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‘Sieg Heil’ am Cover – Tiefpunkt des Nachrichtenmagazins Profil

Gestern saß ich mit Freunden im Expedit, da fiel mir das aktuelle Profil (das “seriöse Nachrichtenmagazin des Landes” – © Klenk – das ich wegen inhaltlicher Schwäche seit Jahren nicht mehr abonniert habe) in die Hände:

profil-cover

Bei allem Bedauern über das Wahlverhalten meiner Landsleute – aber das Cover ist der journalistische Tiefpunkt dieses Magazins. Reduktion auf Heizwert.

Profil reiht sich damit nahtlos in die Reihe der Spalter, Hetzer und populistischen Polarisierer in diesem Land ein, auf Augenhöhe mit Haider, Strache und Wolf Martin. Bravo, Profil.

23 replies on “‘Sieg Heil’ am Cover – Tiefpunkt des Nachrichtenmagazins Profil”

Vielleicht hat’s ja aber auch was Gutes. Sehen die Menschen wenigstens, WAS und WEN sie da gewählt haben. Auf Augenhöhe zu kommunizieren ist ja nicht immer das schimmste an sich. Kann mir schon vorstellen, das jemand, der “nur aus Protest” rechtsrechts gewählt hat, dadurch die Augen geöffnet bekommt (= etwas hardcore-optimistisch, I know).

Gedanken meinerseits zum Rechtsruck und Umgang damit, gibt’s hier:
http://franzjoseph.twoday.net/stories/5228560/

Diese Hoffnung habe ich nicht, Franz Joseph. Stattdessen befürchte ich dass ein solches Titelblatt eher zu einer Trotzreaktion/Bestätigung der FPÖ/BZÖ-Wähler führt und bei ihnen das Gefühl erzeugt, von einem “bösen, linken” Magazin wie dem Profil zu Unrecht ins rechte Eck gedrängt zu werden.

Genauso halte ich die Gegendemonstrationen bei den Strache-Wahlkampfveranstaltungen zwar für ehrenwert, jedoch für nicht zielführend, da sie bei etwaigen unentschlossenen, sich informierenden Durchschnittsbürgern leicht zu einer ähnlichen Trotzreaktion führen können und sie dadurch den letzten Impuls für eine rechte Wahl geben.

Ich denke man sollte als konstruktive Alternative zu Demonstrationen oder misslungenen Profil-Covern vielmehr die gestern angeführten Prinzipien von Klaus Werner-Lobo verfolgen: Informieren wir uns und andere, handeln wir gemeinsam und haben wir Spaß dabei (anstatt dass wir uns und andere von den durch die Rechten erzeugten Ängste und Bedrohungen einlullen lassen) und zeigen wir Zivilcourage im Alltag. Diese Grundeinstellung und diese vielen, kleinen Handlungen und ausführlichen, persönlichen Gespräche können viel mehr bewirken!

In der Diskussion nach der Wahl hat ein Politikwissenschaftler treffend festgestellt, daß in Deutschland – da komm ich her – einerseits in einigen Bundesländern die Ultrarechten (NPD) erschreckend hohe Egebnisse erzielen, aber es ist bei ALLEN anderen Parteien unbestritten, daß man mit dieser Partei niemals koalieren würde-unter KEINEN Umständen.
Hier dagegen gelten rechtspopulistische Parteien, die auch noch hintenrum intensiv mit den richtigen Neo-Nazis kooperieren, in der öffentlichen Meinung als “bürgerlich”.
Es haben eben auch wenige so richtig die Mitschuld Österreichs an den Verbrechen des Nationalsozialismus begriffen und aufgearbeitet…
Bitte um Aufklärung, warum schwer ausländerfeindliche, rassistische und populistische Gruppierungen unter Führung von Holocaust-Verharmlosern (Haider) und Ex-Burschenschaftlern (Strache) nicht nur von 30% gewählt werden, sondern auch noch von nicht-radikalen Wählern in Schutz genommen werden!
Hitler (aus Braunau am Inn–) wurde übrigens damals von nur etwas über einem Drittel der Bevölkerung gewählt…
Ich jedenfalls habe mich über das Profil-Cover sehr amüsiert :)
Österreich ist leider kein Land mit Sinn für Satire; Profil, Profil über alles!
Danke!

Nun, Frau Palin wärmt sich gerade auf, also noch etwas Zeit für eine kurze Antwort…

Von FPÖ/BZÖ über die NPD zu Hitler, ich fürchte der Bogen ist schwer überspannt. Und das ist wohl auch ein Problem, das außenstehende Beobachter immer wieder mit Österreich haben.

