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Peter war vor über einem Jahr so von Henryk Broders “Hurra wir kapitulieren” begeistert, dass er 10 Exemplare an Blogleser verschenkt hat. Ich war einer davon.

Ich wollte die andere Seite verstehen. Was soll ich sagen. Ein durchaus interessantes Buch.. ich hab’s gehasst. Mir Notizen gemacht, um eine Antwort zu schreiben, die Broders Polemik in Witz und Bandbreite gerecht wird. Woran ich natürlich gescheitert bin.

Mein Held und Retter ist Hagen Rether, der mir in seinem Jahresrückblick 2007 in der ARD die Antwort abnimmt:

(Video auf Youtube, via Tom Schaffer)

Ein paar Zitate:

Der Henryk M. Broder, der hat sogar schon kapituliert. Ja vor wem denn? Vor seiner türkischen Putzfrau? Vor seinem indischen Hausarzt?

Wir haben den Moslem so fest im Würgegriff, dass wir gar nicht merken, wie der Schäuble uns hinten das Grundgesetz aus der Tasche fingert.

Ehrenmord? Ehrenmord gibt’s bei uns ewig schon, immer haben wir Ehrenmorde, das heißt bei uns bloß anders: Familiendrama heißt das. Und das gibt’s bei uns an Weihnachten. Doppelt.

Wie gings eigentlich den anderen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 bloggenden und den hier mitlesenden Buchempfängern bei der Lektüre?

Ah ja, Peter, wie gings dir mit dem Gegengeschenk, Tariq Alis “Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung“?


 

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30 Comments
#32100 Bodenseepeter says on January 17, 2008 at 6:04 pm
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Reaktionärer Diskurs? Neuer Sündenbock? Angstmache? Präventivparanoia? Lässt sich leicht witzig kommentieren, aber Recht geben kann ich ihm nicht.

Die Giftmischer von Bush haben unsere Hirne und Herzen taub gemacht? Was wäre den das Gegenteil davon? Habdichliebpolitik gegen Terroristen? Genau davon haben wir genug, und das bringt Broder gut auf den Punkt.

Abschuss eines entführten Flugzeuges mit Bomben auf Magdeburg zu vergleichen ist üble Rhetorik, kratzt nichtmal an der Oberfläche des Problems.

Spalten statt versöhnen, wirft er vor. Was ist die Alternative? Kuschelpolitik mit Terroristen, die auf Versöhnung warten? Tun sie aber nunmal nicht. Da helfen keine Lichterketten.

Wir brauchen noch mehr Dialog, sagt er. Mit wem? Mit Terroristen? Die lachen sich ins Fäustchen und basteln derweil weiter an noch gefährlicheren Bomben.

Die Scharfmacher und Spalter machen dauernd Krieg, sagt er. Sie würden schreien statt reden. Hmmm. Rede doch mal mir Terroristen. Und vergiss die Kerze nicht in deiner Hand, und zähle die Sekunden, bis du tot bist. Weltfremde Kuschelpädagogik.

Er sagt selbst, dass sein Multikultikuschelkurs abgekanzelt und abgewatscht wird. Aber er tut so, als wären es die Wehrhaften. Tatsächlich sind’s die Täter, die keinen Diskurs eingehen. Schonmal mit Taliban über Gleichberechtigung diskutiert? Haha, witzige Vorstellung. Am besten bei Müesli und Kamilletee.

Da ist mir Broder doch viel lieber.

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#32104 Helge says on January 17, 2008 at 6:29 pm
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Welche Bedrohung? Welche Terroristen? Ich sehe keine.

Jeden Tag sterben weltweit tausende Menschen im Autoverkehr, bei Arbeitsunfällen, was auch immer – na da kommt halt noch ein Dutzend von Fanatikern Ermordeter dazu, so what?

Wozu die Aufregung? “Kerze in deiner Hand und du bist tot..” – das ist doch alles dumpfe Untergangsrhetorik, geschürt vom Militärisch-Industriellen Komplex (© Eisenhower). Damit lassen sich halt wunderbar Wahlen gewinnen. Und Rüstungsaufträge. Und Gründe für Überwachungsmaßnahmen. Dann doch lieber kuscheln.

Die Bedrohung durch Terroristen.. die bezieht ihre Legitimation doch zum guten Teil aus der Adelung durch höchste Stellen (Bushs War on Terror), wovon beide Seiten wunderbar profitieren. Die brauchen sich doch. Ohne Bin Laden hätte Bush die letzte Wahl verloren. Und ohne den Irakkrieg wäre Osamas Haufen nicht halb so groß. Symbiotisch.

