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Seit zwei Tagen kursiert auf Facebook und per Email ein Text der Seniorchefin des kleinen Verlag Ennsthaler, der am Stadtplatz meiner Heimatstadt Steyr eine Buchhandlung betreibt. In diesem Text wirft Frau Ennsthaler dem deutschen Buchhandlungsriesen Thalia (knapp 300 Filialen) höchst unsaubere Methoden vor:

thalia-vs-ennsthaler

Leider hat Thalia jetzt sein begehrliches Auge auf uns geworfen. Sie hätten einfach mehr Umsatz, wenn es unsere Buchhandlung nicht gäbe, wenn sie unseren Standort hätten. Sie haben uns vor einem Jahr ein Angebot gemacht, wir haben kurz überlegt und dann abgelehnt. (..) Der deutsche Geschäftsführer kam in unser Haus zu einem Vorstellungsbesuch, wie er sagte. Leider war dieser Besuch kein höflicher, wie wir dachten. Entweder wir verkaufen oder sie bestellen nichts mehr bei uns. Mein Mann hat ihn höflich aber bestimmt hinausgeworfen. (..)
 

Wir sind jetzt als Verlag und Auslieferung in den Computern von Thalia gesperrt. Als Kunde könnt Ihr keine Bücher mehr von uns bei Thalia kaufen. (..) Sie haben jetzt die Vorgehensweise verschärft, indem sie Keile zwischen uns und unseren Autoren treiben. Sie erklären unseren Autoren, wenn sie ihre Werke direkt an sie liefern, dann verkaufen sie die Bücher. Sie rufen die Verlage an und versuchen direkt zu bestellen, mit der Begründung, sie nehmen keine Bücher mehr von Ennsthaler an. Sie haben den Bücherpaketdienst angerufen und angewiesen, keine Bücher mehr zuzustellen, die von uns kommen. Sie zwingen also die Verlage, vertragsbrüchig zu werden und direkt zu liefern oder die Auslieferung zu wechseln. So sitzen wir ganz schön in der Zwickmühle.

Der Geschäftsführer von Ennsthaler hat mir die Echtheit des Textes bestätigt. Ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls braucht die Sache ganz dringend Öffentlichkeit, Konzerne dieser Größenordnung müssen öffentlich kontrolliert werden. Spread the word!

Genau das versucht Thalia offenbar zu verhindern: Zwei Blogs, die den Brief ebenfalls veröffentlicht hatten, haben ihn inzwischen offline genommen. Auf einem davon ist zu lesen: “Der Blogeintrag wurde aus aktuellem Anlass in seinem vollen Umfang vorübergehend vom Netz genommen.” (Anmerkung: Dieser Blogbeitrag hier ist medienrechtlich überprüft worden, und ich bin nicht bereit, beim ersten Gegenwind einzuknicken. Noch immer nicht.)

In Wolfgangs Blog ist der Brief noch vollständig zu lesen.

Auf Facebook hat die Thalia-Filiale Steyr eine Gegendarstellung (Link inzwischen offline, s.u.) veröffentlicht, in der sie die Vorwürfe zurückweist:

Zur Zeit wird in verschiedenen Quellen behauptet, dass Thalia die Fa. Ennsthaler aufgrund eines gescheiterten Kaufangebotes boykottieren würde. (..) Herr Ennsthaler hat im Mai die Lieferantenbeziehung zu Thalia abgebrochen, sucht nun mit äußerst fragwürdigen, kreditschädigenden Mitteln den Weg in die Öffentlichkeit. Wir können diesen Schritt nicht nachvollziehen und bedauern diese Entwicklung sehr. Thalia hat sich seit längerem bemüht, eine für beide Seiten positive Lösung zu finden, sowohl was die Lieferantenbeziehung, als auch, was den Standort in Steyr angeht. Im Zuge dessen wurden auch gemeinsame Überlegungen über eine Buchhandlung am Ennsthaler-Standort in Steyr angestellt, die jedoch über die Planungsphase nicht hinausgegangen sind. Es gab zu keinem Zeitpunkt ein Kaufangebot.

ennsthaler-stadtplatzTäusche ich mich, oder wird den Hauptvorwürfen in dieser Darstellung nicht explizit widersprochen? Ich habe Thalia auf ihrer zu diesem Zweck eingerichteten Facebook-Seite jedenfalls um Klarstellung gebeten (Link inzwischen offline, s.u.). Die Firma Thalia ist auch herzlich eingeladen, ihre Sicht der Dinge hier in den Kommentaren kund zu tun.

