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Lese eben im Standard ein Interview mit Springer-Chef Mathias Döpfner. Direkt aus dem Ressort “Nachrichten von Gestern”:

Profi-Journalismus und “user generated content” sollte man nicht verwechseln. Ich finde es schon bemerkenswert, wie einige unserer Kollegen an der Selbstmontage des Berufes arbeiten.

Stefan Niggemeier, Mario Sixtus, Thomas Knüwer und Konsorten sollten sich eins schämen.

Den sogenannten “user generated content” hat es immer gegeben, das ist das, was den Leser bewegt und was er proaktiv beiträgt. Früher hieß es Leserbrief, heute Posting, eine wunderbare Ergänzung unseres Angebots. (..) [Journalismus] ist ein Berufsstand, der ausgebildet wurde, um das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, um es gut lesbar aufzuschreiben, um es zu gewichten, einzuordnen, durch Recherche Dinge an die Oberfläche zu bringen. Das ist das Prinzip Führung. Guter Journalismus lebt vom Prinzip Führung.

Döpfner, weitsichtig, analysiert die Zeichen der Zeit. Die Leser? Leserbriefschreiber und – Bild – “Leser-Reporter”. Drollig.

Im Internet kann man alles ansehen, aber das kreiert keine zentralen Informationserlebnisse mehr, das ist nur noch “Anything goes”. Die Funktion des Journalisten besteht im Auswählen. (..) Die Gatekeeper-Funktion wird damit immer wichtiger.

Gott, wie ich sie misse, diese zentralen Informationserlebnisse.

PS. Bevor’s mir wer in den Kommentaren um die Ohren haut: Ja, ich glaube ebenfalls, dass “Blogger” nicht mit “Journalist” gleichzusetzen ist. Aber aus anderen Gründen und vor allem mit anderen Schlussfolgerungen als Döpfner.


 

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13 Comments
#108469 Markus Pirchner says on October 19, 2008 at 5:34 pm
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ich dachte, über die blogger/journalismus-sache wäre schon lange viel gras gewachsen. aber irgendein springerndes kamel kommt mit sicherheit und frisst es wieder weg. dass diese schnösel so stur darauf bestehen, ihre ahnungslosigkeit permanent öffentlich zu demonstrieren – sogar als zentrales informationserlebnis.

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#108523 Richard says on October 20, 2008 at 11:03 am
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Ich find den Kommentar zum Thema vom “New Yorker” Chefredakteur Remnick sehr gut: http://derstandard.at/?id=1224169836130

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#108524 Matthias says on October 20, 2008 at 11:10 am
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In der Wochenendausgabe des Standard (im NYT Teil) gab es ein interessantes Interview mit dem Chef vom “New Yorker”. Leider habe ich es nicht online gefunden.

Sein Einwand war klüger: Wir brauchen Journalisten weil diese recherchieren, und er sei in der glücklichen Lage bei einem Blatt arbeiten zu dürfen, wo dies noch möglich ist (er verwies vor allem auf dem Fall Abu Ghraib)

Anstatt sich auf die zweifelhafte Rolle des Gatekeepers, und die “wir-bestimmen-was-wichtig-ist” Rolle zu besinnen, sollten Medien doch lieber ihre Kernkompetenz stärken, und die ist “gute, originäre und relevante Geschichten erzählen”

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#108571 Thomas says on October 20, 2008 at 3:35 pm
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Dieses Interview war tatsächlich ein aha-Erlebnis der ganz besonderen Art, zumal es in der 20-Jahre Jubeliäumsausgabe des Standard war.

Die Jammerei über die Berufsstandsverunglimpfer fand ich sehr schräg, das ist doch einfach der Job, der zu tun ist – berichten über eine sich ändernde Branche (mal wertneutral).

