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barcamp-vienna

Genau heute vor zwei Jahren fand mit dem BarCamp Wien das erste BarCamp im deutschen Sprachraum statt. Zeit für eine Gründungslegende.

Alles nahm seinen Lauf mit diesem Blogpost von Smi im Juli 2006:

To me it seems that we need something like this in Vienna. Anyone joining me? Some guys from Metalab? Enki? Helge?

Worauf ich mir kurzerhand die Domain barcamp.at schnappte und dort ein Wiki aufsetzte. Dann stießen noch Michael und Smeidu zu uns ins Organisationsteam. Keiner von uns war jemals zuvor auf einem BarCamp gewesen – wir kannten das Format nur aus der US-Blogosphäre, entsprechend neugierig waren wir. Ich erinnere mich an ein Treffen mit einem OpenSpace-Trainer, von dem ich mir das Format erklären ließ. Dass das erste BarCamp, im One-Smartspace (was ist aus dem geworden?), dann zum Startschuss für eine solche Frequenz und Qualität an Veranstaltungen werden würde, hätte sich keiner von uns gedacht.

at-barcamps

Schon ein halbes Jahr darauf organisierte Georg Holzer und Friends das BarCamp Kärnten und wir bauten barcamp.at vom Wiener zum Österreich-Wiki um. Seitdem haben elf BarCamps (in Wien, Klagenfurt, Salzburg, Graz, Traunkirchen und Kaprun) stattgefunden, fünf weitere (neu: Innsbruck und Spittal an der Drau) sind in Vorbereitung. Das nächste steigt in vier Tagen in Wien.

Soviel zum zweifährigen Jubiläum BarCamps in Österreich.

Es ist immer wieder überraschend, wie wenig Arbeit die Organisation einer solchen Unkonferenz macht: Ein Event mit über hundert Teilnehmern lässt sich notfalls mit wenigen Stunden Aufwand hochziehen. Siehe den Leitfaden BarCamp-Organisation.

Außerdem: Der Wert des Netzwerkes der BarCamp-Community ist enorm: Wieviel Kooperationspartner, Mitarbeiter, Kunden und – nicht zuletzt – Freunde ich im BarCamp-Umfeld gewonnen habe, kann ich gar nicht zählen.

Ich glaube, das Format hat noch viel Potential, vor allem auch durch Spezialisierung. Fokussierte BarCamps, die ich gerne besuchen würde, sind zb: EduCamp (Bildung 2.0), WordCamp (zu WordPress), MapCamp (für Karten-Developer), AfricaCamp (Afrika & ICT4D, etc.), noch mehr TourismusCamps, ein EnterpriseCamp (für Enterprise-Software und Knowledge-Management), ein InteractionDesignCamp, etc.

PS. Ein besonderer Dank gilt den Sponsoren, die diese letzten 11 BarCamps möglich gemacht haben!

barcamp-sponsoren


Zu Zeiten, als mich Anstellungen noch interessiert haben, waren mir vor allem drei Dinge wichtig: Gestaltungsspielraum, ein Chef von dem ich was lernen kann und ein Büro in guter Lage mit gutem kulinarischen Angebot rundherum.

Eben erhielt ich einen Anruf von Martin Schobert, dem Online-Chef der Österreich-Werbung, der ganz dringend einen Mitarbeiter sucht. Martin ist der Chef den ich früher gerne gehabt hätte, darum kann ich jedem, der einen spannenden Internetjob sucht, das nur ans Herz legen: Die Österreich-Werbung sucht einen Online-Projektmanager. Gestaltungsspielraum inklusive, vielleicht mehr als dir lieb ist.

oew-und-das-web

Dein Chef bei der Arbeit

Martin sucht jemand mit ordentlich Berufserfahrung. Ich behaupte aber, du kannst auch selbstbewusst und bissig genug sein, es zu versuchen, wenn die dir eher fehlt. Ahnung davon, was sich im Netz so abspielt, brauchst du aber definitiv. Jobs werden ohnehin meist rund um Personen gebaut, nicht umgekehrt, also nur nicht vom Ausschreibungstext einschüchtern lassen.