Leute wie Broder liefern dafür den pseudo-intellektuellen Unterbau – zulasten der offenen Gesellschaft.

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#32106 Bodenseepeter says on January 17, 2008 at 6:51 pm
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Würde ich ähnlich sehen, wenn Terroristen nur mit dem Auto rumfahren und ab und zu jemanden damit überfahren würden.

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#32109 Helge says on January 17, 2008 at 7:02 pm
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50 Opfer in London, 200 in Madrid, 20 auf Djerba – jeden Freitag abend sterben mehr Europäer am Heimweg von der Disko. Und werden Diskos deshalb verboten? Oder Autos? Oder Alkohol? Wird zum “Krieg gegen den Diskotod” getrommelt? Hmm.

Die persönliche Freiheit wiegt mehr – mit den kleinen Risiken des Alltags arrangiert man sich halt. Terorismus ist nur ein weiteres solches Risiko, und das gab’s auch schon bei den alten Römern. Let’s move on.

Ah ja, wieviele Terroropfer hat’s in Deutschland und Österreich bisher nochmal gegeben?

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#32129 kellerabteil says on January 17, 2008 at 8:24 pm
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4 roma in oberwart.
der mutmaßliche terrorist, aufgehetzt von polemischer rethorik.
selbst lebte er in einer beschaulich ruhigen gegend, kannte & sah keinen einzigen ‘ausländer’, ‘asylanten’.
würde er heute gezielter muslimische opfer suchen?
würde mich nicht wundern.

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#32172 Helge says on January 17, 2008 at 8:42 pm
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@kellerabteil: würde mich auch nicht wundern. spinner gibt’s immer.

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#32348 che says on January 18, 2008 at 1:37 pm
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ich finde ihr vergesst beide etwas elementares: niemand wird als terrorist geboren. letztendlich müssen es (für uns unvorstellbare) lebensumstände sein, die jemanden den tod dem leben vorziehen lassen. lebensumstände, an denen wir mit unserer politik durchaus nicht unbeteiligt sind.letztendlich geht es ja darum, an der ursache anzusetzen; und natürlich können stigmatisierung und mediale klischee-hetze als katalysator wirken. auch in mir hat es bei der lektüre broders “gebrodelt”! in erster linie wegen seiner unsachlichen und rassistischen argumentation. glaubt man ihm, so werden alle muslime als potentielle terroristen geboren. und leider gibt es zu viele, die sich mit diesen stammtischthesen zufrieden geben, statt weiterzudenken. das ist der treibstoff, der den teufelskreis in gang setzt…

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#32394 maschi says on January 18, 2008 at 3:32 pm
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Ich kann sehr gut mit Hagen Rether, wohl deshalb weil ich spüre, dass er das Richtige will. Ich kann aber auch mit Herrn Broders Sicht was anfangen und glaube eher nicht, dass ich nach Lektüre seines Buches sagen würde “ich hab’s gehasst”. Vielleicht würde ich eher sagen: ich wünschte er könnte sich trotz seines kulturellen Hintergrunds anders äussern, aber ich respektiere, dass er es scheinbar nicht kann und erahne die wahrheiten, die hinter seinen worten stehen… Aber ich hab’s nicht gelesen – werde das jetzt mal auch ohne geschenk nachholen… – schon auf dem weg zu mir.

beide seiten haben für mich absolut legitime punkte in ihren beiträgen. was notwendig wäre, wäre zu einer differenzierenden debatte zu kommen, die sich einerseits klar abgrenzt von jeder art aufwiegelnder rhetorik, andererseits aber sich auch nicht mehr beschränken darf auf “jede religion soll tun, lassen und richtig finden, was sie will”. Das geht eben nicht, sondern es geht nur, solange von allen seiten nicht jene grundlegenden werte der toleranz verletzt werden, die uns ein zusammenleben in frieden für alle überhaupt erst ermöglichen. es gibt religiöse interpretationen, die eine uneingeschränkt tolerante haltung nicht mehr erlauben. da wird mir eh niemand widersprechen – aber was so arsch-schwierig bei dem allen ist: im exakt richtigen moment den exakt richtigen ton und debattenbeitrag zu treffen, mit dem die gegenseite vielleicht wirklich einen schritt “weiter” kommt für sich und uns…

