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voters-speaking

Wie so viele bin ich schwer enttäuscht von der grünen Parteiführung. Anstatt endlich die Vorteile eine kleinen Partei zu nützen und die Großparteien in Sachen partizipativer Demokratie auszustechen, wird dem höchst populären und angesehenen Europaexperten Johannes Voggenhuber nicht einmal gestattet, auf dem letzten Listenplatz zu kandidieren.

Grund: Er würde mittels Vorzugsstimmen vom Wahlvolk an die erste Stelle gewählt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Voggenhuber darf nicht kandidieren, weil absehbar ist, dass er zu viele (!) Stimmen bekommt – und damit die erstplatzierte Ulrike Lunacek überholt.

Unpackbar. Martin Schimak stellt in einem Kommentar (hier) die entscheidende Frage:

Warum versucht Lunacek nicht mehr Vorzugsstimmen zu erhalten?

Die Grünen sind gemeinsam mit dem BZÖ die derzeit am schlechtesten positionierte Partei (im Marketing-Sinn). Alle Positionierungschancen wie Energiekrise (Stichwort Putin), Klimawandel oder Finanzkrise verstreichen ungenützt, weil den Grünen zweierlei fehlt:

  1. Glaubwürdigkeit und
  2. Aufmerksamkeit.

Für beides gibt es meines Erachtens einen Schlüssel: Den Weg zum Wähler ändern. Sowohl in der Kommunikation – hier gilt es, direkte Kanäle an den Massenmedien vorbei aufzubauen – als auch in der Personalauswahl: bindet eure Wählerschaft ein!

Für beides gibt es ein triviales (weil in letzter Zeit erschöpfend zitiertes) Vorbild: Barack Obama:

  1. Ohne das US-Vorwahlensystem wäre nie ein so pointierter, kantiger und einer Minderheit angehörender Kandidat aufgestellt worden. Die etablierte Funktionärsbasis hätte direkt aus ihrer Mitte die vergleichsweise farblose Hillary Clinton gewählt.
  2. Obamas Kampagne hat in dreijähriger Arbeit eine glaubwürdige Online-Präsenz und ein großes Netz an Freiwilligen aufgebaut – weitgehend an den Medien vorbei. Diese Edelman-Studie zeigt, wie unglaublich viele Direktkontakte Obamas Kampagne erzielt hat:

obama-social

Um auf Vergleichszahlen für Österreich zu kommen, braucht man entsprechend der Einwohnerzahlen nur durch 30 dividieren: Das ergibt für Österreich 33.000 Offline-Events, 13.000 Blogposts, 33 Mio. Emails, 210.000 Online-Spenden und 15.000 Online-Videos! Damit, liebe Grüne, hättet ihr am 29. September beginnen müssen.

Wie sehr die Haltung der Partei in Sachen Voggenhuber den Grünen schadet, hat Max Kossatz ansatzweise statistisch erhoben.

Wenn die Grünen keinen Kurswechsel hinkriegen, werden sie in den nächsten Wahlen (Salzburg, Kärnten, Wien, ..) marginalisiert.


 

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18 Comments
#135683 Georg says on February 2, 2009 at 9:57 pm
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So überlegt hätte neben der gesunden Konkurrenz der Kampf Lunacek-Voggenhuber schematisch was von den Primaries gehabt.

*seufz* Chance vertan…

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#135710 maschi says on February 2, 2009 at 11:26 pm
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Ad Kurswechsel, hinkriegen, Marginalisierung:

Schaun wir Logenmuppets uns das also an, was da nun wichtiger sein wird, die Sache mit dem Gesichtsverlust oder die völlig evidente Gefahr der Marginalisierung.

Ich wähle erst wieder Grün, wenn ein entscheidender Schritt in Richtung grüner Wählerbasis gemacht wird. Die Damen und Herren “Gremiendiskutanten” können mir nämlich mal den Buckel runterrutschen und diskutieren will dort nämlich schon überhaupt keiner, der sonst auch noch was zu tun hat.

Vielleicht müssen die Grünen ein Stück weit marginalisiert werden, damit sie endlich begreifen, welche Rolle sie bei der anstehenden Marginalisierung des österreichischen Parteienstaates spielen könnten. A bisserl Mut bräuchts halt, a bisserl Weitblick, a bisserl Tellerrand schaun und so.

(Danke für den Link, und ja, ich lese Dich trotz zwischenzeitlichen Rückzugs regelmässig und ja, tun ma jetzt endlich mal was? Ich bin sicher schuld, aber 2009 muss jetzt mal was weitergehn – ab März bin ich mehr oder weniger jobless und hab viel Zeit. Schaumamal :)

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#135722 Helge says on February 2, 2009 at 11:53 pm
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@Maschi: Du hast Recht, eigentlich sollten WIR was tun. Da müsste uns ja irgendwas einfallen..

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#135749 thosch says on February 3, 2009 at 1:01 am
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Immerhin: 20% aller Islamlehrer heißen diese Aktion der Grünen gut.
SCNR

Im Ernst: finde diese Aktion auch sehr übel. Aber ich entnehme einigen Blogs, dass Voggenhuber den 2. Listenplatz abgelehnt hat. Warum das?

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#135961 fetzig! says on February 3, 2009 at 12:46 pm
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Die Partei bestimmt die Liste – und dann sind die Waehler am zug.

Oesterreichische Demokratie/Parteipolitik funktioniert halt so. Nicht erst seit Hr.Voggenhuber. Versteh die aufregung nicht ganz.

Oder is mir was entgangen, dass die Empoerung rechtfertigt?

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#135962 Helge says on February 3, 2009 at 12:49 pm
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@fetzig: Nimmst du das Essen, das dir vorgesetzt wird, immer so teilnahmslos hin? Besonders dann, wenn etwas von der Speisekarte gestrichen wurde, weil man weiß, dass es dir zu gut schmeckt?