Ah, noch was: Das Büro der ÖW liegt direkt neben dem Hotel Triest, mit einer Dachterrasse mit Ausblick, der genausogut ist wie der von Minister Bartensteins gegenüber gelegenem Penthouse, und nur ein paar Meter vom Naschmarkt entfernt. Ich komm’ dann ab und zu auf einen Kaffee vorbei.

Zuschriften unter Chiffre 4711 an den Verlag.


Sorry, das wird lang.

wikipedia-neutralitaet

Das Ergebnis der Nationalratswahl ist enttäuschend, aber schockiert bin ich nicht. Davon geht die Welt auch nicht unter. Auch wenn die Bienenzüchter mit den Daham-statt-Islams fusionieren sollten und die größte Partei des Landes stellen, tut die Welt das nicht. (Im Übrigen halte ich den ORF für Haiders Erfolg hauptschuldig, der dem Spitzenkandidaten der 4%-Partei fast soviel Präsenz wie Faymann und Molterer – und mehr als allen anderen – eingeräumt hat. Und wie ein Ergebnis in einem Bundesland ausschaut, wo niemand die Krone liest, zeigt Vorarlberg.)

Klar, es ist besorgniserregend sich vorzustellen, was die Österreicher wählen würden, sollte eine echte (Energie-/Finanz-) Krise die Repubik erschüttern, mit massiver Arbeitslosigkeit, Stromausfällen und Ähnlichem. Das Wahlergebnis kann nur so interpretiert werden, dass die Österreicher dann die starke Hand wählen, die sich – nach der Logik von Schmitt, Bush und Schäuble – über die Verfassung hinwegsetzt.

Warum hat der Frust über die große Koalition die Wähler nur zu den Rechten, nicht aber zu Grün (und LIF) getrieben? Es war oft von “mangelnder Vitalität” (gemeint ist VdBs Alter), “Langweiligkeit” und “fehlender Agressivität” die Rede. Über die Wahlkampagne wird ebenso gern diskutiert.

Hier ist meine Sicht der Dinge:

Die Grünen sind keine Protestpartei (mehr). Und das ist gut so. Wenn sie damit weniger Stimmen bekommen, dann soll das eben so sein. Besser eine konstruktive 10%-Partei als ein 20%-Fähnchen im Wind. Wer glaubt mit Wahlplakaten und -spots seien Wahlen zu gewinnen oder zu verlieren, ist meines Erachtens sowieso falsch gewickelt.

Das Problem liegt eher im Wort “Partei”. Die Grünen sind eine echte “Partei” geworden, die die Liste ihrer Kandidaten nach der Zahl der unterstützenden Parteifreunde erstellt und nicht nach ihrer Strahlkraft und fachlichen Kompetenz.

Wenn die Grünen bei der nächsten Wahl in zwei oder fünf Jahren 15% oder mehr bekommen wollen, muss ihr Wahlkampf JETZT beginnen. Und zwar mit einem grundsätzlichen Umdenken auf allen Ebenen:

1. Die Öffentlichkeitsarbeit.

Das große Problem für die Grünen in diesem Wahlkampf waren die Medien. Die haben einfache (=stupide) Botschaften wie “Mehrwertssteuerhalbierung” dankbar aufgenommen und groß gemacht, komplexere Themen aber ignoriert. Das war immer so und wird sich auch so schnell nicht ändern – auch wenn Chorherr die Journalisten noch so in die Pflicht nimmt.

Statt dessen müssen die Grünen beginnen, an den Medien (“Vermittler”) vorbei unvermittelt zu Wählern durchzudringen. Das Internet eignen sich dafür hervorragend: Email, Blogs, Diskussionsforen, Youtube, Social Networks, etc. Chorherr und Pilz zeigen wie’s geht. (Neuerdings auch auf Facebook.) Jeder Mandatar und jeder Kandidat MUSS sich seine Ersatzöffentlichkeit von mindestens ein paar Hundert Menschen aufbauen (von denen die meisten wiederum weitere erreichen). Wenn das gegeben ist, reduziert sich der Durchgriff von Spindoktoren, Plakatemalern und Boulevardzeitungen auf die veröffentlichte Meinung.

