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Update: Der Text ist nicht von Tucholsky. Details unten.

tucholsky

Also schrieb Kurt Tucholsky, der “kleine dicke Berliner, der mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte” (Erich Kästner), 1930 in der Weltbühne:

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

(via Clows)

Update: Wie Olli in den Kommentaren bemerkt, ist das Gedicht fälschlich Tucholsky zugeschrieben worden. Wäre ja zu schön gewesen, um wahr zu sein. “Essex4” hat bei Niggemeier die Ursache dieser Urban Legend ausgemacht:

Die Angabe von Tucholsky als Urheber ist wohl sicher ein Lesefehler, der auf folgender Seite gut nachvollzogen werden kann und auch von ihr stammen müßte:
http://weltrandbewohner.blog.v…..die-krise/
Ein gewisser Waltomir (bzw. eben eine Freundin von ihm) hat nicht genau gelesen und mit dem Fehler am 15.10. die seriöse und von Bibliothekaren gern frequentierte Zeit-Kommentar-Seite infiziert:
http://kommentare.zeit.de/user…..e-freundin

Ich war auch ein bisschen skeptisch und hab vor Veröffentlichung kurz gegoogelt. Der erste Treffer war dieser Artikel auf Wallstreet Online, wo die Behauptung noch unwidersprochen ist.

Da sieht man’s wieder: Wir Blogger sind an solchen Urban Legends zwar öfter schuld als Berufsjournalisten, aber dafür findet sich auch meist recht schnell ein Kommentator, der das dann richtig stellt.

Update 3.11.: Mittlerweile hat man bei Wallstreet Online “Frei nach..” vor Tucholskys Namen geschrieben ;-))

Kornblumen

October 28, 2008  

Die Abgeordneten der FPÖ schmückten sich bei der heutigen Eröffnungssitzung des Parlaments wieder mit einer Kornblume im Knopfloch.

Wikipedia, Kornblume:

Die Kornblume war ab etwa dem Jahre 1879 die Parteiblume der so genannten Schönerer-Bewegung in Österreich, einer antisemitischen und großdeutschen Bewegung. Das Tragen der Kornblume wurde daher von den österreichischen Behörden zeitweise unter Strafe gestellt und galt als „hochverräterisch“.

Georg von Schönerer:

Georg Heinrich Ritter von Schönerer .. hatte von 1879 bis zur Jahrhundertwende Bedeutung als Führer zunächst der Deutschnationalen und später der Alldeutschen Vereinigung. Er war ein heftiger Gegner des politisierenden Klerikalismus, ein radikaler Antisemit und übte starken Einfluss auf den jungen Adolf Hitler aus.

Dabei hätte das “dritte Lager” durchaus auch brauchbare historische Wurzeln zur Verfügung.


Der Online-Standard berichtet über die Podiumsdiskussion letzte Woche – die Beiträge im Forum darunter sind (wie immer beim Standard) das Beste:

So schreibt “baneck08”:

ui ui ui ui ui

da wagt es die sp doch tatsächlich “normale” menschen, man könnte auch sagen “wähler”, online zu stellen – auch noch mittels “partypic”. und keiner von denen sieht aus wie helge.
da regt sich dieser natürlich zu recht auf:
http://www.helge.at/2008/08/so-sieht-neue-politik-aus/

also bitte ab sofort nur noch feier-photos vom spittelberg.

Darauf “Günther Hase”:

hab mal Ihren Link angeklickt

#78804 Helge says on August 19, 2008 at 9:07 pm

@theduke: Ist das dein Ernst? Ist es die Aufgabe einer “staatstragenden” Partei, Discotickets zu verlosen und Partypics onlinezustellen? Das ist “die richtige Richtung”?

Igittigitt, dat is ja eklich.

Aber mal im ernst: Staatstragende Parteien haben doch toternst, trocken wie Ricecakes und möglichst weit weg vom Bürger zu sein. Die junge Bildungsferne Schicht versuchen mit einzubeziehen: ja kann das denn die “richtige Richtung” sein???

Ganz nebenbei sind die Fotos ausgesprochen harmlos. Diese liberalen Pseudointellektuellen gehen mir annähernd so am am Keks wie die lederhosenen Extremchristen.

Chorherr über Zilk

October 27, 2008  

Allerorts quellen schon wieder die Nachrufe aus den Medien, diesmal auf Wiens legendären Bürgermeister Helmut Zilk. Ich hatte selbst wenig Bezug zu ihm, außer dem Graffiti “Wien entzilken”, das aus dem Fenster meiner Studentenwohnung zu sehen war, und der Erinnerung an seine Interview-Sendungen, in denen die von ihm Interviewten kaum zu Wort kamen.

