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Drogen 2.0

March 25, 2007

Wir, die Hypertextgeneration, sind geprägt von Paradigmenwechseln in Wirtschaft und Medien, und wir prägen diese. Hoffe ich zumindest. Wir sind angetreten, alles zu hinterfragen, auf Basis von statistisch ermittelten Erkenntnissen. Wisdom of the Crowds, Politik 2.0, Religion 2.0, you name it. Heute: Drogen 2.0.

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Britische Wissenschafter (unter anderen der streitbare Colin Blakemore) haben im altehrwürdigen Lancet ein Framework veröffentlicht, mit dem die Gefährlichkeit von Drogen ermittelt werden kann. Die Gefahren werden dabei in drei Gruppen geteilt: physische Schäden (wiederum geteilt in akute, chronische und durch intravenöse Anwendung verursachte Folgeschäden), Abhängigkeit (konkret: Stärke des ausgelösten Glücksgefühls, psychische Abhängigkeit, physische Abhängikeit) und soziale Schäden (konkret: Stärke der Berauschung, Gesundheitskosten, sonstige soziale Schäden).

Das spannende dabei: Die Wissenschafter haben das Framework in der Folge von britischen Drogenexperten auf 20 legale und illegale Substanzen anwenden lassen, von Heroin bis Tabak, und auf der Basis ein Ranking erstellt:

  • Kokain, das in Österreich (definiert in der Suchtmittel-Grenzmengenverordnung) gemeinsam mit Cannabis und Ecstasy als “weich” gilt, liegt auf Platz 2, nur geschlagen von Heroin.
  • Alkohol landet auf Platz 5, hinter Heroin, Kokain, Barbituraten und Methadon. In der Kategorie soziale Schäden landet Alkohol sogar auf Platz 2. Es schlägt Cannabis in jeder der neun Einzelwertungen. (Alkohol ist in Österreich theoretisch ab 16 legal erhältlich, praktisch erlebt jeder seinen ersten Vollrausch spätestens mit 14.)
  • Tabak landet auf Platz 9, noch weit vor Cannabis, LSD und Ecstasy. Besonders schwerwiegend: Chronische Schäden, psychische Abhängigkeit und Gesundheitskosten. (Tabak ist in Österreich ab 16 Jahren frei erhältlich, für das Rauchen in privater Umgebung gibt es keine Altersgrenze.)
  • Für mich ebenfalls überraschend: Cannabis (Platz 11) landet vor LSD (14) und Ecstasy (18). Letztere sind zwar akut gefährlicher, werden von Cannabis aber bei den chronischen Schäden geschlagen. Die physische Abhängigkeit ist bei allen dreien niedrig, bei LSD sogar fast null. In Summe vergleichsweise harmlose Substanzen.
  • LSD hat die “beste” Korrelation von Glücksgefühl (Platz 5) zu Gefährlichkeit (Gesamtplatz 14). Wer hat Erfahrungen damit?

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Was wäre Drogen 2.0? Ein Social Network, das sich zu Drogen-Flash-Mobs trifft und dabei den kollektiven Trip-Sitter spielt? Ein digitaler Marktplatz, wo der (hohe) Preis von Drogen im Crowdsourcing-Verfahren ermittelt wird? Eine Web-Applikation, in der jeder (auf Basis des obigen Frameworks) seine persönliche Gefährdungssituation errechnen kann, und deren Werte in der Folge zu einem Gesamtbild aggregiert werden?

(via science.orf.at)


 

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5 Comments
#563 Walter says on March 25, 2007 at 1:18 pm
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Der Vergleich wird wie vieles hinken aber ich wage einen Versuch.

Ich denke es ginge bei Drogen 2.0 weniger um die soziale Komponente oder die Art des Konsumierens, denn das wird ja sowieso gemacht – das Problem scheint eher die Beschaffung zu sein.

Ich glaube Drogen 2.0 müssten vor allem eines sein: Open Source. Erstens um die Machtstrukturen hinter staatlichen und/oder mafiösen Einrichtungen auszuhebeln (auch in Analogie zur Patentdiskussion im Softwarebereich) und zweitens um dem gewillten Drogenkonsumenten die Möglichkeit zu geben, dass er weiß, was er nimmt (z.b. im Fall von Ecstacy).

lgw

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#569 MasterOfDesaster says on March 26, 2007 at 10:36 am
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gnu drugs: also drogen vom chemie-/botanikfreak.

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#578 Besser LSD als Alkohol und Nikotin auf datenschmutz.net  says on March 26, 2007 at 7:51 pm
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[…] Denn das beste Verhältnis von Glücksgefühl zu Gefährlichkeit bietet Dr. Hofmanns Sorgenkind. Sagt nicht Timothy Leary, sondern eine aktuelle Studie von britischen Wissenschaftlern, die ein Framework zur Einschätzung verschiedener Drogen entwickelt haben. [via Helge Fahrnberger: Die Gefahren werden dabei in drei Gruppen geteilt: physische Schäden (wiederum geteilt in akute, chronische und durch intravenöse Anwendung verursachte Folgeschäden), Abhängigkeit (konkret: Stärke des ausgelösten Glücksgefühls, psychische Abhängigkeit, physische Abhängikeit) und soziale Schäden (konkret: Stärke der Berauschung, Gesundheitskosten, sonstige soziale Schäden). […]

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#620 Martin Röll says on March 28, 2007 at 12:30 pm
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Aldous Huxley hat mit LSD experimentiert. In “Brave New World” und “Island” beschreibt er Funktionen, die Drogen in einer Gesellschaft haben können. Er hat auch direkt über Drogen/LSD/Meskalin geschrieben (“The Doors of Perception”) – das habe ich aber nicht gelesen.

Eine andere unkonventionelle – oder eigentlich: superkonventionelle, rationale, ökonomische – Perspektive hat der ehrwürdige Economist (Juli 2001): “The case for legalisation”. (Damals die Titelstory und ein umfangreiches Dossier, wenn ich mich noch richtig erinnere. Sehr interessant.)

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#621 Helge says on March 28, 2007 at 1:34 pm
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an alle, die sich für den interessanten, von martin verlinkten economist-artikel interessieren, aber kein economist-abo haben: ich habe ihn. (natürlich wäre es illegal, ihn euch weiterzugeben..)

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