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Der feuchte Traum von Web2.0

Dieter schickt mir eben zwei Links und schreibt dazu:

ich kann nicht mehr – ich bekomm magengeschwüre wenn österreichische unternehmen verkünden sie sind nun im web2.0 – magst du?

Also gut. Die beiden Links sind austrian-reiseforum.com, wo die österreichische Staatsairline versucht, user-generierte Reisetipps abzugreifen, und inmotion.oebb.at, wo die österreichischen Staatsbahnen davon träumen, dass mirakulös ein brauchbares “Reisewiki” entsteht.

Ich war in Graz..

Mal ganz abgesehen davon, dass beide Plattformen fetzenschlecht umgesetzt sind: Wie kommen Bahn und Airline auf die Idee, dass ein bisschen bunt angefärbelte Software reicht, um ein erfolgreiches soziales Medium auf die Beine zu stellen? Ich kann mir nur vorstellen, dass da entweder jemand einem Vorstand beim Golfen “Heast, ihr MÃœSST was Webzweinulliges machen, das ist DER Trend” ins Ohr geflüstert hat oder man einen Rahmenvertrag mit den umsetzenden Agenturen hatte, der fürs laufende Jahr halt noch irgendein weiteres Projekt vorsah.

Wie schon bei der Österreich-Werbung (deren Plattform seit Launch müde dahindümpelt, obwohl sie im Vergleich noch richtig gut gemacht ist), hat man sich offenbar keine Gedanken gemacht, warum User ihre wertvollen Tipps gerade auf diesen Plattformen parken sollten.

Aus einem alten Social-Software-Lehrstück: Personal value precedes network value. Der persönliche Wert der Nutzung dieser Plattformen ist aber ungefähr so groß wie der Traum von Web2.0 feucht trocken. Dieter, hast was Gutes gegen Magengeschwüre? Mich zwickt’s auch schon.

Update 9.8.: Martin Schobert von der Österreich-Werbung nimmt in den Kommentaren ausführlich Stellung, und Jörg Linder hat sich die Usability des Austrian-Reiseforum genau angesehen.

18 replies on “Der feuchte Traum von Web2.0”

jedesmal wenn ich die staNDARD oebb webseite ansurfen muss kommt mir schon fast das letzte essen hoch … & bei dem fuu miss ich gleich … nachm mistkübel greifen

sehr amüsant die ganze Geschichte, über schlechte Projekte im Nachbarland lache ich gerne (was aber nicht heisst das hier in der CH auch miserable Ideen online gehen…)

aiai, wenn große unternehmen auf den “web2.0 zug” aufspringen wollen, kommt sowas raus… hier scheinen dafür wieder ein paar agenturen “gutes” geld verdient zu haben; aber das bei jetzigem stand diese projekte nicht von erfolg gekrönt sein werden, kann davon ausgegangen werden; dennoch ist es positiv, wenn “staatsunternehmen” offen für neue wege sind; aber auf die umsetzung kommts drauf an …; lg aus dornbirn, Thomas

Ich bin seit ein paar Wochen u.a. für die Internet-Strategie der Österreich Werbung verantwortlich. Wenn ich deinen Beitrag lese, finde ich es besonders bedenklich, dass mit uns Österreich Werbern keiner unserer langjährigen Geschäftspartner (ÖBB und nationale Airline) über deren web 2.0 Projekte gesprochen hat (zumindest weiß in meinem Team niemand etwas davon). Wir sind uns bewusst, dass unser 1. Versuch mit einer social web community umzugehen dzt. noch immer im Betastadium ist (offizieller Launch ist für Herbst geplant). Wir wissen auch, dass wir dzt. sicher noch nicht webzweinullig sind. Und übrigens: das hat uns keiner ins Ohr geflüstert. Manchmal kommt man auf wichtige Dinge selbst d’rauf …

