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Am Freitag war ich erstmals auf den jährlich stattfindenden Schönbrunner Tourismusgesprächen, die dieses Jahr unter dem Thema “Marketing für Communities – Hype oder Chance?” standen.

Allein die Tatsache, dass sich die Branche auf ihrem jährlichen und sehr prominent besetzten Treffen so gut wie ausschließlich mit dem Internet beschäftigt, ist ein gutes Zeichen. Laut Florian Bauhuber von tourismus-zukunft.de ist Österreich dem Nachbarn im Norden damit meilenweit voraus – auch wenn Warnungen wie diese der Leiterin der Tourismus-Sektion im Wirtschaftsministerium, Elisabeth Udolf-Strobl, von Unkenntnis und Verunsicherung zeugen:

Die Unabhängigkeit der Bewertenden führt dazu, dass die Bewertungen extrem subjektiv sind.

Welch’ Erkenntnis. Auch der neue Geschäftsführer von Wien-Tourismus, Norbert Kettner, dessen Thema “Alter Wein in neuen Schläuchen?” schon wenig Gutes verhieß, bekleckerte sich nicht mit Ruhm:

Web2.0 bedeutet, dass wir Autonomie verlieren. Wir müssen uns die Frage stellen: Wollen wir das?

Was, Herr Kettner, wenn Sie das nicht wollen? Rufen Sie dann beim Wiener Bürgermeister an und bitten ihn, das Internet zu verbieten? Aber vielleicht steht Kettner, der appellierte, einen Schritt hinter diesen “Moden” zu bleiben, nur durch eine Vielzahl schwachbrustiger Web2.0-Einreichungen aus seiner Zeit als Geschäftsführer des Förderprogramms departure mit dem Begriff Web2.0 auf Kriegsfuß – das könnte ich sogar irgendwie verstehen.

Zum Glück waren drei Vortragende eingeladen, die durch ihre kompetenten Vorträge vermutlich auch beim letzten Zweifler den Groschen zum Fallen brachten:

  • Karin Schmollgruber, die – ihre Pappenheimer kennend – die Zuhörer mit leicht verständlichen Beispielen abholte, um sie mit viel Enthusiasmus in die Welt von Facebook-Applikationen, Technorati oder Youtube einzuführen. Hier ihre Slides.
  • Thomas Burg, der – auf Karins Vortrag aufbauend – gewohnt fundiert den theoretischen Unterbau und weitere Beispiele lieferte. Hier seine Slides.
  • In die gleiche Kerbe schlug Klemens Skibicki, Geschäftsführer von Holiday Smilers, nur mündete sein ansonsten überzeugender Vortrag in einer bedenklichen Empfehlung:

    Machen Sie Ihre eigene Web2.0-Community – damit sind Sie näher am Kunden als über unabhängige Bewertungsplattformen.

    Er muss das sagen, seine Firma bietet solche Communities an – und soweit ich anhand der Präsentation beurteilen kann, macht das Produkt beispielsweise für große All-Inclusive-Betriebe durchaus Sinn. Dem Gros der Hoteliers würde ich aber genau das Gegenteil raten: Finger weg vom eigenen Süppchen (außer natürlich, jemand wie ich berät Sie dabei ;-). Fest steht: Herr Skibicki ist ein sehr guter Verkäufer.

Wie schwierig eigene Projekte sein können, zeigte Markus Gratzer von MindTake bei der Präsentation von Coolaustria. Trotz Bewerbung auf der Startseite von Austria.info konnte die Plattform seit April nur 250 registrierte User gewinnen. Siehe auch “Coolaustria – Web2.0 alleine reicht nicht“.

Etwas disqualifiziert hat sich Klemens Waldhör, Leiter von Krems Research, der seinen Bauchgefühlen freien Lauf ließ und meinte, 40 Mrd PIs/Monat für Facebook (aus Karins Präsentation) und ähnliche Angaben seien doch alles Fantasiezahlen und komplett unglaubwürdig. Research, then speak.

Der ebenso ausführlichen wie überflüssigen Behandlung von Second Life entkam ich durch Flucht in ausgedehnte Kaffeepausen.

In Summe war durchaus Aufbruchsstimmung zu spüren, was sich beispielsweise durch die Wortmeldung des im Publikum sitzenden Chefs der Kärnten-Werbung zeigte, der verkündete, “in den letzten Minuten entschieden” zu haben, die Stelle eines Web2.0-Managers zu schaffen. Mein Gesamteindruck – im Lichte einer von Hof- und Kommerzialräten durchzogenen Branche: Erfreulich.

