Wer zähmt die WEGA?
December 14, 2008Vor ein paar Monaten kam Roland J., Mitarbeiter eines Kunden von mir, nach längerem Krankenstand zu uns ins Projektteam zurück. Hier die Beschreibung seines Krankheitsgrundes:
Kurz vor Ende der EuroMayDay Parade am 1. Mai fingen mehrere Greifftrupps der WEGA an in die Menge hineinzuknüppeln und versuchten mehrmals Personen aus der Menge zu greiffen. Ich stand ca. 100m entfernt in einer Gruppe schaulustiger PasantInnen. Kurz darauf sah ich ca. 5-8 WEGAs in gepanzerter Kampfmontur in meine Richtung laufen. In wenigen Sekunden wurde ich zu Boden gestossen und mit Stiefeln und Schlagstöcken fast bewusstlos geschlagen. Nach 6h im Gefängnis wurde mir beim Verhör erklärt ich hätte 5 WEGA Beamte schwer verletzt und werde wohl so schnell nicht mehr rauskommen. Vor Gericht erklärten die WEGA Beamten meine über 10 teilweise schweren Verletzungen (Nasenbeinprellung, Rippenprellungen, Schulterzerrung, ausgeschlagener Zahn,…) hätte ich mir in einem Tobsuchtsanfall selbst zugefügt. Auch die knüppelförmigen Hämatome im Rückenbereich.
(Aus einem Email an mich.) Ich habe Roland als netten, ruhigen, konstruktiven Kollegen kennengelernt. Die Story wird klarer, wenn man Rolands Frisur kennt: Er ist Dreadlockträger. Entspricht also – meine Interpretation – dem Beuteschema der WEGA.
Im Prozess gegen – richtig geraten – Roland J., wegen Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt wurde er jetzt im Zweifel freigesprochen. “Meine Zweifel sind allerdings sehr gering”, betonte die Richterin.
WEGA-Beamte, auch als Frustfolterer und Taxifahrer bekannt, haben sich also wieder mit Ruhm bekleckert. Neu ist, dass sich die Justiz nicht mehr im blinden Korpsgeist auf die Seite der Polizisten schlägt. Es besteht also noch Hoffnung.
Hoffnung auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung – der Polizisten.







s’Gimpfte könnt einem aufgehen. Es hat sich in den vergangenen 30 Jahren nichts geändert, und ich bin skeptisch, dass sich in Zukunft etwas substanziell ändern wird. Bei den derzeitigen ressortmäßigen Zuständigkeiten schon gar nicht.
:-(
Das macht doch richtig Freude drauf, wenn die Polizei vielleicht doch mal ihr neues Spielzeug bekommt: http://www.florianklenk.com/2008/12/taser_der_irrefuhrende_kurier-.php
eigentlich ein skandal
bei einem Bekannten ähnliches: Er ist mitte 20 und gelernter Kindergärtner(!). Als er leicht angeheitert mit dem Rad von einem Fest heim fährt (Ok, das war nicht schlau), wird er von 2 Polizisten angehalten. Nachdem er ihnen widerspricht und zu beschwichtigen versucht (Verbal!), wird er zu Boden gestoßen und verhaftet. Er wird dabei verletzt und muss sich behandeln lassen.
Das Resultat: Verurteilung wegen Widerstand und Körperverletztung gegen einen der Beamten (er soll ihngetreten haben). Dieser Beamte ging Wochen später (!) zum Arzt und ließ sich einen Monat krank schreiben. Dafür muss auch mein Bekannter die Kosten tragen. Auch in der Berufung wurde den Polizisten die abenteuerliche Geschichte geglaubt, die noch dazu in drei verschiedenen Versionen erzählt wurde, die sich z.T. stark unterschieden.
Da ich meinen Bekannten gut kenne und auch weiß wie er angeheitert ist, glaube ich ihm. Er hat nichts getan und muss die nächten 20 Jahre dafür büßen…
Die Richter stehen aber immer auf der Seite der Täter – so scheint mir zumindest.
[...] der Ausübung dieses Rechts würde es untergraben. Das schließt übrigens auch ungerechtfertigte polizeiliche Übergriffe mit [...]