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Da läuft es mir kalt über den Rücken:

Ein anonymer Staatsbeamter hält Vorgänge in der bayrischen Exekutive für verfassungswidrig und spielt der Piratenpartei das Angebot einer IT-Firma für eine Trojaner zu, der in großem Umfang Skype-Telefonate abhören sowie Datentraffic über verschlüsselte Seiten (Online-Banking, etc.) ausspionieren soll. Die Partei veröffentlicht das Dokument. Besonders brisant: Das Angebot ist derart niedrig (€3.500 pro Abhörmaßnahme und Monat), dass es sich für die anbietende Firma nur über eine große Anzahl an Lauschangriffen auszahlen kann.

Die Polizei läutet um 5:45 beim Pressesprecher der Partei an, durchsucht seine Privaträume und beschlagnahmt seine Computer. Man will dem Whistleblower auf die Schliche kommen.

Hier das Dokument (von CCC und Piratenpartei veröffentlicht):

Die Piratenpartei plädiert an die Vernunft des Staates:

(..) raten wir dringend an, ein derartiges Vorgehen zu überdenken und zu verwerfen. Hier gerät das Ansehen des Staates und das Vertrauen in ihn in Gefahr. Die Bemühungen von Regierung und Justiz sollten darauf gerichtet sein die Privatsphäre zu schützen und das Vertrauen der Menschen in ihn zu stärken. (..) Man muss gerade in verantwortlichen Positionen in der Lage sein zu erkennen, dass derartige Technik sich schnell und nicht kontrollierbar verbreitet. Selbst wenn man garantieren könnte, dass der Staat sich in jeder Situation an gewisse Spielregeln hält, so gilt dies sicherlich nicht für die Verwendung durch Dritte. Einen Kampf gegen die Kriminalität gewinnt man nur mit dem Vertrauen und der Zusammenarbeit mit den Bürgern. Wir haben den Eindruck dass die Gefahren und das Missbrauchs-Potential auf der Suche nach schnellen Lösungen nicht richtig erkannt werden.

(Via PPÖ-Blog, via Politikblogs.at)


 

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8 Comments
#99690 Jürgen Koprax says on September 18, 2008 at 6:31 pm
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Sollte dieses Dokument wirklich echt sein, wäre ich auch sehr beunruhigt.

Irgendwie sieht dieser Scan aber so aus, als hätte jemand die richtigen Schnipsel so zusammengesetzt, dass es nur so aussieht als würde es vom bayrischen Staatsministerium der Justiz kommen. Die schattigen Kastln in diesem Scan sind schon sehr verdächtig.

Und die Hausdurchsuchung ist für mich auch kein Beweis für die Echtheit des Dokuments, denn es könnte auch sein, dass die Herrn von der Polizei nur herausfinden wollten wer solche „Falschinformationen“ im Netz verbreitet.

Falls dieses Dokument echt sein sollte frag ich mich aber:
Wie kann man, ohne das Einverständnis des Users, die „Skype Capture Unit“ auf dem Zielsystem installieren?
Sollte der User echt so blöd sein dieses Programm auf seinem System zu installieren, wird der Trojaner ja wohl von gängiger Sicherheitssoftware erkannt werden, oder?

Und das Thema ist schon ein ziemlich alter Hut. Heise hat schon Anfang des Jahres davon berichtet: http://www.heise.de/newsticker/Ein-Bayerntrojaner-zum-Abhoeren-von-Internet-Telefonie–/meldung/102375

Zitat daraus: „Ein bislang unbestätigtes Schreiben des bayerischen Justizministeriums, das …“

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#99727 aloa5 says on September 18, 2008 at 8:11 pm
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Ich meine in der darauffolgenden Meldung von Heise (dazu) kam “kein Dementi” aus Bayern.

