Google this site (~ 2000 pages):

Home
RSS Feed RSS Feed

« Previous: In sechs Stunden ist das Basic-Thinking-Blog Geschichte | Next: Ende der Apartheid statt Bomben auf Gaza »


Ein interessantes Beispiel, wie kaputt unser Rechtssystem ist, liefert gerade meine 11-jährige Nichte: Bei einer Aufführung ihrer Musikschule sang sie eine Nummer von James Blunt nach und stellte das Video davon auf Youtube – wo es prompt wegen Rechteverletzung gelöscht wurde.

Nach ihrem Protest über das “Dispute”-Formular stellte Youtube das Video wieder her, denn die Verwendung gilt in den USA als Fair Use, was eine Verwendung für “nonprofit educational purposes” erlaubt.

In Österreich ist meine kleine Nichte jedoch eine böse Gesetzesbrecherin. Die Veröffentlichung auf Youtube ist hierzulande ein Akt von Piraterie, denn so etwas wie “Fair Use” gibt es hier nicht.

Schlimmer noch, auch die Aufführung selbst war illegal, denn nach § 56c des Urheberrechtsgesetz steht “dem Urheber ein Anspruch auf angemessene Vergütung” selbst dann zu, wenn die Aufführung im Rahmen eines Unterrichts stattfindet. In Deutschland wurde wenigstes genau für solche Fälle (Schule + beschränkter Personenkreis) eine Ausnahme eingebaut.

Die Schutzrechte, die ursprünglich dazu gedacht waren, Kreativität und Innovation zu fördern, tun mittlerweile genau das Gegenteil, denn sie wurden immer wieder verschärft und werden dem Internet nicht gerecht. Eine Totalreform ist überfällig, aber auch hier passiert das Gegenteil: Übermächtige Lobbies drängen unter dem Vorwand der Terrorabwehr auf die Festplatten unserer Kinder.

Und jetzt das – überaus hörenswerte! – Corpus Delicti (Gesang ab Minute 1):

Siehe auch: Ein-Mann-Boybands und die Schieflage unseres Rechtssystems

PS. Keine Rechtsauskunft. Reine Laienmeinung. Widerspruch bitte in die Kommentare.


 

« Previous: In sechs Stunden ist das Basic-Thinking-Blog Geschichte | Next: Ende der Apartheid statt Bomben auf Gaza »

16 Comments
#130069 mia says on January 15, 2009 at 8:33 pm
Avatar
top

gebe dir absolut recht! ich finde es auch unglaublich was da passiert. zumal es ja offensichtlich keine kommerziellen verwendung findet.

bottom
#130073 Walter says on January 15, 2009 at 8:43 pm
Avatar
top

Und nächstes Jahr darf sie dann auch schon ihre Fingerabdrücke für den Pass hinterlassen. Unsere lieben Gesetzgeber schlafen nicht nur beim Thema Internet…

bottom
#130209 Gerold says on January 16, 2009 at 9:35 am
Avatar
top

Dann soll die Schule dem James Blunt halt eine “angemessene Vergütung” zukommen lassen.

Wie wäre es mit selbst gebastelten Dingen?

Ein bisschen was zu dem Thema findet man übrigens auf der Website der AKM – zumindest was die Aufführung geschützter Werke und die damit verbundenen Abgaben betrifft (http://www.akm.or.at/index.php?content=%2Fmusiknutzer%2Ffaq%2Findex.php).

Die Regelungen zur Veröffentlichung selbst ersteller Aufzeichnungen entziehen sich leider meiner Kenntnis.

bottom
#130232 Mar-Tina says on January 16, 2009 at 12:23 pm
Avatar
top

Wow, tolle Stimme! Lob an die Sängerin.

bottom
#130295 günter says on January 16, 2009 at 7:47 pm
Avatar
top

Irgendwie wird unsere Welt immer eigenartiger. Die Musikwelt ist ja da nur ein besonders fesches Beispiel für Regeln, die eigentlich irgendwann ihren Zweck verloren haben und eigentlich keiner mehr versteht. Die Finanzwelt ist eine andere solche Welt. Und die Energiewelt, die UmWelt, … Danke für den Beitrag!

