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Nur blöd, dass ich kein Auto hab. Via Sierra.


Das Handelsblatt erzählt in der aktuellen Wochenendausgabe, wie aus Golfplatztratsch über Twitter und meinen Blogeintrag eine Story wurde, über die breit berichtet wurde:

handelsblatt-google

Hier die Online-Version. Sauber recherchiert, eine wohltuende Ausnahme. Lediglich die letzten Worte hätte ich anders formuliert: “..wegen Tratsch und durch Web 2.0″.

Auch wie das Handelsblatt auf diese österreichische Provinzposse aufmerksam wurde, ist bezeichnend: Der Journalist Thomas Knüwer, selbst auch Blogger, hat darüber bei Dieter auf Sierralog gelesen. Der soziale Filter ist zu einer wichtigen Nachrichtenagentur geworden.

Hier Thomas’ (detailliertere) Sicht der Dinge auf Indiskretion Ehrensache.

Danke an Stefan Niethammer für den Scan!


Ein Email meines früheren Klassenvorstands und Geografielehrers, der uns im Falle geografisch weniger qualifizierter Wortmeldungen im Unterricht bisweilen als Johannisbeere bezeichnete:

Hallo Helge!

Durch eine kurze Nachricht aus Wien bin ich auf Deine Homepage gestoßen und habe dort mit Entsetzen festgestellt, dass meine geographischen Lehrversuche bei Dir nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind – denn
a) ist Kronstorf kein Kaff, sondern eine aufstrebende Marktgemeinde
b) kein Vorort Deiner Schulstadt Steyr

Ich sehe, ich hätte Euch in der 7. Klasse noch mehr mit Österreich quälen sollen, dann würde ich solche geographischen Ungereimtheiten nicht im Internet vorfinden.

Mit herzlichen Grüßen vom alten, bereits im (un)verdienten (Un)ruhestand befindlichen ehemaligen Klassenvorstand

Meine Entschuldigung gilt allen Kronstorfern für diese Bezeichnung – ich verspreche mich zu bemühen, weder dieses noch andere Kaffs je wieder so zu nennen!


Über das am 27.5. hier veröffentlichte Gerücht (nichts mehr war es zu diesem Zeitpunkt!), über das die Futurezone und der Teletext korrekt berichteten, sind in der Folge Artikel erschienen, die tief in die kaputte Funktionsweise der alten Medienwelt blicken lassen.

Zuerst meldete ORF-On auf der stark frequentierten Frontpage:

Österreichische Blogger haben konkrete Hinweise darauf erhalten, dass..

“Konkrete Hinweise” war genau das, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatten, lediglich Wirtshaustratsch und Vermutungen. Interessant auch, dass der Artikel von einem Standort “bei Steyr” spricht – hatte ich doch (geografisch nicht ganz korrekt) von einem Vorort von Steyr geschrieben, obwohl Kronstorf in Linz-Land liegt.

Die Oberösterreichische Nachrichten schrieben dann unter dem Titel “Google prüft Großinvestition an der Enns”:

Seit Tagen häufen sich Meldungen im Internet, dass Google in Kronstorf ein riesiges Datenzentrum errichten will.

“Seit Tagen” = seit kaum mehr als 24 Stunden. “Häufen sich Meldungen” = eine Meldung. Dazu keine Quellenangabe. Der Autor der Geschichte, Josef Lehner, war übrigens von einem anderen Journalisten per Email auf mein Blogposting aufmerksam gemacht worden.

Im Online-Standard erschien in der Folge ein Artikel, der das Datencenter in Berufung auf den OÖN-Artikel als Faktum darstellte:

Google plant ein Rechenzentrum im Oberösterreichischen Kronstorf zu errichten. Dies berichten die Oberösterreichischen Nachrichten am Donnerstag. Laut der Tageszeitung soll der IT-Konzern bereits „einen Vorvertrag über 60 Hektar Grund abgeschlossen“ haben.

“Google plant zu errichten.” Kein Konjunktiv, kein “möglicherweise”, kein “Gerücht”. (Anmerkung: Inzwischen wurde der Artikel ergänzt und entschärft.) Und das obwohl die APA-Meldung, auf die sich der Artikel bezieht, mit den Worten “In Oberösterreich mehren sich die Gerüchte..” beginnt.

Die OÖN schmückten sich dann in einem weiteren Artikel besonders penetrant mit fremden Federn:

Der Exklusivbericht der OÖN vom letzten Donnerstag, dass der Internet-Multi Google in Kronstorf an der Enns ein 400 Millionen Euro teures DataCenter errichten will, hat (..) Medienschlagzeilen im gesamten deutschen Sprachraum ausgelöst.

Zur Erinnerung: Vor der OÖN war die Nachricht immerhin auf Twitter, hier auf Helge.at, auf ORF-ON, im ORF-Teletext und in der ORF-Futurezone zu lesen gewesen. Ein Email an Herrn Lehner mit einem Hinweis auf dieses Blogposting blieb übrigens unbeantwortet.

