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Die ÖVP hat das Experiment gewagt und sich Blogger auf den Parteitag geladen. Hat es sich für sie ausgezahlt? In der Partei wird man beim Lesen der großteils kritischen Beiträge sicher schlucken und sich fragen, ob das denn sein musste. Auf der Haben-Seite ist immerhin ein Futurezone-Artikel und voraussichtlich der eine oder andere Beitrag in Tageszeitungen Anfang nächster Woche zu verzeichnen.

Aber darüber hinaus?

Blogging wird zum zunehmend wichtigen Werkzeug politischer Kommunikation. Nicht nur in den USA sind Politiker zu finden, die ihre Wahlkämpfe im Wesentlichen rund um Weblogs organisieren (siehe Howard Dean 2004), auch in Östereich gibt es zumindest einen, Christoph Chorherr.

Um Weblogs also effektiv nutzen zu können, ist es in erster Linie wichtig, selbst zu bloggen, denn Weblogs sind Gespräche. Und auch wenn es schön ist, die Richtung des Monologs einmal umzudrehen (juchu, jemand aus dem Parteivorstand wird dieses Posting lesen), fehlt der Rückkanal. Wo sind die Delegierten aus der ÖVP, die auf meine Postings in ihren Weblogs entgegnen? (Update: Josef Prölls Pressesprecher macht in den Kommentaren zu diesem Posting schon mal den Anfang.)

Und um ein häufiges Missverständnis auszuräumen: Bloggen heißt nicht, auf einer Parteiwebsite à la zukunft.at ein Tagebuch zu führen. Bloggen heißt, sich auf andere einzulassen und sie zu referenzieren – andere Politiker, Blogger, Kommentierende. Eben: Gespräche. Rezept zum Nachkochen: Kein Blog-Beitrag ohne Link. Wo die Blogs gehostet sind, ist übrigens genauso zweitrangig wie ob sie Videoblogs, Podcasts oder [beliebiges Buzzword hier einsetzen] sind. (Der Auftritt in Second Life ist auch so eine Buzzword-Bingo-Aktion, ganz nebenbei, aber das ist ein anderes Thema.)

Fazit: Wer heute und in Zukunft politische Öffentlichkeitsarbeit betreibt, muss meines Erachtens selber bloggen und kommentieren. Blogger zum Parteitag einladen alleine reicht nicht. (Dieter sitzt neben mir und wirft ein: “Aber es ist ein Anfang.”)

PS. Alle meine Beiträge zum/vom Parteitag finden sich hier unter dem “Tag” övpparteitag07, die Beiträge aller Blogger finden sich auf Technorati.

PPS. Ein herzliches Danke an die Mädls und Jungs der kleinen Wiener Firma Merchzilla, die uns sehr kurzfristig mit T-Shirts ausstatteten, auf denen wir vor Ort als Blogger erkennbar waren! Auf meinem stand passenderweise “Ich blog’das”. Und Notiz für potentielle Nachfolger: Eigenen Keyholder mitnehmen, sonst ist man gleich Partei-gebrandet.


 

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9 Comments
#1178 Gerhard W. Loub, Leiter ÖVP-Webredaktion says on April 22, 2007 at 12:52 am
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Ja, natürlich schluckt man bei manchem kritischem Kommentar, aber das war ja zu erwarten. Wenn wir Journalisten auf den Parteitag einladen, können wir auch nicht erwarten, dass die nur Jubelmeldungen schreiben. Bringt ja auch wenig, wär nur unglaubwürdig. Ich persönlich find´s einfach toll, wie erfrischend und unkonventionell ihr gebloggt habt, das hat den ganzen Auftritt hier echt aufgelockert ;-)

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#1186 laurenz ennser says on April 22, 2007 at 12:01 pm
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hej!

mein feedback kommt hier:

http://laurenzennser.twoday.net/stories/3642681/

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#1195 Daniel Kapp says on April 22, 2007 at 8:17 pm
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wieso sollte man schlucken? politiker werden täglich kritisiert und sie kritisieren selbst andere… meistens steckt kein sachliches motiv dahinter, sondern einfach das ziel, den politischen gegner runter zu machen. dein fazit trifft übrigs absolut einen punkt: wir neigen immernoch zu einem verlautbarungs-marketing, wenn wir die blogosphäre ernst nehmen wollen, müssen wir auch selbst stärker eintauchen.

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#1206 Helge says on April 23, 2007 at 1:11 pm
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@daniel kapp:

ad: “meistens steckt kein sachliches motiv dahinter, sondern einfach das ziel, den politischen gegner runter zu machen”

der politiker, der jeden montag eine aussendung rausschickt (oder besser: einen blog-beitrag postet), in dem er aufzählt, welche vorschläge und kritikpunkte des politischen gegners aus der vorwoche er für valide oder diskutierenswert hält (und warum / was davon), wird sich in der von euch so vernachlässigten “bobo”-wählerschaft viele sympathien verdienen. (wobei ich zugebe, dass das für einen regierungspolitiker schwierig ist, weil er immer gleich erklären müsste, warum er das noch nicht umgesetzt hat.)

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#1387 Michi Mojzis says on May 2, 2007 at 11:15 pm
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Hi Helge! Sag, wie bzw. wann hast du eigentlich zu bloggen begonnen? Und zum politischen Blogging: was soll deiner Meinung nach ein politischer Blog leisten, damit er gut ist? Klingt jetzt etwas nach Nachhilfeunterrichtsanfrage, ist aber vor allem für mich kritisches Hinterfragen meines Blogging-Verständnisses. Und neugieriges, eh klar.

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#1401 Helge says on May 3, 2007 at 11:26 am
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hallo michi, ich blogge in der einen oder anderen form seit 1999 und so richtig seit 2004. siehe archiv. zur blogging-neugier haben mich in der letzten zeit fragen von mehreren politikern erreicht – wir könnten ja mal einen blogger-politiker-workshop dazu machen. müsste allerdings auch anderen fraktionen offenstehen. interesse?

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#1424 Michi Mojzis says on May 4, 2007 at 6:11 pm
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Klar – find ich super, so einen blogger-politiker-workshop. Natürlich auch mit anderen (ist ja spannender). Sag einfach, wenn ich was organisieren soll – oder einfach kommen.

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#1426 Helge says on May 4, 2007 at 9:46 pm
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na dann werde ich schauen, ob ich was auf die beine stellen kann.

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#1457 FranzKu says on May 6, 2007 at 8:18 pm
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Aus aktuellem Anlass: Welche Rolle Web 2.0 im französischen Wahlkampf gespielt hat, steht hier.

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