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Selten findet sich ein ÖVP-Politiker in diesem Land, den ich hier bejuble – und noch seltener ein Mitglied dieser Juxregierung. Doch jetzt ist’s Zeit. Außenministerin Plassnik hat – als Reaktion auf das sozialdemokratische Küssen der Füße Hans Dichands bzw. auf einen herablassenden Kommentar Dichands über sie – einen beachtenswerten offenen Brief an diesen geschrieben.

Und die oberste Diplomatin zeigt dabei statt diplomatischem Geschwurbel ziemlich viel bissiges Rückgrat – und Mut sich mit dem mächtigsten Mann der Republik anzulegen. Chapeau!

Sehr geehrter Herr Dichand,

Sie haben ohne vorherige Rücksprache mit mir ein meinerseits als vertraulich eingestuftes Gespräch öffentlich gemacht. Nur in Teilen und verzerrt. Es liegt mir daran, das Gespräch und seine Vorgeschichte auch aus meiner Sicht zu schildern.

Im Juli 2007 haben Sie mir bei einem Besuch im Pressehaus ein aus meiner Sicht “unmoralisches Angebot” mit den Worten gemacht: “ich weiß, wie Sie Ihre Partei und diese Regierung retten können. “Auf meine überraschte Nachfrage folgte Ihre Ergänzung: “indem Sie für eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag sind!”

Ich habe Ihnen damals klipp und klar dargelegt, warum ich dieses Ansinnen mit aller Entschiedenheit zurückweise. Die Argumente gelten für mich auch heute unverändert weiter.

(..)

Dem Bundeskanzler der Republik Österreich und dem designierten SPÖ-Chef haben Sie inzwischen offenbar ein ähnliches Offert gemacht. Die beiden haben dieses bedauerlicherweise angenommen.

Bundeskanzler Gusenbauer und Bundesminister Faymann rechtfertigen ihr Vorgehen mit der schlechten EU-Stimmung im Land. Tatsache ist: Die “Kronen Zeitung” hat durch ihre Anti-EU-Kampagne hohen Anteil an der weiter gestiegenen EU-Feindlichkeit in unserem Land. Mit ihrer einseitigen, verunsichernden und angstmacherischen EU-Berichterstattung ist die “Kronen Zeitung” leider Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Die staatspolitische Verantwortung dafür kann Ihnen, Herr Dichand, niemand abnehmen.

(…)

Unbeeindruckt, Ursula Plassnik

Hier der Volltext. So kam es also zum SPÖ-Kniefall..

Dieser offene Brief zeigt recht deutlich, wie nützlich es für einen Politiker ist, unverfälscht und echt rüberzukommen. Unverfälscht durch Journalisten und unverfälscht durch Gewäsch im Presseaussendungsstil.

Bloggt, Politiker, bloggt!


 

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8 Comments
#65832 Franz says on June 30, 2008 at 10:42 pm
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wird sicher auch schon in anderen zeitungen publiziert.. poste das als nur wegen meinem patriotismus (tirol :) http://www.tt.com/tt/home/story.csp?cid=5571&sid=57&fid=21

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#65835 Walter says on June 30, 2008 at 10:51 pm
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Mal sehen was jetzt mit dem “geöffneten” Brief passiert. Onkel Hans wird ihn ja kaum abdrucken.

Das ganze hat schon was Showdown-/Endzeitmäßiges.

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#65863 weltbeobachterin says on June 30, 2008 at 11:55 pm
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ts, dazu sind viele zu feig und zu zeitaufwendig. Im Profil hat es mal ein Doppelinterview mit Pröll und Faymann gegeben und da wurden beide gefragt, ob sie bloggen würden. Faymann hat sowas in der Art gesagt, dass das Zeitverschwendung wäre…
vielleicht finde ich das noch in meinem Chaos… Ich hoffe, das Heft ist noch nicht ins Altpapier gewandert.