@che: niemand wird als terrorist geboren. letztendlich müssen es (für uns unvorstellbare) lebensumstände sein, die jemanden den tod dem leben vorziehen lassen.

nicht unbedingt, wir müssen ebenso ernsthaft die reale möglichkeit in betracht ziehen, dass jemand weitgehend unabhängig von lebensumständen aus purer glaubensüberzeugung zum terroristen wird, einfach weil er zB glaubt, dass er mit dieser art von tod das richtige tut und darüberhinaus dafür belohnt werden wird. oder weil er an eine ganz andere nicht-religiöse agenda so stark glaubt, dass er den eigenen tod für diese “idealistische sache” in kauf nimmt.

diese beschäftigung mit dem “state of mind”, der notwendig ist, um radikal zu werden, die halte ich für tendentiell vielversprechender. das vom aktuellen brand eins empfohlene Extromosan wird die Welt zwar nicht von heute auf morgen heilen, aber die idee für diesen titel geht in die richtung die ich meine: zu erkennen, dass unser hirn so gebaut ist, dass wir – der richtigen programmierung ausgesetzt – jederzeit “extrem” werden können.

und wenn ganze kulturkreise diesem phänomen förderlich sein sollten, dann muss man schon vermehrt stellung beziehen, dass es andere, bessere wege gibt. auch dann, wenn wir selbst im “westen” diese wege oder wichtige beiträge dazu haben sollten und das irgendwie manchen ultrapeinlich ist.

wir dürfen uns jedenfalls hinsichtlich beweggründen für terrorismus nicht nur auf intuition verlassen, denn die kann gerade kulturübergreifend komplett daneben liegen. für eine – auch nicht allein seligmachende – aber wissenschaftlich fundierte annäherung empfehle ich abschliessend What makes a terrorist

puuh. viel zu lang. sorry!!

Ach, eins noch zu Helge, #32104: gebe dir recht, die priorisierung ist viel zu weit oben auf der agenda, aber eine sache ist da doch, die ich glaube, ernstnehmen zu müssen: die gefahr, dass extremismus + abc-waffen verstärkt zusammenkommen.

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#32395 Helge says on January 18, 2008 at 4:39 pm
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@maschi: Ich bin Atheist – Antitheist wenn du so willst – und würde es begrüßen, wenn Religionsausübung in den privaten Bereich zurückgedrängt würde und vor allem kein staatliches Geld mehr in die Indoktrination von Kindern fließt. Unter diesem Hintergrund ist auch dem Islam in Europa mit seinen Wahrheitsbekundungen und Missionsschulen scharf entgegenzutreten.

Die Betonung liegt auf “auch”. Ebenso – und angesichts des Status als Mehrheitsreligion ganz besonders – ist aus meiner Sicht dem Christentum entgegenzutreten. Insofern kann ich Rethers Vorschlag an Wallraff, doch mal Das Leben des Brian im Kölner Dom aufzuführen, durchaus was abgewinnen. Broder hingegen schürt Resentiments – er adelt Stammtischgeruch intellektuell. Ich bin auf dein Resumé gespannt, nachdem du das Buch gelesen hast.

Dein Hinweis auf Extremismus + ABC-Waffen (Bodenseepeter hat im Chat ebenso auf Pakistan hingewiesen), ist ein wichtiger. Pakistan hat die Atombombe Mitte der 70er mit Duldung der USA unter Ford (R) entwickelt. Eben erst – da die US-Geheimdienste George Bushs Kriegsplänen gegen den Iran mit der Aussage, das iranische Atomprogramm sei weitgehend harmlos, einen Strich durch die Rechnung machten – hat George Bush umfangreiche Militärhilfe für das Königreich Saudi Arabien in Aussicht gestellt, um den Iran zu bekämpfen. (Das hatten wir schon mal.)

Saudi Arabien ist das rückständigste Land der islamischen Welt, dessen Staatsreligion Wahabismus dem Land mittelalterliche Regeln aufzwingt. Frauen dürfen so zum Beispiel keine Autos fahren und keinen Kontakt zu nicht-verwandten Männern haben, und sie stehen unter männlicher Vormundschaft.

Henryk Broder ist glühender Verfechter der Politik des Saudi-Aufrüsters George Bushs, und wirft uns “Appeasement” gegenüber dem Islam vor. Kannst du mir sagen, wie das zusammenpasst?

Du solltest unbedingt Tariq Alis Buch lesen. Ich kenne zu diesem Thema kein spannenderes und geschichtlich aufschlussreicheres Buch.