Thalia ist in Steyr bereits Marktführer, doch die Buchhandlung Ennsthaler hat die bessere Lage, mitten am Steyrer Stadtplatz (Foto rechtes Gebäude).

Update 26. Juni:

Update 28. Juni:

Update 28. Juni 18:00:

Die Agentur von Thalia hat mir eben per Email folgende Stellungnahme geschickt:

Aktualisierte Stellungnahme zu Thalia Steyr/Ennsthaler

Linz/Steyr, 28.6.2010

In verschiedenen Online-Quellen wird derzeit behauptet, dass Thalia die Fa. Ennsthaler boykottieren würde. Wir nehmen dazu wie folgt Stellung:

Die Fa. Ennsthaler betreibt einen Buchverlag und eine Buchhandlung in Steyr. Mit dem Buchverlag bestand eine langjährige Lieferantenbeziehung, die Herr Ennsthaler im April 2010 abgebrochen hatte.

In einem heute von Josef Pretzl, Geschäftsführer von Thalia Österreich, geführten Telefonat wurde dem Wunsch von Herrn Ennsthaler, die Geschäftsbeziehung zu Thalia wieder aufnehmen zu wollen, entsprochen. Es werden ab sofort von Thalia wieder Bestellungen erfolgen.

Herr Ennsthaler bestätigt die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen. Auch wenn Thalia darauf besteht, Ennsthaler nie boykottiert zu haben, habe ich den Eindruck, dass unser öffentlicher Druck hier geholfen hat. Gut wenn sich alle sich wieder lieb haben..

Update 29. Juni:

Update 4. August:

Spiegel Online berichtet über die Sache.


Ich muss zugeben, jetzt bin ich ein klein wenig stolz. Ich war dieses Jahr im Advisory Board des Prix Ars Electronica für die Kategorie Digital Communities und habe unter anderen das Projekt Map Kibera nominiert (siehe hier).

Und Map Kibera hat… Trommelwirbel.. einen Award of Distinction gewonnen! (Übrigens gemeinsam mit #unibrennt.) Das ist quasi die Silbermedaille. Der Hauptpreis, die Goldene Nica, geht an den Chaos Computer Club.

aec

Herzliche Gratulation an Mikel Maron und alle Mapper!

Das war mein Nominierungstext:

Map Kibera (http://mapkibera.org): Maps are highly political, especially in developing countries. It is not uncommon in African cities that quarters grown in an unplanned manner are being caterpillared from one day to another in order to erect new buldings, often leaving tens of thousands homeless. Maps make such quarters visible, they proof their existence and allow to ask questions when they are gone. Kibera, attached to Nairobi, Kenia, is a blank spot on the map, despite being Africa’s largest slum. The Map Kibera Project uses OpenStreetMap, volunteers from around the world and young locals trained in small internet cafés to change that. It is a wonderful example of how collective intelligence and bottom-up online collaboration can change the world on very concrete levels.


Dieser Kommentar von mir erscheint im nächsten Update-Magazin für Online-Marketing.

Als der 25jährige Mark Zuckerberg letzte Woche bei der Facebook-Developer-Konferenz auf die Bühne trat, in Jeans, Kapuzenpulli und Turnschuhen, kam er gleich zur Sache: Er kündigte neue Funktionen an, die uns alle betreffen könnten und einigen Kopfzerbrechen bereiten werden.

open-graphEinfach und mächtig ist etwa der neue Like-Button: Aufwandslos zu implementieren und für jeden Webanbieter aufgrund des zu erwartenden Traffics verlockend, kann er das Web nachhaltig verändern. Denn wenn einem Besucher ein Artikel Ihrer Site „gefällt“, wird das in seinen Nachrichtenstrom publiziert – was Ihnen neue Besucher bringt. Zusätzlich erhalten Sie Zugang zu reichen demografischen Auswertungen über die User, die Ihre Inhalte mögen und empfehlen.

Gleichzeitig „zerlegt“ Facebook mit neuen Schnittstellen, die jedem Websitebetreiber bessere und einfachere Tools der Totalintegration bieten, die Inhalte in ihre semantischen Bestandteile und verlinkt sie dauerhaft mit seinen Userprofilen.