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#65924 Markus Gansterer says on July 1, 2008 at 8:02 am
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plassnik verlangt einem hier wirklich respekt ab – vor allem das grußwort “unbeeindruck, ursula plassnik war wohl temperiert getroffen.

der brief zeigt auch, wie wichtig es für politiker ist, unabhängig von existenziellen sorgen agieren zu können. bei plassnik ist das der fall: selbst wenn sich dichand jetzt so auf sie einschießt, dass sie die regierung verlassen müßte – es wär ihr wurscht, weil dann macht sie halt außenpolitik als einfache (hohe) beamtin weiter und nicht als politikerin.
Daher verstehe ich entgegen der linie meiner eigenen partei nicht, wieso die finanzielle absicherung von politikern immer mehr reduziert wurde.

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#65936 Franz says on July 1, 2008 at 8:41 am
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@ Markus Gansterer.. was ist den “deine” Partei? Ich bezweifle dass das daran liegt dass sie finanziell abgesichert ist sondern dass sie
a) vor der Krone-Macht keine Angst hat
b) sie keine weitere politische Karriere im Sinn hat
c) sie glaubt dass die Öffentlichkeit schon bereit ist um eine ungerechtfertigte Machtkonzentration (Krone) auszuhebeln.. (letzteres bezweifle ich – wäre auch viel Risiko)

in jedem Fall denk ich sie mag nicht so gern ins falsche Licht gerückt werden. Zivilcourage hoffentlich auch für andere und nicht für sich selbst..

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#65938 Andreas Pizsa says on July 1, 2008 at 8:44 am
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@”Politiker bloggen”: Ich habe mir gerade die twitter Accounts vorgestellt. Wow. Es wird langsam beyond unerträglich :)

Offene Brieferln, Klatsch und Tratsch … haben diese Leute nichts zu tun (rein rhetorische Frage :))?

Am Schönsten ja der Absatz

“Volksabstimmungen bringen keine Lösung in komplizierten Sachfragen – etwa bei der Teuerungswelle”.

Haha, na da bin ich ja froh, dass ich gerade erst letztens so viele vernünftige Lösungsvorschläge von “der Politik” gehört habe. Was war das nochmal? Ahja, Pendlerpauschale erhöhen, Telefontarife senken und generelle Preiskontrollen, UNazi Jean Ziegler will gar gleich den globalen Sovjet installieren. Na wenn das nicht mal g’scheite Lösungen für “komplizierte Sachfragen” sind!

“Volksabstimmungen sind auch kein geeignetes Medikament gegen Europamüdigkeit”.

In der Tat – sie sind kein Medikament, aber eine hörbare Diagnose. Und wer sagt, dass sie eine Krankheit ist? :) Die Leute sind nicht müde vom Kontinent Europa, nur von seinen Besetzern und der EUdSSR.

“Volksabstimmungen führen erfahrungsgemäß zu plakativer Verkürzung statt zu sachlicher Klärung, zu Polarisierung statt zu differenzierter Meinungsbildung. Sie stärken nicht das Vertrauen sondern spalten und verunsichern.”

…das unterscheidet die Volksabstimmung von der demokratischen Wahl … in genau welchem Punkt nochmal? Überall da, wo über andere Menschen verfügt (sic) wird, wird man diese Phänomene ganz zu Recht erleben. No-na. Aber ok, das geht sich in einer Schlagzeile oder einem tweet schwer aus.

Mann :)

Wie auch immer… schönen Tag allen – die Sonne scheint wunderbar! :)

A.

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[…] das Briefschreiben gerade modern ist, hat auch ÖVP-Chef Willi Molterer einen Brief geschrieben. An uns, das […]

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#68306 Frontalangriff der ÖVP auf Hans Dichand? · Helge's Blog says on July 14, 2008 at 4:55 pm
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[…] Plassnik sich mit Schattenkanzler Hans Dichand anlegt, habe ich für eine lobenswerte Einzelmeinung gehalten. Wenn jetzt aber Bundesgeschäftsführerin Michi Mojzis folgende Zeilen bloggt, kann das nur […]

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