Bei aller Kritikwürdigkeit, aber FPÖ/BZÖ sind in der öffentlichen Wahrnehmung weitaus näher an eurer CDU als an der NPD. Vielleicht sind sie nur geschickter, vielleicht aber auch wirklich moderater. Aber wer mal NPD-Aufmärsche gesehen hat, oder NPD-Funktionäre hat reden hören (lustig ab 1:20), sieht freihändig, dass hier Welten dazwischen liegen.

Darum kann man nicht so tun, als hätte in Österreich fast ein Drittel der Wähler Parteien gewählt, die 1:1 der NPD entsprechen. Damit löst man hier bestenfalls Trotz- und Abwehrhaltungen aus, die auch durchaus verständlich sind.

Uh, die Debatte fängt an… vielleicht reden wir ja später noch weiter :-)

Ich wollte nicht behaupten, daß FPÖ/BZÖ mit der NPD direkt zu vergleichen sind.
Und mein Verweis auf die Wahl Hitlers war bewußt provokativ;
Aber Fakt ist, daß FPÖ/BZÖ in vieler Hinsicht mit den ULTRA-Rechten wie NPD, Front National in Frankreich etc. zusammenarbeiten und funktionierende Netzwerke schaffen, sich anfreunden und gemeinsame Ziele verfolgen.
Ich finde mehr braucht’s echt nicht um sich als zu rechtsradikal auszuzeichnen.

Was die CDU angeht, die sind zwar schwarz wie die Nacht und manche von denen spielen zumindest von den Aussagen her in der Liga wie Strache etc.(Roland Koch z.B.), aber insgesamt ist die ÖVP dasselbe in grün- auch da gab es vor der Wahl Versuche, blau/orange rechts zu überholen.

Insgesamt bleibt bei mir als Wahlwiener bayrischer Herkunft der Eindruck, daß ein abgemilderter Rassismus in Österreich, wie auch in Bayern, absolut gesellschaftsfähig ist.

Auch wenn der Vergleich wieder hinkt- der Antisemitismus der 20er war auch nur Sprücheklopferei. Kaum war Hitler an der Macht, ließen sie die Sau raus. So unterschiedlich ist das gar nicht- Laßt mal die Wirtschaftskrise eskalieren, dann sehen wir weiter!

Diesmal kann ich nicht mit mit Dir, lieber Helge.
Vielleicht eine stark zugespitzte Reaktion von profil, aber die “entspannte” Reaktion nach dem Motto “war eh nur eine Protestwahl” nerven mich viel mehr.
Es geht nicht um Nazis, aber es ist schon Ausdruck einer fehlenden Sensiblität für Gefahren. Empfehle dazu den Kommentar von Palme im Standard:http://derstandard.at/?url=/?id=1220459831423

@Katrin: Alles schön und gut, ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Profil aus pur kommerziellen Motiven (Reichweite) FPÖ und BZÖ auf ihre rechtsextreme Schlagseite reduzieren, was aber sowas von zu kurz greift – von den Motiven der Wähler ganz zu schweigen. Was, und soviel zu deinen Gefahren, die Problematik weiter zuspitzt, da es die Spaltung in der Gesellschaft vergrößert und Strache und Haider weiter die Rolle der Outlaws zugesteht, die ihnen soviele Wählerstimmen bringt. Die perfekte Symbiose zwischen linken Medien und rechten Parteien.

@Katrin

Ich finde das profil-Cover total daneben. Vor allem aus einem Grund: es ist eine fast schon fahrlässige Verharmlosung echter Gefahren.

Denn bitte, was soll profil jetzt noch aufs Cover geben, wenn’s mal wirklich ernst wird?

profil schreit laut “Feuersbrunst!” und wenn man nachsieht, glimmt irgendwo in nem Keller ein Papierkorb – gefährlich zwar, wenn man nix dagegen tut, aber nicht im Ansatz die behauptete akute Bedrohung.

Wie ein kleines Kind nach einem Scherznotruf freut sich profil über die Reaktionen (steigende Auflage, Erwähnungen,…) und erweist dem vordergründigen Ziel einen Bärendienst. Das ist verantwortungslos, dumm und gefährlich.

Auch wenn ich sehr daran interessiert bin, daß die Menschen begreifen wen und was sie da gewählt haben…..aber das Titelbild ist total danaben und unterste Schublade. Es löst bei den Menschen auch nicht Aufklärung aus, sondern ein; Jetzt erst recht!

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