Mit all dem wird Facebook über kurz oder lang nicht nur genauer als Twitter sagen können, welche Themen gerade „heiß“ sind, Facebook wird auch sehr viel mehr über Ihre User wissen als Sie – und vielleicht langfristig mehr über das Web als selbst Big Google.

Während die neuen Funktionen die Schwelle für Interaktion mit Ihrer Site extrem senken und Ihnen Zugriff auf die Freunde Ihrer User bieten, will Facebook so dem ganzen Web Aufmerksamkeit, demografische Daten und Werbebudgets entziehen.

Bislang waren Hyperlinks die Architektur des Webs: Suchmaschinen etwa bauen im wesentlichen darauf auf, wie Webseiten untereinander verbunden sind. Facebook arbeitet nun daran, die Verbindungen von Inhalten über Personen zu organisieren, und damit Hypertext als wichtigste Organisationsform des Webs abzulösen. Nicht mehr „Was linkt auf X“ sondern „Wer linkt auf X – und wie steht der zu mir“.

Der Ansatz ist nicht neu – im Grunde genommen entspricht er einer Vereinfachung des Semantischen Webs, das als Konzept so alt ist wie das Web selbst. Doch Facebook, bald eine halbe Milliarde aktiver Nutzer schwer, bringt den nötigen Hebel mit, um das auch auf die Straße zu bringen. Kleiner Schönheitsfehler: Ohne Konto beim Monopolisten geht: Nichts.

PS. Es mag widersprüchlich scheinen, wenn ich selbst bei Projekten wie Bikemap.net und Wlanmap.com voll auf Facebook Connect setze oder über diesem Artikel der Like-Button prangt. Aber das Gegenteil ist der Fall: Genau das macht diesen Facebook-Move ja so gefährlich: Die Funktionen sind echt nützlich.


Und wenn ich gerade dabei bin, hier die Top 10 Corporate Twitter-User des Landes (Firmen und NGOs), ebenfalls nach Geralds Erhebungsmethode:

 Weltweit   Österreich   Anteil   Gesamtrang 
1. Checkfelix 5.771 731 13% 28.
2. Knallgrau 3.124 650 21% 35.
3. Greenpeace 1.406 641 46% 37.
4. Reporter Ohne Grenzen 4.116 635 15% 38.
5. Attac 1.904 630 33% 40.
6. Digitalks 929 588 63% 46.
7. Österreich Werbung 2.654 585 22% 48.
8. Ärzte ohne Grenzen 2.587 491 19% 64.
9. BOB 1.131 463 41% 69.
10. Amadeus Awards 706 439 62% 77.

 

Es war ein bisschen schwierig “Corporate Accounts” abzugrenzen – ich habe mich letzten Endes für Unternehmen und NGOs (und gegen Parteien und Medien) entschieden. Interessant ist, dass m.W. drei dieser Accounts von ein und demselben Berater betrieben werden. Er dürfte seine Sache augenscheinlich recht gut machen. (Er möge sich eingeladen fühlen, sich in den Kommentaren zu outen und ein bisschen aus der Schule zu plaudern!)

Checkfelix und Knallgrau haben meines Erachtens recht verdient die ersten Plätze ergattert – beide Accounts werden authentisch und nützlich und von echten, angreifbaren Personen wie Heinz bei Checkfelix oder gleich vier aus dem Knallgrau-Führungsteam geführt. Der Österreich Werbung stünde eigentlich Platz 3 zu, denn wie die ersten beiden richtet sich diese ja bewusst auch an ausländische Zielgruppen – dementsprechend sind die 2.600 Follower doch recht beachtlich.

Wie sinnlos das pure Followersammeln ist, zeigt der Account des Mobilfunkdiscounters BOB (bzw seiner Promotionplattform BOBtivist). Nur 41% der Follower sind aus Österreich – ein Streuverlust von über der Hälfte. Gut, ein recht billiger Streuverlust. Wie’s man nicht twittert, zeigt der Verband der Musikindustrie mit dem Amadeus-Awards-Account. Inaktiv seit letztem Jahr, davor eher nur öde Broadcast-Tweets.