Ein gutes Lehrstück, wie man das macht, gab es vor kurzem im GEO mit einem Bericht über die NYT (http://www.geo.de/GEO/kultur/gesellschaft/58057.html?p=1&pageview=), wo eine ähnliche Analyse wie beim “New Yorker” getroffen wurde: ‘ “Meinung ist billig. Guter Journalismus ist teuer”, sagt Arthur Sulzberger Jr, Aufsichtsratsvorsitzender der Times. Doch inzwischen klingt das nicht mehr wie ein Erfolgsrezept, sondern eher wie eine Anleitung zum leichten Geldverlieren.’

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#108657 helmuth says on October 21, 2008 at 9:24 am
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Ich bin Müde einer Debatte über Elitenwissen (Journalisten) und Gesellschaftswissen (Blogger). Medienproduzierende Menschen, die bis jetzt nicht eingesehen haben, dass das kollektive Wissen mittlerweile eine Grundsäule der Informationspolitik ist, sollte nicht den Berufsstand in der Informationsproduktion suchen.

Wenn JournalistInnen wirklich keine Social Network-Kanäle verwenden und noch nie auf wikipedia, blogs etc. recherchiert haben, nehme ich das vorangehende Statement zurück und schweige für immer zu diesem Thema.

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#108792 Eugene says on October 22, 2008 at 12:31 pm
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Now everyone is talking about the American economy and eclections, nice to read something different. Eugene

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#108920 miaomiao says on October 23, 2008 at 3:59 pm
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你好,小德。

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#108924 Helge says on October 23, 2008 at 4:20 pm
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@miaomiao: Hello to you, too. (This is Austria by the way, not Germany.)

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#108985 Bodenseepeter says on October 24, 2008 at 8:23 am
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Zum Glück gibt es Copy+Paste-Übersetzungen für solche Sachen ;)

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#109622 Hannes says on October 30, 2008 at 6:01 pm
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“Die Arroganz des Alters muß sich damit abfinden, von der Jugend zu lernen.”

Die Diskussion ist brandaktuell, denn bald kommt der Weihnachtsmann und der hat den gleich langen Bart.

Die Haltung ist aber irgendwie verständlich: Rundumschlag und Donnerwetter von Menschen denen die Leser abhanden kommen.

Weiters passt das Statement hervorragend zu Österreichs derzeitiger Situation (“ewig gestrig denkend”).

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#109765 Wolfgang says on October 31, 2008 at 10:03 am
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ich denke, so leute wie döpfner sind auch für so abstruse gesetztesentwürfe verantwortlich, die vorsehen, das ganze internet zu kopieren und in der nationalbank abzulegen – http://almblitz.twoday.net/stories/5286230/

auch für mich besteht der unterschied zwischen bloggern und journalisten vor allem darin, dass die zweiteren einfach mehr zeit und geld zur verfügung haben sollten für ihre recherche. über die output-qualität sagt das noch lange nichts ..

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#113511 raptor says on November 14, 2008 at 10:57 pm
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Der Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern ist, daß bei letzteren v.a. die erfolgreichen Experten sind, die über etwas schreiben, von dem sie viel verstehen. Journalisten schreiben aus Notwendigkeit praktisch immer von etwas, von dem sie nur oberflächlich etwas verstehen. Was herauskommt ist Seichtheit und ideologischer Kampagnenjournalismus. Das ist heutzutage nicht mehr notwendig und nicht mehr akzeptabel. Die klassischen Medien sind durch das “scheiß Internet” (copyright Wolfgang Lorenz) was die Informationsvermittlung betrifft ihrer bisherigen Funktion beraubt und suchen dzt. eine neue Rolle (reine Beschränkung auf Unterhaltung?).

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#114212 Suderant says on November 17, 2008 at 3:31 am
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Der Unterschied besteht nicht. Es gibt Journalisten, die bloggen. Es geht eher darum, dass die Ausbildung der heutigen Journalisten sehr schlecht ist. Von Recherche und Quellenprüfung kann man bei den meisten Massenmedien nicht mehr sprechen. Es gibt bestimmt Blogger, die bessere Journalisten sind, als die Redakteure bei Bild & CO.

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