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#32396 maschi says on January 18, 2008 at 5:35 pm
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OK, dann eben zwei Bücher… schon passiert :) “Bestellungen zusammenfügen” ist ein Feature, das ich immer schon bewundert habe… eine ausgewogene Bestellung nun.

Inhaltlich stimme ich zu und vor allem Deinem vorletzten Absatz: Es geht objektiv nicht zusammen. Sie versuchen es wieder über die “machtpolitische” Schiene, die uns eine Menge der Probleme erst eingebrockt hat – ich weiss.

Ich möchte Broder nicht “verteidigen”. Aber ich spreche aus, dass ich ihn vermutlich auch nach dem Buch als wichtige Stimme respektieren werde – zumal ich weiss, dass er emotional und kulturell mit einem Land verwoben ist, das sich vor seiner physischen Auslöschung (über Nacht sozusagen) fürchtet. Und diese massive Angst, der diese Leute dort am östlichen Mittelmeerrand ausgesetzt sind treibt Blüten – aber sie ist eben auch nicht nur irrational, sondern begründbar. Umso schlimmer – umso schwieriger findet man zu den nüchternen Tatsachen zurück.

(Bitte jetzt nicht mit der Angst der Gegenseite kommen – ich rede eben momentan nur von Broders Hintergrund, aber das machst Du eh nicht)

Genau das trägt entschieden dazu bei, dass man nicht mehr ganz klar denken kann und dann einem Broderismus verfällt – oder ihn sogar begründet sozusagen.

Der Verweis auf die historische und aktuelle US-Machtpolitik ist wichtig und mir wie gesagt nachvollziehbar – allein: er hilft mir ja nicht dabei, mich mit den heutigen Gefahren auseinanderzusetzen und zu sagen: Auf die allgegenwärtige Panikmache sollten wir natürlich verzichten, sie ist mehr als kontraproduktiv. Aber gerade wenn man versucht klar zu denken, bleibt die Tatsache, dass ABC-Waffen real existieren. Und diese Tatsache muss uns wiederum klar machen, dass wir den Extremismus in all seinen Spielarten leider trotz seiner zahlenmässigen Irrelevanz nicht zur Gänze ignorieren können oder von der Tagesordnung nehmen können.

Wir müssen uns daher so positionieren, dass man uns Appeasement nicht vorwerfen kann, weil wir die berechtigten Ängste aller Seiten klar sehen und die realen Gefahren klar einzuschätzen wissen und das auch realitätsbezogen aussprechen – so wie Du das in Deinem Statement tust. Hier sehe ich schon Defizite in europäischer Politik, die dann dazu führen, dass man uns in Europa Appeasement nicht mehr ganz zu Unrecht vorwirft. Hier müssen wir besser werden – ich weiss aber auch noch nicht, wie man dem Broderismus etwas Besseres entgegensetzt – er wurde gewissermassen erst heute erfunden! :)

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#32402 Helge says on January 18, 2008 at 6:11 pm
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@Maschi: Vielleicht braucht es tatsächlich so wen wie Broder als Katalysator, um einer vernünftigen Religionskritik, wie du sie zurecht einforderst, näher zu kommen.

Was dieses Mittelmeerland und dessen Angst betrifft: Israel ist das einzige Land im nahen Osten, das seine Regierung demokratisch wählt (wenn auch nicht alle Bewohner des von ihm verwalteten Gebiets stimmberechtigt sind, aber das ist hierzulande ja ähnlich). Es ist, so traurig das ist, ein einsamer Hort der Vernunft im Meer des Despotismus. Und seine Wirtschaft, seine strategischen Allianzen und seine Bildungsstandards sind denjenigen seiner Gegner haushoch überlegen.

Deswegen muss sich Israel meines Erachtens gefallen lassen, mit anderen Maßstäben gemessen zu werden als die arabischen Nachbarn. Israel trägt damit die Hauptverantwortung für diesen Konflikt – und für die ausständige Aussöhnung.

Einer aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft wie der israelischen kann man vorwerfen, wenn sie aus ihrer eigenen Geschichte nichts lernt und die Mitbewohner der Region für die Politik der Vorväter nicht mit entsprechender Beteiligung an Land, Politik und Wohlstand entschädigt – anstatt sich auf den Hass und die Anschläge der Gegenseite rauszureden.

Soviel zu den mit Israel verbundenen Hintergründen des Broderismus.