Falls es wer noch nicht gesehen hat: Gerald Bäck (der eben mit Judith Denkmayr die Agentur Digital Affairs gegründet hat) hat sich eine Methode überlegt, um den Einfluss von Twitter-Usern zu ermitteln, ohne durch die vielen Spamaccounts (meist außerhalb Österreichs beheimatet) ein verfälschtes Ergebnis zu bekommen. Er hat dafür einfach alle außerhalb des Landes lokalisierten Follower ausgeklammert und nur die österreichischen Followerzahlen gewertet.

Rausgekommen ist eine Rangliste, die auschließlich über den Einfluss hierzulande Auskunft gibt:

 Weltweit   Österreich   Anteil   Twittercharts.at 
1. Armin Wolf 11.373 5.203 46% 13.
2. Robert Misik 3.729 1.690 45% 39.
3. Martin Blumenau 2.629 1.478 56% 54.
4. Corinna Milborn 2.150 1.171 54% 67.
5. Georg Holzer 2.273 1.123 49% 62.
6. Helge Fahrnberger 1.771 1.110 63% 82.
7. Gerald Bäck 2.200 1.022 46% 64.
8. Christoph Chorherr 1.588 1.008 63% -
9. Judith Denkmayr 2.416 1.005 42% 60.
10. Dieter Bornemann 1.630 999 61% 87.
Plätze 11 bis 100..

 

Sechs Journalisten, zwei Blogger (Gerald und ich), ein Politiker (C. Chorherr) und eine reine Twitter-Userin (Judith). Kein Society-Gedöns à la Ashton Kutcher oder Britney Spears (die weltweit vorne liegen), aber auch keine Künstler, Regierungsmitglieder oder Sportler, die in den USA ebenfalls stark vertreten sind.

Kaum jemand von uns liegt übrigens in den (spamverseuchten) Twittercharts.at auch nur in den Top 50. Abgesehen davon dass ich mich natürlich über den 6. und ersten Nicht-Journalisten-Platz freue, überrascht mich, wie weit ich vorne liege. Meine gefühlte Reichweite (Retweets, Replies) ist doch eher gering, außerdem twittere ich selten/unregelmäßig, was auch nicht zu “Einfluss” führt. Prognose: In einem Jahr spielen wir normale Twitterati nicht mehr in der selben Liga wie die Celebrities. Von denen es auch weit mehr geben wird.

Spannend fände ich eine Weiterentwicklung des Algorithmus in Richtung einer Berücksichtigung der Reichweite eines Followers. Also eine gewichtete Zählung, à la PageRank. Das würde den Rechenaufwand allerdings vervielfachen, da eine solche Formel ja rekursiv wäre und sich die Werte erst nach einigen Iterationen stabilisieren würden.

Georg Holzer hat auf Digirati ein hörenswertes Interview mit Gerald zu diesem Thema geführt, in dem dieser auch verrät, wieviele Twitter-User es in Österreich in etwa gibt.


Ein (bewusst etwas großspuriger) Kommentar von mir, der im aktuellen Update-Magazin erschienen ist:

Vor zehn Jahren prophezeite man uns intelligente Assistenten, die das Netz nach für uns Interessantem durchforsten. Zeitungen würden obsolet, und auch die Startseiten unserer liebsten Online-Zeitungen müssten wir nicht mehr ansurfen – die Inhalte kämen zu uns, perfekt maßgeschneidert.

Während künstliche Intelligenz auf sich warten lässt, ist für mich diese Zeit dennoch längst angebrochen. Die letzten Zeitungsabos habe ich storniert, und auch online haben mich schon lang keine Frontpages mehr zu Gesicht bekommen.

Ein paar hundert Redakteure – zu einem Drittel persönliche Freunde und Kontakte, zu zwei Drittel einfach nur Menschen mit Fachkenntnis (und Humor) – sieben für mich rund um die Uhr das Netz nach Artikeln, Videos, Personen und Produkten, die für mich interessant sein könnten. Ich behaupte: Nichts für mich Wesentliches entgeht mir.

Glauben Sie alles nicht? Versuchen Sie’s doch selbst: Folgen Sie auf Twitter den Menschen, die über Themen schreiben, die für Sie relevant sind, beruflich und privat. Am besten so um die 250 Personen. Die klügsten Köpfe, die Sie finden können.

