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Broder redet Tacheles

February 15, 2008

Ein islamisch-deutscher Intellektueller nützt den Besuch des israelischen Regierungschefs in Deutschland, der sich da um antisemitische Tendenzen sorgt, zu folgendem TV-Auftritt:

Vor einem koscheren Falafelstand sitzend, mit aufgeklebten Beikeles und die Davidstern-Fahne schwenkend überlegt er, dass er jetzt Hebräisch lernen will, um seine Integrationsbereitschaft zu beweisen: “Efraim, sag mal: Was heißt Falafel auf hebräisch? Auch Falafel? Unglaublich. Wieder was dazugelernt.” Zum Besuch des israelischen Politikers, dessen Namen er falsch ausspricht, meint er dann nachdenklich: “Was ich mir mal gewünscht hätte, ist, dass einmal ein deutscher Politiker nach Israel fährt und dort die Israelis fragt, wie es mit der Integration der Araber in Israel ausschaut: ‘Kümmert ihr euch um deren Rechte genauso, wie ihr euch um die Rechte der Juden in Deutschland kümmert?'” Dazwischen geschnitten Bilder von verwundeten Palästinensern und israelischen Soldaten, in s/w gehalten und mit dramatischer Musik untermalt.

Ziemlich starker Tobak, oder? Und hier das Video von diesem TV-Auftritt:

(Video auf Polylog.)

Übrigens bin ich Broders Meinung, dass man Erdogan durchaus fragen kann, wie’s denn mit der Integration der Armenier, Griechen und Kurden (und deren erzwungener – “Verbrechen gegen die Menschheit!” – Assimilation) in der Türkei ausschaut. Aber Broders Art das zu tun, mit Fes auf dem Kopf (den übrigens seit den 20er Jahren in der Türkei niemand mehr aufhat) und seinen dummen Sprüchen, ist letztklassig. Ich will nicht die Antiislamkeule hervorholen, aber ein klarer Fall von Broderismus ist das allemal.

(via Tom Schaffer, und auch Früdös Kommentar, ebendort.)

Siehe auch: An die eigene Nase fassen statt Präventivparanoia


 

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10 Comments
#41349 Katrin says on February 15, 2008 at 7:39 pm
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Dickes Merci für Deinen Aufschrei! War gestern Nacht bei Polylux ganz irritiert …

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#41350 Sebastian says on February 15, 2008 at 7:40 pm
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Broder hat Recht, dass man Erdogan die Frage nah Integration versus (erzwungener) Assimilation im eigenen Land fragen darf.

Was er gegen Israel sagt, ist oberflächlich auch recht nachvollziehbar, tatsächlich zeugt es aber von einer gewissen Ahnungslosigkeit der arabisch-israelischen Situation auf dem israelischen Staatsgebiet (ohne “Palestina”):

Araber werden nicht zur Assimilation gezwungen, sie werden nicht missioniert (ganz im Gegenteil – es ist sogar ziemlich schwierig, Jude zu werden – meine Tante hat das Vorhaben ob der vielen Hürden bereits aufgegeben), sie werden wirtshaftlich und politisch nicht ausgeschlossen.
Einige der wirtschaftlich wichtigsten Städte Israels sind mehrheitlich arabisch bewohnt, sie nehmen am normalen wirtschaftlihen Prozess Teil wie jeder sonst in Israel.

Dass nicht alles perfekt und rosig ist, ist klar – immerhin befinden sich viele arabische Staaten mit Israel auf Kriegsfuß – eine Herausforderung, der sich kein europäisches Land (auch die Türkei nicht in der Form) stellen muss.

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#41352 Helge says on February 15, 2008 at 7:43 pm
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@Sebastian: Broder hat nicht von Israel gesprochen, sondern von der Türkei. Das mit Israel war nur meine satirische Antwort auf Broder – schau dir das Video an.

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#41397 maschi says on February 15, 2008 at 9:57 pm
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Also Broder provoziert wiedermal und wird voll bestätigt in seiner kalkulierten Strategie, indem man erwartbar empört reagiert. Übrigens, “Hurra, wir kapitulieren” ist ein mir nichtssagendes, fragwürdiges Werk, stimme zu, bedauere die Geldausgabe – aber zumindest habe ich es bereits über laafi gekauft.