Videotipp:

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#32415 maschi says on January 18, 2008 at 7:00 pm
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Auch wenn ich Deinen Beitrag lesend gerade eine zweifelnde Kopfbewegung gemacht habe, wenn Du Israel für meinen Geschmack etwas zu locker die Hauptverantwortung umhängst, möchte ich jetzt mal nur sagen: Ich werde mal zwei Bücher lesen – und: ich werde auch viel mehr Helge lesen in Zukunft, das wird mir immer klarer.

Spitzenvideotipp, und an einer Stelle auch wieder meine Kopfbewegung: “A nuclear war would be a desaster for the middle east, it would turn the whole region into a desert”. Das Problem: dies ist das rationale Argument dafür, keinen Nuklearkrieg zu beginnen. Sofern aber massiv radikalisierte “Glaubenstäter” in den Besitz solcher Waffen kommen, hat das Argument keinerlei Gewicht. Die eigene Mitauslöschung spielt bekanntlich keine Rolle. Der Jerusalem-Conclusio kann man nur zustimmen – grossartiger Mann, wer ist das? Problem wiederum: Ich bin nicht überzeugt, dass der Terror mit so einer Lösung ein Ende hätte – und was dann…

Jaja, das Lesen und was ich nicht alles auf der Agenda hätte… mit der Grösseren von meinen beiden Töchtern (5 Jahre) beschäftige ich mich gerade mit Woher die kleinen Kinder kommen… echt gut muss ich sagen – ein Klappbuch der modernen Art, da macht sogar dem Papa das Aufklappen Spass. Und ich selbst habe gerade God Delusion nachgeholt. Und das passt ja jetzt auch ein bisschen in den Kontext: Ich habe es nicht gehasst – sondern das Gegenteil davon ;)

Dawkins kann man übrigens mit manchen Stellen sicherlich auch “pure” Provokation vorwerfen – ein gewisses Mass muss man wohl anwenden, hätte er es nicht getan, hätte auch ich ihn wahrscheinlich nicht gelesen. Das kann man sich schon eingestehen, oder?

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#32421 Helge says on January 18, 2008 at 7:33 pm
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Ich weiß, meine Israel-Position ist nicht jedermanns Sache. Es ist auch nicht immer leicht damit – je nachdem mit wem man diskutiert, wird man manchmal entweder ins Antisemiten- oder ins Imperialisteneck gestellt. Der Unterschied zwischen “jemand die Verantwortung geben” und “jemand die Schuld geben” ist ja auch nur bei genauem Hinsehen erkennbar. Ein Vergnügen jedenfalls, mit jemandem wie mit dir zu reden, der nicht auf Schubladisierungen steht!

Der Mann im Video ist Pat Condell, sehenswert sind auch seine anderen Videos, auch wenn ich ihm nicht immer in allem zustimme.

Dawkins kenne und schätze ich natürlich, hab’ aber das Buch noch nicht gelesen. Absolut lesenswert ist auch “Einiges über den lieben Gott” des Steyrers Walter Wippersberg.

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#32675 kellerabteil says on January 19, 2008 at 2:42 am
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volker pispers dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=NXbcZevioSY

(das ist teil 5, mensch kann freilich auch mit teil 1 anfangen)

übrigens, wer schreibt den artikel über dieses “phänomen”, dass youtubes von rether, pispers & co quer durch alle “communities” zum allgemeingut werden?

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#33088 maschi says on January 19, 2008 at 9:23 pm
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Das Vergnügen beruht auf Gegenseitigkeit, denn auf Schubladisierungen steh ich tatsächlich überhaupt nicht. Es läuft für mich immer wieder auf die Frage raus: steht das Recht-Haben-Wollen oder das Dazu-Lernen-Wollen im Vordergrund eines Diskurses. Ersteres ist die stetige (und auch notwendige) Versuchung des Stehenbleibens, zweiteres die stetige (und noch notwendigere) Herausforderung, ab und zu einen Schritt weiterzugehen.

Lg + Gratulation zu Deinem Engagement und auch dem Interview!

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#33380 Helge says on January 20, 2008 at 5:45 pm
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@kellerabteil: Sensationeller Beitrag von Pispers, danke für den Link! Ein paar seiner Argumente muss ich mir unbedingt merken.

