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alles rot

January 13, 2000

geldwechsel, einreiseformalitäten und marktbummel dauern bis drei uhr nachmittags. die bank hat zwar zu, man wechselt uns trotzdem unsere französischen francs in CFA zum offiziellen kurs von eins zu hundert, ohne provision. CFA ist die gemeinsame scheinwährung der ehemals französischen kolonien in westfrika, und daher gibt es weder währungsrisiko noch bankprovisionen. D-mark und schilling sind zwar genauso scheinwährungen, so modern wie westafrika ist man in europa trotzdem nicht, die provisionen sind seit dem euro höher denn je.

eine wochenmarke der wiener verkehrsbetriebe als haftpflichtversicherung

zoll- und polizeiformalitäten laufen problemlos und entspannt, der polizeihäuptling kassiert die einreisegebühr zwar ohne quittung, aber in der allgemein üblichen höhe. man fragt uns nach unserer auto-versicherung, glaubt aber der beteuerung, wir hätten eine. haben wir nicht. diese ist teuer und hilft im falle eines unfalls genausowenig, zahlungen finden nicht statt. außerdem kriegt man die versicherung nur in bamako, die 450 kilometer nach bamako lässt man uns aber nicht ohne. also nehmen wir kurzerhand die (nur in europa gültige) grüne versicherungskarte, schreiben “mali, burkina faso” hinein und kleben eine wochenmarke der wiener verkehrsbetriebe als offizielle bestätigung dazu. zumindest der polizeiposten an der ortsausfahrt glaubt’s, die anderen kontrollposten wollen nur das “laisser passer touristique” (den passierschein für das auto) oder die pässe sehen.

wir merken große unterschiede zu mauretanien. die menschen, egal ob in behörden oder auf der straße sind freundlich, unaufdringlich und zu scherzen aufgelegt. zumindest hier in nioro, über bamako und mopti hört man auch anderes.

wir werfen uns auf die piste. die ersten 150 kilometer sind zum teil nur im schrittempo befahrbar, tiefe sandfelder und harte, buckelige abschnitte wechseln sich ab. die piste ist bestenfalls ein besserer eselspfad. anschließend kommt überraschenderweise eine breite, gut ausgebaute autobahn, nur ohne asphalt. wir fahren 100 km/h und immer noch stolze 80 als wir in die dunkelheit kommen. auf den letzten 150 kilometer bekommen wir allerdings sehnsucht nach dem eselspfad am anfang. hartes wellblech mit wellen bis zu 20 zentimetern höhe, die eigentlich mit mindestens 80 km/h überfahren werden müssten; schwellen und tiefe schlaglöcher zwingen uns jedoch, im schritttempo zu fahren. auf der ganzen strecke ziehen wir eine riesige staubwolke hinter uns her, leider dichtet die hecktür nicht und wir haben bald unvorstellbare mengen roten staubes im auto. alles ist von einer dicken schicht überzogen. die armaturen wollen regelmäßig geputzt werden um noch was ablesen zu können.

zu mitternacht sind wir trotzdem in bamako, zuerst müssen wir noch durch die berüchtigte polizeikontrolle 20 kilometer vor der stadteinfahrt. der polizist bemängelt glatt eine vom zöllner bei unserer einreise durchgestrichene und ausgebesserte passage im laisser passer. so könne er uns nicht weiterfahren lassen, das ist illegal, wir müssten das auto hier abstellen und zurück nach nioro. die argumente, das sei eindeutig die selbe handschrift und wir hätten doch gar kein interesse so etwas zu fälschen, gehen ins leere, der meister will eindeutig schmiergeld. “ich höre deine vorschläge…?” “was soll ich vorschlagen, ist ja nicht meine schuld, sondern die der autoritäten in diesem land.” so geht es einige zeit hin und her, am schluss bettelt er nur noch wie ein hund um irgendwelche “cadeaux”, ein t-shirt oder so. kriegt er nicht. die versicherung will er gottseidank nicht sehen.

in der millionenstadt bamako angekommen machen wir uns auf die suche nach einem namenlosen hotel mit folgender beschreibung, gegeben von ein paar französischen autoschiebern in nouakchott: “ihr fahrt über die alte brücke über den niger, dann rechts, das hotel ist nach ein paar kilometern in einer seitenstraße rechts. der besitzer ist holländer.” die wegbeschreibung passt auf mindestens drei dutzend hotels, den holländer scheint hier aber jeder zu kennen, das hotel hat doch einen namen, nämlich “les arbres” und so sitzen wir bald an der hotelbar und trinken ein kühles glas eines blonden, isotonischen getränks.


 

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