2. Die Kandidaten.

Ich habe die Grünen weder wegen noch trotz VdB gewählt, ich habe sie gewählt, weil ich den ~20 Mandataren im Parlament bessere Entscheidungen, Fragen und Anträge zutraue als denen anderer Parteien. Doch wo waren die im Wahlkampf? Wer sind die überhaupt? Während des ganzen Wahlkamps waren sie beispielsweise auf der Grünwebsite kaum auffindbar, geschweige denn irgendwo als Person präsent. (Und bitte kommt mir jetzt nicht mit Presseaussendungen und Ständen in Fußgängerzonen – das ist sowas von antiquiert, davon krieg’ ich Ausschläge.)

Wo sind die öffentlichen Hearings, die Personen-vor-wahlkämpfe um die besten Listenplätze? Wo sind die innovativen Quereinsteiger wie parteifreie Solarenergieunternehmer, Koriphäen aus Wissenschaft und Wirtschaft oder junge, smarte Studenten? Mit Quereinsteigern meine ich nicht Tierschutzaktivisten und Kraftwerksblockierer, die nur wissen, wogegen sie sind, sondern helle Köpfe, die konstruktiv gestalten können.

Jeder (!) einzelne Kandidat muss spätestens am Wahltag zumindest (!) tausenden Österreichern ein Begriff sein. Darum muss der Wahlkampf am Tag nach der Wahl beginnen, sonst ist das nicht zu schaffen. Hört auf als Partei zu kommunizieren und beginnt, die Menschen dahinter hervorzuholen. Übrigens.. das wäre dann: heute.

3. Das Konzept “Partei”.

Die Wahrnehmung der Grünen wird aktuell auf das erfundene Konstrukt “Partei” geleitet, das nur aus Elementen wie “Programm” oder “Spitzenkandidaten” besteht. Die Menschen – allen voran die zu wählenden Mandatare – werden bis auf VdB und seine Stellvertreterin hinter diesem Konstrukt versteckt. Man schaue sich nur die für die Wahl relaunchte Website an. (Ausnahme: Das Kästchen “Blogs”.)

Auch wenn die Begriffe “Wahlplattform” und “Bewegung” verbraucht sind – das ist genau, was nötig ist. Wenn sich die Grünen nach außen stülpen und aufhören, hinter verschlossenen Türen um innerparteiliche Macht zu rittern, wenn sie statt dessen zum loseren Zusammenschluss aktiver Bürger unter den Prämissen des Parteiprogramms werden, dann wird sich die Trennung zwischen außerhalb der Partei und innerhalb langsam auflösen. Die Freien Wähler in Deutschland machen’s vor (allerdings fehlt dort ein übergeordnetes Programm – nicht empfehlenswert).

In Summe bedeutet das auch, sich ideologisch zu öffnen (auch gegenüber dem “bürgerlichen Lager”), sowie das freie Mandat zu stärken und den Klubzwang zu reduzieren. Eine Bewegung, bei der man auch mitmachen kann, ohne durch die Ochsentour des Zettelverteilens gehen zu müssen. Eine Bewegung, die zuhört. People of earth..

4. Der Wahlkampf.

Ich glaube, dass eine kleine Partei vor allem dann präsent sein soll, wenn gerade nicht Wahlkampf ist, wenn das Rauschen der Großen nicht die eigenen Töne übertönt. Und zwar weniger als Partei, die nur Oppositionsarbeit macht (also: stänkert), sondern konstruktiv und vor allem auch regional, lokal und themenspezifisch.

Wenn dann tatsächlich Wahlkampf ist, erreichen die Grünen direkt zehntausende und indirekt hunderttausende Sympathisanten (siehe oben) – ohne dass Medien vermitteln müssten oder filtern dürften. Und der durchschnittliche Wähler hat nicht nur ein medienvermitteltes Bild des Spitzenkandidaten, er kennt auch 2-3 Gesichter auf der Bundesliste “persönlich” – nicht aus einem belanglosen Gespräch in der Fußgängerzone, sondern durch Empfehlung aus seinem sozialen Umfeld (auch: Email) und in der Folge durch direkte Kommunikation mit dem Kandidaten online.