Weitere Artikel: News.at, Kleine Zeitung (die es “exklusiv erfahren hat”), Die Presse, “Österreich“, Wiener Zeitung, Börse-Express, Liferadio, etc.

Update 4. Februar 2010: Die letzten 2 Jahre stand in diesem Artikel:

Die APA gab in der Folge eine Meldung heraus, die das Datencenter in Berufung auf den OÖN-Artikel als Faktum darstellte. Der Online-Standard (und einige andere Medien) übernahm die Meldung offenbar ungeprüft.

Das ist jedoch nicht richtig, denn nicht die APA-Meldung war falsch, sondern der Online-Standard hat die relativ ausgewogene APA-Meldung so verändert, dass aus der Möglichkeitsform eine Tatsachenbehauptung wurde. Da APA-Meldungen nicht kostenlos einsehbar sind und für mich undenkbar war, dass der Online-Standard die Meldung so sinnentstellen würde, habe ich angenommen und behauptet, die APA hätte diesen journalistischen Fehler begangen. Mein Fehler. Allerdings eigenartig, dass die APA über kein geeignetes Monitoring verfügt, das ihnen diese Behauptung auf den Radar gebracht hätte – es wäre ein Leichtes gewesen, mich hier zu korrigieren – dazu gibt es die Kommentarfunktion. So haben tausende Besucher seit 2 Jahren wie ich angenommen, der Fehler läge bei der APA.


Achtung Gerüchteküche:

google-at

Google verhandelt möglicherweise über ein Betriebsgelände in Kronstorf, einem Kaff in der Nähe von Linz – und Vorort meiner Heimatstadt Steyr.

Das Gerücht wurde von Simon Kopf, Geschäftsführer eines Gadget-Startups in Kronstorf, auf Twitter gepostet, gehört hat er es wiederum von “2 Landwirten aus der Region und Tankstellentratsch. Beides aus zweiter Hand.” (Tweet)

Der üblichen Standortpolitik von Google, sich in der Nähe von Top-Unis anzusiedeln, würde das allerdings nicht entsprechen – die nahegelegenen FHs und Unis (Steyr, Hagenberg und Linz) spucken die von Google benötigte Qualität und Quantität kaum aus.

Update: Sebastian weist in den Kommentaren drauf hin, dass das viel eher nach Datencenter klingt. Hat was! In Kronstorf befindet sich ein Staukraftwerk, das würde passen (kurze Zuleitung), weitere Kraftwerke mit in Summe ~300 MW befinden sich im Umkreis von wenigen Kilometern.

Update2: Von einem Steuerberater aus der Region: Die Gemeinden Kronstorf und Hargelsberg hätten ein 45ha großes gemeinsames Betriebsgelände geplant. Ein Interessent habe sich gemeldet – habe allerdings 80ha gebraucht. Stellte sich als Google heraus. Es gebe noch einen zweiten möglichen Standort, aber Entscheidung für Kronstorf sei “zu 95%” gefallen. “Offenes Geheimnis hier.”

Update3: Antwort von Google: “No comment” – aber zwischen den Zeilen klingt Zustimmung durch. Siehe Kommentar von Georg Holzer.

Update4: Die Futurezone berichtet, die Story landet auch auf der orf.at-Frontpage. (Die weitere Entwicklung habe ich in “Traurige alte Medienwelt” beschrieben.)

Update5: Thomas Knüwer fasst auf ‘Indiskretion Ehrensache’ die Genese dieser Story treffend zusammen: Google, das österreichische Dorf und der digitale Wirtshaustisch.

simon-google1

simon-google

Update April 2014: Das Datencenter wurde immer noch nicht gebaut. Der ARTE-Journalist Moritz Metz hat Kronstorf besucht und einen Radio-Beitrag dazu gestaltet:

This Email is blogable

May 26, 2008  

Eben ein Email mit folgender Zeile in der Signatur erhalten:

blogable

Cool, gute Idee. Die, wie Google verrät auf Ross Mayfield und das Jahr 2002 zurückgeht: Email Privacy Hack


Auf Techcrunch ist ein lesenswerter Beitrag zum Thema PR 2.0 für Startups erschienen, mit 12 konkreten Tipps. Die Nr. 10 zum Thema Corporate Blogs:

I’m sure you’ve all read that having a company blog is critical to maintaining communication with your community.

First, don’t under estimate it. Second, don’t over estimate it. A blog is the voice and the soapbox for thought leadership, vision, solutions, milestones, and advice. At the very least, it contributes to the personality of your corporate brand. The best blogs become a resource and a destination, which helps improve your bottom line. For example, Google’s official blog is number 16 in Technorati’s Top 100 list of popular blogs.

pr

In a world of building relationships with bloggers, reporters, analysts, partners and customers, your strategy simply can’t rely on only contacting everyone when you have news. Relationships require cultivation and nurturing. The company blog can help.

Prior to and in between announcements, make sure you’re out there actively commenting on relevant blog posts. But don’t leave short, irrelevant, kiss-ass, or angry comments. Contribute to the value of the conversation and make sure it links back to your blog. Also host relevant conversations on your blog and link out to your most valuable contacts wherever possible. They do pay attention.