@maschi: Danke für die Blumen! Umgekehrt finde ich auch gut, dass du dich endlich zum Bloggen durchgerungen hast. :-)

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#35547 Bodenseepeter says on January 26, 2008 at 4:49 pm
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Helge, du kommst also auf insgesamt 270 Opfer durch islamistischen Terror. Hmm, forgot a big date, dude! Aber nicht nur den, sondern auch Kleinvieh macht Mist. Nachzulesen hier in der Tabelle ganz unten (den Rest der Seite will ich mal nicht empfehlen…)

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#36990 Helge says on January 30, 2008 at 6:12 pm
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@Peter: Religionofpeace.com ist ein ganz übles Propagandamedium, deren Zahlen würde ich ungefähr für so glaubwürdig schätzen wie die Zahlen des Völkischen Beobachters über “jüdische” Gewaltverbrechen in den 30er Jahren.

Ich wollte aufzeigen, welche Rolle islamistische Gewalttaten in Europa einnehmen, vor allem im Vergleich mit den anderen Risikien des Alltags. Darum nur europäische Zahlen (das in Djerba war ja auch hauptsächlich gegen Europäer gerichtet).

Und die Größenordnung stimmt. Volker Pispers hat in einem seiner Programme mal gemeint, selbst Paulaner wäre wirksamer als Al Kaida, und die wirklich gefährlichen Schläfer fänden sich unter den LKW-Fahrern. Derbe Polemik, ich weiß. Die braucht es aber, um die Apologeten der Church of Fear aufs Korn zu nehmen. Wovor fürchten wir uns? Und warum? Und: Wer profitiert davon? Warum lassen wir uns von den Fearmongers und Hatemongers manipulieren?

Zu dieser Propagandaseite: Die Grenze zwischen zulässiger und notwendiger Religionskritik (ich bin bekanntlich Atheist) und Verhetzung ist eine sehr schmale. Ein wesentlicher Faktor ist, welche Religion man kritisiert (die eigene?), ein anderer, aus welchen Motiven. Robert Misik hat das wunderbar beschrieben, sehr lesenswert: Kamelhändler & Balkensepp. (via Maschi.) Wobei ich mich kulturell (trotz Atheismus) als Christ sehe, in diesem Sinne: An die eigene Nase fassen.

Womit wir wieder beim Titel dieses Weblogbeitrags wären.

Und jetzt noch mal der hervorragende Pispers (Danke für den Tipp, Kellerabteil!):

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#37003 maschi says on January 30, 2008 at 7:41 pm
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Offen bleibt freilich schon ein bisschen, wie wir zu dieser auch von Tom in seiner Auseinandersetzung mit dem Broderismus eingeforderten “vernünftigen und dialogorientierten Islamkritik” kommen. Es besteht nämlich (bei grundsätzlich voller Zustimmung zu Misik) die Gefahr, dass man nach Sinowatz’scher Analyse (“Es ist alles sehr kompliziert…”) dann wieder sehr rasch stehenbleibt und das Feld den Leuten überlässt, die vermutlich nichtmal verstehen, was Misik hier überhaupt meint. Wir müssen aber in Zukunft viel deutlicher sagen, was “uns” (in Europa) nicht passt.

Konkret und angstfrei: Ich will zB keine Individuen eingebürgert haben, die mit wesentlichen Grund- und Menschenrechten oder etwa dem demokratischen Grundprinzip der Verfassung massive Probleme haben sollten. Überzeugungen kann man mit psychologischen Methoden heute ganz gut nachspüren – der Moment der Einbürgerung wäre für mich ein Moment, in dem eine Gesellschaft das Recht hätte, unangenehme Fragen zu stellen. Danach natürlich nie wieder. Heikel, aber ua. auch deshalb zu diskutieren, weil sich schon bei Haider in den 90er Jahren gezeigt hat, dass der “Populismus” immer stärker wird, wenn die berechtigten Anliegen nicht ausreichend aufgegriffen werden (bei ihm war das v.a. die Kritik an Proporz und staatlicher Mißwirtschaft).

Auf dieser und ähnlicher Ebene wäre diese Diskussion für mich verstärkt zu führen – und ja, auch wenn man dabei alle mit den gleichen Maßstäben misst, es ist leider absehbar, dass manche Anhänger des Islam mit diesen für alle gleichen Maßstäben verstärkt Probleme haben werden.

