrollverlust für die Marke Popurls bedeuten, den ich aktuell nicht eingehen möchte. Generell halte ich es mit der österreichischen Internetindustrie wie mit seinem Film: punktuell ambitioniert, international mit wenigen Ausnahmen kaum beachtet, keine Blockbuster.

Aggregatoren wie Google oder auch Popurls machen Verlagen Angst, weil sie sich als neue Gatekeeper etablieren. Ist die Angst berechtigt?

Thomas Marban: Im Gegenteil, es besteht eine wichtige Interdependenz. Zudem sind Aggregatoren schon jetzt einer der wichtigsten Traffic-Treiber zu Content-Seiten und werden langristig weiterhin an Bedeutung gewinnen. Alleine am Beispiel der New York Times, die seit einiger Zeit News von Drittanbietern nahtlos in die eigene Seite integriert zeigt sich, dass Information frei sein will und die “Don’t Link to your Competitors”-Haltung nicht mehr zeitgemäß ist. Es stellt sich daher nicht mehr die Frage, wo Inhalte leben oder ob, und wie sie distributiert werden, sondern ganz einfach wie schnell und ob man seine Informationsproduktion auf diese neue Situation anpassen kann. Langfristig wird auch nicht der Aggregator sondern der Benutzer selbst zum Gatekeeper, wenn er nur noch relevante News zulässt, die bereits durch sein soziales Umfeld vorgefiltert wurden. Dazu passend, ein Zitat von Stewart Brand aus 1985: “Information wants to be free. Information also wants to be expensive. … That tension will not go away.”

Popurls besteht im Wesentlichen nur aus einer Seite und ist damit die Antithese von PI-Maschinen wie Slideshows, wie sie viele ÖWA-Mitglieder einsetzen. Sind die österreichischen Medien in veralteter Denke verhaftet?

Thomas Marban: Solange man auf beiden Seiten Internetwerbung wie Kilometerbanken der Bundesbahn ansieht und klassische Media-Agentur-Strukturen aufrecht erhält, sehe ich langfristig keine Verbesserung. Mittelfristig wäre hier angebracht, mehr mit kuratierten Inhalten und weniger mit visuellen Ablenkungen zu experimentieren. Die Situation ist aber auch international gesehen nicht wesentlich besser. Es gibt zwar bereits zahlreiche neue Ideen zu einer Engagement-basierten Messung und Preisfindung, sie existieren aber vielmehr als Buzz-Words in den Köpfen von Proponenten der Attention-Economy als in den Preislisten der Media-Planer.

Welches Service würdest du gerne noch bauen?

Thomas Marban: Ein Service, welches ein Problem löst, das nicht durch das Web selbst verursacht wurde.

Danke für das Gespräch!


Gestern hielt ich einen Vortrag vor ca. 100 Personalchefs oberösterreichischer Unternehmen bei einem Expertenforum des Netzwerkes Humanressourcen (im echt sehenswerten neuen Ars Electronica Center in Linz), zum Thema “Was die Cloud über Bewerber weiß – und wie Sie es rausfinden”.

Ich hatte meinen Talk interaktiv angelegt und wollte die versammelte Recherche-Weisheit einfließen lassen. Auf meine Frage, wer Bewerber online einem Background-Check unterzieht, gingen zu meiner großen Überraschung (und im Widerspruch zu so manchen Studien) aber nur wenige Hände hoch: “Check über Xing?” Circa zehn. “Check über Google?” Circa fünf. “Darüber hinaus?” Null.

Also bestand der Vortrag in Folge doch nur aus meinen eigenen Recherchetipps. Dafür wurden die anwesenden Personaler während des Vortrags zunehmend unruhig und machten sich in Zwischenfragen über ihre eigene Online-Reputation Sorgen. Auf meine Frage an zwei Teilnehmer anschließend im Lift, wieviele der Teilnehmer wohl heute abend noch nach ihrem Namen googlen würden: “Über 95%, würde ich sagen.”

Hier die Slides:

Update 16.2.:

Mein Vortrag hat Kritik ausgelöst. Kern der Kritik:

..bedeutet im Klartext, dass Unternehmen in Privatbereiche vordringen sollen, um sich ein genaueres Bild von einem möglichen neuem bzw. bestehenden Mitarbeiter verschaffen zu können.

Zuerst muss ich sagen, dass ich mir anfangs auch überlegt habe, ob ich einen solchen Vortrag halten will. Immerhin würde ich viel lieber Bewerbern beibringen, wie sie Privates aus dem öffentlichen Netz raushalten, und wie sie aktiv Identitätsmanagement betreiben. Allerdings kann bessere Recherche für einen Bewerber potentiell genauso positiv wie negativ sein. Ich persönlich würde es vorziehen, wenn jemand gut zu meiner Person recherchiert, wenn ich einen Job haben will, als dass er an Recherchehürden scheitert.

