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Anstatt wie versprochen zu barcampen habe ich letztes Wochenende spontan einen Flug nach Granada gebucht und ein paar alte Freunde besucht: Meinen ehemaligen Mitbewohner Walter (der meinen Besuch gleich zum Anlass genommen hat, zum Blogger zu werden) und Merche samt ihren zwei abknutschenswerten Kids, Schulfreund Daniel, der seit zehn Jahren in Granada lebt und dort medizinisches Gerät erfindet (das manche möglicherweise zum Konsum von Drogen missbrauchen – ich hab bei ihm nix geraucht, ich schwöre! nur gedampft.) und natürlich meinen alten Freund Javier, der in Granada und an der Küste in zwei Schulen Spanisch-Sprachkurse anbietet (kann ich besten Gewissens empfehlen, siehe auch hier).

War wie immer sehr lustig, mit viel Tapas, Sonne und alten Geschichten. Und bevor jemand fragt: Después ist erst später, jetzt ist noch ahora.

Am Sonntag hat mich Javier zum traditionellen Zu-Tode-Quälen von Paarhufern geschleift, das sechs von sechs angetretenen Kandidaten nicht überlebten. Ein beeindruckendes Blutfest. Als Mitteleuropäer kann man sich sowas leicht reinen Gewissens anzuschauen, das fällt ja unter “ethnologische Studien”.

Übrigens ein Marketing-Schulstück par excellence: Die Zunft hat ihre Farbe (rot), ihr Audio-Branding (“olé”), typische Kleidung, sogar typische Körperhaltung und Bewegungen. Alles an Ablauf und Ort ist auf ein ganzheitliches und äußerst spannendes Erlebnis abgestimmt. Eine Unzahl eingestreuter kleiner Zeremonien sorgen für Mystik – zb. das Werfen der Mütze: fällt sie verkehrt auf, verheißt das Unglück, oder das rituelle Abtrennen der Ohren des Stiers. Und es gibt Hauptfiguren, die alles haben, was moderne Stars brauchen: Haltung, Heldentum, aber auch Kontakt zum Publikum (zb. werden nach jeder Corrida Hüte, Tücher und Krücken in die Arena geworfen, die der Matador persönlich wieder zurückwirft, Kinder werden ihm gereicht, die er ein Stück auf den Schultern mitnimmt). Die Schwänze der Stiere, die es in den folgenden Tagen in den Bars der Stadt zu essen gibt (“Rabo de Toro”), geben dem Event noch ein kulinarisches Element. Jeder, der selbst ein Produkt gestaltet oder bewirbt, kann vom spanischen Stierkampf lernen.

Update: Der Sofastar weist in den Kommentaren auf einen sehr lesenswerten Text von Antal Festetics zum Thema Stierkampf hin.

Sorry, abgeschweift. Jetzt aber zum Wesentlichen:

Corrida 1
Corrida 2
Corrida 3
Corrida 4
Corrida 5
Corrida 6

Mehr Fotos gibt’s auf Flickr.


 

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6 Comments
#8563 sofastar says on October 5, 2007 at 3:02 pm
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Hm… als nächste ethnographische Studie würde ich eine Steinigung im Irak vorschlagen. Und bitte die Bilder nicht vergessen!

Sorry für die Polemik, aber sich am Quälen und Töten zu erquicken, so der Unterhaltung wegen, das geht bei mir gar nicht; nicht einmal dann, wenn es ein kulinarisches Element enthält…

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#8568 Helge says on October 5, 2007 at 3:55 pm
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@sofastar: Wenn du glaubst, dass dein letztes, über hunderte Kilometer in einen Lastwagen gepferchtes Wienerschnitzel weniger gelitten hat, lass es mich wissen.

Finde Stierkämpfe unnötig, brutal und gestrig – aber sie interessieren mich trotzdem.

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#8660 Lisa says on October 6, 2007 at 10:05 am
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Weder das Schnitzel noch der Stierkampf zeigt eine angemessene Haltung Lebewesen gegenüber. Ich verwende das Wort “Lebewesen” da wir (die Menschen) sehr schmissig mit dem “Leben” im Allgemeinen umgehen. Wie wir mit Tieren umgehen(sprich: Stierkampf, die Massproduktion von Fleisch, Pelz, Tierversuche, … ad nauseam) ist zum Großteil entsetzlich.
Und wie wir mit anderen Menschen umgehen, ist ebenfalls oft nicht sehr mmmm… sagen wir, menschlich.

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#8673 sofastar says on October 6, 2007 at 5:42 pm
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prinzipiell muss ich dir da recht geben, aber ich hab schon seit ewigkeiten kein wienerschnitzel mehr gegessen… heute gab’s rumpsteak, fleisch vom bauern am markt gekauft… hühnchen kauf ich von anbietern aus der region, soweit man den entsprechenden lebensmittelkennzeichnungen glauben kann (dazu siehe leider z.b. hier… kaufe mein futter seit einiger zeit generell so gut es möglich ist nur von regionalen anbietern, das gilt auch für obst und gemüse… esse seit fast einem jahr keinen thunfisch mehr…

man tut halt, was man kann, nach wissen und gewissen und so… und da tu ich mir halt beim stierkampf schon sehr schwer, mit dem wissen und dem gewissen…

und weils grad passt, zum stierkampf hab ich auch schon mal was gepostet: hier…

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#10408 FLOG says on October 17, 2007 at 2:16 pm
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Ganz tolle Bilder, WOW! ich bin sicher kein Verfechter dieses Brauchtums in Spanien (obwohl ich als Ethnologe ja durchaus der Meinung bin, dass die Dominanz durch die westlich US amerikanisch Kultur zu einem langweiligen Einheitsbrei führt). In Madrid war ich live bei einem Stierkampf dabei, aber entweder sass ich zu weit hinten oder ich brauch ein stärkeres Tele… Toll.

p.s. du hast sicher gehört, dass die Übertragungen von Stierkämpfen im spanischen Fernsehen nun abgeschafft bzw. stark eingeschränkt wurden.

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#10608 Tim says on October 20, 2007 at 3:28 pm
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Bin zufällig bei der Recherche hier gelandet.
Die Bilder sind beeindruckend. Mein Gefühl zum Stierkampf ist ambivalent. Ich werde es mit hier in Bilbao einmal ansehen und mir selbst ein Bild machen.

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