bottom
#130441 Watschelhirn says on January 17, 2009 at 7:21 pm
Avatar
top

Ich bin zwar kein Jurist, worauf ich auch verdammt stolz bin, aber die Aufführung selbst ist meines Wissens nicht illegal, weil sie selbst gesungen und gespielt haben. Es ist auch üblich, dass Bands auf Konzerten Cover-Versionen spielen, aber eben nur live, weil dafür keine Gebühren gezahlt werden müssen und auch keine Genehmigung notwendig ist. Bei Aufnahmen ist das dann wieder etwas anderes.

bottom
#130459 Helge says on January 17, 2009 at 11:50 pm
Avatar
top

@Watschelhirn: Nope. Für solche Konzerte zahlt man eben AKM.

bottom
#130461 Watschelhirn says on January 17, 2009 at 11:56 pm
Avatar
top

Na ja, ich würde den, der das Geld verlangt, nicht unbedingt als Ratgeber fragen. Nur weil die AKM das auf ihrer Homepage behauptet, muss das noch lange nicht den rechtlichen Fakten entsprechen. In Deutschland erzählt die GEMA auch viel, wenn der Tag lang ist.

bottom
#130476 Ein Mensch says on January 18, 2009 at 1:24 am
Avatar
top

Alternative Piratenpartei:

http://files.ppoe.or.at/parteiprogramm.pdf

Klarmachen zum Ändern!

bottom
#130489 Gesetzesbrecher says on January 18, 2009 at 2:48 am
Avatar
top

Lang lebe der Gesetzesbruch ;-)

bottom
#130522 alterego says on January 18, 2009 at 6:11 am
Avatar
top

now playing: judas priest- breaking the law

;-)

nunja, das gute am systembedingten gesetzesbruch: es schert sich keiner mehr drum und es wird ab einen gewissen punkt auch nicht mehr verfolgbar.

bottom
#130523 alterego says on January 18, 2009 at 6:12 am
Avatar
top

übrigens hilft gegen solche lobbyarbeit nur basisdemokratisches ackern in euren sog. volksparteien.

bottom
Avatar
top

[…] den Werken von Kulturschaffenden schlicht “Geschäft” machen und sonst nix, mit teils absurdesten Auswüchsen, ist nicht nur nicht notwendig sondern wäre ein weiterer Sargnagel für ebendas, was da vorgeblich […]

bottom
#190231 Magnus says on August 14, 2009 at 10:19 pm
Avatar
top

Sowohl die AKM, als auch die Gema heben auch bei Covers Gebühren ein.
Um überhaupt ein Cover zu veröffentlichen (auf CD oder Video) bedarf es oft einer langen brieflichen Bittstellung an den Musikverlag. Das Musikrecht ist äußerst kompliziert und die Industrie will mit immer weniger Aufwand immer mehr verdienen. Die Künstler werden oft um ihre Tantiemen betrogen, auch dazu gibt es genug Rechtsstreite in der Geschichte.

Sobald bei einer Veranstaltung Eintritt kassiert wird, wird bezahlt, jeder Cafehausbetreiber, jedes Gasthaus muss diese Gebühren bezahlen, sobald er nur ein Radio hat (welcher Wirt hat das nicht?? Im Endeffekt zahlen wir es, weil der Wirt diese Gebühren draufschlagen muss.

Das hier ein Milliardengeschäft dahintersteckt, wissen nicht einmal die Musiker. Einen interessanten Rechtsstreit dazu gibt es derzeit in Deutschland Barbara Clear versus Gema. Hier sieht man wie das Rechte- und Lizenzensystem so entwickelt wurde, dass der Urheber im wahrsten Sinne des Wortes anschaffen gehen muss.

http://www.gulli.com/news/gema-s-ngerin-barbara-clear-2009-06-29/

bottom
#251628 ddamnmess says on February 23, 2011 at 7:30 am
Avatar
top

Hab den Link zu diesem Artikel gerade im LawBlog-Archiv gefunden, und was soll ich sagen?

“This video is not available in your country.
Sorry about that.”

Hurra…

bottom
#266613 Alf Alien says on August 25, 2011 at 8:17 am
Avatar
top

Ich hätte gern das Video gesehen, aber was soll ich sagen … “Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar.” (Deutschland)

bottom

Sorry, the comment form is closed at this time.

corner