Maybe this goes without saying, but I’m going to mention it anyway. Don’t break your news on your own blog!

Like press releases crossing the wire, breaking news on your blog makes the news less valuable if others haven’t yet had an opportunity to break it for you first. It’s like the new car analogy. The value of the car drops the minute you drive it off the lot. Time your post for after when the news breaks and link to everyone who helped cover the story.

Am Grenzpfosten findet übrigens gerade eine Umfrage Blogger vs. PR statt (via Ritchie), bin gespannt was da rauskommt.

Photo (cc) by ohhector.


blogtxt

Das im Jänner vorgestellte Theaterstück, in dem auch Texte von Helge.at verwendet werden, hat heute abend im Rahmen des BlogTXT-Festivals am Grazer Schauspielhaus Premiere.

Der ORF überträgt das heute ab 19:30 live. Außer Helge.at kommen noch Facehunter, Matla, Popnutten und Schimmerschnecke zu Wort.

Aus dem Programmheft:

Sie nennen sich Yvan, Popnutte, Schimmerschnecke und Helge und sind Bewohner der Blogosphäre. Im nie endenden Prozess des Bloggens, Postens, Updatens und Verlinkens basteln sie an ihrem Kosmos, definieren ihre Existenz, machen sich bemerkbar in der world wide world. Sie verknüpfen Pop mit Netzkultur, jagen als Facehunter nach neuen Gesichtern, formulieren die Utopie, in der Open Source der Politik stets voraus zu sein, suchen ganz einfach: die Liebe. Und alle vier verbindet eine Sehnsucht nach Identität und die Angst vor dem Verlorensein in den Weiten der Blogosphäre.

In rasanter Schnitttechnik und mit Augenmerk auf Rhythmus und Klang montiert Jörg Albrecht vier unterschiedliche Blogs zu einer assoziativen Textlandschaft und formt aus dem ungeordneten Wust an bloggenden Stimmen, Meinungen und Gesprächsfetzen ein literarisches Statement auf die digitalisierte Lebenswelt.

(Via Cargnelli – dessen Permalinks derzeit nicht funktionieren)


dusl-orf

In Großbritannien läuft derzeit eine Debatte über Sinn und Zweck öffentlich-rechtlichen Fernsehens – also über die BBC. Der kongeniale Stephen Fry, mir vor allem als unvergleichlicher Sprecher des Hörbuchs Hitchhiker’s Guide to the Galaxy in Erinnerung, verteidigt das Vollprogramm gegen einen drohenden “Verghettoisierung und Balkanisierung” der BBC:

..a narrowcast provider spitting out content on channels that fulfil some ghastly and wholly insulting demographic profile: soccer mum, trailer trash, teenager, gay, black music lover, Essex girl, sports fan, bored housewife, all watching programmes made specifically for them with ads targeting them.

Klingt nach Stöckl, Karlich, Vera, Sturm der Liebe, Dancing Stars oder Bianca – und jeder Mende Schleichwerbung? Kein Wunder – Fry sieht Österreich und den ORF als abschreckendes Beispiel:

Yes, we could cut it all down and remake ourselves in the image of Italy or Austria or some other notional modern state. We could sharpen the axe, we could cut away apparently dead wood, we could reinvent the wheel, we could succumb to the natural desires of commercial media companies. (…) It is simply that I don’t want to live in a country that emasculates the BBC.

Hier das Video von Stephen Frys Plädoyer. Via Hans-Peter Lehofer. Illustration (cc) Andrea Maria Dusl.


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Also sprach Douglas Adams im August 1999:

Während des [20.] Jahrhunderts wurden wir erstmalig von nicht-interaktiven Formen von Unterhaltung dominiert: Kino, Radio, Konservenmusik und Fernsehen. Bevor uns die heimsuchten war alle Unterhaltung interaktiv: Theater, Musik, Sport – Darsteller und Publikum waren gemeinsam vor Ort, und selbst ein respektvoll stilles Publikum übte eine mächtige, formende Präsenz auf die Entfaltung des Dramas aus, für das es gekommen war. Ein spezielles Wort für Interaktivität war genauso unnötig wie wir (bislang) keinen speziellen Begriff für Menschen mit nur einem Kopf brauchen.

Ich gehe davon aus, dass die Geschichte die “normalen” Medien des 20. Jahrhunderts als Anomalie in diesem Kontext sehen wird. “Bitte, Frau Lehrerin, Sie meinen, die konnten nur dasitzen und zusehen? Die konnten gar nichts tun? Fühlten sich die nicht schrecklich isoliert oder befremdet oder ignoriert?”

“Ja, Kind, darum wurden sie auch alle verrückt. Vor der Wiederherstellung.”

“Bitte, was war die Wiederherstellung nochmal, Frau Lehrerin?”

“Das Ende des 20. Jahrhunderts, Kind. Als wir begannen die Interaktivität zurückzubekommen.”

Artikel im Original: “How to Stop Worrying and Learn to Love the Internet“. Via Joshua Porter. Foto (cc) by Iguana Jo.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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