Ich vermute hinter Broders Vorgangsweise etwas in der Art, dass es derzeit noch eine Chance gibt, für die Probleme Israels weltweit mehr (auch soziokulturelles) Verständnis zu erreichen. Im Ergebnis wird aber die in Israel tatsächlich brandaktuelle Frage des Umgangs mit dem kulturell so “anderen” und für Israel tatsächlich “schwierigen” Islam dann dem ganzen Planeten übergestülpt… allein: global gesehen müssen wir zwar leider den einen oder anderen Wahnsinnigen ganz genau im Auge behalten, aber es ist nicht wirklich unser vorrangiges Problem. Auch diese Überbetonung wird wieder vorbeigehen, allerdings auch nachdem der nächste amerikanische Präsident die Richtung gewechselt haben wird, wird die Welle des Antiislamismus in Europa noch eine Weile nachhallen. Das Nachhinken ist vorhersehbar…

Im Grunde sind das wohl auch indirekte und gebrochene Wellen des amerikanischen Wahlkampfs, die da rüberschwappen. Und dort wird aber heuer auch für uns Geschichte gemacht, dort sollten wir finde ich hinsehen, weniger auf Broders Julius Meinl-Kappe.

Das andere Buch – ich werde noch brauchen, viel Arbeit, sitze derzeit regelmässig bis in die Nacht… – aber mich stören die vielen emotionalen Untertöne bereits, die ich schon auf den ersten Seiten zu spüren glaube… ehrlich gesagt.

Und: Ich halte das “Mem” übrigens für ein Gerücht – blätter mal die 1330 Seiten ein bissl durch.

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#41401 Helge says on February 15, 2008 at 10:30 pm
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@Maschi: Der Grund, warum ich das bloggenswert fand und finde war, dass es schön zeigt, wie sehr Broder und seine Mitstreiter mit zweierlei Maßstäben messen – gar nicht auszudenken, wie die geschäumt hätten, wäre das mit meinem islamischen Intellektuellen wirklich passiert.

Wenn ich wählen müsste, ob eine Gesellschaft sich verbittet, dass ein Broder anti-türkische Stereotypen strapaziert, oder erlaubt, dass ein islamischer Intellektueller anti-jüdische Stereotypen bedient (beide Fälle sind derzeit undenkbar), würde ich mich für zweiteres entscheiden. Auch wenn ich es inhaltlich unerträglich fände. Aber soviel Meinungsfreiheit sollte eigentlich sein. Wir würden dann halt wieder dagegen anschreiben.

Aber du hast Recht, die Julius-Meinl-Kappe ist vergleichsweise ziemlich unwichtig – darum zu den US-Wahlen: Die größten Verlierer eines Wahlsiegers Obama (neben der Rüstungsindustrie) wären die Islamomafiosi. Darum fürchte ich, dass sie alles daran setzen werden, vor den Wahlen noch einen größeren Anschlag zu verüben, um Obama zu verhindern.

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#41521 maschi says on February 16, 2008 at 10:18 am
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Vielleicht sind ein wichtiger Teil des Problems also wiederum die Stereotypen und die Schubladisierung. Hier sitzt eben nicht der jüdische oder islamische Intellektuelle, der wenn er eine Äusserung tätigt oder eine Kappe aufsetzt einen mächtigen Hebel der Aufwiegelbarkeit in der Hand hält, weil die jeweilige Gegenseite “entsetzt” auf jedes Sätzelchen reagiert…

Sondern hier sitzt Herr Broder. Ein Mann mit einer Agenda, die für mich menschlich nachvollziehbar ist, einige inhaltlich berechtigte Aspekte hat, in ihrer Emotionalität und Radikalität aber kontraproduktiv wird. Über die Bedeutung, die seine Agenda für uns hat, müssen aber wir selbst entscheiden. Und wir sollten uns nicht so sehr beeindrucken lassen.

Wenn sich das alle bewusst machen, hier sitzt kein “Jude”, kein “Moslem”, sondern ein einzelner Mensch… es würde sich von selbst relativieren… und wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…

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#41522 maschi says on February 16, 2008 at 10:22 am
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Achja, zu Obama noch. Ich möchte mal optimistisch sein. Selbst wenn der von Dir bedauerliche Fall der neuerlichen Emotionalisierung eintritt – ich glaube mittlerweile, der hat genug Kraft, selbst so eine Welle für sich nutzen zu können. Motto: Eure Emotionen sind da und sind wichtig. Aber wir lernen und gehen diesmal anders damit um. Yes, we can.