Jetzt lassen Sie sich von einem Aggregator alle Links, die diese posten, extrahieren und sauber auf einer Seite darstellen – komplett mit Gewichtung nach Häufigkeit der Empfehlung unter „Ihren“ Redakteuren, sowie auf Twitter und in Blogs gesamt. Fertig. Meine Tageszeitung etwa sehen Sie unter rivva.de/social/muesli (@muesli, das bin ich auf Twitter).

Selbst Ihr Facebook-Newsfeed kann diesen Zweck erfüllen – Sie brauchen nur die richtigen Freunde. Die Qualität Ihrer Tageszeitung steht und fällt mit den Menschen, denen Sie folgen. Die Jagd von Facebook, Google und Twitter nach Ihren Freunden ist nichts anderes als die Jagd nach Ihrer Aufmerksamkeit. Es geht um nicht weniger als um die Tageszeitung der Zukunft.

PS. Wie sehr die Frontpage der Zukunft in den Kinderschuhen steckt, zeigt die Tatsache, dass es im deutschen Sprachraum immer noch keine ernsthafte Konkurrenz zum ebenfalls recht kruden Angebot von Rivva zu geben scheint. Was besonders auffällt, wenn Rivva mal ein paar Tage down ist.

PPS. Illustration: Twitter-Userpics von Leuten, denen ich (im Moment) folge, zufällig ausgewählt


Johannes Bauer hat in seinem Blog seine schlechten Erfahrungen mit seinem Netzbetreiber A1 dokumentiert. Nachdem das Ganze eine kurze Runde in Twitter machte, antwortete wenige Stunden später der Pressesprecher der Mobilkom per Kommentar: “Bitte melden Sie sich bei mir und wir finden eine Lösung!”

Offenbar kein leeres Versprechen, denn Johannes gab noch am selben Tag Entwarnung:

mobilkom-reagiert

Umgekehrt ist diese Horrorgeschichte mit T-Mobile in meinem Blog nun bald 4 Jahre gänzlich ohne Reaktion. Stattdessen sammelten sich in den Kommentaren einige weitere Horrorgeschichten.

Und da die Story seit Anfang an bei Google an erster Stelle steht, wenn man nach dem Kundenservice von T-Mobile Österreich sucht – noch vor T-Mobile selbst, findet die Geschichte jeden Tag ihre aufs neue Leser – inzwischen waren es viele tausend.

google-SERP-tmobile

(Wenn man “Österreich” weglässt, ist der Artikel übrigens an zweiter Stelle.) Wie damals mein Fazit:

Da baut ein Unternehmen mit teuren Printanzeigen, Kino- und TV-Spots und blonden Schönheiten in der Fußgängerzone mühsam an ihrer Marke – und auf Prozessebene und im Customer Care machen sie alles wieder kaputt. Noone cares.

Das dafür konsequent und über Jahre.


Die stolzen Offliners

Im März 2008 präsentierte unsere Bundesregierung die “Österreichische Internet-Offensive”, einen “nationalen Schulterschluss” um uns “unter den führenden IKT-Nationen zu positionieren”. Artig posierten die Internetausdrucker mit dem Proto-Symbol ihres Offline-Seins, dem USB-Stick.

Bis Herbst 2008 wollte man das Abschlussdokument präsentieren – heute, im Frühjahr 2010, ist es so weit. Gut Ding braucht Weile:

In einem einzigartigen Schulterschluss haben 400 ExpertInnen, rund 170 Unternehmen und Organisationen sowie mehr als 35 Vorstände und Geschäftsführer führender Unternehmen an der Deklaration mitgearbeitet. Zahlreiche Maßnahmenvorschläge wurden eingereicht und in den Arbeitskreisen diskutiert, priorisiert und bewertet. (Quelle)

Na bumm, da 400 Experten zwei Jahre lang nachgedacht, das muss ein Meisterwerk sein. Aus diesem geht hervor, dass die Maßnahmen “bis 4. Juli 2008″ erarbeitet wurden. Ich halte fest: Bald zwei Jahre alte Maßnahmen sollen uns jetzt an die Weltspitze katapultieren.

