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augen auf in nouakchott

January 8, 2000

eigentlich wollten wir ausschlafen, aber in der früh stehen auf einmal zwei holländer im zimmer, deren alten peugeot wir mal 700 kilometer weiter nördlich aus einem sandfeld gezogen haben. sie haben unseren landcruiser auf der straße stehen gesehen, mit eingeschlagenem seitenfenster.

1 eingeschlagenes seitenfenster und 1 erwischter dieb sind eine gute bilanz in einer berüchtigten stadt wie nouakchott..

der parkplatzwächter erzählt auch gleich ganz aufgeregt, er hätte den täter nicht mehr erwischt, aber es sei nichts gestohlen worden. na wenigstens. wir säubern gerade das auto von den splittern, schon kommen unsere ersten freunde, jeder will uns helfen, d.h. eigentlich geschäfte mit uns machen. der eine freund hat einen freund, der die besten holzfenster der stadt macht, der andere kennt wen, der uns was aus plexiglas machen kann. dann kommen zwei freunde, die haben ganz zufüllig ein landcruiser bj73 seitenfenster auf lager, 12000 uiguiya soll’s kosten. die sache hat einen haken, wir sollen gemeinsam hin fahren. die adresse wollen sie uns nicht geben, das sei ausserhalb der stadt und nicht angeschrieben, also zu schwer zu finden. darauf, die scheibe hier her zu bringen, wollen sie sich nicht einlassen. und wir nicht, mit den beiden freunden irgendwohin zu fahren, zu viele schlimme geschichten gibt es von dieser stadt. später warnt uns der hotel-portier vor den beiden, das seien halunken. ob die sache mit dem eingeschlagenen fenster eingefädelt war?

also eine holzscheibe, auf die originalscheibe würden wir hier ewigkeiten warten, ausserdem ist feiertag – heute wird das ende des rammadan gefeiert. in der nähe des großen marktes finden wir eine straße mit vielen handwerkern. der dritte verlangt nicht igendwelche phantasiesummen für ein stück 4mm – sperrholz, sondern so etwas wie den marktpreis. der kleine abdul, straßentischlerlehrling, geht auch gleich ans werk. in afrika gibt es übrigens viele berufe die mit “straßen” anfangen, straßenfriseur, straßenhändler, straßenschneider, straßenfotograf. nur straßenkehrer gibt es wenige. abdul denkt mit und baut uns eine doppelte holzscheibe mit schraubenverstärkung. aufgehen tut sie jetzt jedenfalls nicht mehr.

schnell wird unsere anwesenheit die attraktion der straße, es wird zusehens schwieriger, alle umstehenden im auge zu behalten. durch das noch offene holzfenster verschwindet plötzlich die tasche mit der digitalkamera, der dieb ist aber schnell erwischt, sonst gäb’s jetzt keine fotos mehr fürs internet. auf eine anzeige bei der polizei verzichten wir – wegen einem kleinen dieb begiebt man sich doch nicht ins hauptquartier der großen, oder?

da waschen wir schon lieber auto – höchste zeit, salz und sand von der gestrigen strandfahrt würden sonst innerhalb von wenigen tagen für die schönsten rostblüten sorgen. der waschanlagenbesitzer (waschanlage = wasserschlauch) nimmt sich einen platz erste reihe fußfrei, er hat wohl noch keine europäer gesehen, die ihr auto selber waschen. als wir fertig sind, ist das publikum schon recht zahlreich.

nach einer tour durch die riesigen slums der stadt – nouakchott hat mittlerweile über 600.000 einwohner, sicher zwei drittel davon wohnen in blech- und lehmhütten – suchen wir einen versperrten innenhof mit wachhund für den landcruiser, die hamburger sind wirklich gut in dieser stadt und dann ab ins bett.


 

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