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Der Ruck an Veränderung, den Facebooks F8-Applikationsplattform durch die schöne neue Welt der Social Networks gehen ließ, erinnert mich auf den ersten Blick an den den PageRank am Suchmaschinenmarkt, Amazons Recommendation Engine in der Welt des E-Commerce oder AdWords am Werbemarkt verursacht haben. Seit der Ankündigung von F8 im Mai ist Facebook von Platz 18 auf Platz 8 der trafficstärksten Websites der Welt aufgestiegen.

Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob Facebook dem Naturgesetz des Hype-Zyklus entgehen kann, dem Social Networks und Online-Communities zu unterliegen scheinen: Zuerst war Friendster hip, dann MySpace, jetzt Facebook und morgen irgendwas anderes. (Als nächstes werden wir voraussichtlich eine Abwanderung deutscher User von StudiVZ zu Facebook sehen.) Die Welt in Social Networks dreht sich um den Aufbau des Freundesnetzwerkes, das macht am Anfang Spaß und wird irgendwann langweilig – auf zur nächsten Party. Die Öffnung Facebooks durch F8 hat auf einen Schlag die Kreativität von zehntausenden Developern freigesetzt, die jetzt unbezahlt für Facebook Funktionen entwicklen – damit lässt sich der Zenith des Hype-Zyklus hinauszögern. (Natürlich gibt es noch 10 weitere gute Gründe für den Erfolg von Facebook.)

Aber ob das auf Dauer reicht? Um die Ecke schielt jedenfalls Googles OpenSocial-Standard, der nicht nur MySpace, Hi5, Xing, etc. für Applikationsentwickler öffnet, sondern auch umgekehrt Plattformen die Möglichkeit bietet, sich selbst dem enstehenden Ökosystem zu öffnen. (Was wir bei Bikemap früher oder später auch machen werden.) Facebook wird möglicherweise nichts anderes überbleiben, als OpenSocial bald ebenfalls zu unterstützen. Für das tradtionellerweise technisch schwachbrüstige StudiVZ bedeutet OpenSocial die Chance, F8 irgendetwas entgegenzusetzen – würde mich wundern, wenn man bei StudiVZ daran noch nicht arbeitet. Mehr zu OpenSocial bei Marc Andreessen (via Heinz).

Wirklich offen sind beide Standards nicht. Erst wenn User die Möglichkeit erhalten, ihre Daten und vor allem ihre Freunde (ihren “Social Graph”) zu exportieren, kann man Social Networks als offen bezeichnen. (Von wegen Offenheit – bei Facebook kann man ja nicht einmal Mails anderer User außerhalb der Plattform konsumieren..)

Noch sind die meisten Facebook-Applikationen mühsam, unübersichtlich und unklar. Brauch’ ich wirklich zwei dutzend Poke-Klone, mit deren Hilfe ich meine Freunde mit Vampir/Werwolf/Zombie-Infektionen, heißen Kartoffeln, Küssen, Headbutts und Wasauchimmer bewerfen kann? Ganz abgesehen davon, dass es kaum ein Applikationsentwickler schafft, mich vor Installation über den Nutzen und vor allem die Privacy-Auswirkungen der Applikation aufzuklären. Aber das sind vermutlich alles Kinderkrankheiten.

Facebook-Requests

Fazit: Echte Nachhaltigkeit werden nur solche Applikationen beisteuern, die es schaffen, im sozialen Netzwerk Sub-Communities zu etablieren, die um ein Objekt gebaut sind. Denn objekt-zentrierte soziale Dienste wie Flickr (Objekt = Foto), Youtube (Video), Del.icio.us (Bookmark) oder auch Bikemap (Radroute) sind Hype-Zyklen weniger stark ausgesetzt. Auch wenn der User gehen sollte, seine Inhalte bleiben meist zurück – und interessant und nützlich für andere/neue User. Zweitens: An radikaler Offenheit kommen wir auf Dauer alle nicht vorbei.

Übrigens lustig zu sehen, dass sich auch lokale Medientycoons wie Eugen “We reach more users than Google” Russ auf Facebook tummeln:

E. Russ


 

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6 Comments
#16429 Thomas says on November 14, 2007 at 1:58 pm
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Sehr gute Überlegungen.

Jenseits der Gesetze der Hypezyklen find ich allerdings Facebook wirklich einen neuen Meilenstein und zwar in Richtung eines Tools, mit dem der User verschiedenste Dinge machen kann, sinnvoll oder nicht bleibt dahingestellt und ihm überlassen (wenn man ein Objekt dafür benenenn möchte: “ICH”).

Natürlich hat es etwas parasitäres, sich auf die objekt-zentrierten Dienste draufzusetzen und die einzubinden, selbst aber sich sehr abzuschotten (den generierten Inhalt betreffend).
Facebook “kann” vieles von dem, was Flickr, Youtube oder del.icio.us können, manches geht geschmeidiger, manches weniger gut (was aber nicht wichtig ist, weil die alle Dienste in FB integriert werden können).

Ich glaube übrigens nicht, dass die Inhalte, die abgewanderte User bei Flickr et al. hinterlassen, ein wirklicher Pluspunkt sind (abgesehen davon, dass die rechtlichen Aspekte ein Thema wären), das geht doch mehr in Richtung Datenmüll?

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#16597 Helge says on November 15, 2007 at 2:25 am
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@Thomas: Nur weil der User, der das Linzer Nirvana-Video hochgeladen hat, mittlerweile vielleicht inaktiv ist, wird dieses doch nicht zum Datenmüll oder?

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#16689 Thomas says on November 15, 2007 at 10:03 am
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@Helge: da hast du allerdings recht. Mein unreiner Gedanke galt weniger dem Archiv, mehr der Vorderseite mit Quote + Aktualität; Berufsblindheit wohl.

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#22843 veronika says on December 15, 2007 at 6:11 pm
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mal ganz abgesehen davon, dass du ja nicht unrecht hast (hab bereits im vlbger medienhaus gearbeitet) – woher kommt denn diese antipathie? schlecht hin oder her, man muss trotzdem fast bewundernd zugeben, dass her russ verstanden hat, was ein medienimperium ist. der größte internet provider in vorarlberg, die tageszeitung, billig telefonie, sowie kleinere tages- und wochenendzeitungen… wünschte ich hätte sowas ;)

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#22847 Helge says on December 15, 2007 at 6:58 pm
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@veronika: von antipathie keine rede, ich fand es nur interessant, dass russ ein facebook-profil hat. wie kommst du auf antipathie?

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#25042 Max says on December 23, 2007 at 1:25 am
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MateCube ist jetzt österreichs facebook ;) Mehr infos bei matecube.at

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