Allgemeine Religionskritik wäre natürlich ebenfalls sehr wichtig, aber nur sehr langfristig erfolgversprechend – wer gestern Kreuz und Quer gesehen hat, dem können die pickeligen Mormonenjünglinge, die nach Europa geschickt werden, um dort mit ihrem Mormonenbüchlein in der Hand an der Haustür zu missionieren, nur leid tun. Und dann verbleibt wiederum die politische Frage: Welches Mass an Kindesmißhandlung lassen wir unter dem Deckmantel der Religion in Gesellschaften noch zu, die sich als “aufgeklärt” verstehen? Das europäische Christentum kann in diesem Kontext schon einen wesentlichen “Vorteil” gegenüber anderen Religionen verbuchen: Es wurde bereits massiv zurückgedrängt. Viele andere warten noch darauf – unter ihnen immer neue Generationen an Kindern.

Möglicherweise wartet irgendwann im 21. Jh. sogar eine Debatte über das Menschenrecht “Religionsfreiheit” auf uns – es ist im historischen Kontext der Bedrohung von Minderheiten durch den Monarchen entstanden – und bedarf vielleicht noch der einen oder anderen Modifikation…

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#37009 Helge says on January 30, 2008 at 8:07 pm
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@Maschi: Du sprichst zwei Dinge an:

Zur Islamkritik denke ich, dass es wichtig ist, den aufgeklärten Intellektuellen in islamischen Ländern den Rücken zu stärken. Das sagt übrigens auch Broder. Das Hauptproblem dabei ist, dass der Westen durch seine Unterstützung von Despoten in islamischen Ländern (aus wirtschaftlichen Motiven) den konservativen Kräften in die Hände spielt – nur ein paar Beispiele: die Ibn Sauds, die Husseins – egal ob die jordanischen oder irakischen, die Mubaraks und Musharafs, die kuweitischen as-Sabahs oder weiland der Schah von Persien sind oder waren alle vom Westen protegiert.

Man lege mir das bitte nicht als Entschuldigung für islamistische Anschläge aus – wie ich schon oben auf eine Unterscheidung zwischen Schuld und Verantwortung Wert gelegt habe, so unterscheide ich hier die Erklärung von der Rechtfertigung. (Diese Anschläge sind durch nichts zu rechtfertigen.)

In welchem Land der islamischen Welt herrschen die geringsten Resentiments gegenüber dem Westen vor? Überraschenderweise im Iran. Denn deren Despoten sind nicht wegen, sondern trotz den USA im Amt. Selbst der Atomkonflikt wird von der iranischen Bevölkerung Umfragen zufolge nicht als kultureller, sondern als wirtschaftlicher Konflikt gesehen.

Das heißt: Um vernünftiger Religionskritik und letzlich Aufklärung näherzukommen, müsste der Westen zuallererst seine Außen- und Militärpolitik ändern.

Also wieder: An die eigene Nase fassen.

Zum deinem zweiten Punkt, der Einwanderungspolitik: 100% d’accord. Der durchschnittliche türkische Einwanderer in Wien ist um einiges konservativer als der typische Einwohner von Istanbul. Wir haben uns halt hier die Landeier ins Land geholt, nicht die urbane Mittelschicht oder gar die Elite.

Die sind jetzt da und zu integrieren – ich lebe übrigens im türkisch dominierten Brunnenviertel und fühle mich hier sehr wohl. Aber in Zukunft muss die Einwanderungspolitik selektiver werden, vor allem was die Bildung der Einwanderer betrifft. (Auch wenn die Grünen das vielleicht anders sehen.) Das sind wir der offenen Gesellschaft schuldig.

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#37187 maschi says on January 31, 2008 at 8:19 am
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Das heißt: Um vernünftiger Religionskritik und letzlich Aufklärung näherzukommen,
müsste der Westen zuallererst seine Außen- und Militärpolitik ändern.

OK. Religionskritik abgesagt? ;)

Zur Einwanderungspolitik: da sprichst Du nun einen bissl einen anderen Punkt an als ich. Die Landeier-Analyse ist zwar en gros sicher richtig (ich lebe im anderen türkisch dominierten Hieb – dem 20. – und fühle mich ebenfalls sehr wohl), aber mein Punkt war mehr, dass ich, wenn ich jemandem politische Rechte verleihe (insb. das Wahlrecht), und das ist im wesentlichen der verbleibende reale Kern einer Staatsbürgerschaft, dann möchte ich vorher ein paar Dinge wissen, ob nämlich die politische Grundhaltung mit unserer Verfassung kompatibel ist. Das betrifft die gebildeten Schichten genauso, ja vermutlich sogar noch mehr als die sog. “Bildungsfernen”.