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#135964 fetzig! says on February 3, 2009 at 1:09 pm
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@helge: Hast voellig recht. Sorry. Bin anscheinend der einzige dem die ganze Karte nicht mehr wuerzig genug ist. “In Wirklichkeit war ich schon lang nimma beim Wirten.”

Deshalb is mir der Unterschied zwischen mit und ohne nicht wirklich klar gewesen. Davon abgesehn dass Voggenhuber ja nicht “heimlich” von der Karte gestrichen wird. Er wurde transparent Abgesegt. Transparenter gehts glaub ich in Oesterreich gar nicht.

Es ist nun mal Sache der Partei (in diesem Fall der Gruenen) die Liste aufzustellen. Davon hat Voggenhuber (und seine Anhaenger) zwar herzlich wenig…

…da find ich zur Zeit anderes wichtiger. Dass man sich zB in Athen schon wieder die Schaedel einschlagen will (event:http://tinyurl.com/c3cddf), und dass das twitter logo verkleinert wurde (http://twitter.com/Ibo/statuses/1172510413), oder wies beim afrika barcamp war (dazu hab ich jetzt keinen link…).

Sorry, bin schon weg.

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#135984 signof says on February 3, 2009 at 5:17 pm
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Erstens. Es ist schade dass sich die Grünen von einem derart qualifizierten und (nicht nur sondern auch in EU-fragen) erfahrenen Mann trennen. Vor allem die Art und weise wie es getan wurde ist unschön.
“Eine Partei, die sich vor den Stimmen für Johannes Voggenhuber fürchtet, macht sich lächerlich.”, recht hat er der PeterPilz
und das führt natürlich zur oben erwähnten zentralen Frage an/über die neue Spitzenkandidatin.

Zweitens. Die genausowichtige Frage die aber derzeit eher unter geht ist doch, was das für den EU Kurs der Grünen bedeutet. Glawischnig ist da ja schon durch mehr Skepsis als VDB oder Voggenhuber aufgefallen. Lunacek gehört laut ersten Meldungen wohl auch eher in diese Gruppe.

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#135988 Daniel says on February 3, 2009 at 5:55 pm
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Für die Grünen wäre es besser gewesen, die Leute diskutieren darüber, ob sie nun Lunacek oder Voggenhuber wählen anstatt sich zu überlegen, ob sie die Grünen oder eine andere Partei (oder gar nicht) wählen sollen. Egal wer mehr Vorzugsstimmen bekommt, jede dieser Stimmen ist eine Stimme für die Grünen. Nun aber haben die Grünen das negative Medienecho–und wahrscheinlich einige Stimmen weniger.

Wieder ein Beispiel, dass es in der Politik nicht unbedingt um die fachliche Kompetenz, sondern auch um Machtspiele und “Vitamin B” innerhalb der Parteien geht.

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#135994 Kewagi says on February 3, 2009 at 7:11 pm
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Ich persönlich bin über den relativ klaren Untergang der Grünen ja ganz happy. Wenn jetzt die restlichen Parteien nur auch mitmachen würden… *schwelg*

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#136075 signof says on February 4, 2009 at 1:53 am
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@Daniel: Meine zum Beispiel haben sie weniger. Wobei für mich nach derzeitigem Stand nur entweder nichthingehen oder nixwählen in Frage kommt.

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#136317 Dan says on February 4, 2009 at 2:27 pm
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@signof: geht mir ähnlich.

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#136379 werner says on February 4, 2009 at 5:10 pm
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1. Die Grünen werden in ein Debakel schlittern
2. Daran sind maßgeblich auch Chorherr & Co. schuld, denn…
3. Voggenhuber ist schlicht mit seinem (durchaus legitimen) Poker: “1. Platz oder gar nicht” abgeblitzt.
4. Wenn man pokert, kann man auch verlieren.
5. Mir ist keine Pokerrunde bekannt, bei der Verlierer später doch “wieder einsteigen” können.
6. Somit sind die Fakten für mich klar.
7. Chorherr u.a. gab der Geschichte aber einen anderen Spin.
8. Der Standard griff diese “G’schicht” dankbar auf.
9. Plötzlich war Voggenhuber das “Opfer”. Folge: Ein Grün-Bashing sondergleichen.
10. Glawischnig & Co. wollten die allseits bekannten Pokerregeln nachträglich nicht mehr ändern. Daher > retour zu Punkt 1

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#136408 Self destroying Legacy? | Feuerhaken says on February 4, 2009 at 5:57 pm
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[…] gegangen, und viele sehen ihn nicht als erfolgsversprechend oder richtig an. Sie wollen zurück zum partizipativen Modell aus dem die Grünen geboren […]

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#137045 signof says on February 6, 2009 at 12:44 am
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@werner: Kein rebuy-in auf platz 42?

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#155584 » Ein Experiment: Grüne Vorwahlen · Helge's Blog says on April 1, 2009 at 1:58 pm
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[…] stört: Die nicht gezogenen Schlüsse aus der Nationalratswahlen im Herbst beispielsweise oder verpasste Chancen bei der […]

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#169354 » Grüne Gewissensprüfung · Helge's Blog says on May 6, 2009 at 7:09 pm
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[…] Einzige, was stört, ist wieder einmal der Wähler. Categories: […]

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[…] da ein innerparteilicher Machtkampf ausgetragen. Viele Internetpostings unterstreichen diese These: Die Grünen, das einzige was stört, ist der Wähler (helge.at), Europa wählen (Peter Drössler), Feinde der Logik (Niko Alm), Basis- oder Funktionärsdemokratie […]

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