Abgesehen davon macht eine Jagd auf einen Whistelblower der keiner ist keinen Sinn…

Welchen Scan hast Du angesehen? Der Download über den CCC oder den über die PPD (letzterer klarer)? Fefe (Felix Leitner) vom CCC hält es lt. seinem Blog von damals für echt.

Grüße
ALOA

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#99744 Helge says on September 18, 2008 at 8:55 pm
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@Jürgen: Die Staatsanwaltschaft München hat meines Wissens bestätigt, dass wegen Geheimnisverrats ermittelt wird. Das Verbreiten von Falschmeldungen führt gewöhnlich auch nicht zu solchen Maßnahmen. Damit ist für mich die Meldung aus dem Januar bestätigt. Das macht es ja erst so besorgniserregend.

Zwei Sachen fallen auf: Erstens gibt es noch lange keine gesetzliche Grundlage für solche Abhörmethoden (ich hoffe, dass das auch so bleibt), und zweitens ist eine solche Vorgangsweise gegen Whistleblower (noch dazu als Hausdurchsuchung bei jemandem, der auch als Journalist arbeitet) äußerst bedenklich.

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#99833 Jürgen Koprax says on September 19, 2008 at 12:34 am
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@Helge: Bei den zwei Sachen geb ich dir recht!

Trotzdem, der Überwachung kann man doch sehr leicht entgehen indem auf Sicherheit achtet und nicht jedes Programm auf seinem System ausführt.

Und da komm ich zum nächsten Punkt. Ich finde diese Methoden nicht nur wegen den schon genannten Aspekten bedenklich:

Jedem, der wirklich etwas zu verbergen hat und entweder Terrorist oder Teil einer kriminellen Organistation ist, ist doch klar, dass es solche Abhörmethoden gibt und solche Menschen werden doch keine “Opfer” von solchen primitiven Abhörmethoden. Somit ist es doch auch noch sinnlos, wenn man dann nur die Hausfrau von nebenan oder irgendeinen Bauern abhört.

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#99853 Helge says on September 19, 2008 at 1:22 am
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@Jürgen: Leider sitzt du hier einer ganz wesentlichen Fehlinformation auf. Es gibt überhaupt keine Chance, selbst für sehr versierte Nutzer, die Installation eines Trojaners zu verhindern, wenn dein Internetprovider mit dem Verbreiter des Trojaners kooperiert. Der Trojaner kann unsichtbar in jede Datei, die deine Festplatte erreicht, integriert werden – selbst in Updates deiner Virensoftware. Siehe die Stellen zu “Datenstrom” im PDF.

Wenn du dich gegen solche Trojaner schützen willst, musst du einen zweiten Offline-Rechner verwenden, wo du alles verschlüsselst, was du dann über den Online-Rechner versendest. Was Terroristen und Mafiosi vermutlich längst machen.

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#100103 Jürgen Koprax says on September 19, 2008 at 11:10 am
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Danke für die Aufklärung!

Regierung und Internetprovider unter einer Decke. Aber solange dies nicht per Gesetz erlaubt ist, ist es ja ohnehin illegal.

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#100104 Helge says on September 19, 2008 at 11:12 am
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@Jürgen: Die wenigsten Provider widersetzen sich einer polizeilichen oder gar richterlichen Aufforderung, egal ob legal oder nicht. Lies mal diesen Bericht der Fuzo über Gespräche unter Technikern.

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#100523 lieber anonym - it scares me. says on September 20, 2008 at 1:56 am
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Gott sei Dank gibt es die Software von DigiTask ja wohl nur für Windows. Also doch Macs nutzen. Und auf’m Mac möchte ich mal sehen, wie sie sich in die Prozessliste schmuggeln wollen, ohne dass ich was merke.

Auch dürfte die verbrauchte Bandbreite für das Mitschneidennicht unerheblich die Skype-Qualität der Übertragung beeinträchtigen. Falls also bei jemandem plötzlich die Videoübertragung so richtig ruckelt, dann besser mal einen Trojanercheck machen.

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