Das Hauptproblem ist wie von dir beschrieben: es gibt inzwischen 1000ende Gelegenheiten seine Privatsphäre offenzulegen und seine schönsten, blödesten, teuersten und einprägsamsten Erlebnisse im www öffentlich kundzutun. Irgendwann kommen dann Organisationen wie wir drauf, dass social web auch für uns interessant sein könnte. Und kopieren meistens. Wir waren von Anfang an kritisch, ob es funktioniert eine Reise-Community für Österreich aufzubauen. Es klappt definitiv NICHT, wenn die big player dazu nicht einmal miteinander reden. Täglich lese ich in diversen Fachgazetten, welcher Touristiker sich nun auch mit neuen web 2.0 Initiativen proflieren will / wird / tut …

Coolaustria ist ein erster Versuch der nationalen Tourismusorganisation eine Österreich-Community zu unterstützen (wir launchen es aus unterschiedlichsten Gründen auch nicht selbst, sondern supporten unseren Partner Mindtake bei der Entwicklung einer eben solchen). Und lernen aus Kommentaren wie diesen. Ich habe unlängst bei einer web 2.0 Veranstaltung vom Microsoft Pressesprecher gehört, dass an der erfolgreichen Entwicklung von Vista v.a. jene Blogger wesentlich waren, die in den 7000 Microsoft-Mitarbeiter-Blogs kommentiert haben oder in eigenen blogs über die beiträge der microsoft-Entwickler geschrieben haben.

Also – danke für diesen Kommentar. Wir werden besser. Das verspreche ich.

@Martin: Die Einstellung, die aus deinem Kommentar spricht, ist m.E. eine gute Voraussetzung für erfolgreiche Social-Media-Projekte. Ich wünsche euch, dass es euch mit Coolaustria gelingt, den Usern einen echten Grund und Mehrwert zu geben, die Plattform zu nützen.

finde die idee, dass ‘ne fluglinie die reisetips bzw. reiseerlebnisse ihrer flugkunden abgreift naheliegend. bewerbung in der bordzeitschrift, bordfernsehen… ansprechen einer selbstdarsteller-ibiza-urlaub-crowd
die user bekommen platz für ihre urlaubbilder und ein kommunikationsmedium mit ihrern freunden und familie, verknüpft mit fluginformationen (wann die lieben wieder nach hause kommen, gepäckinfos,… ) und natürlich verknüpfte werbung für neue flüge.

dass die umsetzung dann so grottenschlecht ausgefallen ist, ist fast schon traurig, aber wer mit der austrian in letzter zeit geflogen ist (bzw. ähnliche ideen und andere vor ewigkeiten mal der austrian vorgeschlagen hat) empfindet da kein mitleid mehr.

Die Touristikbranchen hat durch die Bank weiche Knie vor Kundenkritik. Das kommt daher, dass der wiederkehrende Gast erst vor ein paar Jahren entdeckt wurde.
Bis dahin war die Verabschiedung ein gedachtes “baba und fall net”.
Web2.0 Projekte werden auch sehr schleichend umgesetzt und dann auch gerne mit entsprechenden Sicherheitstürln.
Wer zB. auf dieser Website der Austrian den Content im Minnifenster browsed, ist mir ein Rätsel.

Freut mich :)
Wie die aktuellen Beispiele wieder zeigen ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu machen. Ich habe habe das schon Mitte der 90er gemacht und haue mich gerne wieder engagiert ins Zeug. Denn es tut mir wirklich in der Seele weh wenn ich sehe wie hier großteils vorgegangen wird.
Vielleicht wäre ein Web 2.0 competence board mit 5-10 Vertretern oder ähnliches eine sinnvolle Einrichtung bei der sich Unternehmen vorab und zwischendurch eine Sicht der Dinge einholen können?

Web2 ist gut, virales marketing ist besser, blair witch ein musterprojekt des v.m – wieso keine keine hexe im waldviertel und 4 kunststudenten…..

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