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Android – und Googles globales Internet-Betriebssystem

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Im September schrieb ich, warum Google Chrome ein Betriebssystem ist, und kein Browser. Heute – beim Schreiben des G1-Reviews – wurde mir klar, dass Google Android (das Betriebssystem des G1) ebenso nur ein weiterer Mosaikstein zum globalen Web-Betriebssystem von Googles Gnaden ist.

Noch ist das G1 kein Gerät, das die Welt zum Staunen bringt. (Wobei: Hätte es das Iphone nicht gegeben, wäre das anders.) Aber bereits jetzt ist absehbar, dass Google mit Android genau das gelingt könnte, woran Symbian und Openmoko leider gescheitert sind: Den Standard für Handy-Betriebssysteme zu setzen. Ich kann mir vorstellen, dass mittelfristig auch Windows Mobile durch Android unter Druck kommt.

Das Betriebssystem Android ist solide und – im Gegensatz zu Windows Mobile oder dem Iphone – in alle Richtungen offen. Die Strategie heißt “Out-Open your competitors”. (Etwas, das Yahoo gerade – allerdings aus der Position des Verlierers – mit der Yahoo Open Strategy und BOSS versucht.)

Noch gibt es noch nicht viele aufregende Applikationen, aber das wird sich ändern. Die Android-Plattform wird es ermöglichen, dass Programmierer und Startups das Paradigma “Handy” gänzlich neu definieren. Außerdem werden wir vermutlich auch andere Geräte sehen, auf denen Android läuft: Netbooks, Kühlschränke, Digitalkameras, GPS-Geräte, Fernbedienungen, MP3-Player, Roboter, Autos.

Die Macht der Hersteller – Größen wie Sony, Motorola, HTC, LG, Samsung und Garmin arbeiten an Android-Hardware – und der Netzbetreiber wird durch die Offenheit auf ein erträgliches Maß zurückgestutzt. Langfristig werden Netzbetreiber lediglich die Rolle des kabellosen Internetproviders spielen – alle Dienste die in diesem Netz laufen (auch Voice) werden dem freien Markt unterliegen. Beschränkungen wie heute üblich sind auf offenen Plattformen wie Android technisch leicht umgehbar. Interessant zu sehen, wie Google die Branchengrößen vor sich hertreibt und zwingt, ihre eigenen Monopole abzutragen.

Neben der Offenheit profitiert natürlich Google: Ähnlich wie Microsofts Webdienste davon leben, dass viele Windows-User ihre Standard-Einstellungen nicht verändern, ist Android direkt mit Google-Webdiensten verbunden. Wetten, der erste große Android-Antitrust-Prozess gegen Google ist weniger als fünf Jahre entfernt?

Doch im Gegensatz zu Microsoft, deren Integration Betriebsystem <--> Webdienste hauptsächlich der größeren Reichweite zweiterer dient, beginnt Googles Strategie mit dieser Integration erst: Googles Stärke Nummer eins ist die “Computing Power”. In dutzenden Datenzentren rund um den Globus stehen hunderttausende Server.

Auf diesen Servern läuft das globale Internet-Betriebssystem (WebOS), das auch Android-Usern eine ganze Reihe von Diensten leistet: Übersetzungen (bald auch Voice und Realtime?), Spamschutz, Email, Kalender, Spellcheck, Kontaktverwaltung, Dokumentverwaltung, Presence (über Google Talk), Informationsmanagement (Google Reader), Navigation und Verkehr (Maps), Suche (Search und Local), etc.

google-g1

Übrigens fehlt Google zur universellen Strategie noch die richtige Voice-over-IP-Technologie. Was die alten Google-buys-Skype-Gerüchte wieder aufwärmen könnte. Ebay will Skype eh los werden.

Android ist kein Betriebssystem, es ist Teil eines Betriebssystems. Des Betriebssystems.

Foto (cc) Dekuwa. Thanks for sharing!

7 replies on “Android – und Googles globales Internet-Betriebssystem”

Was ich nur in Ansätzen umrissen habe, hast du hier weit ausgeführt. Diese Strategie klingt recht plausibel.

Im Gegensatz zu Microsoft ist Google webmäßig voraus. Ich nutze Android also dann, wenn ich “seamless” von überall her auf Googles Dienste zugreifen möchte.

Das G1 kam einfach zu früh (oder doch gerade richtig?). Es zeigt uns, was im Prinzip möglich wäre, wenn man dort und da noch Ecken und Kanten schleift, wenn man vieles an “Andeutungen” weiter denkt.

Für welche Firma so ein Szenario (außer den DatenschützerInnen und Co.) dies ein massiver Verlust an Marktanteilen bedeutet wird sich weisen.

In Twitter hat jemand den Link zu dir mit #skynet getaggt. SF-Fans wissen was das heißt. Und er könnte damit in Ansätzen Recht haben, wenn du von “Teil des Betriebssystems” und von “Robotern” schreibst.

Das könnte das wirklich interessante sein und die Idee des NetPC neu aufgreifen. Das Android Phone nur als “Terminal” für den Zugriff auf all die Möglichkeiten die Google so bietet…

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