;)

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#41749 Helge says on February 17, 2008 at 10:59 am
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@Maschi:

Hier sitzt eben nicht der jüdische oder islamische Intellektuelle, der wenn er eine
Äusserung tätigt oder eine Kappe aufsetzt einen mächtigen Hebel der
Aufwiegelbarkeit in der Hand hält, weil die jeweilige Gegenseite “entsetzt” auf
jedes Sätzelchen reagiert… Sondern hier sitzt Herr Broder.

Ja, da bin ich voll bei dir. Genau diesen Reflex, Kritik, wenn sie aus einer bestimmten Ecke kommt, sofort als antiirgendwas abzustempeln, mag ich auch nicht.

Und genau dafür ist Herr Broder selbst aber auch bekannt. Ich wollte mit meiner kleinen Satire zeigen, dass man Herrn Broder genauso an den Ohren nehmen könnte, wie er das gerne macht. Die Schwierigkeit ist das “könnte” – ich wollte ihn eben nicht pauschal als Islamophoben abstempeln und schubladisieren. Weiß nicht, ob das so rauskommt, ist halt eine Gradwanderung.

Zu Obama: Dein Wort im Gehörgang des Allmächtigen Spaghettimonsters!

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#42547 stahlpenner says on February 20, 2008 at 2:09 pm
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Hallo Katrin….Ja, ich war auch irritiert. Schien nicht zu Polylux zu passen. Aber wie in Helges und Maschis Dialog auch geschrieben, die Polarisierung ist die eine Seite der Medaille. Was dann aber nicht heißt, daß man die andere Seite nicht auch sieht. Klar war der Beitrag von Helge ein tolles ‘Paroli’ (-hustenbonbon ;-) …). Broders Beitrag war aber auch klasse. Broderismus ( s.o. http://www.zurpolitik.com/?p=517 ) soll also rechtsliberal sein ? Hm, Herausgeber des jüdischen Kalenders im Nazilager ? Nur weil der ‘Beutedeutsche’ ( seine eigene Bezeichnung ) besonders das deutsche Denken provozierend anprangert ( vgl.auch die Eva Hermann Diskussion ) ? Nun ja, ich bin ja nur Gast in diesem Land ( A ), daß mit Hitler ja üüüberhaupt nichts zu tun hat…..Mit dem Braun(en) (G)au Mann….. Ich finde es nur traurig, daß keiner Tacheles ( Hihi: http://de.wikipedia.org/wiki/Tacheles ) redet. Rabin oder Bubis waren für mich tolle Vertreter, Friedmann ist zwar auch provokant, aber menschlich nun gar nicht mein Ding ( justiziable Wörter hebe ich mir hier besser für den Stammtisch ( Hä ? ) auf ). Und so ergeht es mir auch mit Türken. Ein Nachbar der gastfreundliche, deutschlernende, sich an die “Clubregeln” haltende( Jacques Chirac’s Anmahnung zu Polen in der EU ) – sein Verwandter der lärmende, Großmannssucht pflegende und unfreundliche Kotzbroken. Like always.. “Et jift solsche un’ solsche”…. Aber die einen ‘solche’, sollte man auch mit Namen nennen dürfen.

Schon mal bemerkt, daß der rechtsradikale Hintergrund in Ludwigshafen sofort geäußert wurde, Manipulation der Stromkästen zwecks Stromdiebstahl nur nebenbei erwägt wurde ? Komisch, daß die in ‘zwei Tagen’ erwartete Klarheit bis heute nicht publiziert wurde. Auch zu dem Thema fand ich die Äußerungen von Broder und der türkischen Rechtsanwältin bei ‘Anne Will’ sehr bemerkenswert.

P.S. Zur typisch deutschen Themenwichtigkeit: Kennt einer einen Juden von euch ? Interessiert euch überhaupt die Religion des Gegenüber ? Ist es auch wichtig, ob einer katholisch oder evangelisch ist ?

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#61324 Florian Klenk über Omar Al Rawi · Helge's Blog says on June 3, 2008 at 3:50 pm
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[…] an die Diskussionen, die die Beiträge ‘Broder redet Tacheles‘ und ‘An die eigene Nase fassen statt Präventivparanoia‘ hier im Blog ausgelöst […]

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