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führerlos in die wüste

January 6, 2000

am morgen in nouadibou, dem dreckskaff mit charme, immerhin das zweitgrößte in mauretanien: in unserer absteige namens sahara aufgewacht, gegähnt, und schon das erste problem. joe hat starke schmerzen im linken brustkorb, es ist nicht daran zu denken, dass er sich für mehrere tage in die wüste begibt. er fliegt zurück, per air mauretanie nach las palmas, von dort wird er schon nach europa kommen. joe, wenn du das jetzt liest: mietauto, nette spanierin und arzt (reihenfolge!) auf gran canaria sind besser als schnee und matsch in der leopoldstadt. damit er zu mittag trotz langer wartelisten in der maschine saß, wurde wieder amaya engagiert, ab nun nur noch “der checker” genannt. schmiergeld floss, zumindest hat er’s joe verrechnet.

joe hat starke schmerzen in der lunge und muss zurückfliegen

wir sind ab jetzt nur noch zu zweit und widmen den rest des vormittags den formalitäten (hat jemand gedacht, die einreise wäre mit der einreise abgeschlossen?): polizei, versicherung, nationalparkgebühr, geldwechsel. formalität ist in afrika ein synonym für warten: “le chéf n’est pas là” oder “venez plus tard, il y a trop de travail”. so manche haben’s in einem tag nicht geschafft und mussten eine zweite nacht bleiben. nicht so wir, wir hatten ja den checker. wie er’s gemacht hat, sagen wir nicht, wir wissen’s nicht. die dinge haben ihren lauf, der checker seinen preis. wie auch immer, wir waren von den hundert fahrzeugen des konvois als erstes raus. fast raus.

nouadibou liegt auf einer halbinsel und wenn man ins land will, muss man wieder an den grenzposten vorbei und die kontrollieren. und wie, jetzt haben sie ja zeit, statt hundert fahrzeugen nur zwei (die schweizer und wir). erster posten polizei. was die wollen ist klar: schmiergeld oder “cadeaux”. kontrolle des ganzen fahrzeuges. was ist unter der plane am dach? zelt, rucksäcke, medikamente. ich glaube dir nicht. schauen sie doch nach. puh, die sonne steht so hoch, da muss ich warten. (es ist 14 uhr.) gut, ich habe zeit. gib mir ein geschenk, dann glaube ich dir. geschenk? (ich stelle mich dumm, verstehe wieder mal bahnhof – polizist gibt auf.) er versucht’s noch mit dem internationalen führerschein, den ich nicht habe (und nicht brauche), hat aber wieder kein glück. halbe stunde – ging ja schneller als gedacht.

nächste station zoll. der zöllner kontrolliert mit ernster miene versicherung, zulassungsschein, devisenerklärung. in der devisenerklärung mussten wir den genauen betrag an fremdwährung angeben, den wir einführen. jetzt wird kontrolliert, ob die summe mit dem verbleibenden geld und den offiziellen wechselbestätigungen übereinstimmt. tut es, wir sind ja nicht blöd. er will trotzdem ein cadeau. kriegt er nicht.

dann das militär. der militarist will einen leeren wasserkanister. “mais monsieur!” ein böser blick, der militarist lässt ab. freie fahrt, nach einem kilometer wieder die polizei. diesmal haben sie’s auf die schweizer abgesehen, mit denen wir gemeinsam 500 kilometer fahrt durch die wüste wagen, ohne führer).

es geht los, wir sind ab jetzt im freien gelände und auf circa zwanzig GPS-punkte aus dem reiseführer “reise-know-how westafrika” angewiesen. wir fahren wie wild durch die dünen, denn wir haben sofort die hauptroute verloren und der erste GPS-punkt liegt noch 40km vor uns. noch ist der sand fahrbar, wir schalten allrad zu; luft ablassen ist noch nicht nötig (im sand soll man bis zu 75% reifenluft ablassen, um eine längere auflagefläche zu haben).

 endless miles through the stone desert um 17 uhr ist der nullpunkt gefunden, die strecke geht ab jetzt durch die steinwüste, zum teil mit großen verwerfungen, wir kommen nur langsam voran. bei einbruch der dunkelheit suchen wir uns einen schlafplatz im windschutz einer sicheldüne, der wind ist hier zwar schwächer, dafür voll sand.

die schweizer kochen auf, knorr-sachen wie wir, nur nicht gesponsort. dann ab ins zelt, die schweizer wollen morgen möglichst weit kommen, sie müssen am samstag in dakar sein. wer in afrika unter zeitdruck steht, hat schlechte karten.


 

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