Mit diesem Hintergrund wird es auch leichter, selbst Themen im Wahlkampf vorzugeben (zb. “Ausstieg aus Öl und Gas”) und nicht nur denen anderer folgen zu müssen (“Halbierung der Mwst auf Lebensmittel”).

5. Der gläserne Mandatar.

Nicht zuletzt erwarte ich mir – wenn schon der gläserne Staat noch länger Illusion bleibt – den gläsernen Grünmandatar. Über Stimmverhalten, Ausschussarbeit und ähnliches soll jeder Mandatar öffentlich Tagebuch führen, ganz ohne zwischengeschaltete Pressesprecher oder Journalisten. Wenn er das mit Sachverstand und vielleicht noch einer Prise Humor macht, umso besser. Er muss ja nicht gleich vertrauliche Informationen veröffentlichen, wie das Pilz mitunter macht – Marie Ringler und Kollegen haben beim vergangenen Bundeskongress gezeigt, wie das ausschauen kann.

Liebe Grüne – der Wahlkampf beginnt. Heute.


Alle Wahlempfehlungen und Outings von Bloggern, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind, gehen entweder in Richtung grün (Tom Schaffer, HC Voigt, Georg Pichler, Franz Joseph, ich) oder liberal (Martin Schimak, Ritchie Pettauer, Andreas Lindinger, Flaneur, Feuerhaken). Auch bei der Aktion Endorsement 08 haben nur Grün- und LIF-Wähler mitgemacht.

Wo seid ihr Ich-wähle-schwarz-weil-die-so-gute-Wirtschaftspolitik-machen-Schwarzwähler und Die-Roten-haben-die-bessere-Sozialpolitik-Rotwähler..??

Vortragstermine Herbst

September 25, 2008  

Diesen Herbst häufen sich die Vortragstermine. Wem nicht reicht, was ich hier von mir gebe, kann mich da hören:

 
helge-at-castlecamp

Foto (cc) dChris


wählerinnenteich, by jutta reichenpfader

Wahlarithmetische Überlegungen im Günsblog, illustriert von Jutta. Aus meiner Sicht einleuchtend: Das Nichtwählerargument. Viele Nichtwähler (die im zu befürchtenden Ausmaß von den Umfragen nicht erfasst werden) ergeben tendenziell einen höheren Grün- und LIF-Anteil. Bleibt zu hoffen, dass Georg Recht behält. (Via Chorherr)


Dieser Wahlkampf ist spannend: Erstmals haben die Parteien begriffen, dass das Web mehr sein kann als nur ein Publikationsmedium: ein Kommunikationsmedium, Rückkanal inklusive. Was zu ein paar vielversprechenden Ansätzen, aber auch zu vielen unfreiwillig peinlichen Gehversuchen geführt hat. Ich bin schon gespannt, wie schnell die Netzaktivitäten nach der Wahl wieder zurückgefahren werden.

Darüber habe ich vorgestern mit Rupert Kluger vom ORF gesprochen, und ein paar Zitate sind in diesen Radiobeiträgen von heute morgen gelandet.

Die Langversion auf Ö1:

Und Ö3:

Ö1 und Hitradio Ö3)
 

Max’ Medienbeobachtung zum Thema ist absolut lesenswert.


Da läuft es mir kalt über den Rücken:

Ein anonymer Staatsbeamter hält Vorgänge in der bayrischen Exekutive für verfassungswidrig und spielt der Piratenpartei das Angebot einer IT-Firma für eine Trojaner zu, der in großem Umfang Skype-Telefonate abhören sowie Datentraffic über verschlüsselte Seiten (Online-Banking, etc.) ausspionieren soll. Die Partei veröffentlicht das Dokument. Besonders brisant: Das Angebot ist derart niedrig (€3.500 pro Abhörmaßnahme und Monat), dass es sich für die anbietende Firma nur über eine große Anzahl an Lauschangriffen auszahlen kann.

Die Polizei läutet um 5:45 beim Pressesprecher der Partei an, durchsucht seine Privaträume und beschlagnahmt seine Computer. Man will dem Whistleblower auf die Schliche kommen.