Diese beiden Anekdoten von Christoph Chorherr heben sich von den üblichen Huldigungen ab: Helmut Zilk, der andere Populist. Sehr persönlich, lesenswert.


Seen on Slideshare:

In case you wanted to know what the financial crisis was after all, just watch this brilliant piece of conversation:

(via soulsoup)


medianet-headline

Anja Herberth schreibt heute im Medianet über die Podiumsdiskussion von Montag:

Für Helge Fahrnberger, Blogger und Berater für Social Software in Wien, waren die großen Parteien während des Wahlkampfs vor allem in den traditionellen Medien „zu Hause“. Gerade für kleinere Parteien, die seitens der Medien ein geringeres Echo zu erwarten hatten, sei das Internet eine Chance gewesen, Zusatz- und Alternativöffentlichkeiten aufzubauen und mit den Wählern in einen Dialog „auf Augenhöhe“ zu treten. Durch die technologischen Fähigkeiten sei mit dem Internet ein stärkerer Hebel für Mundpropaganda entstanden.

und

Zum Abschluss plädierten Niko Alm und Helge Fahrnberger dafür, der nächste Wahlkampf möge bereits morgen wieder beginnen – es sei sinnvoll, aufgebaute Communities und Aktivitäten nicht versanden zu lassen und bis zur nächsten Wahl weiter aufzubauen.

(Verlinkung von mir.) Freut mich immer, wenn die Message auch halbwegs so rüberkommt wie erhofft. Passiert selten genug.

medianet-foto

Foto © IAB


Die Slides zum Impulsvortrag gestern:

Danke an Max Kossatz für die Zahlen & Fakten!


Für Kurzentschlossene:

Das IAB veranstaltet heute abend eine Podiumsdiskussion zum Online-Wahlkampf, mit Niko Alm, Gerhard Loub, Christoph Chorherr, Thomas Holzhuber, Manfred Lamplmair und mir am Podium. Darf zudem noch einen kurzen Impulsvortrag halten. Es moderiert Martin Staudinger.

Über moralische Verstärkung freu ich mich! 19:00 im Hotel de France. Buffet gibt’s auch ;-)

Update: Slides.


Lese eben im Standard ein Interview mit Springer-Chef Mathias Döpfner. Direkt aus dem Ressort “Nachrichten von Gestern”:

Profi-Journalismus und “user generated content” sollte man nicht verwechseln. Ich finde es schon bemerkenswert, wie einige unserer Kollegen an der Selbstmontage des Berufes arbeiten.

Stefan Niggemeier, Mario Sixtus, Thomas Knüwer und Konsorten sollten sich eins schämen.

Den sogenannten “user generated content” hat es immer gegeben, das ist das, was den Leser bewegt und was er proaktiv beiträgt. Früher hieß es Leserbrief, heute Posting, eine wunderbare Ergänzung unseres Angebots. (..) [Journalismus] ist ein Berufsstand, der ausgebildet wurde, um das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, um es gut lesbar aufzuschreiben, um es zu gewichten, einzuordnen, durch Recherche Dinge an die Oberfläche zu bringen. Das ist das Prinzip Führung. Guter Journalismus lebt vom Prinzip Führung.

Döpfner, weitsichtig, analysiert die Zeichen der Zeit. Die Leser? Leserbriefschreiber und – Bild – “Leser-Reporter”. Drollig.

Im Internet kann man alles ansehen, aber das kreiert keine zentralen Informationserlebnisse mehr, das ist nur noch “Anything goes”. Die Funktion des Journalisten besteht im Auswählen. (..) Die Gatekeeper-Funktion wird damit immer wichtiger.

Gott, wie ich sie misse, diese zentralen Informationserlebnisse.

PS. Bevor’s mir wer in den Kommentaren um die Ohren haut: Ja, ich glaube ebenfalls, dass “Blogger” nicht mit “Journalist” gleichzusetzen ist. Aber aus anderen Gründen und vor allem mit anderen Schlussfolgerungen als Döpfner.

Über Löwen und Ameisen

October 19, 2008  

In Isaac Maos Präsentationen auf Slideshare ist mir ein Slide aufgefallen, das “Intelligent Design” der Evolution gegenüberstellt. Ich hab den Gedanken weitergesponnen, und rausgekommen ist diese Präsentation:

Was fehlt noch?

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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