Besonders gefreut hat mich, dass Bikemap.de mit Karin und der Geschäftsführerin der Österreich-Werbung, Petra Stolba, gleich von zwei Vortragenden als Positivbeispiel vorgestellt wurde.

Zur Feier des einjährigen Bestehens von Karins Blog gab’s anschließend noch ein kleines Bloggertreffen bei der Gloriette:

Schönbrunner Tourismusgespräche

Von links nach rechts: Martin Schobert, Ed Wohlfahrt, ich, Karin Schmollgruber, Florian Bauhuber. Foto © Florian.


 

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9 Comments
#7182 Schönbrunner Tourismusgespräche - toursprung.com says on September 16, 2007 at 8:25 pm
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[…] meinem persönlichen Blog habe ich meine Notizen von den Schönbrunner Tourismusgesprächen letzten Freitag in Wien festgehalten. Erfreulich: Gleich zwei Vortragende erwähnten Bikemap als […]

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#7183 Schloß Schönbrunn - Tourismusgespräch 07 | .:|randgaenge|:. says on September 16, 2007 at 8:48 pm
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[…] good summary (in German) of the Schönbrunner Tourismusgespräche Unfortunately the organizer didn’t come up with a tag so the slides and else are not easy to […]

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#7184 Florian says on September 16, 2007 at 9:15 pm
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ich glaube so oft wurde mein Name noch nie in einem Blog-Beitrag verwendet! :)

“Laut Florian Bauhuber von tourismus-zukunft.de ist Österreich dem Nachbarn im Norden damit meilenweit voraus ”
Um dies zu konkretisieren: Diese Aussage habe ich in Bezug auf die Behandlung dieses Themas in Tourismuskonferenzen oder speziellen Programmen/Projekten von deutschen Landestourismusorganisationen getätigt, da ich hier glaube einen Überblick über dieses Spektrum zu haben. Vereinzelt dürften sich durchaus Akteure (Hoteliers, Mitarbeiter von TOs) mit dem Thema beschäftigt haben! Allerdings drängt sich mir kein Beispiel direkt auf, mit dem ich diese These bestätigen könnte!
Definitiv ist es allerdings so, dass die Österreich Werbung als erste LTO im deutschsprachigen Raum aktiv auf das Thema Social Web setzt und somit Zeichen für andere TOs setzt.

Liebe Grüße
Florian

P.S.: Soll ich Dir das Bild in einer besseren Qualität schicken?

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#7194 Walter says on September 17, 2007 at 10:28 am
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Die Diskussion über SecondLife war aber auch lustig. Die, die damit Geld verdienen sagten: “Braucht man unbedingt!”, alle anderen: “Nicht wirklich…” :-)

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#7198 gudrun says on September 17, 2007 at 12:18 pm
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den martin hätte ich fast gar nicht erkannt! warum wird denn hier dieser blog nicht erwähnt?! :)

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#7199 Helge says on September 17, 2007 at 12:23 pm
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@gudrun: hab eh drauf verlinkt, ist dir das zu wenig? ;-)

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#7200 gudrun says on September 17, 2007 at 12:25 pm
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sorry… da war ich wohl zu voreilig…

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#7201 gudrun says on September 17, 2007 at 12:26 pm
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und zu unaufmerksam…tztztz

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#7385 Klemens Skibicki says on September 19, 2007 at 10:22 pm
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Eigentlich müsste ich ja “Danke” für die Bemerkung über den guten Verkäufer sagen :-). Aber nur damit ich nicht missverstanden worden bin: Ich habe später in der Diskussion nochmal betont, dass Hotels das “Sowohl als auch” fahren sollten. Natürlich sollten sie Holidaycheck & Co nutzen, aber mir kommt es so vor als überlassen sie den großen Plattformen einfach ihre eigentlichen Assets, nämlich ihre Kunden – und bemerken es einfach nicht. Vielleicht ist es auch Bequemlichkeit. Aber einfach so Akquisetool für Holidaycheck zu sein kann es ja wohl nicht sein. Und dieser Motivationsaufruf, den ich da gebracht habe, hat nicht so viel mit unseren Lösungen zu tun – die machen in der Tat nur für größere Clubs, aber vor allem Regionen Sinn.
Wart aber auf jeden Fall eine Veranstaltung, die Spass gemacht hat.

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