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Wie wir aus unseren Kindern Gesetzesbrecher machen

Ein interessantes Beispiel, wie kaputt unser Rechtssystem ist, liefert gerade meine 11-jährige Nichte: Bei einer Aufführung ihrer Musikschule sang sie eine Nummer von James Blunt nach und stellte das Video davon auf Youtube – wo es prompt wegen Rechteverletzung gelöscht wurde.

Nach ihrem Protest über das “Dispute”-Formular stellte Youtube das Video wieder her, denn die Verwendung gilt in den USA als Fair Use, was eine Verwendung für “nonprofit educational purposes” erlaubt.

In Österreich ist meine kleine Nichte jedoch eine böse Gesetzesbrecherin. Die Veröffentlichung auf Youtube ist hierzulande ein Akt von Piraterie, denn so etwas wie “Fair Use” gibt es hier nicht.

Schlimmer noch, auch die Aufführung selbst war illegal, denn nach § 56c des Urheberrechtsgesetz steht “dem Urheber ein Anspruch auf angemessene Vergütung” selbst dann zu, wenn die Aufführung im Rahmen eines Unterrichts stattfindet. In Deutschland wurde wenigstes genau für solche Fälle (Schule + beschränkter Personenkreis) eine Ausnahme eingebaut.

Die Schutzrechte, die ursprünglich dazu gedacht waren, Kreativität und Innovation zu fördern, tun mittlerweile genau das Gegenteil, denn sie wurden immer wieder verschärft und werden dem Internet nicht gerecht. Eine Totalreform ist überfällig, aber auch hier passiert das Gegenteil: Übermächtige Lobbies drängen unter dem Vorwand der Terrorabwehr auf die Festplatten unserer Kinder.

Und jetzt das – überaus hörenswerte! – Corpus Delicti (Gesang ab Minute 1):

Siehe auch: Ein-Mann-Boybands und die Schieflage unseres Rechtssystems

PS. Keine Rechtsauskunft. Reine Laienmeinung. Widerspruch bitte in die Kommentare.

16 replies on “Wie wir aus unseren Kindern Gesetzesbrecher machen”

Und nächstes Jahr darf sie dann auch schon ihre Fingerabdrücke für den Pass hinterlassen. Unsere lieben Gesetzgeber schlafen nicht nur beim Thema Internet…

Dann soll die Schule dem James Blunt halt eine “angemessene Vergütung” zukommen lassen.

Wie wäre es mit selbst gebastelten Dingen?

Ein bisschen was zu dem Thema findet man übrigens auf der Website der AKM – zumindest was die Aufführung geschützter Werke und die damit verbundenen Abgaben betrifft (http://www.akm.or.at/index.php?content=%2Fmusiknutzer%2Ffaq%2Findex.php).

Die Regelungen zur Veröffentlichung selbst ersteller Aufzeichnungen entziehen sich leider meiner Kenntnis.

Irgendwie wird unsere Welt immer eigenartiger. Die Musikwelt ist ja da nur ein besonders fesches Beispiel für Regeln, die eigentlich irgendwann ihren Zweck verloren haben und eigentlich keiner mehr versteht. Die Finanzwelt ist eine andere solche Welt. Und die Energiewelt, die UmWelt, … Danke für den Beitrag!

Ich bin zwar kein Jurist, worauf ich auch verdammt stolz bin, aber die Aufführung selbst ist meines Wissens nicht illegal, weil sie selbst gesungen und gespielt haben. Es ist auch üblich, dass Bands auf Konzerten Cover-Versionen spielen, aber eben nur live, weil dafür keine Gebühren gezahlt werden müssen und auch keine Genehmigung notwendig ist. Bei Aufnahmen ist das dann wieder etwas anderes.

Na ja, ich würde den, der das Geld verlangt, nicht unbedingt als Ratgeber fragen. Nur weil die AKM das auf ihrer Homepage behauptet, muss das noch lange nicht den rechtlichen Fakten entsprechen. In Deutschland erzählt die GEMA auch viel, wenn der Tag lang ist.

now playing: judas priest- breaking the law

;-)

nunja, das gute am systembedingten gesetzesbruch: es schert sich keiner mehr drum und es wird ab einen gewissen punkt auch nicht mehr verfolgbar.

Sowohl die AKM, als auch die Gema heben auch bei Covers Gebühren ein.
Um überhaupt ein Cover zu veröffentlichen (auf CD oder Video) bedarf es oft einer langen brieflichen Bittstellung an den Musikverlag. Das Musikrecht ist äußerst kompliziert und die Industrie will mit immer weniger Aufwand immer mehr verdienen. Die Künstler werden oft um ihre Tantiemen betrogen, auch dazu gibt es genug Rechtsstreite in der Geschichte.

Sobald bei einer Veranstaltung Eintritt kassiert wird, wird bezahlt, jeder Cafehausbetreiber, jedes Gasthaus muss diese Gebühren bezahlen, sobald er nur ein Radio hat (welcher Wirt hat das nicht?? Im Endeffekt zahlen wir es, weil der Wirt diese Gebühren draufschlagen muss.

Das hier ein Milliardengeschäft dahintersteckt, wissen nicht einmal die Musiker. Einen interessanten Rechtsstreit dazu gibt es derzeit in Deutschland Barbara Clear versus Gema. Hier sieht man wie das Rechte- und Lizenzensystem so entwickelt wurde, dass der Urheber im wahrsten Sinne des Wortes anschaffen gehen muss.

http://www.gulli.com/news/gema-s-ngerin-barbara-clear-2009-06-29/

Ich hätte gern das Video gesehen, aber was soll ich sagen … “Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar.” (Deutschland)

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