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Die Idée fixe des Herrn Maurer

Mit einer 187-seitigen Studie hat Dekan O.Univ.Prof.Dr.Dr.hc. Hermann Maurer und sein Team von der TU Graz seine altbekannten kruden Thesen um die Marktbeherrschung Googles neu publiziert – und erntet damit relativ viel Aufmerksamkeit: Heise, Google Blogoscoped, Blogosphäre, Der Standard.

Einmal mehr macht sich der Doyen der österreichischen Informatik mit Verschwörungstheorien und spekulativen Thesen rund um Google lächerlich – er, der es in diesem Kontext nachweislich selbst nicht schafft, ordentlich zu recherchieren. (Na, immerhin tauchen die Aprilscherze von Google, denen Maurer zuletzt aufgesessen ist, im neuen Paper nicht mehr auf.)

Die Studie befasst sich hauptsächlich mit dem Problem wissenschaftlicher und journalistischer Plagiate. Google wird quasi dafür verantwortlich gemacht, das Auffinden von Werken zu ermöglichen, die dann plagiiert werden können. Böse, böse Suchmaschine. Folgerichtig muss das Google-Monopol jetzt gebrochen werden, zum Beispiel durch die staatliche Finanzierung alternativer Suchmaschinentechnologie. Am besten auf Basis von Hyperwave, nicht, Herr Maurer? Maurer ist Hyperwave-Gründer und -Aufsichtsrat. Hyperwave ist zwar relativ erfolglos, aber dafür, Zitat, “bei weitem das beste Wissensmanagementsystem der Welt”. Na sicher.

Ganz lustig wird es im Kapitel über die unfehlbar-prophetischen Kräfte, die Google in Sachen Aktienkursprognose besitzen soll:

Google can use its almost universal knowledge of what is happening in the world to play the stock market without risk: in certain areas Google KNOWS what will happen, and does not have to rely on educated guesses as other players in stock market have to.

Wer erwartet, dass diese abenteuerliche Behauptung irgendwie wissenschaftlich belegt wird, wird enttäuscht. Außer ein paar allgemeinen (und sicher zutreffenden) Hinweisen zum wirtschaftlichen Potential des Data Minung von Suchabfragen Fehlanzeige.

All das ist besonders traurig, weil dem durchaus aktuellen Thema der Dominanz Googles mit allen Konsequenzen für Datenschutz und Pluralismus durch diese trans-semmering’sche Clownerie ein Bärendienst erwiesen wird. Die beste Absicherung Googles gegen kartellrechtliche Einschränkungen sind immer noch Herrn Maurers Studien – weitere Kritiker lassen sich dann leicht in das Eck seiner kuriosen Thesen stellen.

Und: Traurig ist auch das Zeugnis, das diese Publikation dem Zustand österreichischer Universitäten ausstellt.

8 replies on “Die Idée fixe des Herrn Maurer”

spannender eintrag, danke. hab von der forderung nur kurz nebenbei gelesen, aber nicht weiter drüber nachgedacht, was ein österreichischer informatikhansel zum thema google zu sagen hat :)

ja hab das heut auch den ganze tag über diverse seiten per feed hereinbekommen.. hab mir schon überlegt, selber darüber zu schreiben, aber ich wollte den abstrusen theorien nicht noch ein weiteres forum bieten. ich kenne diesen herrn maurer nicht, aber ich dachte mir schon, dass dies der selbe herr ist, über den du schon einmal berichtet hast.
allerdings ist dein bericht nicht ganz richtig, laut wikipedia hat die firma hyperwave im jahr 2005 insolvenz angemeldet, herr maurer dürfte jetzt stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der “NewHyperG AG” sein.
was die wilden theorien über den sicher nicht weiß-bewesteten suchmaschinenbetreiber angeht, kann ich mir manche dinge nur mit zu real wahrgenommenen parallelen zur science fiction welt erklären…

sehr spannend. nur mit dem letzten satz bin ich nicht ganz so einverstanden…auf der tu wien (zumindest auf den instituten, auf denen ich unterwegs bin), werden seine meinungen absolut nicht geteilt. ganz im gegenteil.

Danke für den Eintrag, Helge.

Ich hab’s vor lauter Pissed-ness über so viel hirnrissigen und unter dem Deckmantel der eh maroden “Wissenschaftlichkeit” verbreiteten Blödsinn nicht geschafft, was Konstruktives dazu zu schreiben; bleibt mir auch weiterhin verwehrt, denn sich mit jedem “Argument” seriös auseinander zu setzen kann sich nur jemand leisten, der wie Herr Maurer nichts leisten muss ;)

Nicht zuletzt ist Maurer bezeichnend für das intellektuelle Niveau “öffentlicher” “Forschung” und “Bildung”. Tappt in eine Fallacy nach der anderen und schämt sich nicht einmal, dafür auch noch Geld zu nehmen…

Beste Grüße,
Andreas

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