Hier das Dokument (von CCC und Piratenpartei veröffentlicht):

Die Piratenpartei plädiert an die Vernunft des Staates:

(..) raten wir dringend an, ein derartiges Vorgehen zu überdenken und zu verwerfen. Hier gerät das Ansehen des Staates und das Vertrauen in ihn in Gefahr. Die Bemühungen von Regierung und Justiz sollten darauf gerichtet sein die Privatsphäre zu schützen und das Vertrauen der Menschen in ihn zu stärken. (..) Man muss gerade in verantwortlichen Positionen in der Lage sein zu erkennen, dass derartige Technik sich schnell und nicht kontrollierbar verbreitet. Selbst wenn man garantieren könnte, dass der Staat sich in jeder Situation an gewisse Spielregeln hält, so gilt dies sicherlich nicht für die Verwendung durch Dritte. Einen Kampf gegen die Kriminalität gewinnt man nur mit dem Vertrauen und der Zusammenarbeit mit den Bürgern. Wir haben den Eindruck dass die Gefahren und das Missbrauchs-Potential auf der Suche nach schnellen Lösungen nicht richtig erkannt werden.

(Via PPÖ-Blog, via Politikblogs.at)


flyer2008

Kommenden Samstag organisiere ich mit Freunden das mittlerweile traditionelle Afrikafest von Laafi – und würde mich freuen, auch Blogleser dort zu treffen! (Vor allem dich, der du regelmäßig vorbeischaust aber nie kommentierst!) Nachsatz: (Familienfreundlicher) Beginn um 16h, geht bis spät in die Nacht.

Das ganze steigt in der VetMed-Uni in Wien. Etwas ablegen, ich weiß, aber zahlt sich aus: Es spielen Saledo, eine sudanesisch-österreichisch-kanadische Jazz-Pop-Impro-Kombo (sorry, schwer zu beschreiben), die auch letztes Mal schon zu Begeisterungsstürmen geführt haben. Echt hörenswert! Und wie immer gibt’s maghrebinische Spezialitäten, Cocktails und alles was dazugehört. Eintritt ist frei.

Eine Bitte: Schickt die Einladung rum und ladet eure Freunde ein! Hier das Event auf Facebook und Xing zum Weiterschicken.

Anfahrt mit Öffis: U6 bis Floridsdorf, Straßenbahnlinie 26 Richtung Oberdorfstraße bis VetMed oder U1 bis Kagraner Platz, Straßenbahnlinie 26 in Richtung Strebersdorf bis VetMed.

Aja: Der Reinerlös kömmt wie immer unseren Projekten zugute, hauptsächlich dem Aidshaus Ouagadougou.

Update: Hier die Details:


der-neue-falter

Jörg Haider ruft nach härterer Ausländerpolitik, er will die Grenzen Richtung Osten schließen, derweil patrouilliert Militär im Burgenland. Heide Schmidt wagt die Kandidatur, weil alles „unerträglich“ geworden sei. Der Grüne Peter Pilz rennt um sein Leiberl, seine Partei wirkt dank der grünen Basis unentschlossen. Die SPÖ schließt eine Koalition mit der FPÖ aus, ihre Fremdenpolitik ist dank gewerkschaftlicher Furcht vor Osteuropäern restriktiv. Die Europapartei ÖVP sieht ihre Aktien sinken, Wolfgang Schüssel ist ihr geheimer Parteichef. In Medien tauchen Fotos von Neonazis im Unterholz auf. Bald werden sie über zwanzig Prozent der Stimmen jubeln, denn die Wähler haben die Große Koalition satt.

So war das im Jahr 1993, zwei Jahre vor Österreichs EU-Beitritt. Die Grenzen waren Richtung Ost und West geschlossen. Bei einer Reise nach Deutschland musste man den Pass vorweisen und D-Mark kaufen. Österreich war ein anderes Land.

So beginnt Florian Klenks lesenswerter Aufsatz “Der Irrtum der Provinzkaiser“, erschienen im neuen Falter. Selbigen geh’ ich mir jetzt kaufen – mal schauen, wie der geworden ist.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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