Und das “Witzige” ist ja so gesehen: Wir brauchen “expansive” (mehr) und “selektive” (bessere) Einwanderungspolitik gleichzeitig. Und die akzeptierten Asylwerber müssten je nach Bildungsstand gleich mal ab in eine Art mehrjährigem Europa- und Zivilisations Crash Kurs. Dafür zahl ich dann gerne Länge mal Breite.

Aber was träum ich da schon wieder vor mich hin.

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#38398 Helge says on February 4, 2008 at 3:56 pm
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@Maschi: Mehr und selektivere Einwanderung – damit könnte ich gut leben. Plus, wenn du mich fragst, heterogenere Verteilung der Herkunftsländer. Dafür finden sich allerdings kaum Befürworter, abgesehen von jeweils unbedeutenden Flügeln der Großparteien und bei den Grünen, plus vielleicht dem LIF, falls es das noch gibt.

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#41354 Broder redet Tacheles · Helge's Blog says on February 15, 2008 at 7:47 pm
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[…] auch: An die eigene Nase fassen statt Präventivparanoia Tags: No Tags Categories: Sideblog, […]

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#41525 maschi says on February 16, 2008 at 10:48 am
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Nach dem Buch: in Summe schwach, nichtssagend, enttäuschend und kontraproduktiv.

Ich hätte mir mehr Substanz erwartet, kann aber nach wie vor hinter meiner obigen Erwartung “vor dem Buch” stehen:

“ich wünschte er könnte sich trotz seines kulturellen Hintergrunds anders äussern, aber ich respektiere, dass er es scheinbar nicht kann und erahne die wahrheiten, die hinter seinen worten stehen…”

Mein Hauptproblem ist: es geht hier de facto um Israel – um Israel allein. Dieses für die Menschen dort brennende Problem dem ganzen Planeten als wichtigste Agenda überzustulpen – ich habe nach 8 Jahren Bush genug davon. I’m tired of being afraid.

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#41601 Klaus says on February 16, 2008 at 7:27 pm
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schöne diskussion habt ihr da, zu der ich eine kleine geschichte beitragen will: zwei wochen nach den islamistischen anschlägen von madrid mit 200 toten haben christliche fundamentalisten (kann man christisten sagen?) im madrider theater alfil eine sprengstoffbombe gelegt, die kurz vor der explosion entschäft werden konnte. andernfalls wären dort 300 theaterbesucher getötet worden. der grund: der großartige clown leo bassi (www.leobassi.com) führte dort sein stück “la revelación” auf, in dem er die monotheistischen religionen – allen voran das christentum – extrem intelligent und witzig dorthin führt, wo sie hingehören: ad absurdum. der versuchte terroranschlag wurde, nicht nur im kathofaschistischen spanien, von fast allen medien totgeschwiegen. am 17. mai kann man leo bassis stück im wiener orpheum sehen, baldige kartenreservierung wärmstens empfohlen! @helge: ich hab das buch zum stück (auf spanisch), wenn du willst borg ichs dir gerne.

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#41750 Helge says on February 17, 2008 at 11:13 am
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@Klaus: Ja, Buch klingt spannend – bitte borgen!

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#52831 Broderismuskeule im Sack lassen · Helge's Blog says on April 14, 2008 at 6:42 pm
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[…] Ich halte es wie du für problematisch, wenn gerade immer wieder die Retter des christlichen Abendlandes aus CSU, FPÖ, ÖVP oder der Broderecke aus fadenscheinigen Gründen gegen Moscheen, “Haßprediger” oder sonstige Schreckensgespenster wettern. Im Gegenzug finde ich es begrüßenswert, wenn Christen die eigene Reihen an die Werte der Aufklärung erinnern. An die eigene Nase fassen. […]

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#61333 Florian Klenk über Omar Al Rawi · Helge's Blog says on June 3, 2008 at 4:59 pm
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[…] an die Diskussionen, die die Beiträge ‘Broder redet Tacheles‘ und ‘An die eigene Nase fassen statt Präventivparanoia‘ hier im Blog ausgelöst haben – So kann differenzierte Islamkritik […]

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#128237 Volker Schaefer says on January 10, 2009 at 6:48 pm
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Menschen sollen einander als Menschen erkennen!

Liebe Grüsse

Volker Schäfer

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#130815 Ende der Apartheid statt Bomben auf Gaza · Helge's Blog says on January 19, 2009 at 7:54 am
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[…] im Wesentlichen schon vor einem Jahr als Kommentar hier erschienen. Video via S&R. Foto (cc) James Traceur) Categories: Politics, […]

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