Die “konkreten” Maßnahmen (Liste, Details) sind zum Teil schwammig-unkonkret, zum Teil von Selbstüberschätzung und Realitätsferne getragen (“Qualitätsrichtlinien für Websites herausgeben”) und zum Teil unfreiwillig lustig (“Gesundheit: Werbeverkaufsfahrt für Internet zu den Vereinen und zu den Organisationen, in der die Zielgruppen verkehren”).

Es gibt aber auch ein paar vielversprechende, z.T. sogar konkrete Maßnahmen:

Vor allem im Bildungsbereich stehen da viele sinnvolle Dinge drin. Andere Bereiche bleiben unklar: Zur Verbesserung der Breitbandversorgung ist nur Nebensächliches wie Informationskampagnen, verbilligte Sozialpakete und Internet-Terminals in Büchereien zu finden. Der einzige Hinweis auf Open Data findet sich in einem wenig konkreten Halbsatz à la “Zugang zu nicht genützten öffentlichen Inhalten”. Und so weiter.

Wie das formulierte Ziel, Österreich “in den nächsten fünf Jahren unter die Top Drei des Network Readiness Index (World Economic Forum) in Europa zu bringen”, erreicht werden soll, bleibt ebenso schleierhaft wie warum das zwei Jahre gedauert hat. Jetzt soll auch noch ein “Kompetenzzentrum Internetgesellschaft” gegründet werden. Ich befürchte, das produziert auch heiße Luft. Das heißt – in zwei Jahren dann.

(Danke an Hans-Peter Lehofer für den Hinweis.)

In einem Wort: Kobuk

February 5, 2010  

Ab Sommersemester mache ich etwas für mich komplett Neues (und Aufregendes!): ich unterrichte. Ich halte eine Übung am Publizistikinstitut der Uni Wien zum Thema “Online-Journalismus”. Und dabei vor allem das “Online”. Dialog statt Monolog, Auffindbarkeit, Hypertext, Umgang mit Quellen, Umgang mit Multimedia, eventuell noch so Themen wie Liveblogging. Worüber ich mich besonders freue: Luca wird der Tutor der Lehrveranstaltung.

Folgendes habe ich mir überlegt: Wir werden gemeinsam ein Online-Magazin zum Thema Medienkritik schreiben, quasi ein Watchblog. Der Name: Kobuk.at. Kobuk hieß der berühmte Eskimodichter, den am 3. Juli 1951 am Westbahnhof eine Schar Reporter und Fotografen in Empfang nahmen. Im Vorfeld waren in den Wiener Tageszeitungen Notizen über dessen Wienbesuch erschienen. Doch ausstieg – im Pelzmantel – Helmut Qualtinger, der die Zeitungen mit gefakten Einladungen reingelegt hatte. Berühmter Ausspruch auf die Frage eines Reporters, der ihn nicht erkannt hatte, wie ihm Wien gefiele: “Haaß is”. Ganz im Sinne Qualtingers soll Kobuk medienkritisch aber auch unterhaltsam sein. Zusätzlich zu den etwa 25 Studenten wird es noch Gastautoren geben – Lena und Isabella haben schon Interesse angemeldet.

Jetzt brauche ich eure Hilfe: Das Logo, das ich gebastelt habe, ist schlecht. Mag wer ein besseres basteln? Ideal wäre ein Trick, der den Namen leichter merkbar macht, denn Kobuk/Kubok/Kobak ist leicht zu verwechseln. Mir fiel bislang nur ein grafisches Spiel mit K.O. am Anfang oder ein britisches Einfärben von UK am Ende ein – nicht sehr überzeugend..

Hier zwei Entwürfe von mir, beide nicht das Gelbe vom Ei. Beim zweiten habe ich versucht, einen Letterpress-Effekt zu verwenden, der thematisch ganz gut passen würde.

kobuk-logo-schwarz
 

kobuk-logo2

Wer mag?

Übrigens: Es gibt natürlich auch schon eine Facebook-Page.

Update: Mandý Röver hat einen Entwurf gemacht:

mandy-kobuk


lolcat-ipad

Das neue iPad hat:

Das iPhone hatte das meiste davon auch nicht, konnte nicht mal Copy&Paste, und hat sich Millionen Mal verkauft. Ich hab selber eins. Das iPad wird also eindeutig ein Megaseller.

Common misspellings: Farnberger, Fahrenberger, Farenberger, Fahnberger, Fahrnleitner, Fahrngruber, Fahrnberg.
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