Und, wie Martin es ganz gut auf den Punkt bringt, global Öffentliches ist nicht privat. Was es braucht, ist Medienkompetenz – und die beginnt beim Problembewusstsein. Hier ist jede Öffentlichkeit gut und nützlich. Siehe den begleitenden Artikel zur Veranstaltung: Online / Scan. (Danke an Ed für den Scan!)

Übrigens geht aus meinen Slides nicht hervor, dass ich dringend vor dem Eindringen in die soziale Sphäre der Bewerber gewarnt habe – Recherche muss sich ausschließlich auf tatsächlich Öffentliches beschränken.


2007 habe ich noch moniert, dass bloggende Politiker – Chorherr inklusive – auf andere Blogger und Kommentatoren nicht wirklich eingehen, dass sich Bloggen auf banale Tagebucheinträgen auf der einen und lange, isolierte Abhandlungen auf der anderen Seite beschränkt.

2009 ist alles anders. Da passieren auf einmal solche Sachen! (Videos anschauen.)

Es bloggen mindestens 3x so viele Politiker, sie bloggen mit mehr Substanz und verstehen langsam, dass Blogs Gesprächen gleichkommen. Gemeinderäte machen Ausschüsse öffentlich, Parlamentarier werden zu gelegentlichen Parlaments-Live-Bloggern, andere machen ParlamentsTV am ORF vorbei – per Youtube.

Dieses eine unbedeutende Chorherr-Posting mit dem Gemeinderatsvideo markiert für mich einen Wendepunkt. Das wird unsere Gesellschaft verändern.

(Im Übrigen denke ich, dass Peter Pilz endlich zitierfähig werden sollte.)

Der Imperator

February 4, 2009  

Oje, das wird dem Loub gar nicht gefallen. Einfach zu lustig (vor allem da ich’s per Email von einem aktiven katholischen Pfarrgemeinderatsmitglied gekriegt hab – echt jetzt):

imperator

May the Force be with us.


voters-speaking

Wie so viele bin ich schwer enttäuscht von der grünen Parteiführung. Anstatt endlich die Vorteile eine kleinen Partei zu nützen und die Großparteien in Sachen partizipativer Demokratie auszustechen, wird dem höchst populären und angesehenen Europaexperten Johannes Voggenhuber nicht einmal gestattet, auf dem letzten Listenplatz zu kandidieren.

Grund: Er würde mittels Vorzugsstimmen vom Wahlvolk an die erste Stelle gewählt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Voggenhuber darf nicht kandidieren, weil absehbar ist, dass er zu viele (!) Stimmen bekommt – und damit die erstplatzierte Ulrike Lunacek überholt.

Unpackbar. Martin Schimak stellt in einem Kommentar (hier) die entscheidende Frage:

Warum versucht Lunacek nicht mehr Vorzugsstimmen zu erhalten?

Die Grünen sind gemeinsam mit dem BZÖ die derzeit am schlechtesten positionierte Partei (im Marketing-Sinn). Alle Positionierungschancen wie Energiekrise (Stichwort Putin), Klimawandel oder Finanzkrise verstreichen ungenützt, weil den Grünen zweierlei fehlt:

  1. Glaubwürdigkeit und
  2. Aufmerksamkeit.

Für beides gibt es meines Erachtens einen Schlüssel: Den Weg zum Wähler ändern. Sowohl in der Kommunikation – hier gilt es, direkte Kanäle an den Massenmedien vorbei aufzubauen – als auch in der Personalauswahl: bindet eure Wählerschaft ein!

Für beides gibt es ein triviales (weil in letzter Zeit erschöpfend zitiertes) Vorbild: Barack Obama:

  1. Ohne das US-Vorwahlensystem wäre nie ein so pointierter, kantiger und einer Minderheit angehörender Kandidat aufgestellt worden. Die etablierte Funktionärsbasis hätte direkt aus ihrer Mitte die vergleichsweise farblose Hillary Clinton gewählt.
  2. Obamas Kampagne hat in dreijähriger Arbeit eine glaubwürdige Online-Präsenz und ein großes Netz an Freiwilligen aufgebaut – weitgehend an den Medien vorbei. Diese Edelman-Studie zeigt, wie unglaublich viele Direktkontakte Obamas Kampagne erzielt hat:

obama-social

Um auf Vergleichszahlen für Österreich zu kommen, braucht man entsprechend der Einwohnerzahlen nur durch 30 dividieren: Das ergibt für Österreich 33.000 Offline-Events, 13.000 Blogposts, 33 Mio. Emails, 210.000 Online-Spenden und 15.000 Online-Videos! Damit, liebe Grüne, hättet ihr am 29. September beginnen müssen.

Wie sehr die Haltung der Partei in Sachen Voggenhuber den Grünen schadet, hat Max Kossatz ansatzweise statistisch erhoben.

Wenn die Grünen keinen Kurswechsel hinkriegen, werden sie in den nächsten Wahlen (Salzburg, Kärnten, Wien, ..) marginalisiert.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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